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Thema:

Daytrading - Erwartung und Realität

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Autor: Peter
Mitglied seit: 07.06.2004
Beiträge: 546
Themen: 116
Daytrading - Erwartung und Realität
fortgeführt aus: http://www.futuresboard.de/wbb2/thread.php?threadid=64&sid=

Themenstarter: winwalker:

Winwalker schrieb:

Seid mir gegrüßt

Wir Trader sind in einem nicht aufzulösendem Widerspruch gefangen : Wenn wir die Märkte traden , sollen wir IMMER rational sein , ohne störende Gefühle handeln , immer und allen unseren Signalen folgen , nie zögern , nie Angst haben , nie euphorisch sein , nie apathisch sein , eigentlich nie Mensch sein dürfen . Wir sollten demnach jeden Tag absolut gleich gut sein , absolut gleich konsequent , absolut gleich diszipliniert .

Weil wir aber Menschen sind , handeln wir jeden Tag anders , fühlen wir jeden Tag anders , sehen Dinge heute anders als gestern . Handeln ist demnach unmenschlich . Wir können die von uns tag-täglich geforderte Gleichheit einfach nicht an den Tag legen - zu mal sich paradoxerweis tag-täglich die Marktmuster ändern ! Unsere Natur in uns drinnen ist von Wandel beseelt , wellenförmig , zick-zack oder gestrichelt - aber nicht geradlinig wie wir unser Verhalten dem Markt gegenüber immer auszuformen versuchen .

Desweiteren wollen wir einfach nicht glauben , was wir auf unseren Monitoren sehen - unser Intellekt steht uns klar im Wege :
- Aber hier müßte doch jetzt endlich ein Widerstand sein
- Tiefer kann es einfach nicht gehen
- Nach diesem Gap kann der Kurs nur fallen
- So , diese 100 Punkte nehme ich jetzt mit - abends wären es 180 gewesen
- Na , die 50 Eier gegen mich sitz´ich doch auf einer Backe aus , es kann nur noch andersrum kommen usw. , usw. , usw. .

Die Erkenntnis für mich ist , daß Trading oder das Handeln im Sekundenbereich wie auf Wochen- und Monatsfrist für 95% der Menschen nichts ist - es läuft ihrem innersten Menschsein 100%ig zuwider . Sie müßten fast alles an sich/in sich ändern , was gerade sie als unverwechselbaren Menschen ausmacht , eben von anderen unterscheidet .

Als weiteres nicht überwindbares Übel kommt unsere Voreingenommenheit ins Spiel , mag sie nun aus intellektuellen Quellen entspringen oder aus "primitiven" Situationsreflexen , die uns im Nachhinein immer auf nicht zu erklärende Weise hemmen und lähmen - oder im Übereifer genau das Falsche tun lassen .

Diese zwei menschlichen Verhaltensweisen halten uns wahrhaft dauer- wie auch massenhaft vom Erfolg an den Märkten ab - egal , ob ein jemand im Sekundenbereich nach Futures hinterher jagt - oder auf Jahresfrist mit Aktien sein Glück versuchen will . Wir Menschen sind innerlich so gebaut , daß wir jeden Tag Launen haben - gute , schlechte , Gefühle , verliebt sind , schmerzlich zutiefst verletzt sein können -
und da sollen wir Tag für Tag gleich diszipliniert , gleich rational , gleich launenlos handeln -?-
und das an Märkten , die uns jede Stunde aber mit Extremlaunen quälen -?-
und das noch obendrein , wo wir alles auf dem Monitor Gesehene zweifelnd , zögernd , euphorisierend fehlinterpretieren . . .

Ich sehe für dieses Dilemma keinen Ausweg , ob mit Atemübungen , mit englischen oder amerikanischen Wortschöpfungen - sie verschleiern nur unser Menschsein auf diesem Gebiet . Blaue Augen können wir nicht wegtherapieren , schwarze Haare und die Körpergröße auch nicht .
Auf einem anderen Gebiete , wo mein Leben dranhing , und nicht nur diese paar popligen Märker , habe ich tagein -tagaus dieselbe Aufmerksamkeit , Disziplin und Konzentration folgen lassen : Beim Drachenfliegen am Tegelberg bei Füssen über Schloß Neuschwanstein-Schwangau . Obwohl das Leben dranhing , mein Leben , ist mir nicht ein Fehler unterlaufen , der die gleiche Schwere der vielen Mißgriffe meines früheren Tradens gehabt hätte . Für mich ist Traden im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich - darum hasse ich es abgrund tief . Beim Selberhandeln lief es vielen meiner Gefühle 100%ig zuwider .

Darum gebe ich es weg - keine optischen Täuschungen mehr , innerlichen Selbstzerfleischungen - und ob ich nun davor hocke oder etwas anderes mache , ist dem Kurs völlig piepenhagen . Wir sehen es ja immer wieder - immer wenn wir "irgendwie" verhindert sind , gibt es unglaublich starke Bewegungen - aber wir hätten es ja auch beim Davorhocken sowieso nicht geblaubt !!!

ad winwalker
geschrieben am 07.05.2005 - 11:42 Nach oben
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