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Kapitel 5 - Infomationsgewinnung Teil 3


Einer der wichtigsten Aspekte bei der Informationsgewinnung ist die richtige Einordnung und Interpretation der gewonnenen Informationen. Welche Info hat man bekommen und wie wichtig ist diese Information? Ist es eine wirkliche Nachricht, die die Aktie tatsächlich bewegen kann oder hat man sich nur Grundrauschen angesehen, das allenfalls dazu reicht, den Kurs kurzzeitig mal zittern zu lassen oder völlig übergangen wird?

Gerade am Anfang geht der angehende Trader mit den gewonnenen Informationen oftmals falsch um und interpretiert Wichtiges in völlig belanglose Nachrichten hinein, oder erkennt nicht, wo die wirkliche Information gesucht werden muss.
Immer wieder steht am Anfang die Suche nach dem richtigen Einstieg und damit der Kusvorhersage des Wertes, den man handeln möchte. Die ganze Analysearbeit zielt nur auf diesen Punkt, eine Kursvorhersage zu treffen.
Und natürlich zieht sich das wie ein roter Faden durch die ganze Aufbauarbeit des Traders hindurch. Martin beispielsweise hat in unserem ersten Artikel über seine Ausbildung einige Webseiten aufgelistet, die ihm bei der Suche nach marktrelevanten Informationen weiterhelfen. Er hat jedoch im Zuge der bisherigen Ausbildung auch festgestellt, dass die Nachrichten alleine durchaus nicht ausreichen, um wirklich kontinuierlich Gewinne zu erzielen, weil noch sehr viel andere Aspekte Einfluss darauf haben, wann man Gewinn macht und wie viel. Und ob man überhaupt Gewinn oder vielleicht sogar Verlust macht. Leider lassen sich mit Kursvorhersagen alleine jedoch keine kontinuierlichen Gewinne erzielen, denn den Kurs in 100% der Fälle richtig vorhersagen kann schlichtweg niemand. Sieht man sich hingegen die Vorgehensweise sehr erfolgreicher Trader an, stellt man schnell fest, dass diese eine andere Methode entwickelt haben, kontinuierlich erfolgreich Gewinne am Markt zu erzielen. Sie kontrollieren die Dinge, die sie kontrollieren können. Zum Beispiel die Verluste, die sie sich in einem Trade erlauben, denn die können - vorausgesetzt, man hat schnelle Direktzugangssysteme - vom Trader kontrolliert werden. Weiterhin werden die Gewinne kontrolliert und nach vorher festgelegten Kriterien auch realisiert und nicht ausschließlich als Buchgewinne im Depot verbucht. Sie alle haben also ein hervorragend funktionierendes Moneymanagement.

Für diese Gruppe Trader stellt die Informationsgewinnung am Markt demnach lediglich ein Mittel dar, ihre Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen, sie dient aber nicht dazu, ausschließlich über diese Informationsgewinnung Gewinne zu erzielen.

Eine andere Art der Informationsgewinnung ist da schon sehr viel wichtiger, nämlich die ständige Verbesserung des Wissensstandes des Traders über das Risiko- und Moneymanagement.

Hier mal ein Beispiel falsch verstandener Informationsgewinnung. In vielen Nachrichten und kurzen Texten zum Marktumfeld wird oftmals von Kaufdruck oder Verkaufsdruck gesprochen und der Trader positioniert sich entsprechend der Aussage. Nur, was bedeutet denn eigentlich Kaufdruck? Wenn man das fragt, bekommt man häufig zur Antwort, dass in einem solchen Fall mehr Käufer als Verkäufer auftreten. Das ist jedoch nicht möglich. Wechseln bei einer Transaktion 100 Aktien den Besitzer, dann hat es einen Verkäufer und einen Käufer gegeben. Das gilt für jeden Trade, der gemacht wird. Es gibt immer einen Verkäufer, der die Aktien abgibt und einen Käufer, der die Aktien kauft. Wie sollen also mehr Käufer als Verkäufer am Markt auftreten.

Die Aussage trifft also nicht ganz die Wahrheit. Es soll vielmehr ausgedrückt werden, dass im Falle eines erhöhten Kaufdruckes die Verkäufer sich zurücklehnen, immer höhere Kurse verlangen, während die Käufer bereit sind, diese künstlich erhöhten Preise zu bezahlen. Die Käufer sind bereit, auch höhere Kurse zu bezahlen, sie "wollen" die Aktien unbedingt kaufen. Man muss eine solche Nachricht also erst einmal richtig interpretieren, erst dann wird die Information wirklich wertvoll und man kann den gewünschten Nutzen daraus ziehen.

Die Interpretation von Nachrichten und Informationsbruchstücken ist aber alles andere als einfach und jeder, der sich damit beschäftigt sollte sich zumindest zu Beginn jemanden suchen, der Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringt und die eigenen Methoden verbessern hilft. Alleingelassen verliert man zu schnell den Überblick und kann nicht mehr trennen zwischen wichtig und unwichtig. Und das führt allzu oft in den Verlust. Solche Verlustsituationen sind aber durchaus vermeidbar.

Informationsgewinnung

Im letzten Artikel haben wir uns mit Nachrichten auf http://www.briefing.com beschäftigt und festgestellt, dass die Interpretation für den Anfänger äußerst schwierig ist. Dies kann man ein paar Wochen später immer noch so stehen lassen. Große Fortschritte lassen sich bisher in diesem Bereich nicht feststellen. Zwar scheint es einfacher zu werden, unwichtige Meldungen schneller herauszufiltern, jedoch die wirklich interessanten Nachrichten von dem Rest zu unterscheiden gestaltet sich immer noch als sehr mühsam. Zum Beispiel steigt die Aktie einer Firma, die eine Verkaufsgenehmigung für ihr Produkt erhalten hat mit der Publikation dieser Nachricht merklich an, falls der Markt dieser Richtung freundlich gestimmt ist. Die selbe Nachricht in einem sich entgegengesetzt bewegenden Markt bewirkt jedoch keine nennenswerte Reaktion des Kurses. Was hier sehr einfach und logisch klingt ist nur ein Beispiel von vielen, bei welchen man in der Praxis erst die treibenden Kräfte die dahinter stecken realisieren muss, um ans Ziel zu gelangen. Nichts desto Trotz sind kleine Erfolge inzwischen erzielbar, und es können tatsächlich Aktien gefunden werden, die man traden kann und aus denen man auch Profit schlagen kann. Definitiv steckt sehr viel Arbeit und Zeit dahinter, um auf einen Erfahrungsstand zu kommen, der einem die richtige und vor allen Dingen zeitgemäße Interpretation ermöglicht. Dies lässt einen vagen Rückschluss ziehen auf die Dauer einer Ausbildung, bei der man von einem sehr geringen Hintergrundwissen auf einen Stand kommt, auf dem man ansatzweise Verständnis über die Materie erlangt hat. Literatur und einige gute Tipps reichen leider nicht aus. Ich kann nur empfehlen, mit der Expertise von jemanden an die Sache heran zu gehen, der schon entsprechend Erfahrung gesammelt hat und einem über die Schulter schauen kann.

Map of the Market
Im Zuge der Informationsgewinnung ist mir eine weitere Internetseite mit einer sehr praktischen Funktion aufgefallen, http://www.smartmoney.com. Im Menü unter "MAPS" - "Map of the Market" lässt sich eine Übersichtskarte laden, die den aktuellen Markt, nach Sektoren geordnet abbildet. Durch farbliche Kodierung zeigt sie, ob Aktien gestiegen (grün) oder gefallen (rot) sind, und bildet so in der Gesamtheit des Farbmusters einen sehr einfachen und schnellen Überblick über die aktuelle Stimmung. Durch die automatische Aktualisierung alle 15 Minuten lässt sich auch ein allgemeiner Stimmungsumschwung mit einem Blick erkennen. Einzelne Sektoren können vergrößert werden, wodurch detailliertere Informationen, wie zum Beispiel das Symbol, der "last sale", etc. sichtbar werden. Diese Informationen werden allerdings auch angezeigt, wenn man den Mauszeiger über die Felder bewegt. Durch klicken auf eines der Felder kann man mit Hilfe eines Kontextmenüs Kursdiagramme, Nachrichten und viele weitere Informationen über die Aktie abrufen.

Papertrading
Das mit Echtzeitdaten vom Vortag gespeiste Simulationsprogramm von Cybertrader habe ich wegen fehlender Aktualität der Daten beiseite gelegt. Durch die Kenntnis der Nachrichten, die für die gehandelten Kurse in der Zukunft liegen, ist es nicht möglich, unvoreingenommen an einen Trade heranzugehen. Trotzdem gehe ich weiterhin dem sogenannten Papertrading nach, was nichts anderes bedeutet als Trockenübungen auf dem Papier zu machen. Natürlich geschieht das im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht mehr mit Papier und Bleistift sondern am Computer. Ein sehr nützliches Tool hierzu ist ein Portfolio. Darin kann man festhalten, welche Aktie man zu welchem Preis gekauft hat und es errechnet fortlaufend den Gewinn oder Verlust in Geldeinheiten und Prozent. Zusätzlich kann man auch Kommissionen angeben, die automatisch mit eingerechnet werden und das Ergebnis realistischer darstellen. Wer auf kostenpflichtige Softwareprodukte verzichten möchte, kann dies auf diversen Internetseiten wie zum Beispiel cbs.marketwatch.com oder www.smartmoney.com tun. Hierbei ist allerdings zu erwähnen, dass diese Daten nicht wie bei den kostenpflichtigen Services in Echtzeit, sondern mit einer 20-minütigen Verzögerung berechnet werden. Für die Anforderungen des Papertradens und um den Umgang mit einem festgelegten Kapitaleinsatz zu üben, ist es ein hervorragendes Tool.
Eine weitere Hilfe bieten Kursdiagramme, die den vergangenen Verlauf der Aktie grafisch darstellen. Die Seite cbs.marketwatch.com bietet dies in einer relativ komfortablen Art. Man findet die Charts im Menü unter "Research & Tools" und dann unter dem Punkt "Interactive Charting". Nachdem man das gewünschte Symbol eingegeben hat, erscheint der Chart. Wechselt man nun im linken Menü auf die Registrierkarte "Advanced", so stehen einem viele Optionen in Auswahlmenüs zur Verfügung, die beim Markieren umgehend in dem Chart angezeigt werden. Neben verschiedenen Zeitintervallen kann man sich zum Vergleich mehrere Symbole gleichzeitig anzeigen lassen, Indizes darüber legen und weitere Indikatoren in zusätzlichen Diagrammen anzeigen. Auch hier sollte man die zeitliche Verzögerung der Daten durch den kostenlosen Service nicht vergessen.

Erkenntnisse
Was mir bei dem Auswählen der Aktien auffiel, war folgendes. Egal nach welchen Kriterien man Aktien aussucht, den Kurs kann man leider nicht vorhersagen. Es besteht immer die Möglichkeit, dass sich die Aktie in jede Richtung bewegt, soviel habe ich inzwischen erkannt. Das Erfolgsrezept muss also ein anderes sein. Als ich am Anfang mit der Simulationssoftware von Cybertrader handelte, habe ich mir Aktien auf Grund des Kursverlaufs ausgesucht. Mit diesen hab ich dann Positionen eröffnet. Sind diese Positionen gegen mich gelaufen hab ich schnell die Positionen geschlossen, zum Teil mit einem vorher festgelegten Stop Loss. Dies war sehr emotional und glich wirklich mehr einem Glücksspiel. Inzwischen hat sich das gewandelt. Ich habe festgestellt, dass die Suche nach bestimmten Aktien, und somit das, womit wir uns in den letzten Wochen beschäftigt haben, kaum etwas damit zu tun hat, ob man letztendlich Geld verdient, oder nicht, denn die gewonnenen Informationen beeinflussen nur meinen Einstieg in den Markt. Das Geld wird jedoch erst beim Schließen der Position verdient und deshalb ist es viel wichtiger, sich mit diesem Zeitpunkt zu beschäftigen. In Gesprächen mit Detlef und durch das Lesen diverser Bücher habe ich festgestellt, dass "Moneymanagement" und ein Teil dessen, nämlich "Position Sizing", viel wichtigere Aspekte sind, und über das mit dem Trade verbundene Risiko bestimmen. Nur über die Kontrolle des Risikos kann man seinen Verlust minimieren. Ich habe mich immer wieder gefragt, wieviel Geld ich benötige, um erfolgreich traden zu können, um also eine akzeptable Rendite zu erreichen und wie hoch das Risiko dabei ist. Seit dem ich mich etwas mit Position Sizing beschäftigt habe, erreiche ich eine viel bessere Wahrscheinlichkeit tatsächlich Geld zu verdienen, und dabei stehe ich in dieser Thematik noch ganz am Anfang.
Ich hab mir als Beispiel ein virtuelles Konto eingerichtet mit 20.000 Dollar. Dies versuche ich mit verschiedenen Regeln zu managen, um Erfahrungen mit Position Sizing zu sammeln. Ich habe gelesen, dass man nicht mehr als 1-2,5% seinen Kontos riskieren soll, um nicht zu viel Geld zu verlieren. Es ist wichtig, die Verluste möglichst gering zu halten. Nicht nur weil man nicht so viel Geld verlieren möchte, sondern, weil es mit großen Verlusten viel schwieriger wird, diese wieder auszugleichen. Da es durchaus sein kann, dass man mehrere Verluste nacheinander einstecken muss, bevor man einen Gewinn erzielt, kann sich der Verlust so unangenehm summieren, dass es problematisch wird, diesen wieder auszugleichen. Wenn man zum Beispiel 10% seines Kontos als Verlust abgibt (angenommen 5 Trades, mit denen man ca. 2% seines gesamten Kontos verliert), muss man anschließend 11,1% wieder gut machen, um das Konto wieder auszugleichen, was noch keinen großen Unterschied ausmacht. Verliert man aber 50%, benötigt man 100% Gewinn, um den eingesteckten Verlust wieder auszugleichen, was unabhängig von der Größe des gehandelten Kontos kaum noch realisierbar ist. Es wird also mit wachsenden Verlusten immer schwerer, diese auszugleichen, da man einen höheren Prozentsatz als Profit wiedererlangen muss, nur um wieder auf die ursprüngliche Geldmenge zu kommen. Ein Schlagwort hierbei ist Position Sizing. Nach dieser Erkenntnis bedarf es einer Umorientierung und ich werde mich noch ausgiebig damit beschäftigen müssen. Ein weiterer Schritt auf der langen Strasse zum Erfolg.



Kapitel 5  - Infomationsgewinnung Teil 3
Datum:   21.11.2004
Autor:   Bruno Stenger
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