Gold vs. Lebensversicherungen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Lebensversicherungen waren in früheren Jahren einer der beliebtesten Ansätze für deutsche Verbraucher, um Kapital gewinnbringend zu investieren – aufgrund der reduzierten Vorgaben zur Garantieverzinsung hat sich die Lage merklich verschlechtert, weshalb viele Versicherte zunehmend auf Gold als sichere Geldanlage mit guten Zukunftsprognosen setzen.
  • Sowohl Lebensversicherungen als auch Gold-Reserven können an Wert verlieren, allerdings steigt die Nachfrage nach Versicherungspolicen in der Regel nicht wie bei Gold, wenn die nächste Krise ins Haus steht.
  • Auch in den kommenden Jahren werden die Zinssätze bei Versicherungen wahrscheinlich weiter sinken, während Gold als krisensicherer und nur begrenzt verfügbarer Rohstoff aus Expertensicht auf lange Sicht gute Entwicklungschancen hat

Gold vs. Lebensversicherungen – Gewinne der Policen sinken immer weiter

gold gegen lebensversicherungEine erste wichtige Erkenntnis, die Interessenten im Bereich der Lebensversicherungen ereilt: Die Zeiten, in denen die Versicherer stattliche jährliche Garantiezinsen auslobten, scheinen angesichts der niedrigen Leitzinssätze von Seiten der Europäischen Zentralbank erst einmal vorüber zu sein. Und genau genommen sind die Tage der Höchstzinsen in dieser Kategorie des Finanzmarktes schon seit einigen Jahren sprichwörtlich Geschichte. Mal davon abgesehen, dass es natürlich verschiedene Varianten einer Lebensversicherungs-Police wie etwa die Kapitallebensversicherung oder die Risikolebensversicherung gibt: Schaut man sich die Analysen von Experten zum Thema an, befindet sich das Format nicht erst seit gestern in der Krise. Vielfach finden sich gar Hinweise dazu, dass sich das Produkt Lebensversicherung nicht nur in einer schwierigen Phase befinde – mancher Experte geht gar davon aus, dass das Modell im Grunde für tot erklärt werden kann.

Deutsche seit jeher sehr Versicherungs-freudige Anleger

Dabei wissen deutsche Verbraucher die Sicherheit der Angebote nach wie vor zu schätzen. So existierten im Jahr 2009 je nach Definition allein beinahe 50 Millionen Kapitallebensversicherungen, das Vertrauen der Anleger ist noch immer groß. Die Branche insgesamt brachte es 2015 nach aktuellen Daten gar auf über 90 Millionen Policen. Statistisch gesehen gibt es also mehr als einen Vertrag pro Einwohner Deutschlands. Im Vergleich Gold vs. Lebensversicherungen zeigt sich, dass sich die Policen auch weiterhin durch eine gesetzlich geregelte Mindestverzinsung (im Fachjargon heißt sie „Höchstrechnungszins“) auszeichnen, die generell für neu abgeschlossene Verträge gilt. Dieser Zins lag im Jahr 2015 bei normalen Kapitallebensversicherungen bei 1,25 Prozent pro Jahr und damit nicht viel höher als bei Investitionen in eines der besser verzinsten Tagesgeldkonten.

Pläne für weitere Zinssenkungen

Für das Jahr 2016 plante der deutsche Gesetzgeber zunächst keine weiteren Vorgaben für den besagten Höchstrechnungszins. Doch kurz vor Jahresbeginn entschied man sich für den Fortbestand des Modells und den Garantiezins von 1,25 Prozent. Korrekturen und Abschaffungen sind in Zukunft nicht ausgeschlossen, spätestens im Rahmen einer möglichen Änderung des Reformgesetzes für Lebensversicherungen, die für 2018 im Gespräch ist. Inzwischen (Stand Mai 2016) gibt es neue Pläne, die auf eine erneute Senkung des Garantiezinssatzes schließen lassen. Was eigentlich für Sparer gut klingt, denn wie der Name bereits andeutet: Der Höchstrechnungszins galt bis dato eigentlich als Obergrenze, damit Versicherer im zunehmenden Wettbewerb am Markt keine zu hohen Versprechen abgeben konnten, um Neukunden zu generieren.

Versicherungsbranche beklagt zunehmend geringere Gewinne

Der Garantiezins musste schließlich für die gesamte Laufzeit gelten. Durch den Verzicht einer Vorgabe durch das Bundesfinanzministerium – so wenigstens erwarten es Branchenkenner – wird sich kaum etwas ändern für Versicherte in spe, denn Versicherer sind nun an höhere Richtlinien zur Eigenkapitalversorgung gebunden innerhalb Europas. Die Garantien sind deshalb in erster Linie ein Risiko für die Anbieter. Über den garantierten Zinsertrag hinaus partizipieren Sparer in diesem traditionellen Fall an den Gewinnen der Versicherer, bei denen sie Verträge abgeschlossen haben. Das Dilemma: Während der Goldpreis regelmäßig mehr oder weniger deutlich steigt, erreichen Versicherungsgesellschaften immer seltener gute Ergebnisse, sodass Versicherungsnehmer vielfach leer ausgehen und mit dem Garantiezins Vorlieb nehmen müssen.

Auch fondsbasierte Produkte sind für Sparer riskant

Eine Alternative sind die sogenannten fondsgebundenen Versicherungen, die bessere Renditen bei ebenfalls höherem Risiko in Aussicht stellen. Denn natürlich gibt es keine Sicherheiten dafür, dass die Investment- und Hedge-Fonds, in die die Gelder der Kunden über die Versicherer fließen, wirklich Gewinne abwerfen. Die Streuung auf verschiedene Fonds kann das Risiko jedoch senken. Konnten Investoren 2008 im Schnitt bei den Kapitalanlagen der Versicherungsgesellschaften brutto noch knapp über vier Prozent realisieren, sind die Ergebnisse inzwischen merklich gesunken, eben wegen des geringeren Garantiezinssatzes und der deutlich schlechteren Überschussbeteiligungen, auf die Versicherte hoffen dürfen. Gerade weil die Aktien der Versicherungsunternehmen in den vergangenen Jahren einen mehr oder weniger drastischen Wertverfall hinnehmen mussten, schauen sich Sparer zunehmend nach den Chancen am Goldmarkt um, denn spätestens die – keineswegs undenkbare Insolvenz – eines Versicherers würde extreme Konsequenzen für die Anleger selbst haben.

Will heißen: Lebensversicherungen können im Ernstfall zum Totalverlust führen. Vom Risiko der steigenden Inflation ganz zu schweigen, da Versicherungsnehmer rechnerisch während einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten über Lebensversicherungen den Nutzen für die eigene Altersvorsorge und den Vermögensaufbau regelrecht vernichten können, ohne es zu merken.

Gold in Krisen oft der große Profiteur

Anders sieht es beim Überblick von Gold vs. Lebensversicherungen aus, der zeigt, dass die schwierigen Entwicklungen des Währungssystems für das Edelmetall kaum negative Auswirkungen auf den Goldpreis haben. Eher ist das Gegenteil der Fall. Verlieren klassische Geldanlagen an Reiz und gehen die Aktienkurse in den Keller, steigt die Nachfrage am Goldmarkt. Gleiches gilt beim Festhalten der Notenbanken am „billigen“ Geld und zusätzlichen staatlichen Programmen zur Ankurbelung der Konjunktur – Gold bleibt von solchen Szenarien weitgehend unbeeindruckt. Selbst Währungsreformen hat der Goldpreis (gemessen an Sachwerten) in den meisten Fällen in der Vergangenheit immer wieder gut überstanden.

Verkauf von Gold weniger problematisch als Kündigung der Versicherung

Während sich Lebensversicherungen dieser Tage kaum oder gar nicht mehr rentieren, kann sich gerade eine langfristige Investition in Gold selbst vor dem Hintergrund der von Händlern berechneten Lagerungsgebühren und Ausgabeaufschlägen (bzw. Verkaufsentgelten) sehr bezahlt machen, um so – wenigstens umgerechnet auf die Haltezeit – dem drohenden Nullzins zu begegnen. Dass Gold gegenüber Lebensversicherungen keine jährlichen Zinserträge im eigentlichen Sinn verspricht, erklärt aus Anlegersicht eher, weshalb sie nur Geld in das Edelmetall investieren sollten, das sie nicht schon bald anderweitig benötigen werden. Hier geht es um den Gesamtgewinn und die Wertstabilität in der Zeitspanne vom Augenblick des Kaufs bis zum Verkaufszeitpunkt. Dafür aber müssen Gold-Investoren sehr bewusst den passenden Moment für den Ein- und Ausstieg abpassen. An sich kann jederzeit ein Verkauf vorgenommen werden, was dem Edelmetall eine hohe Flexibilität einbringt. Lebensversicherungen sind als Anlageklasse eher unflexibel. Das Kündigen laufender Verträge ist im Prinzip immer mit finanziellen Einbußen verbunden.

Umstieg von der Police auf Gold 

Wer aber schon seit vielen Jahren Zinserträge kassiert hat und nun einen Anlage-Wechsel nach einem Vergleich von Gold vs. Lebensversicherungen vollziehen möchte, kann derzeit einen guten Moment für sich nutzen, Verträge auflösen und zumindest einen Teil des Kapitals in physisches Gold investieren, Gewinne mitnehmen und von der Krisenwährung schlechthin profitieren. Heutzutage jedenfalls lohnt sich der Abschluss einer Lebensversicherungspolice kaum noch. Im schlimmstmöglichen Fall sinkt das Vermögen auf diese Weise sogar von Jahr zu Jahr. Gerade kleinere Goldbarren erlauben Anlegern (trotz der höheren Aufschläge auf den Goldpreis am Markt im Vergleich zu größeren Barren) die flexible Verwaltung ihres Vermögens, um auch kurzfristig Kapital freizusetzen.

Finanzwelt lebt vor allem auch vom Wert des Goldes

Wird das Geld aus der Lebensversicherung benötigt, muss diese entweder vollständig aufgelöst oder zu hohen Zinsen beliehen werden. Wie sich die Inflation entwickelt, ist bei der Bewertung Gold vs. Lebensversicherungen zwar für Versicherungskunden relevant, für Goldbesitzer aber nicht weiter von Bedeutung. Eher verdienen sie erst dann richtig gutes Geld, wenn die Nachfrage durch einen Inflationsanstieg und Wertverlust beim Papiergeld steigt. Hier überzeugt das Edelmetalls gewissermaßen als die zentrale „Weltwährung“, mit der Anleger genau genommen immer handlungsfähig bleiben. Und noch ein Punkt sei zum Schluss erwähnt: Versicherungspolicen verfallen vielfach, wenn der jeweilige Versicherungsnehmer verstirbt, wenn keine entsprechenden Klauseln in den Versicherungsverträgen verankert, damit Angehörige bzw. andere Erben in den Genuss der Erträge und des Kapitals kommen.

Erben bei Gold leichter als bei Lebensversicherungen

Bei Goldbarren und Münzen sind solche Probleme und Vorsichtsmaßnahmen – zumindest im Falle einer heimischen Lagerung der Bestände – nicht zu erwarten. Vorausgesetzt, die Familie ist über den Ort der Aufbewahrung informiert. Bei der externen Lagerung in Banktresoren und Schließfächern sollten Befugnisse und Ansprüche frühzeitig schriftlich (z.B. im Testament) festgehalten werden, um spätere Auseinandersetzungen zu verhindern. Denn bekanntlich hören Freundschaft und Verwandtschaft oft spätestens beim Geld auf – dies aber ist ein anderes Thema, das mit dem Vergleich Gold vs. Lebensversicherungen nichts zu tun hat. Denn hier geht es um Risiken, Renditen und die finanziellen Anforderungen fürs Investment. Und dabei punktet das Edelmetall in den meisten Vergleichsbestandteilen.

haigt

Mein Fazit

Der garantierte Zins, den Versicherer ihren Kunden noch immer ausschütten, ist ein Vorteil gegenüber der Gold-Anlage, bei der Investoren nie genau sagen können, ob und wann sie durch einen späteren Verkauf einen Gewinn realisieren können. Die Aussicht auf weiterhin sinkende Garantiezinsen und steigende Preise am Goldmarkt sprechen indes eine recht deutliche Sprache im Vergleich Gold vs. Lebensversicherungen – zugunsten des Edelmetalls, zumal sich der physische Besitz aus Schutz gegen Inflationsrisiken als positive Eigenschaft bemerkbar macht.

Autor: Agnes Nitsche