THEMA: Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer

Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 13 Okt 2016 10:43 #27317

EZB-Schmarotzer schrieb:
Ich kann auch nicht verstehen, warum man den Finanzsektor nicht anderweitig "an den Kosten der Krise(n)" beteiligt.

Ich finde, dass der Sektor seit der Krise deutlich an den Kosten beteiligt wurde. Es gab und gibt unzählige Milliarden Klagen in den USA (dort ist man cleverer als hier, sich das Geld für die Staatshilfen wieder zu holen). Die Regulierung wurde massiv angezogen (Verbot von Produkten, mehr Rechte für die Aufsichten, mehr Eigenkapital, Bonus-Beschränkungen uvm.).

Gleichzeitig führt dies aber auch dazu, dass durch die Regulierungswut viele Banken in die Knie gezwungen werden (Deutsche Bank und andere) und man den europäischen Bankensektor im Gegensatz zu den USA oder Asien extrem schwächt. Irgendwann gibt es keine europäische Großbank mehr, die international mitspielt. Dann muss alles über die USA abgewickelt werden. Sicherlich zu deutlich schlechteren Konditionen.

Auch für den Verbraucher ist die extreme Regulierung schlecht. Die Commerzbank steigt aus Geschäftsbereichen aus: www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestra...n-/14650680-all.html die für den Privatanleger wichtig waren. Anwälte die ich kenne, sprechen davon, dass die Regulierung soweit gehen können, dass am Ende für den Privatanleger noch 5 einfache Produkte (Staatsanleihen) bleiben und alles andere wegreguliert und verboten wurde (CFDs, Zertifikate, Binaries, ETFs, sogar der FDAX könnte für Privatleute verboten werden...)

Gruß Sebastian
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 13 Okt 2016 10:41 #27316

EZB-Schmarotzer schrieb:
Ich kann auch nicht verstehen, warum man den Finanzsektor nicht anderweitig "an den Kosten der Krise(n)" beteiligt.

...was erwartet ihr von Politikern, die sich nach der Finanzkrise von den Verursachern (z.B. Ackermann) beraten lassen wie der ganze Schlamassel wieder in Ordnung gebracht werden kann....
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 12 Okt 2016 19:20 #27311

Ich kann auch nicht verstehen, warum man den Finanzsektor nicht anderweitig "an den Kosten der Krise(n)" beteiligt.

Erklärtes Ziel soll es ja sein, "schädliche" Transaktionen zu unterbinden.
Nun gibt es allerdings keinen belastbaren Beweis dafür, dass kurzfristiges Handeln zur Entstehung von Krisen beiträgt.
Die Krise von 2007 wurde durch komplexe Derivate verursacht, welche die Banken untereinander verschachert haben und durch die letztens niemand mehr durchblicken konnte.
Um kurzfristige Transaktionen handelte es sich dabei aber keineswegs.

Die Euro-Krise wurde durch Spekulationen gegen Staaten befeuert, Kurse für CDS wurden in die Höhe getrieben, was die Lage ohnehin schon hochverschuldeter Staaten verschlimmerte.
Aber auch diesen Spekulationen lagen keine sehr kurzfristigen Geschäfte zugrunde, es waren klassische Positions-Trades.

Ich weiß, die Krisen-Gründe habe ich stark vereinfacht.
Es soll hier aber auch nur ums Prinzip gehen.
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 12 Okt 2016 18:18 #27310

Ich glaube, dass es sehr schwer sein würde, mit FTS in Deutschland etwas auszurichten, zumal man ja wirklich nur für andere arbeitet und selbst viel weniger übrigbleibt. Dazu kommt die psychologische Komponente, dass man ja als böser Trader betrachtet wird (gut, ist ja jetzt auch wieder klar deutlich geworden) und für sein Tun Abgaben ohne Ende zu entrichten hat. Die ganze Steuer ist darauf ausgelegt, den privaten Trader und Privatanleger zu treffen. Die Kosten werden von den Banken, Fonds, Zertifikate-, Fonds- und Optionsscheinanbietern auf die Kunden 1:1 übertragen. Das wird heftig sein, egal wie klein die FTS ausfallen würde. Es fällt damit so viel an Freiheit weg, dass ich gar nicht glauben kann, dass die das ernsthaft durchziehen. Es hätte viele Wege geben können, um den "Finanzsektor an den Kosten zu beteiligen", aber es geht an die Privaten ohne Ausweichmöglichkeit. Und die breite Masse muss dies letztlich auch ausbaden. Ist dies alles wissentlich von den Politikern gewollt? Was wird aus dem ganzen Optionsschein- und Zertifikatemarkt, aus den Discount-Brokern? Ich denke, die Politiker haben sich da in etwas reingeritten und sie wissen nicht, was sie tun und nun hat das so eine blöde Eigendynamik gewonnen, dass fast schon jeder auf der Straße ins Gehirn eingetrichtert bekommt, diese Steuer würde die Welt retten und nur dieses Geld, was aus einer FTS stammt. Dem Wahnsinn muss doch ein Ende gesetzt werden. Für mich, der seit gut 12 Jahren vom Trading lebt, ist die Gefühlslage ja klar. Und wenn ich nur daran denke, was man nur für einen blöden Put aus dem Geld ausgeben muss, um vielleicht sein Depot öfters temporär abzusichern, wird einem echt schlecht. Ich sehe Auswandern als einzige Möglichkeit, zumal es keinen Spaß mehr macht, in einem Land zu leben, wo man dermaßen unerwünscht ist und um jegliche Freiheit in Zukunft beraubt werden soll.
Insgesamt verstehe ich nicht, warum es immer offiziell heißt, die Banken müssten mit der FTS bestraft werden. Und ganz verstehe ich nicht, dass sich viele nun damit abfinden, man hört ja fast nirgends ein Veto oder einen Text in der Presse, wie unsinnig und gefährlich diese Steuer ist.
Viele Grüße, boersenyogi :(
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 12 Okt 2016 13:20 #27309

Hallo zusammen,

noch ist ja nichts konkretes beschlossen jedoch schon konkreter geworden :huh:

Auszug:
Weil sich kein Rückhalt für eine welt- oder auch nur europaweite Einführung fand, wollen die zehn EU-Länder alleine beginnen. Mitmachen wollen dem Beschluss zufolge neben Deutschland auch Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien und Spanien. Allerdings befürchten sie Nachteile im Wettbewerb mit anderen Finanzstandorten und streiten sich seit Jahren über die Details.
Auszug Ende.

Quelle: www.tagesschau.de/ausland/abkommen-steuerflucht-101.html

Also irgendwie schon für einen Privaten diskriminierend und entmündigend, warum bspw. darf in der EU ein privater luxemburgischer Staatsbürger FTS-frei und ein deutscher privater Staatsbürger FTS-belastend künftig an den Märkten als Privater handeln ... kann man gegen diese Ungleichbehandlung nicht klagen, bis vor´s EUGH und/oder bis nach Karlsruhe für alle?? Oder soll man in D schon mal ab 1.1.18 alle Steuerbescheide innerhalb der Widerspruchsfrist grundsätzlich widersprechen (Einspruch gegen Steuerbescheid) falls es es zu einer Klage mit positiven Urteil kommt??

Leider werden die Privaten keine großen Möglichkeiten haben die FTS zu umgehen (es gilt wahrscheinlich das Ansässigkeitsprinzip) oder gar ausgenommen zu werden, auch keine freie Anzahl von Transaktionen pro Jahr oder Freibeträge/Freigrenze pro Order für Private nicht in Sicht? Wer kann/will schon dauerhaft auswandern und eine andere Staatsbürgerschaft annehmen, zieht die Familie (schulpflichtige Kinder) mit und wie ist das Leben / Lebensstandard im Zielland ...
Auch eine Firmengründung im Ausland unter der man dann seine Handelsgeschäfte als Firma abwickeln und wahrscheinlich günstiger versteuern kann wird schwer, viele kleine Private haben oft nicht ausreichend Risikokapital zur Firmengründung und Einlage als Firmenhandelskonto nebst Steuerberater, Datenfeed, Programmierer, etc. etc.

Vor allen nach der Steuergesetzänderung ist vor der nächsten Steuergesetzänderung, man wäre ja quasi ständig am umziehen/umfirmieren bzw. sich an die Steuergesetzgebung anzupassen. Auch das die Finanzindustrie bzw. die Börsen entsprechende "Ersatzprodukte" bringen werden ist sportlicher Gedanke. Die FTS soll ja die Botschaft haben "du sollst nicht kurzfristig zocken" / kurzfristige Geschäfte sollen laut EU-FTS-Fassung von 2013 unprofitabel werden (ein Ziel der FTS) ...

Wenn die FTS den Anwendungsbereich nach Ansässigkeit festschreibt kannst ausweichen was du willst, dann bleibst du als heimische Privatperson oder Firma stets in der FTS-Zone steuerpflichtig :ohmy:

Also wenn man so schaut was alles kommt/schon umgesetzt ist:
geplante FTS auf alle Finanzgeschäfte (bei Derivaten/OTC-Hebelprodukten wahrscheinlich auf den Nominalwert bezogen!!), mögliche Abschaffung der Abgeltungssteuer, mögliches Verbot von FX, CFD, binäre Optionen (zumindest starke Einschränkung), Steuerdatenaustausch ab 1.1.18 (AIA-Standard) nahezu weltweit, Änderung der Besteuerung von Fonds, ETF (ist schon im Bundestag durch), Änderung bei Immobilienfinanzierung (neue Richtlinien für Immobilienkredite durch die EU) ...

Was kommt bitte noch alles, wenn man überlegt am Markt zu den besagten 10% Gewinnern dauerhaft (!!) zu gehören (über 90% der Daytrader/Trader scheitern langfristig hört oder sagt man) kommt der Staat mit einer ordentlichen Forderung, nebst einer möglichen im voraus zu entrichtenden Steuervorauszahlung (deutsches Steuerrecht) wenn bei einem ausländischen Dienstleister das Konto/Depot ist. Wenn hier Kosten/Steuern zu Aufwand und Kosten/Steuern zu eingegangenen Risiko nebst dem gesamten Zeitaufwand und ggf. Steuerberater mal objektiv gegenüberstellt wird es schon eng, vor allem für kleine Handelskontos.

Rentiert sich nach all diesen Steueränderungen hier (Day)Trading überhaupt für einen Privaten in D noch? Inwieweit muss sich auch der Investor künftig einschränken?

Sind aber nur Gedanken, wie eingangs geschrieben ist noch nichts konkret beschlossen ... Danke an Herrn Hell, vgl. Update zur Finanztransaktionssteuer – Entscheidung schon Ende des Jahres? und Ausgestaltung ohne die Prozentsätze www.neweurope.eu/article/financial-trans...table-state-of-play/

Viel Erfolg.
Beste Grüße

Roti ;)
Letzte Änderung: 12 Okt 2016 18:18 von Roti.
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 12 Okt 2016 08:58 #27308

somit erscheint der Brexit und die beabsichtigte Fusion der Dt.Börse und LSE in einem anderen Licht... ;) für die USA und GB wird es keinen Unterschied machen, denn die Kontrakte der Eurex werden dann von London aus gehandelt ( der Bund-Future war ja früher schon in London gehandelt worden) und USA und GB stehen ohnehin für über 60% der Umsätze der Dt.Börse ...und Woolfie kann somit schon mal eine andere Rechnung aufmachen... wird halt lediglich die Anleger in den jeweiligen Länder treffen.. aber man bleibt ja flexibel... :P
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 11 Okt 2016 18:53 #27301

Das ist Populismus, mehr nicht.
Mit vielleicht üblen Folgen für uns Trader, die ohnehin schon darbenden Banken und damit dann letztlich wohl auch für die Realwirtschaft, wenn sich die finanzielle Situation der Kreditinstitute im Niedrigzinsumfeld weiter verschlechtert.

Der rote Moscovici sagt ganz offen:
"Ich glaube, viele Menschen erwarten, dass der Finanzsektor zur Finanzierung wichtiger öffentlicher Güter beiträgt, zum Beispiel Entwicklung und Klimaschutz", sagte er in Luxemburg.

Alles klar, ne?

trader-at schrieb:
Wie können die nur so naiv sein. Ohne USA und ohne dem EX-EU Mitglied GB, wird das aber nie funktionieren. lg trader-at
kurier.at/wirtschaft/zehn-eu-laender-ein...nssteuer/224.917.197
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 11 Okt 2016 18:44 #27300

Wie können die nur so naiv sein. Ohne USA und ohne dem EX-EU Mitglied GB, wird das aber nie funktionieren. lg trader-at
kurier.at/wirtschaft/zehn-eu-laender-ein...nssteuer/224.917.197
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 11 Okt 2016 17:54 #27299

Ich muss mich mal selbst zitieren, weil ich es geahnt habe :oops:
Nun also wohl doch...

www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/...ahresende-1001448527
EZB-Schmarotzer schrieb:
Die Fachpresse ist sich einig, dass Schäuble den Totengesang auf das Projekt angestimmt hat:

diepresse.com/home/meinung/kommentare/wi...se-fur-die-Tobin-Tax

So richtig mag ich dieses Optimismus noch nicht teilen :dry:
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Neuer Blog zur Finanztransaktionssteuer 13 Sep 2016 07:36 #27154

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