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Zyklentechnik und ihre Anwendung (9)

Analyse - Euro am Abgrund?

 Ein Ereignis der letzten Woche, dazu einige Untersuchungen der US-Zinsen haben dazu geführt, dass ich Ihnen einige Theorien, Charts präsentiere, die etwas abseits der gewohnten Denkbahnen verlaufen.

Vielleicht setze ich mich damit in die Nesseln, aber wer nicht riskiert, mit seiner Einschätzung falsch zu liegen, sagt am besten nie mehr etwas.

Lesen Sie also mit Interesse die die komplette Analyse zum Euro mit mehr als sieben Charts.

Zyklen im Euro

Bevor es mit den Theorien losgeht, will ich erst mal die Zyklen sowie die charttechnische Situation des Euros abklopfen.
In den ersten Wochen eines jeden Jahres erstellt der ZA langfristige Zykluscharts  zu allen beobachteten Werten. So auch Anfang  2004 im Euro.
Da es schwerlich vorstellbar ist, dass diese Zyklen aussagekräftig sind, speziell die Termine der Prognosen exakt eingehalten werden, ergibt sich ebenso wie in den bekannten kürzeren Zyklen ein Streubereich um dieses Prognosedatum herum.
Der Bereich, in dem es zum avisierten Top oder Boden kommen kann, beträgt ca. drei Monate vor und nach dem Zykluspunkt, zum besseren Verständnis der Charts.

Erst nach weiteren 2-3 Monaten ist es dann möglich, zu entscheiden, ob es zur erwarteten Bewegung nach unten oder oben kommen wird oder nicht. Dazu nutzt man dann die Werkzeuge der technischen Analyse.


Zyklushoch im Monatschart korrekt im Streubereich

Diese Prognose, erstmals erstellt Anfang 2004 ist nun eindeutig bestätigt. auf ein Zyklushoch im Euro korrekt, Kreuzwiderstand 134-135,20 nicht überschritten, das entscheidende charttechnische Signal ist der Bruch des Aufwärtstrends in diesem Monat. Der Monatszyklus deutet nach unten.


Kurzes/langes Zyklustiefs eventuell falsch!

Links sehen Sie die kurzen und langen Zykluspunkte. Im oberen Bild ein langes bis jetzt korrektes Tief vom 11. April, im unteren Bild ebenfalls ein korrektes kurzes Zyklustief vom 03. Mai. Der Streubereich hierzu endet am kommenden Montag.
Gehen wir erst auf den langen Zyklus ein. Wir wissen, dass ein Unterschreiten des Zyklus­tiefs ein meist höchste beachtenswertes Signal ist. Sollte der Euro mit Schluss unter 127,65 fallen, ist der Zyklus falsch, es geht weiter.
Im kurzen Zyklus exakt ein Tief am Prognosedatum, der nach­folgende Anstieg belief sich auf magere 1,90 Punkte. Am Freitag wurde das Zyklustief unterschritten. 
Der Streubereich, in dem es zum Tief kommen darf, läuft am morgigen Montag aus. Sollte es danach nicht zum Anstieg kommen, ist auch dieser Zyklus falsch, es geht dann weiter.

Gegenreaktionen nach oben immer schwächer

Was für einen Einbruch charttechnisch spricht, sind die immer schwächer werdenden Gegenreaktionen vom Top bei 136,64. So sehen keine Charts aus, die nach oben wollen. Dazu kommt, dass beide kurzen GDs (9-Tage und 18-Tage) trotz Anstieg immer noch auf Verkauf stehen, beide nach unten abgedreht haben.
Das ist sehr bärisch.
Kommen wir nun zu einem weiteren Chart, der schon oft gezeigt wurde, der ZA wohl der Einzige ist, der diese Sache so sieht.


Langer Aufwärtstrend seit 2001 längst gebrochen!

Die Darstellung seit Anfang 2001 soll zeigen, dass der lange Aufwärtstrend nach einem Anstieg von 85 auf 135 Euro seit April diesen Jahres längst gebrochen ist.
Der Leser wird sich nun fragen, wieso es dann nicht einfach weiter runter geht ? mit Beschleunigung. Ein Grund ist der unterschiedliche Blickwinkel der verschiedensten Teilnehmer. Während die einen auf obige Darstellung schauen, setzen die anderen auf eine andere Darstellung.
die lineare Darstellung.
Was ist der Unterschied?
Bei der linearen Darstellung zeigt die vertikale Kursskala gleiche Abstände zwischen den Einteilungen an, die Darstellung erfolgt in Punkten.
Der Abstand zwischen Zehn und Zwanzig ist der Gleiche wie zwischen Neunzig und Hundert. Eine Kursbewegung von Zehn nach Zwanzig wird sozusagen als dieselbe Punkt-Entfernung im Chartbild zu erkennen sein wie von Neunzig auf Hundert.
Der Nachteil: Es wird der Tatsache keine Rechnung getragen, dass die erste Kursbewegung eine Steigung von Hundert Prozent ist, während die Zweite  Elf 
sind.
Bei der logarithmischen Darstellung sieht die Sache anders aus. Kurse, angezeigt in dieser Form, zeigen gleiche vertikale Abstände für identische, prozentuale Veränderungen an. Eine Kursbewegung von Zehn auf Zwanzig entspricht der gleichen zurückgelegter Distanz wie ein Anstieg von Fünfzig auf Hundert.
Was jedoch der Grund für die verschiedenen Ansichten des Aufwärtstrends ist, ist folgende Besonderheit: Im Abwärtstrend erfolgt der Trendbruch bei linearer Darstellung früher als im logarithmischen Modus. Umgekehrt ist es bei einem länger bestehenden Aufwärtstrend. Trendbruch als Erstes im logarithmischen Chart ? erst Tage oder Wochen später bei linearer Auswertung. Und das sehen wir nachfolgend...

 

Lineare Trendlinie gebrochen!

Vor Wochen hatten wir das gleiche Dilemma im Dax-Index. Während ich vehement auf die gebrochenen langfristigen Aufwärtstrend aufmerksam machte, kam von anderen Seiten, dass dieser noch intakt ist. Diesmal ist es im Euro-Chartbild ähnlich.
Oben nun zu sehen: Am Freitag wurde erstmals die lineare Aufwärtslinie mit Schlusskurs unterschritten, dazu ebenfalls die 200-Tage-Linie bei 128,52.Wenn einige Tage bestätigt, sind alle möglichen Aufwärtstrends in allen Darstellungsarten gebrochen.Vor Wochen wurde J.M.Hurst Methode der ?Future Linie of Demarcation?, kurz FLD genannt,  erklärt. Wann Signale entstehen, wie man Kursziele errechnet.
Erklärungen finden Sie den in den Teilen 5 und 6 dieser Serie.
Im Euro wurde die Länge des kurzen Zyklus genommen und als FLD über den aktuellen Kurs zur Signalgenerierung und Kurszielberechnung verwendet.

 


FLD-Verkaufsignal Anfang April mit Ziel 123,70

Wie links zu sehen, markiert durch die roten Pfeile, kam es Anfang April zu einem Verkaufsignal, bei dem der Euro von oben durch die FLD rutschte. Das Kursziel errechnet sich anhand Hurst´s Methode auf 123,70.
Hurst´s Regel besagt, solange sich der Euro-Kurs unterhalb der FLD befindet, sollte man Short sein. Das Kursziel vorerst in dieser Darstellung 123,70. Nun die etwas andere Theorie....

Das amerikanische Schatzamt

Letzte Woche ging eine Nachricht durch die Ticker, die auf den ersten Blick nicht viel zu sagen hat, langfristig aber die Einschätzung des grössten Schuldenmachers der Welt widerspiegelt.
Es handelt sich um die Nachricht, dass die USA voraussichtlich ab kommenden Februar wieder langfristig Schulden mit einer Laufzeit von 30 Jahren aufnehmen.

Dazu muss man wissen: der letzte Long-Bond, so werden diese Anleihen genannt, wurde im August 2001 platziert. Das Schatzamt entschloss sich damals, nur noch kürzere Laufzeiten zu bevorzugen.
Dies war damals die richtige Entscheidung, denn die Zinsen sind seitdem weiter gefallen. Schulden kann man als Staat im Jahre 2005  mit deutlich niedriger Verzinsung machen als im Jahre 2001.
Nun kommt es zur Wiedereinführung, was heissen will, dass das Schatzamt sehr langfristig gesehen, nicht mehr mit weiter sinkenden Zinsen rechnet, sich die USA die jetzigen Verhältnisse möglichst langfristig sichern will.
Und das heisst dann dreissig Jahre. Gutes Timing, würde ich sagen, dazumal Herr Greenspan seit einiger Zeit an der Zinsschraube dreht.
Sie fragen sich nun mit Recht, was das mit dem Euro zu tun hat?
Schaut man sich den umgerechneten Euro in Dollar ab 1997 an und markiert die obigen Daten August/Oktober 2001 und Mai 2005/Februar 2006, staunt man sehr, wenn man feststellen muss, dass dies zwar nicht exakt, jedoch stark in Nähe der damaligen Trendwende zu einem schwachen Dollar zusammenfällt.

 

 

Wie Zinsen Währungen beeinflussen

Über mehrere Jahre verlor der Dollar seitdem an Boden, ist mehr als 50% in den Keller gegangen.
Zinsverschiebungen machen sich erst Monate später in der Währung bemerkbar, so die Intermarktanalyse.
Nachdem es zur Einstellung des Long-Bonds kam, begann 5 Monate später der Aufstieg des Euro.
Wir sind an Punkt 3 angelangt. Parallelen?
Der Euro seit Monaten schwach, die FED erhöht stetig die Zinsen.
Wie es scheint, fliesst das Geld trotz Haushaltsdefizits und anderer Zahlen mehr und mehr in die USA.
Schliesslich ist die Zinsdifferenz seit 1998 nicht mehr so hoch wie aktuell und spricht für eine Anlage im US-Raum, wie nachfolgende Ausarbeitung zeigt.
In diesem Chartbild sind US-Rendite, deutsche Rendite und der Euro in Dollar dargestellt.

 

 

1998 Topbildung im Euro und diesmal...?

Aktuell zu sehen ist eine Zinsdifferenz deutlich zugunsten des Dollars, diese Schere verstärkt sich seit Mitte 2004 deutlich. Mit Zeitverzögerung laut Intermarktanalyse im Rahmen von 7 Monaten das Top im Euro.
Man vergleiche mit Anfang 1999. Damals wurde ebenfalls Geld in Richtung USA geschickt, um mehr Zinsen zu kassieren, der Euro durchbrach damals alle wichtigen Unterstützungen und brauchte drei Jahre, um von 118 auf 82 zu rutschen.

Sollte sich diese Schere weiter verbreitern, wandert das Geld verstärkt in die USA.

Der interessierte Leser fragt sich nun, ob das alles zusammen passt, wo doch die Rentenmärkte fast an Alltimehighs stehen.
Gerade das ist ja der Grund des Schatzamts, neue Longbonds herauszugeben. Wir sehen ein Auseinanderlaufen des Bund zum T-Bond. Der Bund auf neue Hochs, während der T-Bonds 2,50 Punkte von seinem Alltimehigh entfernt ist, eine Divergenz, die auf sich bei noch grösserer Ausweitung auch in einer breiteren Schere oben bemerkbar macht.
Die Frage ist, weisen noch andere Charts auf diese Zinstrendwende hin.

Im Internet hat ?Bronson Capital Markets Research? einen interessanten Chart veröffentlicht. Er stellt die Zinsrendite ab 1800 (das Jahr) der 10-Jahres-Anleihen der USA dar. Ich habe mir erlaubt, einen Zyklus einzeichnen....

 

Zinstief laut Zyklus im Jahre 2005

Dieser Zyklus hat im Durchschnitt eine Länge von ca. 60 Jahren zwischen Zinshoch zu Zinshoch, Zinstief zu Zinstief mit einigen Jahren Abweichung.
Sollte dieser Zyklus mit Streubereich stimmen, ist 2005 das Jahr der Zinswende in den USA. Da solche Charts erst in 20 Jahren zeigen, ob sie stimmen, darf man gespannt sein.
 

Fazit

Diese Sonderanalyse muss nicht unbedingt hinkommen, ich wollte damit nur einige Gründe zeigen, die mir aufgefallen sind und auf einen massiven Einbruch in den nächsten Monaten, oder auch  Wochen/Tage im Euro hinweisen.
Vielleicht habe ich mich auch etwas zu weit hinausgelehnt mit meiner Zielprognose von 117/118.
Aber für mich ist das Ganze damit bestätigt durch die niedrigeren Tops im Euro seit geraumer Zeit, den Bruch des langen Aufwärtstrends ? nun auch im linearen Chartbild zu finden. (Sie werden bestimmt oft von anderer Seite hören, dass der nun Trend gebrochen ist...)
Dazu noch das korrekte lange Zyklushoch im Monatschart, die  Zinsdifferenz zugunsten der USA.
Zum Schluss ein weiteres Indiz, was noch viel zu wenig durch die Nachrichten kommt. Eventuell hat es keinen Einfluss, wer weiss.....
Am 29. Mai sollen die französischen Bürger über die Annahme der europäischen Verfassung abstimmen. Wie es ausgeht, ist offen. Einmal sagen die Umfragen eine hochdünne Mehrheit für die Gegner voraus, dann wieder eine kleine Mehrheit für die Befürworter.
Diese Unsicherheit vor dem Referendum könnte ein weiterer Grund für eine eventuelle Schwäche im Euro sein, obwohl dies nichts mit Charts zu tun hat.
Es wird also interessant werden in den nächsten Wochen.

 

 

Ihr Thomas Bopp
http://www.zyklusanalyst.de

 

http://www.zyklusanalyst.deAktuelle Zykluscharts zu Dax, Nasdaq 100, Bund und Euro

 

 

 



Zyklentechnik und ihre Anwendung (9)
Datum:   09.05.2005
Autor:   Thomas Bopp
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