Konjunktur und Branchenrotation

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Im Grunde können Händler am Aktienmarkt zu fast jeder Zeit Gewinne realisieren. Dafür müssen sie Signale zu deuten wissen und verstehen, welche Chancen die Konjunktur in welcher Umgebung bietet.
  • Die Branchenrotation ist aus strategischer Sicht eine gute Möglichkeit für Aktien-Händler, die jederzeit Erfolge anstreben und sich nicht auf einem fixen Depot-Inhalt ausruhen möchten.
  • Das nötige Verständnis für die Funktionsweise der verschiedenen Branchen und Märkte erlaubt Händlern, die Zyklen der Börsenplätze zu den eigenen Gunsten auszuschöpfen.

Konjunktur BranchenrotationDie Kurse vieler Aktiengesellschaften werden nicht allein von der Nachfrage auf Kundenseite beeinflusst. Es gibt neben dem Kauf- und Verkaufsvolumen an den Börsen weltweit noch andere Auswirkungen, die Händler kennen und in ihre eigenen Entscheidungen einfließen lassen sollten, um sich dem erhofften Erfolg zu nähern. Der Terminus der saisonalen Bereinigung ist vielen Verbrauchern schon im Zusammenhang mit den Zahlen vom Arbeitsmarkt ein Begriff. Hier geht es darum, dass die Arbeitslosenzahlen stets in Relation zur saison- und wetterbedingten Nachfrage nach Mitarbeitern zu bewerten sind. Tatsächlich gibt es vergleichbare Dinge auch in allgemeiner konjunktureller Hinsicht. Gerade Unternehmen aus dem Baugewerbe verbuchen in den Wintermonaten eher keine herausragend gute Auftragslage, während sie ab dem Frühjahr vielfach einen regelrechten Boom erleben. Dies schlägt sich zwangsläufig auch im Handelsvolumen am Markt der betroffenen Branchen und in den Aktienkursen nieder.

Leerverkäufe sind nicht der einzige Aspekt der Branchenrotation

Ohnehin gehen konjunkturelle und börsliche Entwicklungen nicht zuletzt dank der Digitalisierung Hand und Hand. Geht es der Wirtschaft gut, freuen sich auch die Börsen, während die Aktienkurse in schlechten Zeiten der Konjunkturentwicklung folgen und mehr oder weniger deutlich in den Keller gehen. Wobei zu sagen ist, dass es ebenso Branchen gibt, in denen sich die Aktienkurse antizyklisch verhalten und sozusagen gegen den bestehenden Trend verlaufen. An dieser Stelle kommt das im börslichen Umfeld als „Branchenrotation“ bekannte Trading-Konzept zum Tragen. Mit dieser Anlagestrategie zielen Aktionäre gezielt auf die starken Phasen in zahlreichen Branchen ab und auf die schwachen Phasen (dies beispielsweise über Leerverkäufe und den Handel mit Finanzderivaten auf die Kurse von Aktien und anderen Wertpapieren).

Inhalte des Aktiendepots immer wieder neu hinterfragen

So geht es darum, bewusst das Aktiendepot temporär auf die Phasen auszurichten, um Gewinne während der Hochphasen mitzunehmen und Aktien rechtzeitig vor dem Trendwende innerhalb der Branchen wieder abzustoßen und durch andere Branchenwerte zu ersetzen. Vielfach taucht medial der Begriff der „saisonalen Branchenrotation“ auf. In der Regel sind es in der Analyse tatsächlich die Jahreszeiten, die im Rahmen des Rotationsprinzips eine zentrale Rolle spielen. Einige Branchen sind von quartalsweisen Trends gekennzeichnet, in anderen Bereichen zeichnen sich eher längere Perioden von bis zu sechs Monaten als gewinnbringender Zeitraum ab. Doch welche Branche lässt zu welcher Zeit des Börsenjahres eine besonders gute Performance erkennen?

Eben dies müssen Aktionäre für eine angemessene Branchengewichtung innerhalb ihrer Aktiendepots einzuschätzen wissen. Die Chartanalyse hilft bei der Bewertung der Sachlage. Auch die Fundamentalanalysen anhand historischer Daten stellen eine Hilfe dar. Dabei müssen Händler von Aktien weiterhin auch wissen, dass es etliche Branchen gibt, in denen nicht-zyklische Entwicklungen üblich sind.

Konsumbranche bietet fast immer Chancen für den Aktienhandel

Gerade im Bereich des Konsums ist die Nachfrage nach manchen Dingen oft ungebrochen. Im Gesundheitssektor ergibt die gezielte analytische Branchenrotation hingegen zumeist einen deutlichen Kurszuwachs in den Wintermonaten – aufgrund der steigenden Medikamentenumsätze. Wie alle strategischen Ansätze verlangt auch die Branchenrotation von den Nutzern ein gewisses Maß an Flexibilität, wenn Trader zwischen Industrie-Werten, Konsumgüter-Aktien und anderen Branchen switchen. Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Investments bei Verwendung der Branchenrotation: Aktionäre müssen den Mut zur Aktivität mitbringen, damit sie vor dem Hintergrund der aktuellen Lage der Konjunktur und der Börsenentwicklungen tätig werden und Aktienwerte entsprechend auswählen. Passivität ist diesbezüglich keine Option. Anleger, die ihr Depot mit einigen wenigen Werten befüllen und über Jahre hinweg auf die erhoffte Rendite warten möchten, sind beim Thema Konjunktur und Branchenrotation an der falschen Adresse.

Aktien werden bei Branchenration oft nur kurzfristig gehalten

Strategisches Vorgehen ist ja bekanntlich unverzichtbar beim Aktienhandel, um sich nicht auf einzelne Shares-Entwicklungen und das Prinzip Zufallstreffer verlassen zu müssen. Das zeitlich Begrenzte an der Strategie Branchenrotation birgt erhebliches Potenzial, verlangt Anlegern aber im gleichen Maße ein gewisses Fachwissen zu den entsprechenden Schwerpunkt-Phasen der verschiedenen Branchen ab. Vor allem die kurze Verweildauer, die bei der Branchenrotation zugrunde gelegt werden muss, um rechtzeitig eine Umschichtung vorzunehmen, fordert ein Verständnis für die Branchen und ihre Hoch- und Tiefphasen. Denn nur dann können die richtigen Momente für den Ein- und Ausstieg abgepasst werden – am besten mit einem fließenden Übergang von den Aktien einer Branche zur anderen, um reibungslos Gewinne in den verschiedenen Bereichen erreichen zu können.

Zyklische und antizyklische Branchenentwicklungen berücksichtigen

Einige Branchen weisen Entwicklungen auf, die sich parallel zur Konjunktur (also zyklisch) abzeichnen und andere, die sich – der Begriff tauchte bereits weiter oben auf – antizyklisch verändern, also gegen die Konjunktur entwickeln. Im letztgenannten Fall geht der Absatz bei schlechteren Konjunkturdaten nicht zurück. Somit geht es unter idealen Bedingungen also um ein Wechseln zwischen zyklischen und antizyklischen Branchen. Bestandteil der Branchenrotation ist aber nicht allein die Konjunktur. Kommt es in bestimmten Branchen zu innovativen Entwicklungen, ergeben sich daraus für den Aktienhandel weltweit ebenfalls beträchtliche Chance bei rechtzeitiger Entscheidung für oder gegen den Einstieg. Ein gutes Beispiel ist die Photovoltaik-Branche und ihr Boom seit ein bis zwei Jahrzehnten. Genau genommen ist der Hintergrund der Branchenrotation die Optimierung der eigenen Erfolge mit dem Wertpapierdepot beim Aktien-Broker. Zugleich können auch Entscheidungen aus der Politik und Veränderungen der Leitzinssätze Einfluss auf die Branchenrotation ausüben.

Zahlreiche Faktoren spielen bei Konjunktor und Branchenrotation eine Rolle

Abwägen müssen Anleger, ob sie nur national, europaweit oder international die Chancen der Branchenrotation für sich nutzen möchten. Beim Aktienhandel weltweit in dieser Form aktiv zu werden, bedeutet natürlich, dass Anleger umso aufmerksamer sein müssen, um die richtige Branche zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen. Timing ist alles – so ließe sich treffsicher formulieren. Zumal die Strategie oftmals nur das Verweilen für einige wenige Wochen ratsam macht, während andere Branchen über mehrere Monate steigende Kurse erwarten lassen, wie Analysten bestätigen. Kurzum: Anleger müssen stets flexibel sein, um Erfolge beim Investieren zu erreichen.

Hier nochmals die Zusammenfassung möglicher Faktoren und Indikatoren, die bei der Branchenrotation von Interesse sein können:

  • die Konjunkturlage allgemein (samt saisonaler Hochs & Tiefs, z.B. in der Baubranche)
  • der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und ähnliche Kennzahlen
  • die aktuelle Zinsentwicklung (Leitzinssätze der EZB, Fed etc.)
  • innovative Entwicklungen innerhalb bestimmter Branchen
  • wichtige Meldungen aus der Politik (Förderungen wie die damalige Abwrackprämie für die Automobilbranche oder Subventionen für Photovoltaik-Anlagen)

Experten unterscheiden 4 Phasen der Branchenrotation

Wichtige Erkenntnisse zur Branchenrotation vereinfachen die Entscheidungen merklich. Unternehmen der Chemiebranche können zu Beginn eines Börsenzyklus beispielsweise meist von den Trends profitieren, da zu dieser Zeit nach einem Kursrückgang Rohstoffe zu sehr günstigen Preisen erhältlich sind. Dies birgt für die Konzerne ein gutes Gewinnpotenzial. Kommt es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, nimmt auch die Nachfrage nach Investitionsgütern und somit den Aktien dieser Branche zu, was eine Chance für Unternehmen aus der Industrie birgt, die auf Expansion setzen. Steigende Einkommen als Folge des Wirtschaftswachstums wiederum ziehen eine höhere Konsumfreude der Verbraucher nach sich – auch dies bringt Schwung in die Branchenrotation, da die Stocks von Aktiengesellschaften aus der Konsumgüterbranche ein Kursplus verbuchen.

Aus Sicht der Analysten setzt sich die typische Branchenrotation bzw. der als Basis dienende Zyklus der Konjunktur aus einem vierstufigen Modell zusammen:

Phase 1: der wirtschaftliche Aufschwung als solcher

Phase 2: der Boom der Konjunktur

Phase 3: der Abschwung der Konjunktur

Phase 4: die Rezession

Phasen können strategisch unterschiedliche Gewichtung aufweisen

Die besagten Phasen weisen – jede für sich und je nach Marktumgebung in unterschiedlicher Stärke – verschiedene Dynamiken auf, die Anleger für einen angemessenen strategischen Ansatz zu bewerten wissen müssen. Die genannten Punkte sind nur einige von vielen möglichen Indizien und Konsequenzen, die eine Umschichtung des Aktiendepots empfehlenswert erscheinen lassen können. Das bedeutet nicht, dass es nicht dennoch Wirtschaftszweige gibt, die von den Entwicklungen eher kaum bis gar nicht betroffen sind. Sie werden oftmals als „konjunkturresistent“ bezeichnet. Die Telekommunikationsbranche und die Pharmaindustrie sind zwei dieser Wirtschaftszweige. Eine interessante Alternative für Aktionäre, die nicht ständig Aktien aus bestimmten Branchen verkaufen und umschichten möchten, sind erfahrungsgemäß Fonds, zum Beispiel die immer beliebteren ETFs.

Fonds können das Rotationsprinzip merklich vereinfachen

Diese „Exchange-traded Funds“ sind börsengehandelte Fonds, die als besondere Art eines Investmentfonds unter anderem auch ausgerichtet auf spezielle Branchen angeboten werden. ETFs machen die Branchenrotation nicht nur für Profi-Trader interessant. Die Fonds gibt es ebenfalls auf nationaler wie internationaler Ebene. Innerhalb der Branchen wiederum offerieren Betreiber meist auch eine gewisse Auswahl. Die Tatsache, dass Börsen die Entwicklungen der Konjunktur in den meisten Fällen vorab aufgreifen, macht die Branchenrotation in der Regel für normale Anleger nicht gerade einfach. Umso wichtiger ist, dass Aktionäre vor der Umschichtung auf Indikatoren wie den angesprochenen ifo-Geschäftsklimaindex schauen. Das Problem für Trader: Die Zeiträume der Zyklen verkürzen sich immer weiter. Dies lässt sich in erster Linie dadurch erklären, dass die Märkte dank der digitalen Technologien und der Globalisierung immer enger zusammenrücken und in Interaktion miteinander stehen.

stefan

Mein Fazit

Aktionäre müssen nicht zwingend und in jeder Situation dauerhaft an Aktien festhalten, um Gewinne vorweisen zu können. Je nach Lage der nationalen oder internationalen Konjunktur kann die Branchenrotation als Trading-Strategie im Grunde in jedem Moment den Weg zu einer erklecklichen Rendite ebnen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang natürlich das Wissen um die Chancen und Risiken, die mit ausnahmslos jeder Investitionsstrategie verbunden sind. Dabei kann die Branchenrotation erfahrenen Tradern aber ein ausgesprochen gutes Risiko-Rendite-Verhältnis in Aussicht stellen.

Autor: RP