Gold vs. Bausparen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Bausparen ist und bleibt für viele Deutsche die erste Wahl bei der Altersvorsorge, doch auch Gold ist immer häufiger in den Portfolios anzutreffen, da hier in vielen Phasen besonders gute Gewinnmöglichkeiten entstehen können.
  • Physisches Gold eignet sich vielfach auch für kurzfristige Aktivitäten, wenn der Preis akut in die Höhe schnellt. Bausparer müssen eher Geduld aufbringen, wissen dafür aber durchgängig, welche Zinsen ihnen Anbieter pro Jahr für das Ersparte gutschreiben.
  • Der Bausparvertrag ist heute noch für viele Anleger die erste Wahl zur Finanzierung des zukünftigen Wohneigentums, während Gold vor allem eine Anlageform mit guten Entwicklungschancen darstellt.

gold gegen bausparenOft unterscheiden sich Geldanlagen nicht allein im Hinblick auf die wahrscheinlich zu erreichenden Renditen. In der Tat sind die Ziele und Gründe für Investitionen in vielen Fällen vollkommen unterschiedlicher Natur. So können bzw. konnten Sparer durch Einzahlungen in einen klassischen Bausparvertrag lange Zeit durchaus interessante jährliche Effektivzinssätze realisieren, wenn sie Monat für Monat einen gewissen Sparbetrag in einen Vertrag dieser Rubrik einzahlten, um nach einigen Jahren bei Erreichen der sogenannten Zuteilungsreife eine Finanzierung oder Auszahlung vornehmen zu lassen. Diese Reife ist dann erreicht, wenn eine ausreichend gute Bewertungszahl erreicht wird, wobei die vorab vertraglich festgelegte Mindestsparzeit vom Bauspar-Kunden in der erforderlichen Weise eingehalten wurde. Das Ergebnis beim Bausparen war normalerweise die tatsächliche Finanzierung eines Immobilien-Neubaus oder der Erwerb von Wohneigentum.

Beide Anlagen sind eher langfristig ausgerichtet

Schon hier wird deutlich, worin ein Unterschied von Gold vs. Bausparen besteht. Klassische Bausparer können zwar gute Renditen pro Jahr erreichen, nutzen die Mittel aber in aller Regel nach Bereitstellung der Bauspardarlehen weitgehend zur Immobilienfinanzierung und können dabei auch steuerliche Förderungen oder Zuschüsse vom Staat erhalten. Goldanleger hingegen streben generell nur einen Gewinn durch den späteren Verkauf oder die Absicherung gegen einen drohenden Inflationsanstieg an. Gewisse Ähnlichkeiten zeigen sich bei der Zeitspanne bezüglich der Anlagezeiträume. Die typische Ansparzeit beim Bausparvertrag beträgt etwa acht Jahre – derartige Haltezeiten sind auch beim Gold-Investment bis zum erhofften Gewinn nicht unrealistisch, falls der Kurs nicht frühzeitig akut steigt oder im Ernstfall in den Keller geht.

Die aktuelle Situation am Bausparmarkt sieht wie folgt aus:

Anleger, die schon vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben, kommen dieser Tage noch immer in den Genuss eines Zinssatzes, der weit über den Bedingungen angesiedelt ist, die derzeit bei anderen klassischen Geldanlagen winken. Viele Sparer nutzen das Bausparen zum Leidwesen der Anbieter aktuell nur allzu gerne als Investment und beschaffen sich stattdessen lieber zu noch günstigeren Konditionen Baudarlehen am Kreditmarkt. Denn die garantierten Bauspar-Zinsen in früherer Zeit orientierten sich zwangsläufig an den damals geltenden Leitzinsen – inzwischen aber hat die Europäische Zentralbank diesen in mehreren Schritten auf ein historisches niedriges Niveau gesenkt, sodass Kreditkunden preiswerte Darlehen zur Baufinanzierung erhalten, während Sparer kaum noch etwas bei normalen Anlageklassen verdienen können.

Anbieter versuchen Bausparen zu erschweren

Bausparkassen und andere Anbieter im Bereich Bausparen versuchen bereits seit einer Weile, ihre Zinskosten zu reduzieren, indem sie die älteren Verträge vieler Stammkunden außerordentlich kündigen. Um einen Vergleich nach dem Format Gold vs. Bausparen vornehmen zu können, muss also zwischen den Zinssätzen unterschieden werden, die Kunden mit älteren und aktuellen Verträgen erreichen können. Denn zwischen diesen beiden Polen liegen fast immer Welten. Dafür aber wissen Bausparer generell, welche Zinsen ihre Finanzpartner für die Immobilienfinanzierung auf der einen Seite und das steigende Guthaben während der Ansparphase andererseits zugrunde gelegt werden. Bei Investitionen in physischen Gold können sich Anleger niemals auf vergleichbare Garantien berufen.

Unklare Kursveränderungen bei Gold, sichere Konditionen beim Bausparen

Übrigens auch dann nicht, wenn der Weg über Goldsparpläne oder derivate Finanzprodukte wie Optionsscheine, Zertifikate, binäre Optionen oder andere Produkte gegangen wird. Denn immer steht und fällt der eigene Erfolg mit den zukünftigen Entwicklungen des Goldpreises am Markt. Wie sich der Preis entwickeln wird, kann niemand genau vorhersagen. Anders beim Bausparen, denn dort wissen Kunden zugleich um die Höhe ihrer Guthaben- wie Darlehenszinsen. Allerdings besteht für Gold-Anleger durchaus die berechtigte Hoffnung, nicht nur in Zeiten einer Wirtschafts- und Finanzkrise weitaus bessere Gewinne zu erreichen, als ihnen Bausparkassen selbst bei den besten Angeboten bieten können und wollen. Zumal die jährlichen Zinssätze bei durchschnittlichen Bausparverträgen innerhalb der vergangenen Jahre wie erwähnt deutlich gesunken sind. Und auf diesem Niveau werden die Zinssätze aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest noch so lange verweilen, wie die EZB an den niedrigen Leitzinssätzen festhält.

Neuer Bausparvertrag bringt nur geringe Erträge

Die Tatsache, dass in Deutschland weit mehr als 20 Millionen Bausparverträge existieren, ändert wenig daran, dass sich die Produkte im Moment – und im Grunde schon seit einigen Jahren – für die Kunden der Anbieter nicht mehr lohnen. Kein Wunder also, dass Sparer nach lukrativeren Anlagemöglichkeiten suchen. Und im Vergleich Gold vs. Bausparen schneidet deshalb auch das Edelmetall oftmals besser ab. Unter anderem auch aufgrund der hohen Flexibilität, denn Anleger können sich wenigstens bei physischem Besitz von Gold für eine rasche Umschichtung des Depots entscheiden. Wer im Bereich Bausparen tätig ist, kann entstehende Verluste kaum ausgleichen, selbst wenn die Inflation weiter steigt und die Zinserträge aus dem Vergleich gänzlich aufgezehrt werden.

Darüber hinaus besteht beim Bausparvertrag sogar das Risiko, als Sparer Opfer eines Totalverlustes zu werden – wenngleich eine Währungsreform, die am ehesten Ursache eines solchen Ausfalls sein könnte, eher nicht zu erwarten ist. In der Theorie gibt es diese Gefahr aber jedenfalls. Gold hingegen überzeugt gerade dann, wenn Geld seinen Wert verliert. Wer als Anleger Wert auf weitgehend anonyme Investments legt, entscheidet sich ebenfalls eher für Gold in seinen verschiedenen Formen als fürs Bausparen. Denn wer solch einen Vertrag abschließt, offenbart sich dem Staat gegenüber.

Verträge sind bei Geld vom Staat angreifbar

Dies kann im Einzelfall gerade im Zusammenhang mit einer Privatinsolvenz oder einer Arbeitslosigkeit zum Problem werden. So kann im ersten Schritt die Auflösung eines Sparvertrags obligatorisch sein, bevor ein Anspruch auf staatliche Hilfen entsteht. Auch kann der Bausparvertrag genutzt werden, um Gläubiger zu bedienen. Anders beim Goldbesitz: Ob Empfänger von staatlichen Leistungen physisches Gold besitzen, weiß die jeweilige Behörde nicht, sofern die Anleger nicht bewusst entscheiden, Engpässe zunächst durch den Verkauf ihrer Bestände zu überbrücken, bevor sie Geld vom Staat annehmen. Dies aber ist eher eine moralische Frage, die jeder für sich beantworten muss. Beim Spekulieren und Vorsorgen aber muss dieser Aspekt im eigentlichen Sinne nicht berücksichtigt werden. Hier geht es eher um die Erkenntnis, dass das Edelmetall Gold die Anleger gegenüber Bausparen flexibler agieren lässt und – zumindest in der derzeitigen Phase des Finanzmarktes – höhere Gewinne in Aussicht stellt. Die Mindesteinlagen können sich bei den beiden Varianten durchaus ähneln, wenn ein Goldsparplan für den sukzessiven Kapitalaufbau genutzt wird.

Geld für Haus und Wohnung am Goldmarkt beschaffen?

Und wo steht geschrieben, dass das nötige Kapital für eine Immobilienfinanzierung nicht ebenso gut durch Spekulationen am Goldmarkt angespart werden kann? Auch wenn dieses Vorhaben einige Jahre in Anspruch nehmen wird, undenkbar sind Erfolge nicht. Denn beim Bausparen dauert es bekanntlich unter normalen Bedingungen ebenfalls einige Jahre, bis die tatsächliche Finanzierung in Angriff genommen wird. Wer nach und nach seinen Goldbestand erhöht und nach einem erneuten Höhenflug des Goldpreises alles verkauft, kann ohne Frage einen beachtlichen Gewinn realisieren. Das hat die Vergangenheit seit Ausbruch der Finanzkrise mehr als nachdrücklich unter Beweis gestellt. Beim Bausparvertrag indes bleibt die Rendite während der Ansparphase stets dieselbe, auch wenn die Zinssätze zwischenzeitlich wieder merklich gestiegen sind.

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Mein Fazit

Lange Zeit galt der Bausparvertrag als des Deutschen liebster Weg zum Eigenheim und zudem als während der Ansparphase durchaus lukrativ. Neue Verträge aber bringen durch die Niedrigzinsphase nur noch bedingt Gewinne ein. Gold erreicht diesbezüglich in der Regel trotz gelegentlicher Kursverluste eine weitaus bessere Performance, auch wenn keine Garantie besteht, dass es zur ersehnten Rendite kommen wird. Zumindest einen Teil ihrer Ersparnisse sollten Anleger nach Empfehlungen von Anlageberatern immer ins Edelmetall investieren, denn hier zeichnen sich gerade in Krisen gute Chancen ab.

Autor: Agnes Nitsche