Gold vs. Tagesgeldkonten

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Tagesgeldkonten und physische Goldanlagen ähneln sich dahingehend, dass Anleger in beiden Fällen umgehend auf ihr Guthaben zugreifen können – bei Tagesgeld durch eine Abhebung aufs Referenzkonto, bei Gold durch einen Verkauf bei einem Händler oder an der Börse; bei beiden Varianten kann es normalerweise maximal ein paar Tage dauern, bis die Gelder verfügbar sind.
  • Anleger profitieren von einem Tagesgeldkonto deshalb, weil sie hier immerhin einen gewissen, wenn auch niedrigen jährlichen Zinssatz von der Anbieter-Bank erhalten; steigt der Goldpreis wie erhofft, fallen die Erträge hier allerdings meist weitaus höher als am Tagesgeld-Markt aus.
  • Beide Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Bedingungen jederzeit ändern können, weil das Verhältnis von Angebot und Nachfrage einen Umschwung erlebt oder weil die Bank eine Zinskorrektur vornimmt.

Gold vs. Tagesgeldkonten – hier wie dort sind Gelder ständig verfügbar

gold gegen tagesgeldkontenWenn an anderer Stelle des Goldratgebers das Thema der Festgeldkonten als Vergleichskategorie zum Edelmetall analysiert wird, darf die Gegenüberstellung nach dem System „Investitionen in Gold vs. Tagesgeldkonten“ aus naheliegenden Gründen nicht fehlen. Dabei fließen automatisch und unweigerlich auch Ähnlichkeiten und mehr oder weniger deutliche Unterschiede zwischen Tages- und Festgeldangeboten in die Analyse ein. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Aspekte den Vergleich von Gold- und Tagesgeld-Investments nochmals vereinfachen. Im ersten Schritt zeichnet sich die Variante des Tagesgeldkontos dadurch aus, dass Anleger nach Informationen der großen Mehrheit der Anbieter genau genommen jederzeit Zugriff auf ihre Konten haben. Aussagen der Art „Verfügbarkeit rund um die Uhr“ bieten allerdings reichlich Interpretations-Spielraum.

Wer bei derselben Bank mit einem Tagesgeldkonto spart, bei der auch das Referenzkonto geführt wird, kann in der Regel wirklich schnell Teilbeträge abheben oder das Tagesgeldkonto komplett auflösen lassen.

Fakten zu Produkten aus dem Bereich der Tagesgeldkonten:

  • Vielfach wird eine Mindesteinlage für die Kontoeröffnung verlangt (oft ab 1.000 Euro)
  • Einlagen sind für Anleger zu jeder Zeit verfügbar
  • Einlagensicherung & Regulierung berücksichtigen (vor allem bei ausländischen Anbietern)
  • Zinsanpassungen jederzeit möglich (Ausnahme bei zeitweisen Zinsgarantien)
  • Derzeit nur geringe jährliche Renditen durch niedriges Leitzinsniveau

Kapital-Bereitstellung kann gerade bei ausländischen Banken etwas dauern

In anderen Fällen – und zwar nicht nur bei Banken mit Sitz im Ausland – kann es Tests zufolge bis zu 48 Stunden dauern, bis abgerufene Gelder auf dem Zielkonto landen. Karten für bargeldlose Abhebungen gehören nur bei sehr wenigen Tagesgeld-Anbieter zum Leistungsspektrum, weshalb eigens ein Auszahlungsantrag an die Institute gerichtet werden muss, damit der Geldtransfer in die Wege geleitet wird. In der Auswertung Gold vs. Tagesgeldkonten wird meist deutlich, dass Goldsparer mit Kosten für die Lagerung in Schließfächern oder Tresoren beim Händlern und Banken rechnen müssen, während die Konten für Tagesgeldsparer in aller Regel vollkommen kostenfrei sind. Golddepots können zwar auch kostenlos eröffnet werden, die Verwaltung (oder auch die Lieferung, falls Kunden die Zusendung der gekauften Goldbarren und -münzen wünschen) ist aber zumeist mit Kosten verbunden.

Konto-Guthaben und Zinsen bei Tagesgeld

Und diese Gesamtkosten sowieso die Auf- und Abschläge auf den aktuellen Kurs zum Zeitpunkt eines Kaufs oder Verkaufs müssen erst einmal durch einen Anstieg des Goldpreises ausgeglichen werden, damit Goldanleger wirklich etwas mit dem Edelmetall verdienen. Angesichts dessen, dass Gold normalerweise über einen längeren Zeitraum gehalten wird, bis es zum Verkauf kommt, fallen meist Entgelte für mehrere Jahre an. Anleger sollten nur Geld in Gold investieren, auf das sie langfristig verzichten können. Ein akuter Bedarf kann zwar durch Verkäufe gedeckt werden – im Ernstfall aber mit einem Verlust, wenn die Lage am Markt nicht die beste ist und der Goldpreis seit dem Kauf gesunken ist. Hier überzeugen Tagesgeldkonten gegenüber Gold also, da das investierte Guthaben zu jedem Moment in voller Höhe und ohne Abzüge verfügbar ist. Auch entstehen beim Abheben des Kapitals und Auflösen des Kontos keinerlei Kosten, wobei dieser Punkt gerade bei Angeboten ausländischer Banken geprüft werden sollte.

Angebote aus dem Ausland besonders genau prüfen

Falls die Dienstleister nicht an die geltenden EU-Richtlinien gebunden sind, besteht die Gefahr, dass Gebühren auftauchen, die Banken innerhalb Deutschlands und der Europäischen Union nicht erheben dürfen, zum Beispiel Entgelte für die Konto-Löschung. Jedoch betrifft dieser Knackpunkt im Einzelfall auch Goldanleger, die ebenfalls als potentielle Zielgruppe von Händlern aus dem Ausland umworben werden und auf der Hut sein sollten, wenn es den Vergleich der drohenden Investitionskosten geht. Denn hier zeigt sich ebenfalls teilweise ein hohes Maß an Kreativität als Ergebnis der Freiheiten bei der Gestaltung der eigenen Geschäftsmodelle – mitunter leider eher im Interesse des eigenen Umsatzes und zulasten der Anleger, deren Gewinn durch hohe Entgelte geschmälert wird.

Ein Vorzug der Tagesgeldkonten:

Sie wissen gleich zu Beginn, welcher jährliche Zinssatz ihnen winkt. Dabei muss erwähnt werden, dass es sich hierbei im Regelfall jedoch um einen veränderlichen effektiven Jahreszins handelt. Dies bedeutet: Die Kontoanbieter können stets von ihrem Recht zur Korrektur der bisherigen Zinssätze Gebrauch machen. Zum Positiven wirken solche Anpassungen in Zeiten steigender Leitzinssätze und schwieriger wirtschaftlicher Phasen, in denen Banken dringend „frisches“ Geld benötigen. Ein Beispiel ist die Finanzkrise ab dem Jahr 2006, denn damals konnten sich Sparer zum Teil Zinssätze von 4,0 Prozent oder mehr pro Jahr sichern. Zeitgleich stieg auch der Goldpreis, weil viele Anleger zurück in den sicheren Hafen steuerten, als der das Edelmetall wegen seiner relativen Wertstabilität und nicht zuletzt dank der begrenzten Verfügbarkeit berechtigterweise bei Anlegern und Investoren weltweit gilt.

Schlechte Zins-Zeiten beim Tagesgeld

Seither aber sank der durchschnittliche Jahreszins parallel zur wiederholten Reduzierung des Leitzinsniveaus durch die Europäische Zentralbank auf den aktuellen, historisch niedrigen Wert von 0,00 %. Tagesgeldkonten bringen Sparern in Deutschland maximal nur noch bis zu 1,00 Prozent, im Ausland sind teilweise Zinssätze von über 2,00 Prozent erreichbar. Weichen die Zinsversprechen ausländischer Anbieter gravierend von den besten Angeboten in der Heimat ab, raten Branchenkenner oft zur Vorsicht. Hier sollten Sparer – wie schon angemerkt – genau auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen achten, um sich die im Moment des Investments besten Angebote am Anlagemarkt zu sichern.

Gold-Anleger erzielen Gewinne eher auf lange Sicht

Und selbst wenn die Zeiten im Bereich der Tagesgeld-Zinssätze derzeit nicht die besten sein mögen: Dennoch erhalten Anleger hier wenigstens eine gewisse Garantie dafür, dass sie Renditen realisieren. Wird Geld in Gold investiert, können Händler niemals wirklich sicher sein, dass sie kurz- oder mittelfristig etwas mit ihrer Einlage verdienen werden. Auch wenn die langfristigen Aussichten günstig sind und stetig besser ausfallen, da die weltweiten Ressourcen begrenzt sind und der Bedarf – und damit letzten Endes natürlich die Nachfrage – steigt. Die vergangenen Jahre aber haben bewiesen, dass Anleger durch einen rechtzeitigen Einstieg und den passenden Moment für einen Verkauf durchaus Gewinne erreichen können, die weit über das hinausgehen, was Sparer bei klassischen Geldanlagen sonst anstreben können.

Steuern für Tagesgeldsparer

Befassen müssen sich Anleger möglichst von Anfang an mit dem Thema der Besteuerung. Gold vs. Tagesgeldkonten – in diesem Punkt überzeugt das Edelmetall, da der Gesetzgeber hier auf die sonst übliche Mehrwertsteuer verzichtet, sodass es beim Handel „nur“ um den tatsächlichen Goldpreis sowie die Ausgabeaufschläge geht, die von Anbietern auf den jeweiligen Preis am Markt berechnet werden. Schließlich sind diese neben möglichen Lagerungsgebühren die zentrale Einnahmequelle. Wer sein Erspartes auf ein Tagesgeldkonto transferiert, muss von Anfang an die sogenannte Abgeltungssteuer im Hinterkopf behalten. Denn eben diese erhebt der Fiskus auf alle Kapitalerträge. Die Steuer liegt pauschal bei 25,00 Prozent (zzgl. Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer). Jedoch gelten für alle Erträge zusammen die gesetzlich geregelten Steuerfreibeträge, genauer der „Sparerpauschbetrag“, der in seiner derzeitigen Form seit dem Jahr 2009 existiert.

Dieser liegt für steuerlich allein veranlagte Personen bei 801 Euro, gemeinsam veranlagte Paare profitieren entsprechend von einem Freibetrag in Höhe von 1.602 Euro. Abgesehen vom allgemein gültigen Grundfreibetrag, der für den Veranlagungszeitraum in Deutschland seit 2015 bei 8.472 Euro liegt.

Gold kann auch fürs Sparen von Interesse sein

Aspekte, die im Vergleich Gold vs. Tagesgeldkonten als eindeutiges Bindeglied zwischen beiden Anlagemodellen zu werten sind, finden sich in den Bereich Einlagensicherung und Regulierung durch staatliche Aufsichtsbehörden. Gold-Fans aber müssen dieses Thema vorrangig dann auf die Tagesordnung im Vergleich setzen, wenn sie das Edelmetall als Grundlage für einen Sparplan verwenden, wie es von immer mehr Sparern bevorzugt wird. Der Vorteil ist in diesem Kontext eindeutig darin zu sehen, dass die Kunden der Anbieter im Monat oft nur einen geringen Mindestbetrag in Höhe von z.B. 25 oder 50 Euro investieren müssen. Dabei besteht vielfach sogar die Möglichkeit, jenseits einer erforderlichen Ersteinlage nur gelegentliche Einmal-Einzahlungen zu leisten, wenn größere Summen verfügbar sind. Nur wenige Tagesgeldkonten erlauben den schrittweisen Aufbau eines gewissen Guthabens auf dem Konto.

Dafür aber müssen Kontonutzer zumindest bei den wirklich gut verzinsten Kontomodellen gleich am Anfang wenigstens eine geringe vierstellige Summe einzahlen. Und gute jährliche Effektivzinssätze möchte sich bekanntlich jeder Anleger sichern.

Wie sicher sind die Gelder?

Zurück den Themen Einlagensicherung und Regulierung. Ob Sparplan oder Tagesgeldkonto: In beiden Bereichen kann es dazu kommen, dass Anleger eine zeitnahe Auszahlung (im Falle physischen Golds einen Verkauf) in Angriff nehmen möchten. Im Zuge einer Anbieter-Insolvenz jedoch können diesbezüglich Komplikationen auftreten, falls Kunden- und Unternehmensgelder nicht streng voneinander getrennt aufbewahrt werden. Geltendes EU-Recht sieht eine solche Trennung vor. Dienstleister aus Deutschland sind für den Fall eines Schadens, den sie Anlegern gegenüber zu verantworten haben, durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert – genauer gesagt sind natürlich die Anleger auf diesem Wege geschützt. Mindestens ebenso wichtig ist die Regulierung. Die deutsche BaFin und die britische FCA haben den Ruf, besonders streng zu sein, doch auch die meisten anderen Regulierungsbehörden innerhalb der Europäischen Union schauen den regulierten Unternehmen mittlerweile sprichwörtlich sehr genau auf die Finger, um schwarze Schafe ausfindig zu machen. Denn selbstverständlich gilt es um genau diese einen möglichst großen Bogen zu machen.

Gold kann an vielen Stellen veräußert werden

Dies wiederum ist in der Bestandsaufnahme Gold vs. Tagesgeldkonten einmal mehr ein Kriterium, das in den Tests zu beiden Produkten eine Rolle spielt. Wer physisches Gold im niedergelassenen Handel oder über die Hausbank kauft bzw. Bestellungen online ausführt, um die Barren und Münzen verschiedener Größen, Reinheit und Gewichtsklassen zuhause zu lagern, muss sich um die Frage der Einlagensicherung hingegen keine Gedanken machen. Denn selbst wenn Anbieter Insolvenz anmelden müssen, können die Kunden ihre Rücklagen bei gestiegenen Kursen am Markt über jeden anderen Händler zu Geld machen. Anbieter von Sparplänen oder Händler, die Gold im Kundenauftrag lagern, arbeiten in vielen Fällen mit mehr oder weniger bekannten Banken zusammen, die wiederum durchaus von staatlicher Seite kontrolliert werden.

Gold gilt nach wie vor eher als Krisenwährung

Ungeachtet dessen, ob Anleger ihre Ersparnisse in eines der Produkte im Zusammenhang mit dem Edelmetall Gold (dazu können je nach Risikobereitschaft und erhoffter Rendite auch Optionen, Zertifikate oder anderer Finanzderivate wie Differenzkontrakte gehören) investieren oder ein Tagesgeldkonto eröffnen:

In beiden Fällen sind Sparer auf die Entwicklungen des Marktes angewiesen. Jedoch profitieren Goldanleger eher von Krisen, da die Masse der Investoren in solchen Phasen die Sicherheit des Edelmetalls zu schätzen weiß. Brechen Krisen aus, die mit einer Senkung der Leitzinsen verbunden sind, schauen Nutzer eines Tagesgeldkontos oft in die Röhre. Anders die Festgeld-Nutzer, die bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit entspannt abwarten können, wie sich die Zinsen entwickeln werden. Denn bis dahin garantieren ihnen die Banken und Dienstleister die zu Beginn genannte Verzinsung pro Jahr.

Wechsel des Anbieters und Händlers

Beide Gruppen – Gold-Investoren und Inhaber von Tagesgeldkonten – können ihre Gelder rasch aus dem Depot oder Konto abrufen. Denn Gold ist immer gefragt und Kontonutzer können in wenigen Minuten eine Auszahlung vornehmen lassen. Goldanlagen aber werfen bei ausreichend Geduld zwar nicht nach Wochen oder Monaten, aber meist doch spätestens nach Jahren Gewinne ab, mit denen die Tagesgeldbranche nicht mithalten kann. Dafür ist die Rendite beim Tagesgeld-Angebot wenigstens bis zur nächsten Korrektur gesichert.

Ähnlich wie bei einem überraschenden Absinken des Preises am Goldmarkt kann eine solche Zinsänderung im Grunde zu jedem Zeitpunkt auftreten. Der Gegensatz besteht aber darin, dass die Zinsen im Sektor Tagesgeld eben dann steigen, wenn die Zentralbanken – in erster Linie natürlich die Europäische Zentralbank – die Leitzinsen anheben, da diese als Referenzzinssatz dienen. Die Nachfrage nach Gold und damit der Preis am Markt legt unter normalen Umständen vorrangig dann zu, wenn sich Anleger Sorgen hinsichtlich einer Krisensituation in der Wirtschaft machen. In solchen Zeiten ist es oftmals der „sichere Hafen“ Gold, der durch seine Wertstabilität bevorzugt wird. Allerdings nur in seiner physischen Form: Trotz staatlich garantierter Einlagensicherung vertrauen Verbraucher in kritischen Momenten eher nicht auf klassische Anlagekonten, sondern auf Sachwerte, die sie in den eigenen vier Wänden verwahren können, ohne auf die Hilfe von Banken angewiesen zu sein.

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Mein Fazit

Sowohl Tagesgeldeinlagen wie auch die in Gold angelegten Gelder können genau genommen immer zügig wieder freigesetzt werden durch Abhebungen oder Verkäufe und Auszahlungen aufs Konto des Anlegers. Während Tagesgeldkonto-Nutzer wenigstens zu Beginn der nicht näher definierten Laufzeit wissen, welche Zinsen sie bis zur möglichen Änderungen der Zinsbedingungen erhalten, müssen Anleger bei physischem Geld grundsätzlich auf den Anstieg des Goldpreises hoffen. Auch hier kann die Lauf- bzw. Haltezeit flexibel gehandhabt werden. Anbieter von Tagesgeldkonten sprechen mögliche Zinsgarantien meist nur im Rahmen von Sonderaktionen für maximal wenige Monate aus. Derlei Zusagen gibt es beim Edelmetall weder bei physischem Gold selbst noch bei Derivaten. Wer dennoch auf Gold setzt, erreicht aber dafür deutlich bessere Renditen, wenn der Markt mitspielt und die Kurse nach oben gehen.

Autor: Agnes Nitsche