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Hilfspaket geschnürt, Rezession unausweichlich

Zürich/Frankfurt/New York/Tokio



Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir starten frisch und ausgeruht in eine neue Handelswoche. Lassen Sie uns zunächst gemeinsam mit den am Freitag veröffentlichten Wirtschaftszahlen beschäftigen bevor wir anschließend zu den Entwicklungen auf den internationalen Kapitalmärkten übergehen.

Die Anzahl der Insolvenzen ist im Juli in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,2 Prozent gesunken.

Für die US-amerikanische Handelsbilanz wurde für August ein Defizit in Höhe von 59,1 Mrd. US-Dollar veröffentlicht. Zur Ihrer Orientierung: Hier wurde im Vorfeld ein Minus im Bereich von 59,5 bis 60,0 Mrd. US-Dollar erwartet, nachdem im Monat zuvor das Defizit noch bei 61,3 Mrd. US-Dollar notiert hatte. Bitte beachten Sie, dass somit der Vormonatswert von zunächst bekannt gegebenen 62,2 Mrd. US-Dollar nach unten wertberichtigt worden ist.

Die US-amerikanischen Einfuhrpreise sind im vergangenen Monat um 3 Prozent nach zuletzt 2,6 Prozent geklettert.

Die US-amerikanischen Ausfuhrpreise sind im vergangenen Monat insgesamt um 1,0 Prozent nach zuvor 1,7 Prozent geklettert.

Von den Staatschefs der 15 europäischen Länder wurde am Wochenende ein Beschluss zur Schaffung eines Schutzschirms für das Bankensystem gefällt.
Man betonte die Wichtigkeit von neuen Bilanzierungsregeln für die Finanzinstitute, aber auch die von Kapitalspritzen.

Für die Bundesrepublik Deutschland bedeutet dies die Schnürung eines Hilfspakets im Volumen von ca. 400 Milliarden Euro. Der angestrebte schuldenfreie Haushalts für das Jahr 2011 ist somit nicht mehr realisierbar geworden.

Was ist davon zu halten? Im allgemeinen wird uns die Rechnung mit der Aufschrift Rezession präsentiert werden. Und mehr noch: Je mehr Zeit bis zur Schaffung eines funktionierenden Konzeptes bei diesem Vorgehen der europäischen Staaten verstreicht, desto tiefer werden die Aktienmärkte fallen.


Die US-Aktienmärkte haben sich am vergangenen Freitag uneinheitlich präsentiert. 
Der Dow Jones Industrial Average ging um 1,5 Prozent bzw. 128 Punkte schwächer bei 8.451 Punkten aus dem Handelstag hervor. Auf Wochensicht betrachtet verlor der US-amerikanische Leitindex somit 18 Prozent. 
Der marktbreite S&P-500-Index notierte beim Ertönen der Schlussglocke um 1,2 Prozent bzw. elf Punkte tiefer auf 899 Stellen.
An der Technologiebörse Nasdaq konnte der Composite-Index dagegen um 0,3 Prozent bzw. vier Punkte auf 1.650 Zähler klettern.
Ein gemischtes Bild lag bei den Finanzwerten vor. Die Anteilsscheine von Wachovia kletterten um 43,1 Prozent auf 5,15 US-Dollar.
Die Papiere von Citigroup konnten sich um 9,1 Prozent auf 14,11 US-Dollar verteuern, nachdem bekannt wurde, dass die Bank nun auf die Übernahme von Wachovia verzichten möchte.
Das Sorgenkind war dann allerdings Morgan Stanley mit einem verbuchten Tagesverlust in Höhe von 22 Prozent auf 968 US-Dollar.
Erfreulich war die Entwicklung von General Electric, dessen Aktien konnten sich um 13,1 Prozent auf 21,50 US-Dollar verteuern.
Ein Nachgeben des Ölpreises dagegen bescherte den Haltern von Ölwerten einen schlechten Start in das Wochenende. Die Notierungen von Exxon Mobile schlossen um 8,2 Prozent schwächer auf 62,36 US-Dollar, für Chevron ging es um 9,6 Prozent runter auf 57,83 US-Dollar.
Die US-Anleihen haben sich im verkürzten New Yorker Geschäft schwächer präsentiert. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 4,00 Prozent sanken um 17/32 auf 101-6/32, ihre Rendite betrug 3,85 Prozent. Der mit 4,50 Prozent verzinste Longbond gab um 17/32 auf 106-8/32 nach, er rentierte mit 4,13 Prozent.

Die deutschen Aktienmärkte haben sich erneut erheblich schwächer aus dem Handel verabschiedet. Der deutsche Leitindex büsste 7 Prozent bzw. 343 Punkte auf 4.544 Stellen ein. Über das elektronische Handelssystem Xetra wechselte insgesamt ein sehr großes Volumen in Höhe von 458,4 Mio. Aktien im Wert von rund 11,63 Mrd. Euro die Hände.
Der MDAX mittelgroßer Werte verlor 6,8 Prozent.
Für den TecDax ging es um 4,8 Prozent tiefer aus dem Handel.
Die Papiere von Versorgerwerten waren erneut erheblichen Verkaufswellen ausgesetzt. Die Aktien von E.ON gaben um weitere 10,4 Prozent auf 25,32 Euro nach. Die Anteilsscheine von RWE vergünstigten sich um 10,9 Prozent auf 52,53 Euro.
Sehr erfreulich sah es dagegen bei VW aus, die Notierungen zogen hier zum Wochenende hin um 15,2 Prozent auf 342 Euro glatt an.
Die Insolvenz von Yamato, eines japanischen Versicherers, machte den Freitag für die Halter von deutschen Finanztiteln zu einem Spießrutenlauf. Am schlimmsten erwischte es die Deutsche Bank, deren Papiere um 16,1 Prozent auf 31,23 Euro nachgaben, aber auch die Postbank stand der größten deutschen Bank mit einem Tagesverlust in Höhe von 14,6 Prozent auf 22,62 Euro in kaum etwas nach.
Die Notierungen der Allianz brachen um 9,2 Prozent auf 70,95 Euro ein, für die Münchener Rück ging es um 9,8 Prozent auf 85,68 Euro runter.
Die Furcht vor einer Schwemme an neuen Euro-Anleihen belastete die deutschen Rentenfutures erheblich. Der richtungweisende Dezember-Future auf den Bund sank um 168 Ticks auf 114,67 Prozent. In einer sehr weiten Tageshandelsspanne zwischen 114,44 Prozent und 116,79 Prozent wurde ein Volumen in Höhe von 1.203.123 Kontrakten gehandelt. Der BOBL-Future sank um 71 Ticks auf 110,40 Prozent. Dieser Handelsverlauf spiegelt die Zusagen der europäischen Regierungen bezüglich der Hilferufe von Seiten der Banken wieder, aber auch die Tatsache, dass die westeuropäischen Staaten in eine gefährliche Verlustspirale hinein geraten sind. Die Schwächer der Konjunktur drückt die Steuereinnahmen, dieses wiederum sorgt für eine erhebliche Neuverschuldung, die Bürger haben weniger Geld, was wiederum die Konsumausgaben drückt.

An Nippons Börsen regierte am letzten Handelstag der Woche die pure Panik.
Der Leitindex Nikkei-225 büsste 9,6 Prozent bzw. 881 Punkte auf 8.276 Stellen ein. Hier bereitete der Blick auf den Wochenchart den Bären auch erheblichen Spaß, denn der Index hat allein in der vergangenen Woche um 24 Prozent nachgegeben.
Der marktbreite Topix verlor dann etwas moderater um 7,1 Prozent auf 841 Stellen.
Bitte beachten Sie, dass heute die TSE aufgrund des Health-Sports geschlossen bleibt.


Der November-Kontrakt des Crude Oil hat am vergangenen Freitag $8.89 oder 10 Prozent auf $77.70 eingebüsst.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser, richten Sie ihr Augenmerk bitte auf folgende Uhrzeiten, wenn die Veröffentlichungen wichtiger Wirtschaftsdaten erfolgen:

15:30 Uhr MEZ: Hier ist die Ankündigung des Hauptrefinanzierungsgeschäfts (Haupt-Refi-Tender) der Europäischen Zentralbank (EZB) angesetzt.

Im allgemeinen gilt zum gegenwärtigen Zeitpunkt: Der Newsfeed spielt eine große Rolle.

Das Trademonster-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erfolgreichen Handelstag und ein angenehmen Start in die neue Handelswoche, in der Sie von unserer Seite aus wieder die größtmögliche Betreuung bei Ihrem Handeln erfahren werden. 

Hilfspaket geschnürt, Rezession unausweichlich
Datum:   13.10.2008
Autor:   Slavisa Dosenovic
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