|
|
|
|
| Adrian Parusel - Interview mit einem Systematischen Händler |
Adrian Parusel war Teilnehmer des TradingGame II 2004 und erwirtschaftete in den acht Wochen des Wettbewerbes eine Performance von über 70 % bezogen auf sein Startkapital. Grund genug für uns, Adrian in einerm Interview über seinen Werdegang als Trader und seine Handelsstrategie zu befragen.

TT: Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen Hintergrund berichten ? Adrian: Ich bin 29 Jahre alt, wohne in der Nähe von Köln, studiere Bauingenieurwesen (Vertiefungsrichtung ?Konstruktiver Ingenieurbau), bin verheiratet und seit dem 19.10.2004 Vater. Die ersten Aktien habe ich 1998 gekauft. Seit 2000 beschäftige ich mich mit Neuronalen Netzen und mechanischen Handelssystemen.
TT: Sind Sie aktiver Trader oder Handelssystementwickler oder Beides? Adrian: Mit dem Trading Game wollte ich meinen Ansatz unter realistischen Bedingungen testen. In den nächsten Wochen werde ich aktiver Trader sein.
TT: Wie kamen Sie zum Trading bzw. Entwicklung von Handelssystemen? Wann begannen Sie damit? Adrian: Angefangen habe ich damit im Sommer 2000, damals noch mit allen möglichen Ansätzen, um Aktien am Neuen Markt zu traden. Die alte Buy-And-Hold-Strategie funktionierte nämlich nicht mehr besonders gut. Je stärker der Neue Markt in sich zusammenfiel, desto intensiver beschäftigte ich mich mit mechanischen Handelssystemen.
TT: Was war Ihre positivste Erfahrung in Bezug auf Börse? Adrian: Es gab vor Jahren ein Börsenspiel bei ?Capital?. Der erste Preis war ein Audi TT. In der Rangliste habe ich es eine Woche auf Platz 1 ausgehalten, dann haben meine Nerven versagt. Am Ende wurde es nur ein Trostpreis, ein Handy von Nokia. ;-)
TT: Welches war die negativste? Was konnten Sie daraus lernen? Adrian: Meine Optionsscheine liefen wertlos aus, weil sich der Kurs der Aktien nicht bewegte. Ich habe gelernt, dass ich zu denen gehöre, die mit Optionsscheinen nie Geld verdienen werden. Vielleicht lag ich auch ein klein wenig daneben. Calls auf Internetwerte waren 2000 einfach nicht der Hit.
TT: Spielen in Ihrem Handelssystem konventionelle Techniken und Analyseverfahren wie Candlestick Muster, Indikatoren, E-Wave Theorien usw. irgendeine Rolle? Adrian: Mein Handelssystem ist eine Analyse von Intermarketzusammenhängen. Ich verwende ausschließlich Neuronale Netze und ökonometrische Modelle. Zahlen interessieren mich mehr als Linien, Wellen und Kerzen.
TT: Spielt Volumen eine Rolle in Ihrem Ansatz? Adrian: Nein.
TT: Vermischen Sie die Zeithorizonte? Adrian: Mein System basiert nicht auf irgendeiner Art von Chartanalyse wo es üblich ist, verschiedene Zeithorizonte zu betrachten. Ich bin Positiontrader. Es kommt eher selten vor, dass ich intraday trade.
TT: Welche Software benutzen Sie? Adrian: EViews, um ökonometrische Modelle zu erstellen, Investox, um diese linearen Schätzungen mit Neuronalen Netzen in eine nichtlineare Prognose umzuwandeln und Excel zum Auswerten der Neuronalen Netze.
TT: Sind Sie ein rein systematischer Händler? Adrian: Ja.
TT: Wo liegen die Ihrer Ansicht nach die Vorteile systematischer Ansätze? Adrian: Aus meiner Sicht gibt es keinen. Ich gehöre nun mal zu denjenigen, die sich selbst als Kontraindikator betrachten können, wenn sie aus dem Bauch heraus traden. Ich kann es nur systematisch.
TT: Wo liegen die Grenzen Ihres Systemes? Adrian: In Sondersituationen funktionieren meine Neuronalen Netze nicht so gut. Ein Krieg oder Terroranschlag kann alles durcheinander bringen. Auch ein Euro auf seinem Allzeithoch ist eher hinderlich als nützlich.
TT: An welcher Stelle kommt Subjektivität ins Spiel? Adrian: Bei der Auswertung der Neuronalen Netze. Hier habe ich mein eigenes Bewertungsschema, welches trotz vieler Zahlen sehr subjektiv ist. Dem einen mag vielleicht die Trefferquote des Neuronalen Netzes wichtig sein, dem anderen die Korrelation mit dem tatsächlichen Verlauf der Datenreihe. Ich habe hier mein eigenes Süppchen gekocht.
TT: Was macht ein gutes Handelssystem aus? Adrian: Ein gutes Handelssystem passt sich dem Markt an. Es ist keine starre Black Box, die einmal programmiert und jahrelang getradet wird.
TT: Auf welche Faktoren sollte man besonders achten? Adrian: Wenn man nicht mit Verlusten umgehen kann auf die Trefferquote. Ansonsten sollten die Drawdowns klein bleiben.
TT: Suchen Sie immer noch nach neuen Setups? Adrian: Meine Neuronalen Netze werden alle zwei bis sechs Wochen an die aktuelle Marktsituation angepasst. Ich bin also immer irgendwie auf der Suche.
TT: Optimieren Sie Ihre Systeme? Adrian: Ja, mit Genetischen Algorithmen.
TT: Welche Märkte handeln Sie und warum? Adrian: Ich trade nur den FGBL, weil er sich sehr gut mit ökonometrischen Modellen beschreiben lässt.
TT: Wie wichtig ist Money-Management? Adrian: Sehr wichtig, auch wenn es keine Wunder bewirken kann. Wenn das Handelssystem nichts taugt, wird man trotzdem vom Markt gefressen. Es dauert dann halt etwas länger, bis das Geld weg ist.
|
|
|
|
|
|
|
|
| Datum: |
|
02.12.2004 |
| Autor: |
|
Peter Müller |
| Bewertung: |
|
ø 7,85 |
| Stimmen: |
|
47 |
| Aufrufe: |
|
21982 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Warning: getimagesize(http://www.termintrader.com/images/people/adrianlev_400x298.jpg): failed to open stream: HTTP request failed! HTTP/1.1 404 Not Found
in /srv/www/vhosts/termintrader.com/httpdocs/modules/content/articles.php on line 283
|
|
|