Absicherung von Aktienportfolios

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Der Begriff „Hedging“ begegnet Aktionären an vielen Stellen. Gemeint ist damit die Absicherung von Aktienportfolios. Ein Ansatz sind Stop-Loss-Orders, vor allem aber können Aktien-Optionen dabei helfen, Aktiendepots idealerweise vollständig gegen Verluste zu schützen.
  • Um die richtigen Absicherungsstrategien festzulegen, müssen Trader nicht nur die Kurse, sondern im gleichen Maße die Kosten für den Optionshandel kennen. Denn nur so kann eine praxisnahe Kosten-Nutzen-Berechnung erfolgen. Hier geht es um die Frage: Wie groß müssen die Absicherungspositionen sein?
  • Online-Options-Broker arbeiten im Normalfall mit besonders günstigen Ausführungspreisen, so dass von den realisierten Gewinnen möglichst viel erhalten bleibt.

Absicherung von AktienportfoliosDie Auswahl geeigneter Aktien, die beim Handel an der Aktienbörse weltweit oder national an der Börse Frankfurt zum eigenen Investitionsziel passen, stellt gerade Einsteiger vor einige Probleme. Welche Aktien für Anfänger infrage kommen, wurde an anderer Stelle bereits ausführlich erläutert. Hier soll es nun um die Frage gehen, welche Optionen sich Anlegern zur Absicherung von Aktienportfolios anbieten und wie genau dabei vorzugehen ist. Ein gern bemühtes Parallel-Beispiel für die Notwendigkeit passender Absicherungsstrategien ist der Hauskauf. So heißt es vielfach, dass auch Haus- und Wohnungseigentümer niemals auf den Versicherungsschutz für ihre Immobilien verzichten würden. Gleiches sollte nach Auffassung von Branchenkennern auch für den Aktienkauf und -handel gelten – selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts im Falle einer Insolvenz der jeweiligen Aktiengesellschaften hinter einem Wertpapier gering scheint.

Limits sind nur ein Weg – Absicherungsstrategien ein anderer für Händler

Auch gegen den normalen Kursverlust, der immer wieder auftreten kann, gibt es Hilfsmittel. In der Tat bieten sich über die Handelsplattformen der Aktien-Broker in vielen Fällen gleich zwei Wege zur Absicherung von Aktienpositionen im Depot an. Modell 1 ist die so genannte „Stop-Loss Order“. Hierbei wird vom Anleger ein Limitkurs eingestellt. Wird dieser Kurswert an der Börse erreicht, kommt es zum automatischen Verkauf der betreffenden Aktie. Ihrer grundsätzlichen Funktionsweise nach ist diese Orderart allerdings nicht als reine Absicherungsstrategie gedacht. Vielmehr dient sie dazu, das Aktienportfolio gegen drohende Kursverluste zu schützen – es geht also um das Vermeiden von Verlusten. Um den Hintergrund einer Absicherung von Aktienportfolios zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf einen absicherungsfreien Trade.

Kauft ein Händler zum Beispiel ein Aktienpaket mit 50 Aktien bei einem Einzelpreis von 40,00 Euro pro Aktie, liegt der Gesamtverlust im Falle einer Unternehmens-Insolvenz bei exakt 2.000 Euro. Bei einem Kursrückgang auf nur noch 25,00 Euro beträgt das Minus 750 Euro, was immerhin noch einen schmerzlichen Verlust für normale Privatanleger darstellt.

Optionen schützen Aktien-Trader vor massiven Verlusten

Absichern lässt sich ein solcher Aktienkauf durch den ergänzenden Erwerb von Aktien-Optionen. Die eigentliche Position ist identisch in diesem Beispiel-Trade. Optionen sind – der Begriff bringt es im Grunde treffend auf den Punkt – ein Recht für Händler für den Kauf eines gewissen Volumens einer bestimmten Aktien (auch als Basiswert, Asset oder Underlying bezeichnet) zu einem vorab definierten Preises. Hierbei spricht man im Fachjargon von einer „Call-Option“. Wichtig dabei ist: Händler haben zwar das Recht zum Kauf, müssen dieses Recht aber nicht zwingend in Anspruch nehmen.

Eine Verkaufsoption wird „Put-Option“ genannt. Als Finanzderivate gelten Optionen vielfach als hochspekulativ und risikobehaftet. Der historische Hintergrund aber ist eben die besagte Absicherung von Aktienportfolios – sowohl von An- als auch Verkäufen – im Vorhinein und ungeachtet der späteren Kursentwicklungen. Die Absicherung trägt in fachlichen Beschreibungen in vielen Fällen auch den Namen „Hedgen“ oder „Hedging“.

Basisdaten, die Trader für den Optionshandel kennen müssen:

  • „Strike-Price“ (Ausübungspreis): Gemeint ist der Preis, zu dem der Call oder Put im Fall der Fälle ausgeführt wird.
  • „Strike-Day“ (Ausübungstag): Hier geht es um den Tag, der als späterer Zeitpunkt für die Ausübung der Call- oder Put-Option infrage kommt
  • Die Größe des Kontrakts/der Option: Optionen werden zumeist in größeren Volumina getradet. Im Falle der Aktien-Underlyings können dies möglicherweise Mengen von 100 oder mehr Shares sein.
  • Die Versicherungs- oder Absicherungsdauer: Dies ist das Zeitintervall bis zum vereinbarten Ausübungstag, also dem Zeitpunkt,, bis zu dem der vereinbarte Preis Gültigkeit hat. Nach diesem Termin müssen neue Absicherungspositionen eröffnet werden.

Verkauf jederzeit möglich oder nur zum Ablauftermin

Eine weiterer Unterscheidung, die Aktionäre mit dem Willen zur Absicherung von Aktienportfolios kennen sollten, ist die zwischen „amerikanischen“ und „europäischen“ Optionen. Angebote amerikanischer Art erlauben eine Ausführung zu jedem x-beliebigen Moment während der geplanten Laufzeit, europäische Optionen hingegen können einzig und allein am Strike-Day ausgeübt werden. Für die Nutzung der Absicherungsstrategie beim Aktienhandel sind Trader auf einen Options-Broker angewiesen. Als günstigste Alternativen bieten sich diesbezüglich reine Online-Anbieter an. Hier fallen die Kosten für den Optionshandel in vielen Fällen besonders kundenfreundlich aus, weil die Betreiber kein eigenes Filialnetz unterhalten und somit sehr preiswert arbeiten können. Wichtig ist dabei vor allem, dass neben günstigen Spesen für Orders auf Konto- bzw. Depotführungsgebühren verzichtet wird.

Die eigentliche Vorgehensweise bei der Absicherung von Aktienportfolios:

Händler erwerben auf der einen Seite die Aktie XY in der gewünschten Menge. Darüber hinaus kommt es zum Kauf (amerikanischer oder europäischer) Put-Optionen auf eben diese Aktie. Im gegenteiligen Fall kann eine Call-Option einen Aktienverkauf absichern. Die Börsen bieten Optionen im Regelfall zu verschiedenen Ausübungskursen an. Wenn etwa der eigentliche Aktienpreis bei 60 Euro liegt, der Strike-Price der Put-Option hingegen bei 45,00 Euro, können die reservierten Optionen jederzeit verkauft werden, falls der Aktienkurs auf 45,00 Euro oder weniger sinkt. Vollständig umgehen können Händler Verluste, wenn der Ausübungspreis der Optionen ebenfalls bei 60,00 Euro liegt. Ein genauer Vergleich der Broker ist deshalb unerlässlich, weil die Absicherung zwangsläufig mit Kosten verbunden ist. Die Höhe der Optionsprämien allerdings variiert. Unter idealen Bedingungen gleicht ein Kursgewinn beim Aktienhandel die Gebühren vollständig aus.

Eindeutige Mindestanforderungen bei der Absicherung durch Optionen

Einige Broker setzen auf fixe Prämien, andere arbeiten mit prozentualen Werten bezogen auf den Optionspreis. 5 bis 10 % sind durchaus gängige Praxis. Im Falle eines Kursanstiegs werden Anleger erwartungsgemäß auf die Realisierung ihrer Put-Optionen verzichten. Die Umsetzung der Absicherung gelingt mit etwas Erfahrung praktisch und mühelos. Aktionäre sollten sich im ersten Schritt stets überlegen, welchen Verlust sie maximal hinnehmen möchten. Aus dieser Summe kann im Gegenzug errechnet werden, welcher Verlust pro Aktie für die Absicherung von Aktienportfolios anzusetzen wäre in der fiktiven (und später freilich realen) Order. Möchte ich bei einem Kauf von 100 Aktien zu einem Aktienpreis von 10,00 Euro maximal 100 Euro Verlust verbuchen, sollte der Strike-Price demzufolge bei 9,00 Euro (1,00 Euro Verlust je Aktie) liegen.

Die Regel sind Schritte von einem Euro, kleinere Zwischenschritte sind eher Ausnahmefälle bei Options-Brokern. Auswählen können Trader auf den Handelsplattformen ihres Brokers auch die Verfallszeitpunkte für die Optionen, wobei die Versicherungsdauer an sich bei amerikanischen Optionen, wie bereits erklärt, selbst bestimmt wird bis zum letztmöglichen Ausübungstag.

Größere Märkte und Börsenplätze weisen hohe Volatilität auf

Je kleiner der Markt, an dem Trader aktiv werden möchte, desto geringer fällt die Auswahl der handelbaren Optionen normalerweise aus. So gibt es für amerikanische oder deutsche Aktien einen weitaus größeren Markt als etwa bei Aktien aus Luxemburg oder der Alpenrepublik Österreich. Zur Kenntnis nehmen müssen interessierte Händler im nächsten Schritt, dass der Optionsmarkt zumeist wesentlich volatiler als der Aktienmarkt ist. Dies bedeutet, dass die Kursschwankungen häufig deutlicher und akuter ausfallen können. Sofern Optionen allein mit dem Ziel der Absicherung von Aktienportfolios eingesetzt und nicht als eigenständiges Spekulationsinstrument Verwendung finden, ist dies im Rahmen des Hedgings eher nebensächlich. Die zentrale Frage für Aktionäre, die einen Weg zur Verlustabsicherung suchen, ist die nach den sinnvollen Umständen, unter denen Put-Optionen eindeutig für Absicherungsmaßnahmen geeignet sind.

Zu nennen sind an dieser Stelle folgende Bedingungen:

  • 1. Hat eine Aktie zuletzt massive Kursgewinne verbucht und rechnet ein Anleger nicht mit einer Trendfortsetzung, kann der Einsatz von Optionen auf das Wertpapier empfehlenswert sein.
  • 2. Absicherungen lohnen sich, wenn die Kosten so gering ausfallen, dass nach Abzug aller Handelsgebühren ein möglichst großer Anteil des realisierten Aktiengewinns übrig bleibt.
  • 3. Hedging ist eine ratsame Vorgehensweise, wenn das Portfolio keine ausreichende Diversifikation (Risikostreuung) aufweist, also von größeren Positionen einzelner Aktien geprägt ist → hier fiele das Verlustrisiko ohne Absicherung erheblich aus.
  • 4. Bei Aktienkäufen in kritischen Phasen (beim jeweiligen Emittenten oder am Aktienmarkt und den Börsen allgemein) dient die Absicherung gegen massive Kurseinbrüche.

Broker helfen bei der Einarbeitung in den Optionshandel

Argumente für die Absicherung von Aktienportfolios lassen sich in ausreichender Zahl finden. Vorausgesetzt wird dabei generell, dass die Konditionen stimmen und es Anzeichen für sinkende Kurse gibt, während sich Aktionäre nicht mit Verlusten von ihren Depotinhalten trennen möchten. Eine genaue Analyse der Kursentwicklungen einer Aktie gibt Händlern Aufschluss darüber, wann es Zeit für Absicherungen ist und wann der Aktienkurs steigen wird. Die Empfehlungen von Brokern in diesem Kontext werden generell ohne jede Gewähr ausgesprochen. Sie können aber durchaus als Fingerzeig dienen, um rechtzeitig das Depot vor Verlusten zu schützen. Wichtig ist die Einsicht, dass das Optionsrecht bei einem Kursanstieg nicht beansprucht werden muss. So können vor allem Ausführungskosten vermieden werden.

stefan

Mein Fazit

Optionen auf Aktien finden bei vielen Aktionären Zuspruch, die sich nicht allein auf die Fundamentalanalyse oder technische Analyse verlassen möchten. Trotz der Aussicht auf steigende Marktpreise kann eine Absicherung von Aktienportfolios über Optionen auf die Wertpapiere im Depot einen guten Schutz darstellen, um alle Vorkehrungsmaßnahmen zu nutzen, die für den Börsenhandel infrage kommen. Ein gutes Gespür braucht es auf Anlegerseite, um den richtigen Markt und die passenden Optionen auszuwählen, die zum jeweiligen Zeitpunkt die besten Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Autor: RP