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Opportunismus macht sich breit
Zürich/Frankfurt/New York/Tokio

 
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir gehen sehr ausgeruht und gelassen in den letzten Tag dieser sich zu Ende neigenden Handelswoche. Wenn Sie jetzt in der Stimmung dazu sind, dann können wir uns zusammen die gestern veröffentlichen Wirtschaftszahlen anschauen.

Der geldpolitische Rat der Bank of England (BoE) hat gestern die Zinsen unverändert bei 5,75 % belassen.

Die meisten Marktteilnehmer haben mit diesem Ergebnis gerechnet und sie wurden nicht enttäuscht. Auch die Europäische Zentralbank belässt die Zinsen unverändert bei 4,00 %. Somit ist der für die Refinanzierung der Banken maßgebliche Schlüsselzins seit Juni dieses Jahres stabil geblieben. Der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hob auf der anschließenden Pressenkonferenz in Frankfurt die abrupte und scharfe Aufwertung des Euro in der jüngsten Periode hervor und unterstrich noch einmal seine Meinung, wonach brutale Bewegungen niemals willkommen seien. Eine Sache wurde bei dieser Aussage deutlich, wenn auch von Herr Trichet bestimmt nicht gewollt: der Markt reagierte kaum darauf, was darauf schließen lässt, dass die EZB als Instanz einen großen Teil ihrer Macht eingebüßt hat. Es erinnert so ein wenig an Goethes Zauberlehrling und seine Zeilen: Die Geister, die sie rief, wird die EZB nicht mehr los. Das zeigt sich momentan insbesondere in der Teuerungsrate, die im Oktober mit 2,6 Prozent im Euro-Raum deutlich über der Zwei-Prozent-Marke lag. Trichet betonte, dass die Nadel des Kompasses auf Inflation stehen würde. Was stimmt hier nicht? Nun, wir würden sagen, da stimmt einiges nicht mehr, obwohl wir alles andere als polemisieren wollen, denn von den Spezies wimmelt es im Moment an allen Ecken und Enden. Opportunismus heißt das Schlagwort, das sich im Moment in der Politik, sowohl bei den Herrschenden als auch in der Koalition, breit macht. Sie war schon immer von diesem Begriff geprägt, aber momentan scheint er das oberste Leitprinzip geworden zu sein. Um die Teuerungsrate zu bestimmen, braucht man Herr Trichet nicht, dazu genügt ein Gang zum Supermarkt. Den Warenkorb, denn Sie für 50 Euro bekommen, können Sie im Moment in einen Frühstücksbeutel einpacken. Die Aufwertung des Euro schwächt doch gerade derzeit die Inflation ab, weil sie Importe, vor allem das in Dollar abgerechnete Öl, verbilligt. Sehen Sie irgendetwas von diesem Effekt?
Man hat so ein wenig das Gefühl, dass ein Mann fehlt, der auf den Tisch haut und sagt, was Sache ist, so einer wie Bernanke beispielsweise. Die Ironie des Schicksals will es aber, dass Bernanke in einem Boot sitzt, in dem es nichts mehr zu richten gibt, weil es für sie USA zu spät dafür ist. Wenn Trichet noch länger damit wartet, haben wir in Europa das gleiche Boot.

Ein wenig später wurden die Zahlen zu den US-amerikanischen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, die sogenannten Initial Jobless Claims, für die Vorwoche veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Erstanträge auf 317.000 zurückgegangen. Erwartet wurden 320.000 bis 330.000 neue Anträge nach zuvor 330.000. Das letzte Ergebnis wurde jedoch von 327.000 revidiert. Schöne Zahlen, hat man gestern gebraucht, um die Abwärtsbewegung zu stoppen. Noch müssen wir nach diesem Spielregeln spielen, aber es wird der Tag kommen, an dem wir auf diese Veröffentlichung pfeifen werden.

Die US-amerikanischen Erdgasvorräte, die sogenannten Nat Gas Inventories, sind in der letzten Woche um 36 Bcf auf 3.545 Bcf gestiegen. In der vorangegangenen Woche waren die Bestände in den Vereinigten Staaten um 66 Bcf gewachsen. Zieht man den Vorjahresvergleich hinzu, so hatten diese bei 3.446 Bcf gelegen.


Der Handelsverlauf in den Vereinigten Staaten war von keiner Erholung geprägt. S&P 500 schloss um 0.85 Zähler leichter, also kaum verändert, bei 1474.77 Punkten. Dow Jones Industrial ging um 33.73 Zählern tiefer bei 13266.29 Punkten aus dem Handel hervor. Die Technologiebörse Nasdaq verabschiedete sich mit einem satten Minus von 53.40 Zählern bei 2696.00 Punkten vom Handelstag.
Der Papiere des Netzwerkausrüsters Cisco verbilligten sich um 9,5 Prozent auf 29,63 Dollar. Da war er, unser 10-Prozent-Verlust-Tagesbrummer. Solide Zahlen, aber leider nicht eloquent genug. Die Händler vernahmen nur den Wortfetzen ?dramatische Rückgänge bei den Aufträgen von amerikanischen Finanzinstituten? und die Hölle brach los. Wir würden sagen, das Wort dramatisch hätte man zum Beispiel mit akzeptabel umschreiben können und das Wörter Finanzinstitut und Kreditkrise... pfui gaga, so etwas nimmt man doch momentan nicht in den Mund.
Die Aktien von Merrill-Lynch gaben nach weiteren Verstrickungen in Immobilien-Papieren um 0,4 Prozent auf 53,79 Dollar nach. Morgan Stanley konnten sich etwas fangen, sie schlossen um  4,9 Prozent fester bei 53,68 Dollar.
Die neuen zehnjährigen Anleihen notierten bei 99-20/32 Punkten, ihre Rendite lag bei 4,30 Prozent. Der Longbond verlor 5/32 Zähler auf 105-4/32 Punkte, er rentierte mit 4,68 Prozent.

Der deutsche Aktienindex schloss um 0,3 Prozent fester bei 7 820 Zählern. Tui rückte um 4,9 Prozent auf 21,63 Euro vor, nicht weiter verwunderlich, denn momentan sind Aufenthalte in Fünf-Sterne-Hotels in Spanien günstiger als die Lebenshaltungskosten in Deutschland.
Das handeln im Bund-Future dürfte heute für Überraschungen sorgen.

Nippons Börsen zeigten sich weiterhin moderat angeschlagen. Nikkei 225 verlor 188.15 Zähler oder 1.2 Prozent auf 15,583.42 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab um 22.59 Zähler oder 1.5 Prozent auf 1,494.35 Punkte nach.
Auf der Verliererseite waren wieder einmal die Finanzwerte zu finden. Mizuho gab um 32,000 Yen oder 5.7 Prozent auf 531,000 Yen nach. Sumitomo Mitsui Financial Group Inc. verlor 47,000 Yen oder 5.9 Prozent auf 750,000 Yen.


Der Dezember-Kontrakt des Crude Oil wechselte die Hände um $1.02 oder 1.1 Prozent höher bei $96.48 pro Barrel im after-hours Handel an der New York Mercantile Exchange. Der Dezember-Kontrakt verlor gestern 91 Cents oder 0.9 Prozent auf $95.46 pro Barrel.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser, richten Sie ihr Augenmerk bitte auf folgende Uhrzeiten, wenn die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten erfolgt:

12:00 Uhr MEZ: Hier erfolgt die Veröffentlichung der Zahlen zu den OECD Frühindikatoren ("Composite Leading Indicators", CLIs) und der Zahlen zu den OECD standardisierten Arbeitslosenquoten. Beide Veröffentlichungen beziehen sich auf den September 2007.

14:30 Uhr: Um diese Uhrzeit ist

- die Bekanntgabe der US-amerikanischen Handelsbilanz ("International Trade") für September 2007 (Erwartet wird ein US-amerikanisches Handelsdefizit in Höhe von 58,5 bis 59,5 Mrd. US-Dollar nach zuvor -57,6 Mrd. US-Dollar.)

- die Veröffentlichung der Zahlen zu den US-amerikanischen Einfuhrpreisen ("Import Prices") für Oktober 2007

- die Bekanntmachung der Zahlen zu den US-amerikanischen Ausfuhrpreisen ("Export Prices") für Oktober 2007

angesetzt.

16:00 Uhr: Der Tag wird durch die Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen zum Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan, des sogenannten Michigan University Consumer Sentiment, für November 2007 abgerundet. Die Marktteilnehmer erwarten den vorläufigen Verbraucherstimmungsindex aus den USA für November im Bereich von 80,0. Bitte beachten Sie, dass der Index im Vormonat noch bei 80,9 notiert hat.


Das Trademonster-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erfolgreichen Handelstag und ein angenehmes und erholsames Wochenende Es folgen nun die Devisenhandelsstrategien für den heutigen Tag, die wir mit bestem Fachwissen und Expertise für Sie erstellen. http://www.termintrader.com/article_1223.html



Opportunismus macht sich breit
Datum:   09.11.2007
Autor:   Slavisa Dosenovic
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