Die bekanntesten und wichtigsten Aktien-Varianten in der Übersicht

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Es gibt etliche Aktien-Arten, und zumindest mit den wichtigsten Modellen und ihrer Funktionsweise sollten sich interessierte Anleger auskennen, um die für sie richtigen Anlageklassen zu finden. Nicht jede Aktie bietet sich für jeden Anlegertypus an.
  • Die meisten Anleger bevorzugen Inhaberaktien, da die Anleger-Rechte dabei allein durch den Handel zwischen Käufer und Verkäufer wechseln, ohne dass eine Umschreibung auf den Namen des Käufers nötig ist. Andere Aktien-Varianten sprechen eher bestimmte Zielgruppen an.
  • Typischerweise setzen normale Anleger eher auf viel gehandelte Werte (Stamm- oder Vorzugsaktien), mit denen sie zwar eher durchschnittliche, aber dafür sichere Gewinnaussichten anstreben. Hochriskante Wertpapiere stoßen meist eher bei Profi-Tradern auf Gegenliebe.

Es gibt schier endlose viele Indizes, Aktiengesellschaften und Aktienvarianten, die Anlegern im Alltag begegnen. Dies macht Aktionären in spe den Einstieg nicht gerade leicht. An dieser Stelle folgt zunächst eine Zusammenfassung der wichtigsten Aktien-Varianten, die auch am deutschen Aktienmarkt zu finden sind. Die Zusammenstellung hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber einen ersten Einblick in die wichtigsten Aktien-Modelle geben, die entweder als Einzelwerte oder über Fonds-Investments meist schon früh den Weg der Anleger kreuzen werden.

Folgende Aktien-Arten dominieren die weltweiten Börsenplätze:

  • Stammaktien
  • Vorzugsaktien
  • Namensaktien
  • Inhaberaktien
  • Blue Chips

Die Stammaktie – das Mitspracherecht für Aktionäre

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Als Stammaktien (oder englisch „Common Stocks“) werden am Aktienmarkt Wertpapiere bezeichnet, deren Kauf für Aktionäre mit einem Stimmrecht im Rahmen von Aktionärsversammlungen einhergeht. Anleger haben in diesem Fall pro Aktie genau eine Stimme, die während der Hauptversammlung abgegeben werden kann; Enthaltungen sind natürlich ebenso möglich. Außerhalb Deutschlands gibt es alternative Regelungen, bei denen Einzelaktien mit mehreren Stimmen verbunden sein können. Die Stammaktie ist die in Deutschland gebräuchlichste Aktien-Variante. Sie sichert Anlegern neben dem Stimmrecht zugleich Ansprüche auf eine anteilige Ausschüttung etwaiger Liquidationserlöse und Zugang zu Rechenschaftsberichten von Seiten der Aktiengesellschaften. Auch Bezugsrechte und Dividendenrechte sind mit Stammaktien verbunden. Im Rahmen der Kapitalbeschaffung (Stichworte: Erstemissionen zum Börsenstart und Neuemissionen als Kapitalerhöhung) sind Stammaktien im deutschsprachigen Börsenraum das erste Mittel der Wahl für Unternehmen.

Die Vorzugsaktie – mehr Rendite ohne Stimmrecht

Vorzugsaktien sind in der Theorie der Börsianer im Grunde der Gegenpol zur Stammaktie. Anleger, die solche Aktien erwerben, haben kein Stimmrecht. Diesen Verzicht belohnen die Aktiengesellschaften in der Regel durch die Ausschüttung höherer Dividenden. Vereinfacht gesagt, ergeben die Vorzugs- und Stammaktien eines Unternehmens am Markt gemeinsam das Grundkapital eines Aktienunternehmens. Am deutschen Aktienmarkt gibt es nur ein paar Dutzend Unternehmen (Stand 2011), bei denen Aktionäre zwischen der einen oder anderen Variante wählen können. Üblicherweise geben Aktiengesellschaften vor, welche Art von Aktien sie in Umlauf bringen. Vorzugsaktien sind meist etwas günstiger zu haben, was sich abermals mit dem fehlenden Mitspracherecht erklären lässt. Die bevorzugte Ausschüttung der Gewinnbeteiligungen an Vorzugsaktien-Besitzer wird im Vorhinein gedeckelt im Rahmen der Emission – also des Aktienverkaufs an den Börsen.

Fallen die Unternehmensgewinne in einem Jahr zu gering aus, kann das so genannte Nachbezugsrecht dazu führen, dass nicht ausgezahlte Dividenden stattdessen zu einem späteren Zeitpunkt bei besseren Bilanzergebnissen angewiesen werden. Insbesondere in Zeiten niedriger Aktienkurse sind Vorzugsaktien für Unternehmen oft der einzig sinnvolle Weg zur Eigenfinanzierung, wenn Kapitalerhöhungen aufgrund geltenden Rechts nicht zulässig sind. So genannte „Familienaktiengesellschaften“, die ihren Einfluss im Unternehmen nicht mit anderen Aktionären teilen möchten, bevorzugen ebenfalls vielfach die Ausgabe von Vorzugsaktien.

Namens- und Inhaberaktien – nicht immer braucht es die Aktionärs-Registrierung

Im deutschsprachigen Raum existiert sowohl der Begriff „Namensaktie“ als auch „Namenaktie“. Im englischsprachigen Umfeld ist dabei von so genannten „Registered Shares“ die Rede. Hierbei handelt es sich um Wertpapiere, die ausdrücklich auf den Namen des jeweiligen Aktionärs geführt werden. Dies bedeutet, dass Anleger nach dem Erwerb ins Aktienregister der ausgebenden Aktiengesellschaft eingetragen werden. Im so genannten Namensaktiengesetz wird mittlerweile geregelt, dass zur Namensführung digitale Register ausreichend sind. Vormals brauchte es Aktienbücher, in denen Aktionärsnamen niedergeschrieben wurden. Auf diese Weise erhalten Aktionäre ihre verbrieften Rechte, die laut Aktiengesetz durch den Kauf auf sie übergehen.

Am deutschen Börsenmarkt handelt es sich aber zumeist um Inhaberaktien, die auch nach dem Verkauf auf den Namen der Aktiengesellschaft laufen. Jedoch kann im Einzelfall die Zustimmung der Aktiengesellschaft erforderlich sein, wenn Namensaktien verkauft und übertragen werden sollen. Werden Namensaktien weiterverkauft, müssen Register-Einträge korrigiert werden, was wiederum Nebenkosten zur Folge hat. Bei Inhaberaktien („Bearer Shares“) bleibt diese Notwendigkeit aus, was ihre „Verkehrsfähigkeit“ im Börsenhandel erhöht. Im Falle der Namensaktien wissen die Aktiengesellschaften dagegen jederzeit, wer ihre Anteilseigner sind. Der deutsche Gesetzgeber hat im Jahr 1861 den Grundstein dafür gelegt, dass Aktionäre nicht mehr zwingend anonym auftreten. Im Falle der Inhaberaktien dient der Besitz bereits als Rechtenachweis – weitere Nachweise sind also nicht nötig, um als Aktionär die eigenen Rechte geltend machen zu können. Dies macht die Übertragung denkbar einfach: Alter und neuer Eigentümer einigen sich schlicht durch die Aktien-Übergabe darauf, dass auch die Rechte den Inhaber wechseln. Aktiengesellschaften sind hierbei als Leistungs-Aussteller jedem Inhaber gegenüber zur Erbringung der vereinbarten Leistungen verpflichtet, nicht nur einer bestimmten, namentlich genannten Person.

Blue Chips – die großen Namen am Aktienmarkt

Wie viele Fachbegriffe aus dem aktuellen Börsenjargon entstammt auch der Terminus „Blue Chips“ dem US-amerikanischen Umfeld. Längst hat sich der Begriff weltweit etabliert. Ursprünglich wurde er dem Glücksspiel entlehnt, genauer dem Roulette- oder Poker-Spiel. Dort sind „Blue Chips“, also blaue Spielchips, traditionell in Casinos in den USA die höchstdotierten Jetons, die an den Spieltischen zum Einsatz finden. Diese Praxis wird gerne auf die Spielbank der Metropole Monte Carlo in Monaco zurückgeführt. Die US-Börse an der New Yorker Wall Street übernahm diese Titulierung später für Aktiengesellschaften, die sich durch besonders hohe Umsätze auszeichnen. Auch Unternehmen, die eine sehr hohe Kreditwürdigkeit (Bonität) oder Verlässlichkeit erkennen lassen, werden als Blue Chips oder „Large Caps“ bezeichnet. In Deutschland spricht man von Standardwerten, und ihr Gegenstück sind Nebenwerte bzw. „Small Caps“. Blue-Chip-Notierungen finden sich ausnahmslos an allen bedeutenden internationalen Börsenplätzen. Diese Aktiengesellschaften haben für den Index, in dem sie gelistet sind, eine besonders große Bedeutung, da sie in der Regel eine sehr hohe Kapitalisierung vorweisen können.

Schon deshalb sind Blue-Chip-Aktien in vielen Fällen die Basis für die Index-Berechnungen als solche. Beispiele sind der DAX 30, EURO STOXX 50 oder der Dow Jones. Um als Blue Chip zu gelten, müssen Unternehmen heutzutage normalerweise mindestens eine Börsenkapitalisierung von etwa einer Milliarde Euro aufweisen. Aufgrund der typischen Zyklen an den Börsen ist der Titel damit keineswegs dauerhaft gesichert. Es gibt etliche Beispiele, bei denen Unternehmen über die Jahre dank eines Branchenbooms vom Small Cap zum Blue Chip wurden, später aber wieder an Bedeutung verloren. Die bekanntesten deutschen Large Caps sind die Deutsche Bank sowie die erfolgreichen Automobilkonzerne VW und Daimler, die allesamt im Deutschen Aktienindex (DAX) geführt werden. Auch der Chemiekonzern BASF und das Versicherungsunternehmen Allianz gehören zur führenden Riege der heimischen Börsenlandschaft. In den USA sind es Aktiengesellschaften wie Coca-Cola, IBM oder die Bank of America, die gerne als Blue-Chip-Paradebeispiele genannt werden. Zunehmend spielen auch Chinas Global Player wie China Mobile oder Bank of China (BOC) in diesem Kontext eine zentrale Rolle für international ausgerichtete Aktionäre.

stefan

Mein Fazit

Deutlich wird in der Analyse, dass die Auswahl der Aktien nicht nur von den Gewinnzielen abhängt. Eine Frage ist zudem, wie risikobereit Aktionäre sind und welche Ziele Anleger jenseits der Rendite mit dem Kauf verfolgen. Nicht jeder Käufer legt Wert auf Mitsprache während der Aktionärsversammlung. Manche Investoren wissen insbesondere den Nutzen von Aktien zu schätzen, die Jahr für Jahr garantiert sichere Dividenden einbringen. Wer keine Angst vor höheren Transaktionskosten hat, kann einen Blick auf Namensaktien riskieren, deren Ausgabe und Verkauf durchaus interessante Gelegenheiten bieten können. Im Falle der Blue Chips setzen Anleger beim Handel an der Börse auf die meist gehandelten Aktien großer Unternehmen, die zumeist in den wichtigsten Indizes weltweit getradet werden.

Autor: RP