Aktien direkt oder mit Derivaten handeln?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Derivate wie Differenzkontrakte, binäre Optionen, Zertifikate und andere Investitionsmodelle zeichnen sich dadurch aus, dass Anleger oft mit sehr geringem Kapitaleinsatz Gewinne erreichen – auch in Phasen, in denen die Kurskurven kurz- oder längerfristig nach unten zeigen.
  • Ein Vorzug des Derivate-Handels ist darin zu sehen, dass Anleger im Moment der Order-Ausführung wissen, welcher Verlust droht und welchen Gewinn sie im Erfolgsfall realisieren.
  • Der Handel mit Derivat-Produkten kann oft schon im Bereich des Daytradings hohe Renditen bringen.

Der Handel mit Aktien zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass Anleger – sofern man die möglichen jährlichen Dividendenausschüttungen erst einmal außen vor lässt – Gewinne realisieren, wenn sie Aktienpakete nach einem Kursanstieg wieder zum bestmöglichen Preis verkaufen. Sinkende Kurse an der Börse sind grundsätzlich von Nachteil für Aktionäre. Jedoch bietet der Handel mit Derivaten die Gelegenheit, auch unter anderen Bedingungen gewinnbringend mit Aktien zu handeln, nämlich durch Kursveränderungen – egal, ob nun mit Wetten auf sinkende oder steigende Kurse spekuliert wird. Denn auch bei Kursverlusten bieten Derivate Chancen für Gewinne. Zahlreiche Finanzinstrumente aus dem Bereich der Derivate können für Anleger von Interesse sein. Binäre Optionen, Futures, Zertifikate, Differenzkontrakte – viele Modelle können sich eignen, je nachdem, welche Ziele Aktien-Fans verfolgen.

Einsätze beginnen oft im einstelligen Eurobereich

Gerade CFDs (Differenzkontrakte) und binäre Optionen auf Basis von Aktien-Basiswerten sind interessant. Sie zeichnen sich auf der einen Seite durch sehr hohe Maximalgewinne aus: Mehrere hundert Prozent sind bei hoher Risikobereitschaft auf Seiten der Trader denkbar. Sie bieten auch verschiedene Möglichkeiten zur Risikoabsicherung und kommen vor allem in vielen Fällen schon mit sehr geringen Mindesteinsätzen aus. Etliche Binaries- oder CFD-Broker erlauben die Kontoeröffnung schon ab einer Mindesteinlage in dreistelliger Höhe und setzen den Mindesteinsatz je Trade bei Summen im Bereich von 5 bis 50 Euro an. Natürlich entscheiden die Wünsche und Ziele der Händler darüber, welche Anforderungen die Broker-Angebote wirklich erfüllen müssen. Im Falle der Aktien-Derivate werden vielfach nicht die tatsächlichen Aktien erworben oder verkauft.

Anleger wissen vorab, welcher Maximalverlust ihnen droht

Stattdessen geht es darum, die vermutlichen Kursentwicklungen vorherzusagen. Bei anderen Produkten des Finanzmarktes werden so genannte Leerverkäufe getätigt, bei denen im Grunde nur auf dem Papier Aktien von Anbietern als Leihgabe erworben werden. Im Falle des Handel mit binären Optionen reicht es im Prinzip schon aus, auf einen Anstieg (Call-Option) oder ein Absinken der Kurse (Put-Option) zu wetten. Die Renditen liegen je nach Broker bei bis zu 90 %, wenn Trader eine zutreffende Prognose abgegeben haben. Ähnlich verhält sich die Lage im Bereich des CFD-Tradings.

Die drohenden Verluste beim Binärhandel sind Händlern vorab bekannt, was diese Art des Derivathandels gerade auch für Laien reizvoll machen kann. Obwohl auch gilt: Die maximal möglichen Verluste kennen auch Aktionäre. Hier liegt der Maximalverlust beim Gesamtkaufpreis und er entsteht im Falle einer Insolvenz der Aktiengesellschaft, deren Aktien gekauft wurden. Wie hoch das Risiko einer Unternehmenspleite einzustufen ist, entscheidet vorrangig der wirtschaftliche Erfolg des Konzerns.

Kurze Handelszeiträume bieten Derivat-Tradern gute Gewinnchancen

Im Falle des CFD-Handels wiederum kann es im Einzelfall zu einer Nachschusspflicht kommen, falls die Kurse besonders gravierende Veränderungen aufweisen. Im schlimmsten Falle müssen Trader über ihr Kontoguthaben hinaus für Verluste haften. Viele Broker aber schließen dieses Nachschuss-Risiko mittlerweile in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen aus, so dass Händler genau wissen, welche Verluste ihnen drohen. Ob Anleger Aktien nun direkt oder über Derivate handeln sollten, ist also eine Frage des persönlichen Geschmacks. Derivate sind eine gute Alternative für Anleger, die kurzfristig Gewinne erzielen möchten. Denn außerhalb einer Hochphase an der Börse müssen Aktionäre oftmals reichlich Ausdauer mitbringen, um mit Aktien Geld zu verdienen. Binäre Optionen, CFDs und andere je nach Umgebung hoch rentable Derivate können Investoren die Gelegenheit bieten, binnen weniger Minuten sehr hohe Renditen zu realisieren.

Hohe Risikobereitschaft lässt mögliche Gewinne teilweise explodieren

Im Bereich des so genannten Daytrading können Anleger Gewinne von 80 Prozent und mehr erreichen. Wie hoch die Gewinne genau ausfallen, entscheiden die Sparer mit ihrem eigenen Einsatz. Besonders rentabel ist bei vielen Derivaten der Handel übers Wochenende, denn hier sind erhebliche Schwankungen zwischen den Kursen zum Ende der aktuellen Handelswoche und zum Start der neuen Handelswoche möglich. Die erzielbaren Gewinne liegen im Gegenzug in einigen Fällen (Stichwort „High-Yield-Modus“) bei mehreren hundert Prozent. Solche Ergebnisse sind beim direkten Spekulieren auf Wertpapiere und die Aktienkurse an Börsen kaum denkbar, also nur in seltenen Ausnahmefällen bzw. beim Halten von Aktien über Jahre hinweg.

Staatliche Regulierung besteht für Derivat-Investments nicht grundsätzlich

Die Chancen, die der Derivatehandel mit Zertifikaten, Optionsscheinen, binären Optionen und anderen Instrumenten bieten kann, dürfen Anleger aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handel unterm Strich auch mit Risiken verbunden ist. Und damit ist nicht allein der drohende Totalverlust in Verbindung mit der angesprochenen Nachschusspflicht gemeint. Der Handel an den Terminbörsen ist je nach Standort des Börsenplatzes auch insofern riskant, weil nicht jede Börse und jeder Anbieter einer staatlichen Regulierung unterliegt. Oft haben Broker für den Derivat-Handel auf Basis von Aktien ihren Sitz im Ausland.

Zunehmend beantragen die Dienstleister freiwillig eine Lizenzierung und Regulierung von staatlicher Seite, weil sie das als Wettbewerbsvorteil erkannt haben. Ohne einen Broker können Anleger in diesem Bereich generell nicht aktiv werden. Das bestehende Verlustrisiko teilen die Broker meist ausdrücklich mit, indem sie ihre Kunden über die Gefahren des Derivathandels informieren. Geeignet ist das Trading von Derivaten gerade für Anleger, die einzig die meist langfristige Ausrichtung des Aktienhandels stört.

Gebührenpflichtiges Trading mit Derivaten und Aktien

Derivate bieten die Chance, kurz- bis mittelfristig zu traden und dabei dennoch auf Aktien zu setzen. Selbst im Bereich des Daytradings ergeben sich in diesem Umfeld plötzlich gute Gelegenheiten, mit denen vielleicht nicht jeder Aktionär gerechnet hätte. Ähnliche Handelszeiten wie an der Börse gelten bei vielen Brokern für den Derivat-Handel ebenfalls, in anderen Fällen kann zu verlängerten Zeiten gehandelt werden – insbesondere, wenn Anleger nicht nur an einer einzigen Börse investieren, sondern die Vorzüge des internationalen Handels zu schätzen wissen. Gebühren fallen sowohl beim normalen Aktienhandel wie auch beim Trading mit Derivat-Produkten an. Aufschläge werden beim Handel mit Derivaten oft als „Spread“ bezeichnet. Das bezeichnet den Kursunterschied zwischen dem Brief- oder Kaufpreis und dem Geld- bzw. Verkaufspreis. Mögliche Gewinne müssen diese Differenzen natürlich erst ausgleichen, damit Trader in die Rendite-Zone steuern.

stefan

Mein Fazit

Anleger, die direkt mit Aktien handeln möchten, kaufen oder verkaufen tatsächlich Aktienwerte mit Geld (wenn auch mittlerweile nur noch virtuell). Bei den so genannten Derivaten spielen dagegen nur Kursveränderungen eine Rolle für Anleger. Die Emittenten der Investitionsmodelle sind nicht die Aktiengesellschaften, sondern die Börsen oder Dienstleister, die die Infrastruktur für den Handel bereitstellen. Dies ist ein Grund dafür, dass die maximalen Renditen und die Einsatz-Anforderungen im Broker-Vergleich so unterschiedlich ausfallen. Anleger verdienen dagegen bei Investitionen am Aktienmarkt Geld durch steigende Kurse oder die Ausschüttung von Dividenden. Derivat-Trader wissen von Anfang an, welcher Verlust droht (meist der vollständige Einsatz, wenn keine Verlustabsicherung eingerichtet wurde) und welcher Gewinn winkt, wenn sie die Kurse korrekt prognostiziert haben.

Autor: RP