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Kursbildung und Arbitrage

Abhängigkeit von Kassa Markt und Future 

Wedelt der Hund mit dem Schwanz oder umgekehrt ?

bei der Gründung der DTB 1989 wurde behauptet, daß der nun mögliche Future- und Optionshandel in Deutschland dafür sorgen werde, daß die Volatilität der Kasse  geringer werde weil der Futures- und Optionshandel kursglättend auf die Kasse wirken würde. Diese Behauptung hat sich nicht bestätigt. Future und Kasse beeinflussen sich gegenseitig und sind durch die Arbitrage untrennbar miteinander verbunden.
Wenn die Kasse der Hund ist und der Terminmarkt der Schwanz, dann kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass nicht immer der Hund mit dem Schwanz, sondern auch oft der Schwanz mit dem Hund wedelt. Tatsache ist, daß manchmal die Kasse (Aktienmarkt) den Future beeinflusst und manchmal der Future die Kasse.

Die Arbitrage zwischen Future und Kasse sorgt dafür, daß Kasse und Future nie zu weit vom fairen Aufgeld gehandelt werden und so immer miteinander verbunden sind. Sinkt nun die Kasse weil z. B. starke Verkäufe eines DAX-Schwergewichtes den DAX-Index drücken, dann werden die Arbitrageure ab einem gewissen zu großen Abstand zwischen Future und Kasse anfangen, Baskets (Aktienkörbe zusammengesetzt wie DAX-Index) zu kaufen und Futures in gleicher Stückzahl dagegen zu verkaufen, also die zu billige Kasse zu kaufen und den zu teuren Termin zu verkaufen.
Dabei handelt es sich um sogenannte Arbitragegeschäfte, durchgeführt von großen Marktteilnehmern, also Banken und großen Brokerhäusern. Diese Transaktionen sorgen nun dafür, daß das zu große Aufgeld bspw. zwischen DAX und FDAX sich wieder seinem fairen Wert annähert. Sinkt nun zum Beispiel der Future (der Termin) weil starke Verkäufe im Future erfolgen, dann werden die Arbitrageure ab einem bestimmten zu kleinen Abstand zwischen Future und Kasse, anfangen Futures zu kaufen und dagegen (gleichzeitig) in gleicher Anzahl Baskets zu verkaufen, also den zu billigen Future zu kaufen und die zu teure Kasse zu verkaufen.
(Auch Programmtrading genannt, weil diese Transaktionen von Computersystemen automatisch durchgeführt werden)

Wenn Abrechnungskurse am Verfallstag manipuliert werden sollen, läuft das über die Kasse ab. Die Kurse der DAX-Schwergewichte werden in der Spezialauktion manipuliert, während der die Aktienkurse zur Abrechnung der Terminkontrakte (Futures und Optionen) berechnet werden.

Der FDAX (Dax Future) und der DAX Index (Kasse) hängen also durch die Arbitrage zusammen und können sich nur sehr begrenzt in gegensätzliche Richtung bewegen, denn wenn zu große Abweichungen vom fairen Aufgeld auftreten, tritt die Arbitrage sofort in Aktion und versucht dieses Ungleichgewicht gewinnbringend zu nutzen, wodurch sich dann wiederum  Kasse (z.B.DAX Index) und Termin (Future)  in Richtung faires Aufgeld aneinander annähern.
Zu den Eröffnungskursen und den Schlußkursen funktoniert die Arbitrage natürlich nicht, da ja die Geschäfte in der Kasse und Termin gleichzeitig gemacht werden sollen, um jegliches Risiko für den Arbitrageur auszuschalten. In einer Eröffnungsauktion zu Handelsbeginn müssen jedoch erst einmal alle DAX-Aktienkurse festgestellt werden, bevor ein richtiger Handel beginnt und oft kommt es vor, daß zwar alle Aktienkurse schon eröffnet haben, aber im Future immer noch kein Eröffnungskurs festgestellt wurde, oder umgekehrt. Kurz vor Börsenschluss besteht das Risiko, daß der Arbitrageur kein Gegengeschäft mehr machen kann, und deshalb lässt er die Arbitrage  lieber ganz bleiben.

Fazit: Kassamarkt und Future sind durch die Arbitrage untrennbar miteinander verbunden. Einmal rennt die Kasse dem Termin und einmal der Termin der Kasse hinterher, je nachdem wo gerade die stärkeren Kräfte wirken. Die Kräfte des Termins werden durch den "Transmissionsriemen" Arbitrage auf die Kasse übertragen und umgekehrt.



Kursbildung und Arbitrage
Datum:   03.12.2004
Autor:   Bruno Stenger
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