Welche Edelmetalle außer Gold gibt es am Markt eigentlich noch?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Gold ist zwar für Anleger nach wie vor die unbestrittene Nummer Eins unter den Edelmetallen. Dabei gibt es in diesem Bereich mit Silber, Palladium und anderen Werten noch weitaus mehr mehr oder minder interessante Investitions-Möglichkeiten.
  • Je nachdem, in welchem Bereich des Sektors Sparer ihr Kapital investieren möchten, müssen sie mit unterschiedlich hohen Mindestanlagesummen, Rendite-Möglichkeiten und vor allem den bestehenden Risiken vertraut sein – denn diese gilt es eben nicht allein am Goldmarkt zu kennen.
  • Gerade Seltene Erden und Sondermetalle sind ohne Frage ein Wachstumsmarkt, an den sich jedoch eher Anleger mit höherer Risikobereitschaft und größeren finanziellen Reserven betätigen sollten

Welche Edelmetalle außer Gold gibt es am Markt eigentlich noch?

welche edelmetalleGold ist neben seiner kleinen Schwester Silber das bei privaten Anlegern beliebteste Edelmetall. Dabei erkennen Anleger im Zuge der Einarbeitung ins Thema sehr rasch, dass der Silbermarkt im Vergleich deutlich überschaubarere Ausmaße als der Goldmarkt aufweist. Im Rahmen des Profi-Wissens rund um das Thema geht es aber hier ausdrücklich nicht um Gold, sondern um die besagte Alternative Silber. Zudem befassen wir uns in diesem Bereich des Ratgebers mit den diversen Nischen, in denen sich ebenfalls eher Anleger mit fortgeschrittenem oder eben professionellem Status als Investoren betätigen.

In der Tat zeichnen sich Produkte aus den Bereichen Silber, Palladium, Platin, Kupfer sowie Diamanten und nicht zuletzt den medial oft thematisierten Seltenen Erden durch eine höhere Komplexität aus. Die Märkte sind kleiner und einem spezielleren Kreis von Spekulanten vorbehalten.

Ein Blick über den Tellerrand!

Anfänger tun aufgrund der im Vergleich zum Markt für Gold oft drastisch geringeren Handelsvolumina in der Regel gut daran, sich zunächst in Zurückhaltung zu üben und Erfahrungen mit Gold in seinem verschiedenen Varianten zu sammeln. Danach spricht nichts gegen eine Beschäftigung mit den eher professionellen Handelsarten und Finanzinstrumenten, die auf den folgenden Seiten eingehend präsentiert werden. Dabei geht es nicht zuletzt um die Abwägungen, inwieweit etwa Dinge wie Seltene Erden und Sondermetalle überhaupt für den normalen Anleger von Interesse sein können, etwa wie Palladium aus Expertensicht zu bewerten ist. Auch wird hinterfragt, was Silber als das Gold des kleinen Mannes zu bieten kann, ob sich das Investieren in Kupfer als lohnend erweist, ob Diamanten als Geldanlage möglicherweise geeignet sind und wie richtig Anlegen mit Platin im Alltag funktionieren kann – bzw. ob dies generell eher wenig rentable oder zu große Investitionen von Seiten der Investoren erfordert.

Nicht nur der direkte Erwerb der Edelmetalle & -steine kann Chancen bieten

Offensichtlich ist, dass sich der Rahmen, innerhalb dessen sich Anleger finanziell bewegen können, gravierenden Einfluss auf die engere Auswahl der Finanzprodukte hat, die neben Gold aus dem Edelmetallbereich infrage kommen werden. Und selbstverständlich geht es bei jedem Investment immer wieder darum, einen Anbieter zu finden, der Kunden faire Konditionen für den An- und Verkauf bietet. Auch wenn Anleger nicht physisch investieren, sondern eher über derivative Finanzprodukte wie Optionen, CFDs oder Zertifikate auf die Kursentwicklungen der Produkte wetten möchten.

Denn genau darum geht es mit Blick auf Profi-Wissen immer wieder aufs Neue: die Hinterfragung der Finanzierbarkeit und der Rentabilität, die Edel- und Sondermetalle sowie Diamanten und Seltene Erden versprechen. Aber diese Frage ist Anlegern schließlich ebenso bereits von allen gewissermaßen klassischen Anlageklassen bekannt.

Silber – das Gold des kleinen Mannes

  • Silber fristete viele Jahre ein Nischendasein und stand dabei am Rohstoffmarkt eher im Schatten des großen Bruders Gold → zu Unrecht, wie die Entwicklungen des Silberpreises und die stetige Nachfrage in Krisenzeiten wiederholt verdeutlicht haben.
  • Zwischenzeitlich konnten Silber-Anleger bessere Renditen als Gold-Investoren realisieren, wenn sie im passenden Moment ein- und ausstiegen, bei weitaus geringerem Kapitaleinsatz.
  • Dass das Edelmetall Silber einen erheblich geringeren Marktpreis aufweist, liegt wie erwartet an den dramatisch höheren Ressourcen weltweit.
  • Rohstoffe
  • Anleihen

Großes, aber von vielen Anlegern unerkanntes Potenzial

Das Edelmetall Silber galt und gilt vielen Branchenkennern als kleine Schwester des in den meisten Phasen weitaus beliebteren Goldes und fristete viele Jahre lang eher ein gewisses Nischendasein. In der Zeit vor, während und nach der akuten Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2006 etwa weckte auch Silber bei Anlegern zunehmend Begehrlichkeiten. Oft taucht auch die Redewendung „Silber – das Gold des kleinen Mannes“ in den Medien auf. Und ganz unberechtigt ist diese Formulierung in der Tat nicht, schaut man sich die Entwicklungen beider Kurse und vor allem die aktuellen Preise für Gold und Silber einmal aus der Nähe an. Zwischenzeitlich gelang es Silber im Vergleich zu Gold sogar phasenweise eine bessere Performance „hinzulegen“. Auf lange Sicht aber attestieren viele Experten dem günstigeren der beiden Edelmetalle den kürzeren Atem. Wir schauen uns nachfolgend genauer an, ob die Titulierung berechtigt ist oder ob in den kommenden Jahren mit einem Ende der schon seit Jahrtausenden bestehenden Verhältnisse zu rechnen ist.

Letztlich ist dies natürlich immer wieder eine Art Blick in die Glaskugel, dennoch geben Erfahrungswerte durchaus Aufschluss darüber, welche Veränderungen denkbar und wahrscheinlich sind.

Wert-Verhältnis von Gold und Silber 

Ein gutes Beispiel für die Entwicklungen des Kursverhältnisses sind die Jahre 2010 und 2011. Im Sommer des Jahres 2010 ließ sich das Verhältnis des Edelmetalls Gold zum preiswerteren Silber zeitweise mit 67 : 1 beziffern. Dies bedeutet beispielsweise, dass Anleger für den Erwerb einer einzigen Feinunze Gold faktisch als Gegenwert 67 Unzen feinen Silbers aufwenden mussten. Im Jahr darauf lag das Verhältnis „nur“ noch bei 1 : 45. Seit diesem Zeitraum haben sich immer wieder mehr oder weniger deutliche Kurskorrekturen des oft als „Gold-Silber-Ratio“ bezeichneten Verhältnisses beider Kurse zueinander ergeben. Momentaufnahmen dieser Art dürfen aber niemals darüber hinwegtäuschen, dass das Edelmetall Silber tatsächlich schon seit dem Altertum im Grunde stets nur die zweite Wahl war. Jedoch verhielten sich die Preise deutlich anders zueinander. So hätten Besitzer im Alten Ägypten nur etwa drei Unzen Silber für den Kauf einer Unze Gold aufbringen müssen.

Fürs Mittelalter in europäischen Gefilden nennen Edelmetall-Experten etwa ein Verhältnis von 1 : 12 – Anleger hätten für eine Unze Gold also ein Dutzend Silber-Unzen erhalten können. Und diese Bedingungen galten immerhin für mehrere hundert Jahre. Seit einigen Jahren mehren sich aktuell die Bereiche darüber, dass Silber wegen seiner Eigenschaften etwa in der Industrie nicht nur aufgrund des geringeren Preises gegenüber Gold bevorzugt wird.

Einstieg in Silber schon mit kleinem Budget möglich

Die Erkenntnis, dass die weltweit verfügbaren Silber-Reserven weit über die Gold-Ressourcen hinausgehen, zeigt, dass sich am Verhältnis insgesamt auf lange Zeit wohl kaum etwas ändern wird. Dafür spricht auch, dass Silber heutzutage keine allzu große Rolle mehr als sogenanntes Währungsmetall spielt im globalen Devisensystem. Fraglich ist aus Sicht potentieller Anleger natürlich, ob der Status quo nun gegen Silber spricht, nur weil der Kurs weit hinter dem Goldpreis zurückbleibt. Das Gegenteil kann der Fall sein. So können Investoren eben dieses Argument zur Grundlage eines Silberkaufs machen. Immerhin erhalten Anleger für ihr Geld deutlich mehr „Material“ beim Gold des kleinen Mannes.

Silber bietet in diesem Rahmen den Vorteil, dass private Investoren nicht mit gravierenden Kursaufschlägen wie beim Kauf kleiner Goldmengen rechnen müssen. Das reine Gewicht betreffend bekommen Händler nun einmal ein Vielfaches dessen, was sie bei identischer Investitionssumme am Goldmarkt erhielten.

Newtons Einfluss auf die Entwicklung des Edelmetallmarkts

Interessant ist die historische Tatsache, dass Silber gerade Anfang des 18. Jahrhundert vor allem nach Indien verschifft wurde und dort eine wesentlich größere Rolle zu spielen begann. Währenddessen war in Europa, insbesondere aber in Großbritannien zur Kolonialzeit Gold massiv auf dem Vormarsch, nicht zuletzt übrigens aufgrund der Mitwirkung Sir Isaac Newtons, der damals nicht nur die Physik-Welt revolutionierte. Darüber hinaus hatte er die Position des britischen Münzmeisters inne und beeinflusste damit erheblich die Entwicklung des Gold- und Silber-Marktes. So war es Newton, der ein neues Verhältnis der Preise von 15,5 : 1 zugunsten des Edelmetalls Gold definierte. Von Großbritannien aus eroberte Gold in folgenden Jahrzehnten auch Deutschland und die noch jungen USA. Die Bedeutung des Silbers sank, die des Goldes stieg schrittweise. Und an dieser Lage hat sich genau genommen bis heute – bis auf einige Besonderheiten auf beiden Seiten – nicht allzu viel geändert.

Bedeutung neuer Vorkommen und des Ersten Weltkriegs

Das Entdecken eindrucksvoller Silbermengen in den USA (in erster Linie rund um Virginia City) ließ den Silberpreis in den Keller gehen. Noch nach dem Ersten Weltkrieg betrug der Preis für eine Gold-Unze 40 Silber-Unzen, was abermals auch der allgemein sinkenden Nachfrage nach dem Gold des kleinen Mannes geschuldet war. Von einer möglichen Bedeutung für die Industrie war noch nicht viel zu ahnen. Dies führte später während der Weltwirtschaftskrise gar dazu, dass Anleger eine Zeit lang für eine Unze Gold 100 Unzen Silber oder sogar mehr zahlen mussten. Der Nachfrage-Boom seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beruhte nun aber insbesondere auf dem steigenden Bedarf in verschiedenen Sparten der Industrie sowie der zunehmenden Verwendung des Silbers bei der Prägung von Münzen – insbesondere in den Vereinigten Staaten. Die Folge: Ein deutlich sinkender Rückgang des Gold-Übergewichts hin zu einer Ratio, wie sie schon im frühen 18. Jahrhundert galt. Jedoch war diese positive Entwicklung für Silber, das Gold des kleinen Mannes, eher von recht kurzer Dauer.

Silber auch als Grundlage für Optionen von Interesse 

Bis heute aber bedeutet das aktuelle Gold-Silber-Preisverhältnis nicht, dass sich durch den Handel der kleinen Schwester des Goldes nicht ebenfalls gutes Geld verdienen ließe. So haben Anleger zum Beispiel die Chance, bei ausreichenden Erfahrungen über Spekulationen auf die Ratio-Entwicklungen Renditen zu realisieren. Denn derartige Möglichkeiten ergeben sich an den internationalen Terminmärkten durchaus, wie etwa der Sektor der Optionen und Optionsscheine verdeutlicht.

Unerfahrene Investoren sollten von derlei Transaktionen allerdings im eigenen Interesse eher Abstand nehmen und Geschäfte dieser Art lieber den professionellen Spekulanten überlassen. Denn hier ist einerseits von einem nicht unwesentlichen Risiko auszugehen, andererseits braucht es ein sehr gutes Verständnis für die Marktbedingungen, die Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen der Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. Wie beim Gold hinterlassen überraschende – positive wie negative – Ereignisse auch beim Silberkurs oft einen deutlichen bleibenden Eindruck. Und eben diese möglichen Kräfte müssen institutionelle wie auch private Anleger frühzeitig zu lesen wissen, um daraus die richtigen Rückschlüsse ziehen zu können.

Silber ebenfalls zur Absicherung in Krisenphasen geeignet

Der Funktion nach geht es Anlegern mit Interesse an Silber vor allem um eines: Wie beim Edelmetall Gold dienen die Investitionen vor allem als sinnvoller Schutz gegen die Entwertung des normalen Papiergeldes. Dabei können Münzen und andere physische Silber-Produkte je nach Situation ebenso positiv ins Gewicht fallen wie Aktien mit Bezug zum Thema Silber oder börsengehandelte Fonds. Spätestens seit dem Ausbruch der erneuten globalen Wirtschaftskrise zweifeln viele Bürger an der Sicherheit des gedruckten Geldes. Die schrittweisen Absenkungen des Leitzinssatzes durch die Europäische Zentralbank befeuern diese Einschätzungen nochmals. Hohe Staatsschulden und schwierige wirtschaftliche Lagen, insbesondere aber die ständigen Meldungen über frisch produziertes Geld durch die Zentralbanbken sind ebenfalls ein Grund für die Suche nach Anlage-Alternativen.

Anleger müssen sich mit der Steuer

Problematisch dabei: Physisches Silber weist im Vergleich als kleine Schwester des physischen Goldes einen wesentlichen Unterschied auf. So ist Silber nicht steuerfrei handelbar, wie es bei Gold beim Handel innerhalb der Europäischen Union der Fall ist. Ein wichtiger Aspekt auf der Kostenseite ist zwangsläufig die Mehrwertsteuer, die Anleger in ihre Kalkulationen einbeziehen müssen. Werden Silberbarren und -münzen gekauft und verkauft, wird die Steuer berechnet. Auch die (je nach Produkt berechnete) Abgeltungssteuer und andere typische Entgelte für den Handel an sich müssen berücksichtigt werden, sodass sehr rasch offensichtlich wird, in welchem Ausmaß der Silberpreis steigen muss, bevor überhaupt ein Gewinn erreicht werden kann.

Industrie beschleunigt das Nachfrage-Wachstum am Silbermarkt

Nicht ganz schlecht stehen die Aussichten auf einen zukünftigen Anstieg des Preises, denn allein in der Industrie kletterte die Nachfrage innerhalb von nur 20 Jahren um weit mehr als 70 Prozent. Experten bestätigen das enorme Potenzial, das gerade im IT-Sektor schlummert – etwa im Bereich der Chip-Produktion. Zumal: sprechen Analysten ähnlich wie bei Gold davon, dass die abbaubaren Ressourcen nur noch einige Jahre reichen werden. Der Silberpreis also wird zumindest auf lange Sicht nach und nach steigen.

Vergleicht man die Entwicklung des Preises für Silber am Markt mit den Kursentwicklungen im Aktienbereich, präsentiert sich das Edelmetall eindeutig als anlegerfreundlicher. Zumindest für jene Anleger, die rechtzeitig eingestiegen sind. Dennoch muss gesagt werden, dass der Silberkurs erfahrungsgemäß als relativ schwankungsanfällig gilt. Großanleger wie Staaten und Fonds aber schreckt dies eher nicht ab. Stattdessen stocken viele Ländern die Silber-Bestände in ihren Tresoren auch weiterhin auf.

Gute Argumente über den Industrie-Bedarf 

Wir sehen also: Es gibt verschiedene gute Gründe, weshalb sich Anleger für Silber als Gold des kleinen Mannes entscheiden. Der niedrige Preis, die steigende Nachfrage und die auffallende Inflationssicherheit werden in Analysen und Berichten über das „weiße Edelmetall“ besonders häufig hervorgehoben. Etliche bekannte Wirtschaftsexperten stufen Silber nicht ohne logische Erklärungen sogar als wichtiger für die Geldwirtschaft ein als das so gefragte Edelmetall Gold. Wichtig ist für Investoren indes ein hohes Maß Geduld und Sitzfleisch, denn Rückschläge können niemals ausgeschlossen werden aufgrund der höheren Volatilität als beim großen Bruder Gold. Typische Krisen treten beim Preis auf, wenn die Konjunktur auf Talfahrt geht, denn dann sinkt automatisch die Nachfrage nach Silber aus der Industrie. Physische Investments jedenfalls sind gerade in Krisenzeiten stets dramatisch sinnvoller als Kapital, das in Derivate mit Silber-Bezug investiert wird. Nicht allein wegen des allgemein bestehenden Emittentenrisikos in diesem Umfeld.

haigt

Mein Fazit

Vordergründig mag es in den Augen vieler Händler gerade der geringe Marktpreis sein, der für einen Einstieg im Bereich des Edelmetalls Silber sprechen könnte. Doch die vergangenen Jahre haben unter Beweis gestellt, dass das Gold des kleinen Mannes durchaus nicht frei von unerwarteten Entwicklungen ist. So stieg der Silberpreis zuletzt parallel zum Goldpreis ebenfalls spürbar. Teilweise ging das prozentuale Plus sogar deutlich über die Kurssprünge beim begehrten Gold hinaus. Last but not least kann der potentielle Kreis der Interessenten für Investitionen in Silber weitaus größer gefasst werden, was in erster Linie dem trotzdem recht günstigen Preis geschuldet ist. Dafür aber spielt die Besteuerung in diesem Bereich eine Rolle, während der Gesetzgeber für den Handel mit dem großen Bruder keine Mehrwertsteuer-Berechnung vorsieht. Gebühren hingegen warten auf Anleger sowohl beim Spekulieren mit physischem Silber als auch Gold.

Autor: Agnes Nitsche