Gold vs. Festgeldkonten

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Gold vs. Festgeldkonten – für beide Produkte gibt es Für und Wider → Die sinnvollen Investitionssummen liegen oft gar nicht so weit voneinander entfernt, dafür aber fallen Festgeldzinsen meist eher überschaubar aus, während Gold-Anleger im Idealfall spätestens nach einigen Jahren deutlich bessere Renditen erreichen.
  • Anleger, die auf das Edelmetall setzen, können ihren Bestand jederzeit wieder in bares Geld umwandeln. Eine Auflösung des Festgeldkontos hingegen ist bei den meisten Banken bis zum Ende der Laufzeit nicht vorgesehen.
  • Die Zeitspannen bis zum Verkauf bzw. der Freigabe der Kontoeinlagen liegen in beiden Bereichen vielfach bei mehreren Jahren. Festgeld-Sparer wissen nur zu Beginn bereits, welcher Zinssatz gutgeschrieben wird. Investoren im Goldbereich sind bei physischem Edelmetall auf einen Anstieg des Preises angewiesen.

Gold vs. Festgeldkonten: zwei Produkte mit Vor- und Nachteilen

gold gegen festgeldkontenFestgeldkonten sind bei deutschen Sparern, die allgemein seit jeher eher als sicherheitsliebende Anleger gelten, auch weiterhin durchaus gefragt. Doch die Zinssätze bei derart klassischen Anlageprodukten sinken nach und nach seit einigen Jahren, was in erster Linie an den sinkenden Leitzinssätzen von Seiten der Europäischen Zentralbank liegt. Jährliche Zinssätze in Höhe von nur noch etwa 2,00 Prozent pro Jahr bei mehrjährigen Laufzeiten ohne Chance zur vorzeitigen Abhebung € der Einlagen? Vielen Bankkunden reichen solche Bedingungen längst nicht mehr. Als Alternative entdecken viele Anleger in Deutschland das Edelmetall Gold als Chance. Doch wie sieht die Gegenüberstellung Gold vs. Festgeldkonten in der exakten Analyse im Sinne der Investoren genau aus?

Parallele der meist langfristigen Investition

Eine erste Ähnlichkeit zwischen beiden Investitionsmodellen zeigt sich dahingehend, dass sowohl Gold-Investitionen als auch Festgeldkonten in aller Regel nur langfristig wirklich gute Gewinne in Aussicht stellen. Dass mancher Anleger in den vergangenen Jahren im Zuge des Höhenflugs beim Goldpreis ein mehr oder weniger großes Vermögen verdienen konnte, ändert wenig an der Tatsache: Wirklich hohe Gewinne sind im Normalfall nur durch Haltezeiten von mehreren Jahren realistisch. Denn Gold bringt Sparern weder Zinserträge noch Dividendenzahlungen ein, wie man es zum Beispiel vom Aktienhandel kennt. Die Ausschüttung von Dividenden spielt ohnehin im Vergleich Gold vs. Festgeldkonten allgemein keine Rolle. Zinsen landen am Jahresende auf dem Referenzkonto zur Festgeld-Anlage, Dividenden aber sind ausgeschlossen. Die Zinseinnahmen sind dafür garantiert, was in den Augen vieler Sparer eindeutig fürs Festgeld spricht.

Zins- und Preis-Entwicklungen kompliziert

Gold-Fans müssen auf derlei Garantien leider grundsätzlich verzichten. Denn im Moment des Einstiegs kann niemand – trotz möglicherweise noch so guter Erfahrungswerte in der Vergangenheit bei ähnlichen Wirtschaftslagen als Anleger – vorhersagen, wie sich der Kurs des Edelmetalls in den kommenden Monaten oder Jahren entwickeln wird. Allein die vergangenen drei oder vier Jahre bis 2016 haben gezeigt, dass Prognosen selbst Experten oft schwer fallen. So hat nicht einmal jeder erfahrene Analyst vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklungen weltweit einen derartigen Boom des Goldkurses (und den anschließenden Einbruch mit preisbereinigender Wirkung am Markt) vorhergesehen. Dennoch ist genau diese Situation eingetreten, die mancher Gold-Anleger leider doch verpasst hat.

Gold vs. Festgeldkonten – schaut man sich diese Gegenüberstellung genau an, zeigen sich eben nicht allein die Unterschiede beider Anlageklasse. Vielmehr gibt es manch augenfällige Parallele.

Zu diesen Aspekten gehören:

  • In beiden Bereichen müssen Sparer in jedem Fall im eigenen Interesse auf die Angaben zur Einlagensicherung ihrer Anbieter in den AGB achten.
  • Vielfach werden größere Einmalleistungen von Seiten der Anleger fällig, damit ein Einstieg möglich ist.
  • Zur Erinnerung: beide Produkte lassen erst auf lange Sicht gute Renditen erwarten.

Doch wie nahezu immer gilt:

Keine Regel ohne Ausnahme. So verlangt das Edelmetall zwar angesichts des recht hohen Preises ein ebenso hohes Guthaben vom Anleger in spe. Zum einen aber bieten leichtgewichtige Münzen und kleinere Barren durchaus die Gelegenheit, dass auch Sparer mit weniger üppigen Rücklagen aktiv werden können, wobei Barren kleinen Formats mit höheren Ausgabeaufschlägen verbunden sind gegenüber Barren mit einem Gewicht im drei- oder vierstelligen Grammbereich. Diese aber sind eine beachtliche Investition, selbst wenn der Goldpreis zugunsten der Anleger mal wieder relativ günstig stehen sollte. Eine andere Art der Goldanlage sind Sparpläne, wie sie von immer mehr Dienstleistern angeboten werden. Das Modell Sparplan erlaubt den schrittweisen Aufbau eines Goldportfolios auf Basis des Edelmetalls. Festgeld-Anbieter verlangen in aller Regel Einlagen in bestimmter Höhe bis zum Ende der Laufzeit. Summen im Bereich von 1.000 bis 10.000 Euro sind je nach Bank denkbar. Anforderungen, denen normale Berufstätige mit alltäglichen finanziellen Belastungen nicht immer gewachsen sind.

Geringe Festgeldzinsen

Dafür aber wissen Festgeldnutzer von Anfang an im Vergleich Gold vs. Festgeldkonten, welche Rendite sie pro Jahr erreichen. Natürlich kann es während der Laufzeit dazu kommen, dass zum Beispiel eine Bank wegen zusätzlicher wirtschaftlicher Belastungen, eines Geldbedarfs oder infolge einer Anhebung des Leitzinssatzes durch die EZB unerwartet höhere Jahreszinssätze auslobt. Inhaber von Festgeldkonten haben hier das Nachsehen, sofern sie nicht …

a) ausreichend zusätzliches Kapital haben, um ein weiteres Konto zu besseren Konditionen eröffnen zu können

b) das vertraglich zugesicherte Recht haben, ihr Konto vorzeitig aufzulösen und das Guthaben abzurufen

Ist die Bedingung aus Punkt b) gegeben, müssen Anleger allerdings in den allermeisten Fällen auf bereits realisierte Renditen und zukünftige Gewinne verzichten. Dies ist der Preis, den Banken Kunden berechnen, die Festgeldkonten aufgeben möchten und lieber anderweitig investieren. Nur ganz selten bleiben schon verbuchte Zinserträge erhalten; der Regelfall sieht vor, dass sogar schon ausgezahlte Zinsen von den Bank-Kunden zurückgezahlt werden müssen.

Auch Gold kann zum konstanten Sparen genutzt werden

Wer in Gold über die bereits kurz erwähnten Sparpläne anlegt, umgeht die Notwendigkeit, große Summen auf einen Schlag investieren zu müssen, und kann dennoch günstige Konditionen zu erreichen. In den Genuss eines derartigen „Luxus“ kommen Fans langfristig ausgerichteter Konten mit fester Verzinsung nicht. Sie können im Normalfall nicht einmal nachträglich ihre Sparsummen aufstocken – dies ist eher typisch für Tagesgeldkonten, mit denen momentan ebenfalls nur geringe Renditen erreicht werden können. Doch zurück zum Modell des Sparplans, das in der Analyse Gold vs. Festgeldkonto ein anderes Licht auf das Edelmetall wirft. Kleinanleger können durch die Produkte auch durch Zahlung geringer monatlicher Sparbeträge von Gold profitieren. Oft reichen schon Summen von etwa 50 Euro aus, um das Sparunterfangen in Angriff nehmen zu können. Gespart wird hier im Grunde im doppelten Sinne. Denn die Anbieter kaufen im Auftrag vieler Kunden größere Mengen Gold, sodass bessere Preise erreicht werden, als wenn einzelne Anleger kleine Barren für sich allein erwerben.

Einlagensicherung bei Gold und Festgeld

Insbesondere das Thema Einlagensicherung muss berücksichtigt werden – sowohl bei der Auswahl der Gold- als auch der Festgeldkonten-Anbieter. Eine Ausnahme sind Anleger, die physisches Gold bevorzugen und ihre Rücklagen in den eigenen vier Wänden oder dem sicheren Tresor eines Dienstleisters aufheben. Sparplan-Nutzer sollten sicherstellen, dass sie ihre Goldmengen auch „abheben“, also an sich aushändigen lassen können. Da es jenseits der Barren noch viele andere Produkte (z.B. Zertifikate, Differenzkontrakte, Optionen, Fonds etc.) mit Bezug zum Edelmetall in nicht physischer Weise gibt, ist die Einlagensicherung umso wichtiger. Vor allem bei Banken und Finanzdienstleistern mit Sitz im Ausland sollte diesem Aspekt ein hoher Stellenwert beigemessen werden. Deutsche Anbieter bieten meist eine Absicherung in Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Konto, und teils fällt der Schutz der Kundengelder aufgrund der Zugehörigkeit zu Bankenverbänden noch weitaus höher aus.

Im Ausland aber gelten – dies müssen Gold- und Festgeld-Interessenten wissen – oft gar keine gesetzlichen Vorgaben oder diese fallen mehr oder weniger deutlich geringer aus. Hohe Zinssätze fürs Festgeldkonto allein bringen hier wenig, wenn am Ende durch eine Bankenpleite nicht nur der Gewinn, sondern auch das gesamte Guthaben in die Insolvenzmasse einfließt.

Wissenswert ist deshalb → Seriöse Anbieter bewahren Kundengelder auch getrennt vom Firmenkapital aus!

Gold wirft grundsätzlich keine Zinsgewinne ab

Welches Produkt im Vergleich Gold vs. Festgeldkonten besser abschneidet, hängt in weiten Teilen von der jeweiligen Situation ab. Die garantierte Zinsauszahlung ist ein Vorzug der Festgeldangebote, denn Gold-Nutzer wissen nun einmal niemals, ob und in welcher Höhe sie aufs Jahr gerechnet Gewinne mitnehmen können. Hier braucht es Geduld. Die Jahresrendite ergibt sich später erst, wenn der Gesamtgewinn vom Zeitpunkt des Kaufs bis zum Verkauf auf die Haltezeit umgerechnet wird. Festgeldsparer wissen von Anfang an, was sie verdient haben. Oft aber ist dies nicht mehr allzu viel. Eine Korrektur der Marschrichtung beim Leitzins durch die Europäische Union könnte indes rasch zu neuen Bedingungen am Festgeldmarkt führen. Dafür aber fehlt es an Flexibilität. Festgeld ist Festgeld, einzig auf die Laufzeit können Anleger Einfluss nehmen. Gold hingegen hat weitaus mehr Gesichter, als es sich Laien anfangs oft vorstellen können.

Ein Pluspunkt für Festgeldkonten:

Neben der Abgeltungssteuer, die Sparer auf ihre Erträge (von den geltenden Freibeträgen abgesehen) entrichten müssen, entstehen Anlegern hier keine Kosten, denn die Kontoeröffnung und -führung sind üblicherweise gebührenfrei. Goldinvestments hingegen sind meist mit Kaufgebühren, Entgelten für die Depotnutzung und Lagerung sowie möglichen weiteren Gebühren verbunden. Kursgewinne müssen diese Ausgaben dementsprechend mit abdecken, damit Renditen erreicht werden. Auch dieser Eigenschaften müssen sich Anleger beim Vergleich von Festgeld- und Gold-Produkten bewusst sein, bevor sie eine dauerhafte Auswahl treffen, die eben nicht nur einen Nutzen, sondern gleichermaßen Kosten nach sich ziehen kann.

Goldpreis kann schwanken

Last but not least sei noch in der Bewertung „Gold vs. Festgeldkonten“ erwähnt: Wer in Festgeld investiert, bindet sich dauerhaft – Gold-Investments erlauben in der Regel einen vorzeitigen Ausstieg, sollte sich die Lage am Markt überraschend ändern. Zudem sind die Bedingungen von Festgeld-Anlagen ausnahmslos an die Leitzinssätze gekoppelt: Außer der Reihe erhöhen oder senken Banken ihre Jahreseffektivzinssätze eher nicht. Beim Gold hingegen gibt es zahlreiche Ereignisse, die sich auf den Goldpreis auswirken können – und dazu gehört letzten Endes tatsächlich bedingt auch eine Änderung des Leitzinsniveaus. Beispielsweise eine höhere/niedrige Nachfrage aus der weltweiten Schmuckbranche oder der Industrie allgemein. Auch ein größerer Bedarf bei Anlegern und ein größeres Angebot an ETFs und anderen Fonds hat Einfluss auf den Kurs des Edelmetalls.

Guthaben-Einzahlung ist bindend für die gesamte Laufzeit

Hinzu kommen andere Entscheidungen der Notenbanken und Gerüchte, oder erste Hinweise auf den Ausbruch einer erneuten Wirtschafts- und Finanzkrise hinterlassen am Goldmarkt einen bleibenden Eindruck. Vorzeitige Kündigungen eines Festgeldkontos durch die Anbieter-Banken sind eher nicht zu erwarten, sollte der Leitzins nach oben oder unten angepasst werden. Eher wird dies Einfluss auf neu abgeschlossene Konten haben. Bereits bestehende Verträge werden von Banken zumeist wie gehabt bedient. Für neu eröffnete Konten hingegen werden später die neuen Konditionen gelten. Gold-Anleger ihrerseits profitieren normalerweise direkt von den Änderungen des Preises – oder sie leiden unter selbigen, sofern sie auf andere Entwicklungen gehofft und aus diesem Grund etwa über CFDs (Differenzkontrakte) auf einen sinkenden Goldpreis spekuliert hatten.

Dies wiederum kann sich gerade über das sogenannte Hedging lohnen, da Sparer Verluste durch den Handel mit physischem Geld teilweise abfangen oder mit etwas Glück sogar in einen Gewinn umwandeln können – sofern Broker-Kunden auch in diesem Bereich die Gebühren und Kommissionen im Blick behalten. Festgeld und „echtes“ Gold verbindet am Ende noch ein Punkt: In keinem der beiden Fälle zahlen Kunden zu Beginn für den Einstieg (jenseits des investierten Kapitals). Denn das Edelmetall ist von der Mehrwertsteuer befreit, die bei anderen Werten dieser Sparte durchaus berechnet wird.

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Mein Fazit

Die garantierten jährlichen Zinserträge bei Festgeldkonten sind für Anleger im Grunde Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist so zumindest ein gewisser Gewinn pro Jahr gesichert. Dafür aber hat ein möglicher Anstieg des Zinsniveaus auf die fest verzinsten Einlagen keinerlei Einfluss. Das Auflösen eines für eine bestimmte Laufzeit eröffneten Festgeldkontos ist vielfach keine Option. Steigen die Preise am Goldmarkt, können Gewinne durch einen umgehenden Verkauf erreicht werden. Allerdings gibt es beim Edelmetall im Vergleich keine Garantien und Sicherheiten, dass nach dem Kauf tatsächlich irgendwann ein Ertrag realisiert werden kann. Wahrscheinlich aber ist ein steigender Goldpreis in Zukunft durchaus aufgrund der höheren Nachfrage weltweit.

Autor: Agnes Nitsche