André Kostolany oder Warren Buffet?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Für viele Anleger geht es beim Thema „André Kostolany oder Warren Buffet“ nicht um die Auswahl einer der beiden Seiten. Eher wissen erfolgreiche Aktionäre die Vorteile der Empfehlungen der Stars des Börsenparketts in ihrer Gesamtheit zu schätzen.
  • Während Kostolany heute von vielen Experten eher als Theoretiker bezeichnet wird, dessen eigene Börsen-Investments sich Gerüchten zufolge in Grenzen hielten, kann der US-Investor Buffett seit Jahrzehnten enorme Erfolge vorweisen und gibt bis heute anderen Aktionären wertvolle Tipps.
  • André Kostolany und Warren Buffet sind jeder für sich bekannt für ihre unvergesslichen Zitate, die viele typische Börsensituationen – ob Boom oder Krise – treffsicher auf den Punkt bringen.

Kostolany oder BuffetEs gibt eine ganze Reihe bekannter und erfolgreicher Spekulanten, die an der Börse zu Weltruhm gelangt sind und heute mit ihren Strategien zu Vorbildern für die folgenden Generationen geworden sind. Einige von ihnen sind inzwischen verstorben, ziehen aber mit ihren ganz eigenen Meinungen zum Börsengeschäft noch immer Nacheiferer in ihren Bann. Andere, die zu Milliardären und zumindest für die Börsianer unsterblich wurden, leben noch, spekulieren auch weiterhin mit großem Erfolg und erhöhen ihr Vermögen weiterhin. Zu den inzwischen nicht mehr lebenden Giganten der Börse gehörte der gebürtige Ungar André Kostolany, der US-Großinvestoren Warren Buffet hingegen erschüttert mit seinen millionenschweren Aktieninvestments nach wie vor die Börse weltweit. Beide Investoren haben so manche Redewendung geprägt, die bis heute selbst viele Einsteiger frühzeitig lernen und aus Sicht von Experten sogar unbedingt kennen sollten.

Altmeister seit Jahrzehnten Börsianer-Vorbilder

Tatsächlich gelten André Kostolany und sein „Konkurrent“ Warren Buffett als die beiden Altmeister des Börsenhandels schlechthin. Der Terminus Konkurrent steht einerseits deshalb in Anführungszeichen, weil Kostolany 1999 hochbetagt im Alter von 93 Jahren in Paris gestorben ist. Der 1930 in Omaha geborene Buffett hingegen treibt sprichwörtlich noch heute sein Unwesen an den Handelsplätzen. Sein Einstieg oder seine Aktienverkäufe haben nicht selten massive Investitionen seiner „Jünger“ zur Folge. Buffett hat über die Jahrzehnte seines nicht selten sehr aggressiven Spekulierens so manches Unternehmen groß werden lassen. Heute gilt Buffett mit einem geschätzten Vermögen von weit über 70 Milliarden US-Dollar als einer der drei reichsten Menschen der Welt. Andre Kostolany soll beispielsweise für den Ausspruch verantwortlich gewesen sein: „Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.“

Ein Verfechter unüberlegten und überschwänglichen Aktienhandels war Kostolany nicht, was auch der folgende Ausspruch verdeutlicht, der gerade Kleinanlegern als Warnsignal dienen kann: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren.“

Buffett bevorzugt seit jeher Analyse des inneren Aktienwertes

Warren Buffett folgt in seinen Investmenttheorien unter anderem seinem Lehrer, dem Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham, den viele Insider gewissermaßen als den Erfinder der noch heute unverzichtbaren „fundamentalen Wertpapieranalyse“ bezeichnet. Kein Wunder also, dass Milliardär Buffett in weiten Teilen seines Investierens ein glühender Anhänger des so genannten „inneren Wertes“ einer Aktie als Entscheidungskriterium ist. Wichtige Faktoren für Buffetts Investments und Aktienanalyse sind Trading-Indikatoren wie der Kurs-Buch-Wert, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die Dividendenrendite und andere Faktoren. Nicht zu vergessen ist die Sicherheitsmarge, die beim Ermitteln des inneren Aktienwertes ebenfalls unverzichtbar ist. Im Gegensatz zur Buffett’schen Anlagephilosophie verfolgte Kostolany zwar keinen gänzlich unwissenschaftlichen Ansatz, das Bauchgefühl kam aber ebenfalls nicht zu kurz.

Kostolany wollte stets Aktien-Hintergründe „begreifen“

Von der Betriebswirtschaft und der Volkswirtschaft im klassischen Sinne war der zeitweise auch in München lebende Kostolany zeitlebens eher nicht begeistert. Es ging ihm eher darum, eine engagierte Betrachtung des potentiellen Investments vorzunehmen und ein Verständnis dafür zu entwickeln. Nur so lasse sich eine Aktie oder ein anderes Investment (etwa in das Edelmetall Gold, mit dem sich der Börsenguru ebenfalls eingehend befasste) „verstehen“. Gerade wenn es um den richtigen Einstiegszeitpunkt gehe, noch bevor alle anderen investiert und Chancen mitgenommen haben. Sowohl Kostolany als auch Buffett haben während ihrer Karriere etliche Bestseller rund um verschiedene Börsenthemen verfasst, um damit auch Millionen privater Anleger auf die Chancen aufmerksam zu machen.

Warren Buffett setzt auf große Namen an den Börsen

Für den mit seinem Lebenswandel regelrecht stereotypischen Investor Buffett geht es stets um die Frage, wie man ein Interesse für die richtigen Aktien entwickelt, bevor es die Masse der Aktionäre ebenfalls tut. Ein bekanntes Buffett-Credo: „Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.“ In gewisser Weise spricht dies für antizyklisches Aktien-Trading. Dabei investiert Buffett keineswegs in kleine, unbekannte Aktien. Vielmehr bevorzugt er seit jeher die Aktien renommierter Großkonzerne an der Wall Street und anderen Börsen weltweit. Über sein erfolgreiches Investmentunternehmen Berkshire Hathaway ist Buffett im großen Stil Anteilseigner an großen US-Unternehmen wie der Washington Post, Coca-Cola, er ist aber unter anderem ebenso an deutschen Unternehmen wie der weltweit erfolgreichen Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Munich Re) beteiligt. Über Jahrzehnte hinweg erreichte Buffett mit seinem Unternehmen im Schnitt eine Jahresrendite von fast 20 Prozent.

Buy and Hold – auch Investment-Giganten wählen diesen Weg

Wenig überraschend also, dass viele Anleger auf der ganzen Welt mit Argusaugen beobachten, welche Entscheidungen der Börsen-Mogul trifft. Nicht zuletzt vertraut Buffett gerade auch auf den für ihn so elementaren Zinseszinseffekt und investiert vorrangig in Aktien von Unternehmen mit einer guten wirtschaftlichen Perspektive und einer niedrigen Verschuldungsrate – und das, man höre und staune, bis heute angeblich allein über die Bilanz- und Zeitungslektüre, also ohne die Mithilfe eines Computers. Zudem arbeitet Warren Buffett eher mit einem Portfolio, das sich aus einigen wenigen Wertpapier-Varianten zusammensetzt. Sein Portfolio verwaltet er nach der Strategie „Buy and hold“, also als Langfristanlage. Damit andere von seinen Erfahrungen und Entscheidungen profitieren können, erhalten Aktionäre alljährlich Hilfestellung in Form eines Briefs, in dem Warren Buffett seine Investitionen erläutert und zudem Tipps für den Aktienhandel formuliert.

Weltweiter Buch-Erfolg für Kostolany und Buffett

Anders als das „Orakel von Omaha“, wie Buffett von seinen Fans gerne tituliert wird, war André Kostolany, der Verfasser des Buchs „Die Kunst, über Geld nachzudenken“, zu Lebzeiten nicht einmal ansatzweise ähnlich erfolgreich wie viele andere Investoren, die zu Weltruhm gelangten. Er war tatsächlich eher ein kurzfristig agierender Spekulant als Anhänger von Langfrist-Strategien, wie sie Buffett und Gleichgesinnte verfolgen. Aus diesem Grund lassen sich letzten Endes auch nur sehr bedingt Aussagen über seine Börsenerfolge treffen. Kostolany war für manchen seiner Anhänger eher Unterhalter und Schöpfer solch unterhaltsamer Bonmots wie des Ausspruchs: „Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger: er läuft oft voraus oder hinterher, kommt aber immer wieder zurück.“ Dieser und viele andere Sätze Kostolanys gehören bis heute zum Standardvokabular in vielen Berichterstattungen von der Börse.

Kostolany: Händler sollten immer nach vorne schauen

Wichtig aus Kostolanys Sicht: Verpassten Gelegenheiten sollten Anleger niemals hinterherrennen oder nachtrauern. Denn schon bald komme die nächste Gelegenheit. Zum Vergleich „André Kostolany oder Warren Buffet?“ ließe sich wohl am ehesten sagen: Buffett vertritt analytische und langfristige Anlagestrategien, während Kostolany eher intuitiv und spekulativ vorzugehen pflegte. Kurios ist dabei, dass Kostolanys Credos oftmals eher als „Kaufen und Halten“-Argument bewertet werden können, er selbst aber wohl eher mit kurzen Haltezeiten spekuliert hat. Für den US-Investor Buffett sind Kennziffern wie der Wert der Unternehmensgüter und der Umsatz (über den Inneren Wert) im Rahmen des „Value Investing“ wichtiger als der aktuelle Börsenkurs einer Aktie an den Märkten. Kostolany – so viel Gerüchteküche sei zum Ende des Vergleichs gestattet – soll laut Kritikern vor allem mit seinen Publikationen und Seminaren ein Vermögen gemacht haben, nicht aber mit eigenen Börsengeschäften.

Er selbst bezeichnete sich gerne als ebenso liberal wie freiheitsliebend. Spekulationen waren also eher Mittel zum Zweck. Wie Kostolany mehrfach verschuldet zu sein, wäre für Buffett als Investor undenkbar gewesen. Und das nicht nur auf die eigene finanzielle Situation bezogen: Für Warren Buffett war und ist eine hohe Verschuldung eines Unternehmens ein Argument gegen ein Investment, selbst wenn die Kursentwicklungen im Moment noch so verlockend wirken mögen.

stefan

Mein Fazit

Entweder … oder …? Im börslichen Kontext wird Anlegern schnell bewusst, dass viele Verhaltensweisen den Weg zum Erfolg weisen oder zum Scheitern verurteilt sein können. Bei der Frage, ob sich Händler nun eher an den goldenen Börsenregeln von André Kostolany oder Warren Buffet orientieren sollten, sieht es ähnlich aus. Es gibt keinen Königsweg, der in ausnahmslos an allen Handelsplätzen, bei jedem Wertpapier und bei jeder Strategie von kurz- bis langfristig garantierte Erfolge bringt. Es geht darum, sich aus allen Bereichen die besten Tipps herauszusuchen und sie als Anleger zum Eigenen zu machen. Denn die persönlichen Investitionswünsche und Budgets können mit denen der großen Vorbilder nicht vergleichen. Dafür eröffnet die Lektüre beider Börsengurus Einblicke in die komplexe Materie des Aktienhandels.

Autor: RP