von Detlef Wormstall
Wie gehen die meisten Trader mit ihrer neuen Berufung um? Was für Gedanken spielen eine Rolle? Welche Dinge werden geplant und welche Dinge werden völlig übersehen?
Bei der Durchsicht der verschiedenen Foren und Chatboards im Internet fällt auf, dass unzählig viele kreative Ideen geboren werden. Es ist häufig über interessante Strategien zu lesen und über neue Entwicklungen die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet werden. All diese Ideen münden jedoch in immer wieder dem gleichen Punkt. Die Suche nach der richtigen Aktie oder dem richtigen Future. Und damit der Suche nach dem richtigen Einstiegspunkt. Die ganze kreative Kraft der Spekulanten, Investoren und Trader bündelt sich in der einen Idee, den richtigen Entry zu finden. Der Trader will die Bewegungsrichtung der Aktie und damit des Marktes vorhersagen, er will den Markt kontrollieren.
Dieses Verhalten ist unter nahezu allen Tradern am Anfang ihrer Tradingkarriere weit verbreitet. Es wird versucht, die Richtung des Marktes vorherzusagen. Viele technische und fundamentale Faktoren werden untersucht und dienen als Grundlage für die eigene Analyse und die darauf aufzubauende Strategie. Wenn die Position dann eröffnet wird, hat der Trader den eigentlichen Trend schon vorherbestimmt.
Das bedeutet, er ist von Beginn an emotional geprägt, er hat sich mental längst festgelegt, und nun muss sich eigentlich nur noch die Position in die von IHM vorher festgelegte Richtung bewegen. Wenn das nicht passiert, dann müsste sich der Trader eingestehen, dass seine Analyse falsch gewesen ist und er müsste die Position glattstellen. In vielen Fällen erfolgt das jedoch nicht. Vielmehr beginnt bei einer contra Trader laufenden Position das Prinzip Hoffnung einzusetzen. Da die Position nicht den gewünschten Gewinn bringt, versucht der Trader sie nun so lange zu halten, bis sie tatsächlich wieder im Gewinn ist. Offensichtlich ist es psychologisch schwieriger, sich die falsche Analyse einzugestehen und die Position glattzustellen, als dagegen eine in einer Verlustzone befindliche Position zu halten, und eventuell immer größer werdende Verluste hinzunehmen.
So oder ähnlich verlaufen viele Gedanken und auch tatsächliche Transaktionen eines am Beginn seiner Karriere stehenden Traders. Interessanterweise zeigt die Mehrzahl aller Fälle dann auch tatsächlich die oben beschriebenen Verhaltensmuster. Die Erfahrung, damit einen Verlust gemacht zu haben, sollte in der Folge jedoch solche Fehler vermeiden helfen. Aber selbst wenn erfahrene Trader als Coach ihr Wissen an die Anfänger weitergeben, wird dieses Wissen nur selten diszipliniert genutzt. Fehler sollen wohl selbst gemacht werden.
Leider hat das meistens verheerende Folgen für die eigene Tradingperformance. Sehen wir uns dazu mal eine Verlustsituation etwas genauer an:
Dazu ziehen wir einen Vergleich zwischen möglichen Verlusten und den benötigten Gewinnen, um nur den Break Even Punkt wieder zu erreichen. Wir begrenzen das theoretische Konto auf das am Anfang vorhandene Kapital. Es wird also von außen kein Kapital nachgeschossen. Wenn der Trader nun mit einem solchen Konto einen Verlust in Höhe von 10% erwirtschaftet, dann benötiget er 11,1 Prozent um den ursprünglichen Betrag wieder zu erreichen. Bei diesen Zahlen gibt es noch keine großen Unterschiede. Es muss etwas mehr Gewinn gemacht werden als Verlust aufgetreten ist. Das ist i. d. R. noch möglich.
Beträgt der Verlust hingegen 25 Prozent, dann sind schon 33,3 Prozent nötig um den ursprünglichen Betrag wieder zu erreichen. Hier ist die Kluft schon wesentlich größer. Um an diesem Punkt wieder auf das Ausgangskapital zu gelangen, muss schon ein Drittel des vorhandenen Kapitals gewonnen werden. Dazu muss der Trader sehr viel disziplinierter vorgehen als das die Meisten am Anfang ihrer Karriere können. Aber gehen wir ein paar Schritte weiter.
Wenn 30 Prozent des Kapitals verloren wird, dann benötigen man einen Gewinn in Höhe von 42,9 Prozent, nur um den Ausgangszustand wiederherzustellen.
Bei 40 Prozent sind es schon 66,7 Prozent die Sie wieder hereinholen müssen. Hier machen die nötigen Gewinne schon mehr als die Hälfte des vorhandenen Kapitals aus.
Und wenn Sie 50 Prozent ihres Ausgangskapitals verlieren dann sind Sie bei 100 Prozent erforderlichem Gewinn angelangt. An dieser Stelle müssen Sie also ihr noch vorhandenes Kapital verdoppeln um nur den Ausgangszustand wiederherzustellen. Gerade am Anfang einer Tradingkarriere stellt das ein unüberwindbares Hindernis dar. Da der Trader immer noch damit beschäftigt ist, sehr viele Dinge zu lernen und sich mit unbekannten Dingen auseinanderzusetzen, wird in dem komplexen Tradinggeschäft eine Verdoppelung des vorhandenen Kapitals in den meisten Fällen unmöglich sein.
Das Ziel eines jeden Trader muss es also sein, besonders am Anfang der Karriere, das vorhandene Kapital so gut es eben geht zu schützen. Es muss also die Maxime gelten, keinen Verlust zu machen. Da das beim traden unmöglich ist wie wir eingangs festgestellt haben, muss der Verlust so klein wie möglich gehalten werden. Das Ziel solle es also sein, nicht die Gewinne zu maximieren, sondern vielmehr die Verluste zu minimieren. Wenn der Verlust klein gehalten werden kann, dann werden sich Gewinne automatisch einstellen.
Fazit
Um wirklich kontinuierlich erfolgreich agieren zu können, sollten die Verluste minimiert werden. Der beste Weg dahin ist neben dem Fachwissen das Erstellen eines sinnvollen Tradingplanes, der auch diszipliniert durchgeführt werden kann.
Disziplin und Geduld gehören zu jedem erfolgreichen Trader, unabhängig davon, welchen Markt er handelt.
Detlef Wormstall
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