Gold vs. Anleihen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Ähnlich wie Gold waren vor allem Staatsanleihen in den dramatischsten Phasen der Finanzkrise ein beliebter Ansatz, um als Anleger das Ersparte vermeintlich sicher und vergleichsweise gut verzinst anzulegen. In weiten Teilen unterscheiden sich die Produkte beider Kategorien aber doch merklich.
  • Gold verliert zwar hin und wieder an Wert, völlig wertlos aber wird das Edelmetall nie dank der begrenzten Verfügbarkeit und hohen Nachfrage – Anleihen können ihrerseits durchaus zum „Worst Case“, also zum Totalverlust für Investoren führen.
  • Beim Edelmetall bestimmen Angebot und Nachfrage die Kursentwicklungen und somit mögliche Gewinnaussichten, Anleihen-Käufer erhalten bei höherem Risiko mehr Zinsen pro Jahr.

Anleihen und Gold – zwei „Währungen“ für die Krise?

gold gegen anleihen„Flüchten Sie in Anleihen gut bewerteter Staaten und Unternehmen. Dort sind Sie sicher aufgehoben und erreichen gute Renditen!“. Solche Tipps aus der Ecke vermeintlich professioneller Berater erhielten Sparer nicht allein in der Akutphase der weltweiten Finanzkrise. Doch nicht in allen Fällen lagen Anleger damit richtig, diesem Rat zu befolgen, denn Staats- und Unternehmensanleihen sind nicht in jeder Situation die beste aller Möglichkeiten. Es ist wie so oft eine Frage des Zeitpunkts, der Ziele und der Entscheidungen – denn in der Analyse Gold vs. Anleihen gibt es wie erwartet Licht und Schatten. So sollten sich Investoren immer wieder vor Augen führen, dass gerade manche Staatsanleihen nicht vollkommen grundlos von Spezialisten als sogenannte Risikopapiere bezeichnet werden.

Aber ist das Geld besser in Gold oder Anleihen aufgehoben? Gemeinhin sind Anleihen eher etwas für Anleger, die sich mit Renditen und Zinserträgen im mittleren Bereich zufrieden geben.

Anleihen und Gold kommen ohne Absicherung der Einlagen aus

Richtig ist zudem, dass höhere Rendite-Ziele automatisch eine größere Risikobereitschaft vom Investor verlangen. Unternehmen und Staaten, die in den Bewertungen der großen Ratingagenturen eher schlecht abschneiden, sind dazu gezwungen, potentielle Geldgeber mit einer überdurchschnittlich guten und jährlich garantierten Verzinsung anzulocken. Verloren sind die Einlagen, wenn es zu einem Staatsbankrott oder einer Firmenpleite kommt. Und zwar in voller Höhe, denn die Einlagensicherung greift in diesem Fall eher nicht. Zwar gibt es teilweise andere Absicherungsmechanismen, die klassische Einlagensicherung – in Deutschland in Höhe von 100.000 Euro staatlich geregelt – aber ist nicht gegeben. Wer sich im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere, wie Anleihen oft auch tituliert werden, mit geringen Zinssätzen zufriedengibt, ist aber in aller Regel auf der sicheren Seite und weiß während der gesamten Laufzeit, welche Rendite aufs Jahr gerechnet erreicht wird. Doch genau darin sehen viele Anleger im gleichen Maße einen Nachteil.

Gold-Gewinne kommen oft überraschend

Ändern sich die wirtschaftlichen Gegebenheiten, müssen sie bei Anleihen mit Laufzeiten von mehreren Jahren oft hinnehmen, dass später eingestiegene Spekulanten teilweise bessere Zinsen vom Emittenten erhalten, weil ein akuter Kapitalbedarf besteht und die Kreditbeschaffung bei Banken mit hohen Kosten verbunden wäre für die Staaten und Unternehmen. Wer sein Geld in die Anleihen wirtschaftlich schwacher Staaten investiert, muss im Ernstfall damit rechnen, nur einen Teil seines Geldes zurückzuerhalten. Dies erfolgt im Normalfall durch das Herabsetzen des jeweiligen Nominalwerts der Anleihen oder es werden schlicht und ergreifend nur Teilsummen gezahlt im Moment der Endfälligkeit. In einigen Fällen wie Anleihen von Sparkassen haftet im Fall der Fälle die öffentliche Hand, sollte es zu dramatischen Ausfällen kommen. Insgesamt aber sind solche Sicherheiten keineswegs der Standard. Vielfach sprechen Experten bei Anleihen auch von der „Herausgeber-Qualität“, die sich auf die Risiken, aber auch die Rendite-Chancen auswirkt.

Anleihen auch weiterhin beliebt bei Anlegern weltweit

Beim Vergleich Gold vs. Anleihen punktet das Edelmetall in diesem Bereich, weil Anleger durch das Auflösen ihres Goldsparplans oder den Verkauf ihrer physischen Goldreserven grundsätzlich den vollen aktuellen Preis bekommen auf Basis des Goldwertes am Markt – freilich nach Abzug der Gebühren, die der Händler berechnet. Eine Parallele im Test Gold vs. Anleihen zeigt sich insofern, dass die beiden Anlageklassen (im Beispiel etwa deutsche Staatsanleihen) im Jahr 2014 zu den besten Geldanlagen gehörten, für die sich Anleger entscheiden konnten.

Sehr sichere Papiere bringen eher geringe Zinssätze

Zur Definition: Als verzinsliche Wertpapiere, zu denen Anleihen gehören, werden Produkte bezeichnet, durch deren Ausgabe Emittenten die Chance haben, über Bankdarlehen und Eigenmittel hinaus weiteres Kapital zu beschaffen, um Investitionen zu tätigen, die sonst nicht möglich wären. Dabei treten unterschiedliche Gruppen als Herausgeber auf. Der Bund kommt ebenso wie Banken oder Bauunternehmen als Emittent infrage. Bundesanleihen (also Papiere des deutschen Staates) sowie Staatsanleihen anderer Länder mit guter bis sehr guter Bonität eignen sich gut als Geldanlage mit einer geringen Ausfallquote, um als Anleger Zinssätze zu erhalten, die im Durchschnitt über dem aktuellen Zinsspektrum bei Anlagen wie Tages- und Festgeld liegen. Die jeweils aktuelle Zinshöhe basiert auf der Situation an den Börsen, an der sich Emittenten orientieren, sowie den allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen.

Wie Gold sind Anleihen im Grunde zu jeder Zeit verfügbar, wenn auch mitunter zu verschiedenen Zinsbedingungen innerhalb kürzester Zeit, wenn zwischenzeitlich Anpassungen aufgrund anderer Bedingungen am Markt vorgenommen wurden.

Anleihen-Erwerb auf mehrere Jahre ausgerichtet

Übliche Anleihen-Laufzeiten liegen im Bereich von etwa fünf bis zehn Jahren. Nach Verstreichen der Laufzeit kommt es zur Auszahlung des auf den Anleihen vermerkten Nennwertes. Anleger wissen also sowohl, welche Rendite sie pro Jahr und insgesamt erreichen, als auch, welche Auszahlungssumme sie zum Laufzeitende erhalten. In der eigentlichen Betrachtung des Edelmetalls Gold vs. Anleihen fällt somit auf, dass die Wertpapiere in diesem Kontext bei Ertrag und Rückzahlung Sicherheit bieten. Zumal auch vor dem festgelegten Rückzahlungstermin über Banken ein vorzeitiger Verkauf (möglicherweise zu einem schlechteren Preis) an den Börsen denkbar ist. Den ursprünglichen Ausgabekurs können sich Anleger so meist nicht sichern, dafür aber besteht die theoretische Hoffnung, dass der aktuelle Tageskurs der Anleihen sogar über dem Ausgabekurs liegt.

Gold bringt nach einigen Jahren fast immer Gewinne

Bei Gold steht anfangs nicht fest, welche Rendite (pro Jahr oder gänzlich vom Tag des Kaufs bis zum Verkauf) realisiert wird. Jedoch können zu jedem Zeitpunkt Teil- oder Komplett-Verkäufe durchgeführt werden, wenn es der Verlustminderung bzw. Gewinnmitnahme dient oder schlichtweg Geld für andere Zwecke benötigt wird. Apropos Verluste: Hier überzeugt Gold im Vergleich insofern, weil es aufgrund seiner hohen Inflationssicherheit vielfach als ideal bezeichnet wird, wenn die Zeiten an den Börsen schlecht sind und Ausfälle befürchtet werden. Analysten sehen im Edelmetall etwas, das in keinem Portfolio als Mittel zur Absicherung fehlen sollte. Im Zuge der Zuspitzung der Wirtschaftskrise entdeckten Investoren indes auch Anleihen für sich, obwohl gerade Gold bedingt durch seine Negativ-Korrelation ein guter Ansatz sein kann, um eine Diversifizierung des Portfolios zu erreichen – nicht zuletzt im Hinblick auf drohende Staatspleiten und den Ausbruch einer erneuten Währungskrise.

Physischer Goldhandel 

Der elementare Unterschied von Gold gegenüber Anleihen – Investoren, die sich für den Handel mit dem physischen Edelmetall entscheiden, müssen selbstständig die Kursentwicklungen verfolgen, um zu erkennen, wann sich ein Verkauf lohnt. Es sei denn, sie definieren einen Wunschpreis und lassen ihre Bestände von einem professionellen Händler oder Verwalter bei Erreichen des Kurses verkaufen, was wiederum zusätzliche Gebühren verursacht. Beim Handel mit Gold-Zertifikaten oder Optionen auf das beliebteste Edelmetall wiederum braucht es „lediglich“ die Entscheidung, ob man zum Zeitpunkt des Verfalls vom Recht des Kaufs bzw. Verkaufs Gebrauch machen möchte. Bei Anleihen, die durchaus mit Fug und Recht in die Kategorie der sicheren Investments eingeordnet werden können.

Weder Gold noch Anleihen sollten komplette Portfolios füllen

Beide miteinander in Vergleich stehenden Anlagemodelle sind also von Vor- und Nachteilen gekennzeichnet. Während aber bei Anlagen klare Aussagen zur Halte- bzw. Laufzeit und der Rendite getroffen werden können, können derlei Angaben zu Investitionen in physisches Gold nicht gemacht werden. Der Goldmarkt ist nicht ohne Risiko und kennt beim Preis nicht nur den Weg nach oben, zumal er sehr volatil ist. Diese Schwankungsbreite aber stellt auch und gerade eine Chance dar, wie gerade die vergangenen Jahre eindrucksvoll demonstriert haben. Auch wenn keine regelmäßigen Erträge realisiert werden, ist auf lange Sicht mit Wertsteigerungen zu rechnen, so wenigstens besagen es die Analysen vieler Branchenkenner. Wichtig ist dabei sowohl bei Anleihen als auch beim Gold, dass der Anteil am Gesamt-Portfolio nicht zu groß ausfällt. Experten raten zu einem Gold-Anteil am Portfolio von höchstens 10 Prozent.

Für Normalanleger sind dies erfahrungsgemäß keine allzu üppigen Beträge. Machen sich Anleger aber Sorgen bezüglich einer kommenden ernsten Krise, ist die Werthaltigkeit unterm Strich wichtiger als eine alljährliche Rendite. Insbesondere dann nicht, wenn bei der Alternative Anleihen nicht gesichert ist, dass die investierten Gelder tatsächlich samt Rendite zurückgezahlt werden.

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Mein Fazit

Gold und Anleihen sind die erste Wahl für viele Anleger, die sich nicht an den riskanten Aktienmarkt oder auf das Terrain der derivaten Finanzprodukte wagen möchten. Beide Anlageklassen können rentable Wege sein, allerdings zeichnet sich Gold dadurch aus, dass kein Komplettausfall zu erwarten ist. Gerade bei Unternehmensanleihen aber kann es sehr wohl zu Situationen kommen, die einen kompletten Verlust des investierten Kapitals nach sich ziehen. Darüber hinaus ist das Edelmetall Gold auch insofern interessant, dass Anleger über Sparpläne selbst mit kleineren Budgets auf lange Sicht gute Gewinne erreichen können.

Autor: Agnes Nitsche