Leerverkauf von Aktien (auf fallende Kurse setzen)

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • So umstritten Leerverkäufe bei vielen Experten auch sind: Durch die Ausleihe von Aktien aus dem Portfolio von Fonds und anderen Anbietern können Anleger durchaus Chancen nutzen, auf fallende Kurse setzen und später hohe Renditen realisieren.
  • Insbesondere zur Absicherung (Hedging) gegen Verluste im normalen Aktienhandel kann der Leerverkauf von Aktien Anlegern interessante neue Wege eröffnen. Wie gewohnt braucht es dabei eine genaue Planung für den Erfolg.
  • Sinkende Kurse müssen also nicht zum Minus im Aktiendepot führen – stattdessen kann ein Leerverkauf bei optimalem Ausgang und geringen Kosten so manches Minus gänzlich ausgleichen.

leerverkauf von aktienAktien sind je nach Lage an den Märkten ein durchaus heißes Eisen, an dem sich nicht nur Anfänger die Finger verbrennen können. Unerfahrene Trader befürchten oft, die besten Gelegenheiten für den Einstieg zu verpassen, wenn sie nicht ständig die Kursentwicklungen im Blick behalten und rund um die Uhr Analysen vornehmen. Und natürlich ist es zutreffend, dass sich durch die konstante Bewertung am ehesten Chancen bei steigenden Kursen an den Börsen weltweit ergeben können. Vergessen wird dabei aber in vielen Fällen, dass Aktionäre nicht zwingend mit Derivaten oder Differenzkontrakten jonglieren müssen, um auf fallende Kurse setzen zu können und trotz einer Trendwende mit Kursverlusten Gewinne zu realisieren. Gemeint ist hier der Leerverkauf von Aktien.

Dieser Ansatz geriet während der akuten Phase der Finanzkrise in Misskredit. Viele Kritiker sprachen sich für ein generell Leerkaufs-Verbot aus und sahen in diesem Spekulationsmodell einen der Gründe für die Zuspitzung oder den Ausbruch der Krise an sich.

Nicht jeder Aktionär sollte den Leerverkauf für sich nutzen

Andere Experten sehen im Leerverkauf von Aktien einen regelrechten modernen Segen für Anleger, die auch in schlechten Zeiten durch gute Prognosen Gewinne einstreichen möchten. Wie so häufig liegt die Wahrheit beim Aktienhandel vermutlich irgendwo in der Mitte. Richtig oder falsch gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Trader dürfen laut Gesetzgeber auf fallende Kurse setzen – damit sind Debatten im Grunde überflüssig. Die Frage ist eher: Für wen eignen sich Aktien-Leerverkäufe und mit welchen Risiken sind sie im Alltag verbunden? Antworten auf diese und andere Fragestellungen finden Leser in den folgenden Abschnitten des Ratgebers rund um das Aktien-Thema. Die Lektüre vermittelt die Funktionsweise des Leerverkauf-Ansatzes, ohne die Risiken außer Acht zu lassen. Denn auch hier sind hohe Gewinne mit gewissen Gefahren verbunden.

Private Anleger erkennen Chancen des Leerverkaufs von Aktien

An dieser Stelle soll es also um eine objektive Bewertung von Nutzen und Gefahren gehen, ohne Leerverkäufe generell zu verteufeln oder in den Himmel zu loben. Zutreffend ist jedenfalls die Aussage, dass der Leerverkauf von Aktien an der Börse international zunehmend bedeutender wird. Denn auch die vormals eher skeptischen Privatanleger erkennen die Chancen, die der Markt in diesem Bereich zu bieten. Weltweit wurde heftig über mögliche konsequente Verbote dieser Nische des Marktes diskutiert. In Ländern wie Deutschland wurden die Debatten besonders hitzig geführt, was nicht bedeutet, dass Leerverkäufe hierzulande generell verboten wären. Zumal könnenAnleger den Umweg über Broker aus dem Ausland wählen, um Erfahrungen mit dem umstrittenen Investitionsmodell zu sammeln.

Es gibt sie, die echten Zocker unter den Aktionären, die sich das langwierige Warten auf positive Börsentrends ersparen möchten. Vielmehr beziehen sich die Verbote ohnehin auf so genannte ungedeckte Leerverkäufe von Aktien sowie im gleichen Maße von (Staats-)Anleihen.

Zu den Teilnehmern im Bereich des Leerverkaufs von Aktien gehören unter anderem:

  • institutionelle Investoren, wie Investment-Pools, Banken, Unternehmen etc.,
  • Hedgefonds, die vor allem den Absicherungsaspekt zu schätzen wissen,
  • Privatinvestoren, die Leerverkäufe über Makler zur Spekulations- oder Absicherungszwecken ausführen.

Gewinne durch Abstand zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreisen

Gegen „gedeckte“ Leerverkäufe spricht also nichts. Im gängigen Börsenjargon werden Trader, die ihr Geld mit dem Leerverkauf von Aktien verdienen, auch als „Short Trader“ bezeichnet. Ein wichtiger Aspekt der Funktionsweise wurde bereits aufgegriffen: Von einem Leerverkauf wird gesprochen, wenn Aktionäre – wobei Anleger in diesem Fall eigentlich keine Aktionäre im eigentlichen Sinn sind – auf fallende Wertpapier-Kurse spekulieren. Dies geschieht, indem sich die Anleger die gehandelten Aktien von Drittanbietern im Grund ausleihen. Oft treten Fonds als Anbieter in Erscheinung, aber auch größere institutionelle Händler können als Partner auftreten. Der Hintergrund aus Anlegersicht ist, dass die Leihgaben im Falle tatsächlich sinkender Preise am Markt später preiswerter als „echte“ Anlagen zurückgekauft und an den Ausleiher zurückgegeben werden können. Ihren Gewinn erzielen Händler beim Short Selling über die Differenz zwischen anfänglichem Verkaufspreis und dem abschließenden Rückkaufpreis. Vom Ertrag muss später noch die Gebühr abgezogen werden, welche die Ausleiher für ihren Service erheben. Die Anbieter profitieren hierbei davon, dass sie Umsatz und Gewinn generieren, ohne selbst Aktien vorzeitig verkaufen zu müssen. Sie behalten die betreffenden Aktien in ihrem Portfolio.

Ungedeckte Leerverkäufe am deutschen Markt untersagt

Die Frage nach dem Unterschied zwischen gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen kann rasch eine hinreichende Antwort finden. „Gedeckte Short Sellings“ sind Positionen, bei denen Haltefristen vereinbart werden. Diese Fristen definieren, wie lange sich die Teilnehmer eines Aktienmarktes Wertpapiere von anderen Marktteilnehmern für einen angestrebten Verkauf leihen. „Ungedeckte Leerverkäufe“ (oft auch als „nackte“ Short-Positionen bezeichnet) sind Orders, bei denen es vielfach gar nicht erst zum tatsächlichen Ausleihen kommt. Hier wird nur noch theoretisch gehandelt, was sehr große Positionen erlaubt – auf Basis von Aktienpaketen, die in dieser Weise eigentlich gar nicht wirklich existieren. Aufgrund des enormen Drucks, den solche Handelsaktivitäten als potentielle Kursausschläge auf Aktien und Märkte ausüben können, sind die Geschäfte in Deutschland untersagt.

Sinkende Kurse als Möglichkeit zur Gewinnmitnahme begreifen

Beim Leerverkauf von Aktien verkaufen Aktienhändler also einen Vermögenswert, den sie nicht im eigentlichen Sinne tatsächlich im eigenen Aktiendepot halten. Beliebt ist der Aktienhandel über Leerverkäufe vor allem in Form der so genannten Differenzkontrakte. Allerdings ist das Short Selling auch am normalen Aktienmarkt bzw. bei normalen Aktien über den Online-Aktien-Broker durchaus eine Alternative, um sich als Anleger neue Wege zu eröffnen. Was sind Leerverkäufe? Diese Frage wurde eingehend beantwortet. Auch das Wie ist weitgehend geklärt: Anleger, die mit einem Leerverkauf von Aktien aus sinkenden Kursen Gewinne ziehen möchten, müssen sich von Dritten Aktien ausleihen. Dies geschieht im Normalfall durch die Einbindung eines Maklers. Dieser übernimmt die Vermittlung und führt meist auch den Verkauf aus. Im Gegenzug wird eine Maklercourtage als Gebühr für die Ausführungs- und Vermittlungsarbeit beim „Shorten“ von Aktienpositionen fällig.

Ein Beispiel für einen rentablen Trade mit einem Leerverkauf von Aktien:

Die Aktie XY hat einen aktuellen Marktpreis von 25,00 Euro. Als Anleger rechnen Sie damit, dass der Kurs – beispielsweise wegen erwarteter schlechter Quartalszahlen – sinken wird. Aus diesem Grund entscheiden Sie sich dafür, 1.000 Aktien der betreffenden Aktiengesellschaft leer zu verkaufen. Dies entspricht somit einem reinen Aktien-Gesamtpreis von 25.000 Euro – etwaige Gebühren für den Aktienhandel außen vorgelassen.

Die publizierten Daten fallen später tatsächlich negativ aus und lassen den Kurs fallen. Der Kurs fällt auf 24,00 Euro. Sie kaufen nun 1.000 Aktien mit einem Gesamtpreis von 24.000 Euro. Die vormals geliehenen Aktien geben Sie nun zurück. Ihr Umsatz ist nun die preisliche Differenz zwischen dem ersten Verkaufspreis und dem niedrigeren Ankaufspreis – in diesem Fall also eine Summe von 1.000 Euro. Abgezogen werden an diesem Punkt nun noch Gebühren für die Ausleihe, die angesprochene Maklercourtage sowie mögliche Kommissionen, die für Ihren Anbieter im Aktienbroker-Vergleich zu erkennen sind.

Natürlich kann auch das genaue Gegenteil eintreffen, so dass Anleger ein Minus auf dem Handelskonto verbuchen.

Ein Beispiel für einen Trade mit Verlust beim Short Selling:

Dieselbe Aktie XY kostet wiederum zum Zeitpunkt des Leerverkaufs 25,00 Euro. Ein Short Seller leiht sich sich 1.000 Aktien und verkauft diese leer zu einem Gesamtpreis von 25.000 Euro. Wider Erwarten steigt der Aktienkurs zeitnah aber auf 27,00 Euro. Trotzdem müssen Trader bei diesem Szenario zum geplanten Zeitpunkt am Laufzeitende die ausgeliehenen Wertpapiere zurückgeben. In diesem Fall müssen also 1.000 Aktien des Unternehmens zu einem Preis von insgesamt 27.000 Euro erworben werden. Der involvierte Makler gibt die Aktien dann an den Ausleiher zurück. Der Verlust würde unter diesen Bedingungen also bei 2.000 Euro liegen. Hinzu kommen mögliche Trading-Gebühren wie die besagte Leihgebühr und die Broker-Kommission.

Aktienhandels-Verluste können mittels Leerverkauf abgesichert werden

Der Grund, weshalb Aktionäre zunehmend auch Leerverkäufe tätigen, besteht also darin, dass sie so auch aus einem Baissemarkt, also einem Markt mit sinkenden Aktienpreisen, Profit ziehen können. Selbstverständlich benötigen Trader das unverzichtbare Hintergrundwissen, um mit Erfolg auf sinkende Aktienkurse spekulieren zu können. Interessant sind Short-Positionen insbesondere zur Absicherung normaler Aktienpositionen – gerade im Hinblick auf den CFD-Handel. Experten sprechen dabei vom so genannten „Hedging“. Wichtig für Aktionäre, die Leerverkäufe in Betracht ziehen: Zumindest in der Theorie können die Aktienkurse unendlich steigen, nachdem Trader über die Handelsplattform ihres Brokers einen Leerverkauf von Aktien vorgenommen haben. Abhilfe als Verlustabsicherung schafft die Einrichtung eines Stop-Loss. In den Genuss von Dividendenzahlungen kommen Short Seller generell nicht, denn die Aktien gehört trotz der Leihgabe dem eigentlichen Eigentümer.

Short-Selling bleibt ein viel diskutiertes Thema an Börsen weltweit

Aus rechtlicher Sicht ist es denkbar, dass Spekulationen auf sinkende Aktienkurse nicht zu allen sonst geltenden Handelszeiten zulässig sind. Zudem können Aktien natürlich nur dann ausgeliehen werden, wenn jemand anderes überhaupt den Wunsch hegt, Aktien an andere Händler auszuleihen. Zeitliche Restriktionen von staatlicher Seite verfolgen vor allem das Ziel zu verhindern, dass massive, regelrecht systematische Verkäufe von Leer-Positionen vieler Trader ganze Branche ins Schwanken bringen. Je nach Broker können Leerverkäufe an unterschiedlichen Börsen weltweit vorgenommen werden. Trotz aller Kritik von Seiten vieler Analysten weisen Befürworter unter Berufung auf wissenschaftliche Auswertungen regelmäßig darauf hin, dass Leerverkäufe durchaus eine wichtige Rolle spielen für die internationalen Finanzmärkte.

So verhindern sie Studien zufolge, dass die Aktienkurse endlos steigen und zu regelrechten Spekulations-Exzessen an den Handelsplätzen führen. Überbewertete Wertpapiere halten den Belastungen durch Wetten auf sinkende Kurse meist nicht allzu lange stand.

stefan

Mein Fazit

Anleger, die auf konventionellem Wege mit Aktien handeln, müssen ständig auf Kursanstiege hoffen, um ihren Gewinn zu steigern. Fallen die Kurse, sinkt die Rendite oder es kommt sogar zu einem Verlust. Dieses Minus können Aktionäre durch einen Leerverkauf von Aktien ausgleichen. Allzu kompliziert ist die Vorgehensweise nicht. Zur Berechnung ihrer Gewinnchancen sollten Händler aber stets die anfallenden Gebühren im Hinterkopf behalten, die für die Leihgabe und die Orderausführung über die Online-Aktien-Broker fällig werden. Nach dem Abzug muss etwas übrig bleiben vom Gewinn. Dies gilt umso mehr, wenn Leerverkäufe als Absicherungsmodell für den Aktienhandel genutzt werden.

Autor: RP