Darf es etwas mehr sein? – Dividenden-Strategien

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Anleger können am Aktienmarkt nicht allein durch den Verkauf von Wertpapieren nach einem Kursanstieg Gewinne realisieren. Es können auch andere Umsätze erreicht werden. Zu diesem Zweck muss gesichert sein, dass Aktiengesellschaften ihren Anteilseignern Dividenden zahlen.
  • Aktionäre müssen Wertpapiere nicht dauerhaft im Depot behalten, um über Dividenden-Strategien mehr Geld aufs Aktienkonto zu bringen.
  • Eine garantierte und fixe Dividende gibt es meist nicht, denn Umsätze, Gewinne und Verluste dienen Unternehmen zur Festlegung der Ausschüttung pro Aktie.

Dividenden StrategienWege, die zur Rendite führen, gibt es an der Börse mehr als genug. Doch nicht jeder Ansatz spricht jeden Händler an und ist gleichermaßen für jeden Typus eines Traders geeignet. Dies gilt auf der einen Seite für den Hochfrequenzhandel, bei dem Anleger kurzfristig viele Positionen mittels Scalping eröffnen und so aus zahlreichen, oft sogar zahllosen kleinen Trades einen hohen Gesamtgewinn entstehen lassen. Auch das Daytrading ist nicht für jeden etwas, wenn die Zeit für die ständige Marktanalyse fehlt. Denn ohne einen guten Überblick gelingt in diesem Bereich im Grunde nichts. Regelrecht stiefmütterlich werden von vielen Aktionären die Chancen behandelt, die sich durch den Einsatz einer individuell passenden Dividendenstrategie ergeben können.

Denn während Gewinne durch einen gestiegenen Aktienkurs immer von der Marktlage sowie der Situation der betreffenden Aktiengesellschaft abhängig sind, zahlen viele Unternehmen Jahr für Jahr Dividenden pro Aktie an ihre Anteilseigner aus.

Höhe der Dividendenzahlung hängt vom Unternehmenserfolg ab

Die genaue Höhe der Dividende, die pro Aktie ausgeschüttet wird, ist in der Regel kein Fixum, sondern wird in vielen Fällen jährlich neu bekannt gegeben. Geschuldet ist dies der Tatsache, dass die Bilanzen entscheidend dafür sind, wie hoch die Dividenden angesetzt werden und ob überhaupt ein Anteil eines realisierten Gewinns an die Aktionäre ausgezahlt wird. Bevor Anleger ihre normalen Aktiengewinne durch Dividendenerträge aufstocken, sollten sie eines berücksichtigen: Nicht jede Aktienvariante zeichnet sich dadurch aus, dass Aktionäre auf diesem Wege ergänzende Gewinne erreichen. Vielmehr kann gesagt werden, dass es die Aktienunternehmen selbst sind, die sich vielfach bewusst gegen Dividendenzahlungen entscheiden. Dividenden-Strategien wollen also sinnvoll geplant sein, wobei eine Zusammenstellung des Portfolios aus Aktien mit und ohne Dividenden durchaus ebenfalls infrage kommt.

Kauf am Tag der Hauptversammlung reicht zur Dividenden-Mitnahme

Dividenden werden im Normalfall direkt am Tag nach der Hauptversammlung eines Aktienunternehmens (dem so genannten „Ex-Tag“) ausgezahlt. Um Zahlungen zu empfangen, würde in der Theorie also ein Aktienkauf am Tag vor der Versammlung ausreichen. Beim Handel mit Aktienwerten aus dem Ausland können Sonderregelungen gelten, einerseits hinsichtlich der Fristen für den spätestmöglichen Kauf, andererseits mit Blick auf die Zahlungs- bzw. Ausschüttungsintervalle. Denn im Ausland werden Dividenden teilweise nicht als Einmalzahlungen angewiesen, sondern eventuell pro Quartal oder Halbjahr. Höher müssen die Gewinnbeteiligungen im Vergleich natürlich dennoch nicht ausfallen. Vorrangig ist ohnehin bei Bevorzugung der Dividenden-Strategien, dass die Aktien überhaupt „dividendenberechtigt“ sind. Nicht zutreffend ist trotz aller gegenteiligen Gerüchte, dass Aktionäre zwingend dividendenberechtigte Aktien für das gesamte Jahr halten müssen.

AG zahlt Dividende an Besitzer berechtigter Aktie

Diese Aussage ist so nicht korrekt. Vielmehr ließe sich sagen: Der AG ist es egal, an wen die Gelder fließen. Also reicht es im Prinzip aus, die Aktien kurz vor der Hauptversammlung (HV) zu erwerben und direkt nach Einstreichen der Dividende wieder zu veräußern. Die gezahlte Dividende wirkt sich am Tag der Auszahlung übrigens auf den Handelspreis aus: Dann wird die Dividendensumme im aktiven Handel vom Aktienkurs abgezogen („Dividendenabschlag“), um so einen kurzfristigen Ausgleich zu erreichen. Dies bedeutet indes, dass Dividendenzahlungen nicht mit einer Zinsausschüttung auf einem Anlagekonto vergleichbar sind. Vom Dividendengewinn gehen – wie beim normalen Aktienhandel – die üblichen Steuern in Form der Abgeltungsteuer (zzgl. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) ab.

Welche Dividendenrendite realisieren Anleger?

Die Berechnung der Dividendenrendite gelingt relativ einfach und ist auch für Laien verständlich. Dabei wird die jeweilige Dividende durch den aktuellen Aktienkurs dividiert und anschließend mit dem Wert 100 multipliziert, so dass ein Prozentwert ermittelt wird.

In einem Beispiel mit einem Aktienpreis von 50,00 Euro und einer Dividende in Höhe von 1,00 Euro pro Anteilsschein sieht dies wie folgt aus bei Dividenden-Strategien:

Aktienkurs: 50,00 Euro
Dividende : 1,00 Euro
Dividendenrendite somit: 1,00/50,00 x 100 = 2,00 %

Vorjahres-Ergebnisse definieren die Dividendenhöhe

Die Aktienunternehmen entscheiden jeweils im Folgejahr über die Gewinnverwendung aus dem Vorjahr. Bestandteil von Dividenden-Strategien können im Einzelfall auch Sonderausschüttungen sein, durch die Aktiengesellschaften Anleger am Abbau zu hoher Liquidität oder Kapitalrücklagen teilhaben lassen. Solche Zahlungen können jedoch erst nach Eintragung im Handelsregister sowie unter Einhaltung einer gesetzlich vorgeschriebenen Sperrfrist von sechs Monaten vorgenommen werden. Die Umwandlung von Firmenkapital in so genanntes „ausschüttungsfähiges Kapital“ wird ebenfalls auf der ordentlichen Hauptversammlung beschlossen. Der bereits erwähnte Kurs-Abzug am Tag der Ausschüttung ist auch in diesem Fall Börsen-Standard.

Börse listet Dividenden-starke Aktien in speziellen Indizes

Anleger, die auf eine Dividendenstrategie setzen möchten, wählen also bewusst den Kauf von Aktien, bei denen eine möglichst hohe Dividendenrendite erzielt werden kann. Dieser strategische Ansatz kann mit Fug und Recht als Klassiker unter den Börsenstrategien bezeichnet werden. Ein interessanter Investitionsweg können spezielle Börsenindizes sein, die durchweg Unternehmen listen, die sich durch überdurchschnittlich hohe Dividendenrenditen auszeichnen. Der deutsche „DivDAX“ ist ein solcher Index. An vielen ausländischen Börsen gibt es entsprechende Pendants. Im Zusammenspiel der Dividenden internationaler Wertpapieren verbuchen Depotnutzer bei geschickter Vorgehensweise und unter Einbeziehung der Auszahlungsintervalle ständig Einnahmen über die Dividenden-Strategien.

Nicht immer zahlen Großkonzerne die beste Dividende

Eine interessante Tatsache für Aktionäre mit Vorliebe für deutsche Wertpapiere: Es sind keineswegs die großen Börsennamen, die sich durch sehr gute Dividendenausschüttungen hervortun. Oft finden sich auf den vorderen Rankingstellen an den Börsenplätzen eher unbekannte Aktiengesellschaften aus speziellen Marktnischen. Richtig ist ebenfalls: Allein auf Kursgewinne zu achten, ist für viele Trader am Aktienmarkt nicht ideal. Stattdessen können Dividendenzahlungen als interessanter Zusatzgewinn gesehen werden im Rahmen der eigenen Anlagestrategie. Eine Grundvoraussetzung für Aktien, die bei der Dividendenstrategie zum Einsatz kommen, ist eine Ausschüttung in einer Höhe, die oberhalb des Zinsniveaus im Bereich der Staatsanleihen liegt. So wenigstens lautet ein oft genannter Tipp von Analysten. Gemeint sind damit Anleihen von Ländern mit einer guten bis sehr guten Bonität (Kreditwürdigkeit).

Kein Gewinn ohne analytische Mühen?

Wichtige Hinweise auf den Nutzen von Aktien gibt weiterhin die charttechnische Analyse. Da die meisten Anwender mit Dividenden-Strategien nicht allein über Dividenden, sondern parallel über den eigentlichen Aktienkurs Gewinne erreichen möchten, sollte das Depot möglichst Aktien und Indizes verschiedener Risikoklassen und Branchen umfassen. Einmal mehr kann sich eine internationale Ausrichtung als goldrichtiger Ansatz erweisen. Dividendenstrategien haben in den vergangenen Jahren wieder verstärkt die Aufmerksamkeit vieler Aktionäre erweckt. Zum Teil sprechen Experten von einem echten Hype um die Gewinnausschüttungen im Zentrum der Investments am Aktienmarkt. Die oft bemühten Versprechen, Anleger könnten in diesem Bereich ungeachtet der Entwicklungen des Aktienkurses ohne größeren Aufwand hohe Gewinne (Stichwort „konstanter Cashflow“) mitnehmen, erweist sich jedoch im Alltag nicht immer als berechtigt.

Auch geringe Kapitalmarktzinsen machen Dividenden reizvoll

Die Begeisterung für Dividenden-Strategien lässt sich natürlich nicht zuletzt mit den geringen Anleihen- und allgemein Anlagezinsen erklären, die ihrerseits auf das historisch niedrige Zinsniveau auf Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgeführt werden können. Trader müssen vor dem ersten Engagement über eine Dividendenstrategie definieren, welches Rendite-Ziel sie verfolgen möchten. Die Aktienhistorie gibt Aufschluss darüber, welche Unternehmen in der Vergangenheit Anteilseignern gegenüber eine hohe Zuverlässigkeit bezüglich der Dividendenauszahlungen an den Tag gelegt haben und hohe Summen gutgeschrieben haben.

Bisherige Ausschüttungen zur Orientierung

Allerdings sind die vergangenen Jahre keine Garantie für eine tatsächliche Ausschüttung im nächsten Jahr, sondern ermöglichen eher eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Sofern jedoch keine massiven Gewinneinbrüche oder anderen wirtschaftlichen Probleme auftreten, werden die betrachteten Aktiengesellschaften wohl auch im nächsten Jahr Dividenden auszahlen. Unverzichtbar für den Erfolg ist eine möglichst gute, also hohe Ausschüttungsquote. Anleger mit einem hohen Sicherheitsanspruch sind bei Dividendenstrategien gut aufgehoben. Vor allem, wenn sie der Meinung sind, dass der reale Wert eines Wertpapier höher zu bewerten ist als der momentane Börsenwert der Aktie. Zu dieser Einsicht wiederum gelangen Aktionäre erst durch die Analyse wichtiger Indikatoren wie dem Kurs-Gewinn-Verhältniss (KGV), dem Kurs-Dividenden-Verhältniss (KDV), dem Verhältnis zwischen Kurs- und Buchwert sowie anderer Trading-Signale.

Dividendenstrategien geschichtlich betrachtet rentabel

Verschiedene historische Analysen weisen Dividendenstrategien im Vergleich zu anderen Strategien eine geringere Rendite zu. Allerdings darf man diesbezüglich niemals die Risikobereitschaft außer Acht bleiben. Ein wirkliches Problem für Aktienhändler aber ist darin zu sehen, dass immer seltener überhaupt Dividenden ausgeschüttet werden. Im Vergleich: Anfang der 1970er realisierten Anleger noch bei etwa zwei von drei Aktienunternehmen Gewinne über Dividendenausschüttungen, im Jahr 2011 nicht einmal mehr bei einem Drittel der Wertpapiere börsennotierter Unternehmen. Durch gezielte Auswahl aber winken nach wie vor Chancen – gerade, wenn Anleger Aktien als lohnende Langfristanlage nach dem Motto „Buy and hold“ verstehen. Unterm Strich macht letztlich meist eher die Gesamtrendite mit der Kombination aus Kursgewinnen und einem rechtzeitigen Verkauf den Vorteil aus, so dass die Dividenden-Strategien nur eine Seite der Trading-Medaille sind.

stefan

Mein Fazit

Was für den neuen Aktienhandel gilt, trifft auch auf die Dividenden-Strategien zu: Ganz ohne ein Grundverständnis für die Hintergründe, die Funktionsweise der Börsen und vor allem die Bedingungen, unter denen Aktiengesellschaften Dividenden ausschütten, geht die Strategie nicht auf. Zudem müssen Trader wissen, dass eine besonders hohe Dividende auch auf ein entsprechend höheres Risiko hindeuten kann. Unternehmen zahlen teilweise mehr, wenn sie besonders dringend Geld von Aktionären benötigen.

Autor: RP