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Nach dem dritten Mal ist alles anders !
Thema: Aus Forschung und Wissenschaft

Nach dem dritten Mal ist alles anders

Nach dem dritten Verlust in Folge spielt das Trader-Gehirn verrückt. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA zeigen: Die Risikofreude im Verlustbereich kann neurobiologisch erklärt werden. Spieler im Casino erleben Gewinne vollkommen anders als Verluste. Während Gewinne den Spieler fast "kalt" lassen, lösen mehrere schnell hintereinander erlebte Verluste ein besonderes Aktivationsmuster im Gehirn aus.

Neurobiologie des Verlierens 1

Die Quelle überstürzter und häufig irrationaler Entscheidungen liegt im Stirnhirn, sagen die US-Forscher Gehring und Willoughby. Dieser Teil des Gehirns ist ein Teil des limbischen Systems, das für die Emotionen zuständig ist. Sie haben dies bei Glücksspiel-Experimenten entdeckt. Was genau haben sie gemacht?
Sie ließen Versuchspersonen um Geld spielen und maßen dabei deren Hirnströme. Die Probanden konnten zwischen 5 und 25 Cent Einsatz wählen. Eine Sekunde, nachdem sie sich für den Einsatz entschieden hatten, erfuhren die Spieler, ob sie ihren Einsatz gewonnen oder verloren haben und was die andere Entscheidung an Gewinn oder Verlust eingebracht hätte. Wenige Sekunden später mussten sie neu setzen. Die Forscher fanden heraus - wie könnte es anders sein: Vorhergehende Verluste und Gewinne beeinflussten stark die Entscheidungen der Spieler. Verloren die Testpersonen einige Male hintereinander, so riskierten sie höhere Einsätze ohne lang nachzudenken. Dieses irrationale Verhalten deckte sich dabei mit charakteristischen Hirnströmen in einem Teil des Stirnhirns. Sie traten eine Viertel-Sekunde nachdem die Spieler erfahren hatten, ob sie verloren oder gewonnen haben, auf. Offensichtlich realisierte das Gehirn in diesem Moment den Ausgang der Wette beziehungsweise die Konsequenz der Entscheidung. Die Hirnströme verstärkten sich nur bei Verlusten. Gewinne ließen diesen Teil des Gehirns relativ kalt.

Bedeutsam für Daytrader: Das menschliche Gehirn tendiert offenbar dazu, nach mehreren schnellen "Fehlentscheidungen" automatisch ein höheres Risiko einzugehen. Dieses Verhalten spiegelt den typischen Spieler-Irrglauben (Wunschglauben) wider, nach einer Verlustserie sei ein Gewinn sicher.

Diese Untersuchung bestätigt ein Phänomen, das ich aus vielen Coachingprozessen mit Daytradern kenne. Spätestens nach dem dritten Verlust verändert sich das Denken und Verhalten des Händlers. Nun gibt es allerdings zwei unterschiedliche Beobachtungen. Die einen fangen an risikanter, emotioneller zu traden, andere erleben eine Hemmung wieder in den Markt zu gehen. Es wäre sehr spannend, wenn man auch diese Unterschiede experimentell einmal genauer beleuchten würde.

Bis dahin gibt diese Untersuchung jedoch einen wichtigen Hinweis auf die Arbeitsstrategie eines jeden Traders. Egal, in welche Richtung Sie nach dem dritten Verlust reagieren, Sie müssen wissen, dass das beschriebene Verhalten zunächst wie ein Automatismus ausgelöst wird. Das bedeutet: Jeder Trader braucht eine mentale Strategie, die ihm hilft speziell in dieser Phase des Tradings zu rationalem Handeln zurück zu kehren.

Monika Müller
Finanz Coaching

www.monika-mueller.de

1 Vgl. Science vom 22. März.

16.10.2002, Wiesbaden
Óby Monika Müller Finanz Coaching



Nach dem dritten Mal ist alles anders !
Datum:   20.11.2004
Autor:   Bruno Stenger
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