Palladium aus Investorensicht

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Vom Metall Palladium haben oft eher technisch interessierte Anleger bereits einmal gehört. Denn als Material kommt es gerade im IT-Bereich und ähnlichen Branchen zum Einsatz – mit steigender Nachfrage, was auf lange Sicht auch den Palladium-Preis deutlich befeuern sollte.
  • Verglichen mit den Edelmetall-Klassikern wie Gold und Silber fallen die Palladium-Fördermengen sehr gering aus → der Bedarf aber wird langfristig wachsen
  • Die Schwerpunkte der internationalen Förderung sind in Russland und Südafrika verortet.

Gute Zeiten für Anleger, die auf Palladium umsatteln möchten?

palladiumEdelmetalle als Investment? Viele deutsche Anleger können sich gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen durchaus vorstellen, Geld in Gold zu investieren. Denn als sicherer Hafen und Schutz gegen einen grassierenden Wertverlust des Papiergeldes hat Gold in der Vergangenheit immer wieder seine Qualitäten als Inflationsschutz unter Beweis gestellt. Auch Silber kann manchen Sparer und größeren Investor mittlerweile noch vielfach überzeugen. Selbst Platin findet sich zumindest in den Depots kapitalstarker Anleger wieder. Um andere Edelmetalle aber machen normale Spekulanten bis dato meist doch eher noch einen mehr oder weniger großen Bogen.

Aber: Je nachdem, welchen Experten man fragt, kann Palladium aus Investorensicht durchaus ebenfalls seinen Zweck erfüllen und neben Sicherheit auch und gerade eine stabile Wertentwicklung möglich machen. Dabei steht und fällt der Erfolg in diesem Bereich wie bei letztlich allen Investments mit dem richtigen Zeitpunkt des Einstiegs in das Produkt.

Geringe geförderte Menge macht Hoffnung auf Kurszuwächse

Denn steigen Anleger zu spät ein – also bei einem zu hohen Preis, der jenseits der von Analysen für berechtigt gehaltenen Werte liegt –, verlieren Anleger bares Geld oder müssen zumindest auf den nächsten Höhenflug warten. Und solche Entwicklungen treten mitunter erst nach einigen Jahren im Umfeld einer erneuten Wirtschaftskrise auf. Rohstoffe, die von Natur aus begrenzt verfügbar sind, zeichnen sich in erster Linie aber dadurch aus, dass eine hohe Nachfrage irgendwann einmal mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr in voller Höhe befriedigt werden kann. Eine Nachfrage, die mehr oder weniger deutlich über dem Angebot am Markt liegt, lässt automatisch den Preis steigen. Dies trifft natürlich nicht allein auf Gold und Silber zu, sondern auch auf Palladium aus Investorensicht. Die geförderten Mengen sind nicht allzu groß, dafür aber wird das Edelmetall in der Industrie zunehmend verwendet.

Wichtiger Fakt zum Edelmetall: Schätzungen zufolge belief sich die Fördermenge im Jahr 2014 lediglich auf knapp 8,85 Millionen Unzen Palladium.

Zum Vergleich: Beim begehrten Edelmetall Gold betrug die weltweite Fördermenge im Jahr 2011 rund 2.700 Tonnen, wobei hier die größten Mengen in China, Australien und den USA zu Tage gefördert werden. Bei der Liste der „Hochburgen“ bei der Palladium-Förderung verhält sich die Lage etwas anders.

Wenige große Anbieter 

Etwa 2,75 Millionen Unzen des Metalls Palladium gingen im besagten Jahr allein auf das Konto des russischen Produzenten MMC Norilsk Nickel mit Firmensitz in der Metropole Moskau. Mit weitem Abstand liegt der südafrikanische Produzent Anglo American Platinum Limited aus Johannesburg mit 1,23 Mio. Unzen im Jahr 2014 auf dem zweiten Rang. Ebenfalls aus Johannesburg stammt das Unternehmen Impala Platinum. Der drittplatzierte Konzern förderte immerhin rund 700.000 Unzen Palladium.

Marktanalysen machen berechtigte Hoffnung auf weitere Zugewinne

Charttechnische Analysen zeigten in den vergangenen Jahren immer wieder einen Aufwärtstrend Also nicht wie zuletzt beim begehrten Gold, das zeitweise von Marktkennern als deutlich überbewertet eingestuft wurde, was auch die folgende Preisbereinigung bestätigte. Aus Investorensicht weist der Kurs für das Edelmetall Palladium eine gesunde Bewegung nach oben auf. Chancen bieten sich unter anderem deshalb, weil die Nachfrage beispielsweise auch in der Schmuckbranche steigt. Der steigende Bedarf in verschiedenen Sparten der Industrie beeinflusst die Nachfrage ebenfalls positiv. Wieder einmal ist das Edelmetall gerade im Bereich der Automobilherstellung gefragt. Fast drei Viertel der in Umlauf befindlichen Mengen des Edelmetalls werden in diesem Bereich verwendet. Ein Ende des Aufwärtstrends scheint erst einmal nicht absehbar zu sein. Stattdessen rechnen Experten mit einer Fortsetzung dieses Verbrauchs-Anstiegs.

Nachfrage aus Asien wieder einmal Ausgangspunkt des Booms

Wie in etlichen Bereichen sind es die Volksrepublik China, Indien und die USA, die gemeinsam für eine Belebung der Automobilbranche und damit der Palladium-Nachfrage sorgen. Aus diesem Grund werden Investments letztlich auch für normale Anleger zunehmend interessanter. Zumal der normale Handel mit Palladium aus Investorensicht in vielen Phasen einen weitaus größeren Einfluss auf den Marktpreis haben kann, als sich dies mancher unerfahrene Beobachter zunächst vorstellen kann.

Fonds sind ein lohnender Weg  

Gefördert wird das Edelmetall – wie an anderer Stelle schon kurz aufgegriffen – vorrangig in Russland und Südafrika. Gerade börsengehandelte Fonds (ETFs) aus Südafrika haben zudem durch ihre verstärkten Aktivitäten schrittweise für die allmählich erkennbar knappere Verfügbarkeit gesorgt. Eine Parallele präsentiert sich an dieser Stelle mit Blick auf vergleichbare Entwicklungen durch die Auflage von Platin-ETFs, die zuletzt einen Preisanstieg nach sich ziehen konnten. Zur Freude der Anleger, die auf die Tipps zur Nützlichkeit von Palladium aus Investorensicht gehört haben und zügig logische Schlüsse aus den Hinweisen zogen. Zeitgleich zum Anstieg der Nachfrage aber zeichnen sich seit einigen Jahren rückläufige Fördermengen ab.

Sei es, dass Minenbetreiber eine künstliche Verknappung im Blick haben oder Förderungen tatsächlich immer schwieriger und kostenintensiver werden – die geringeren Ausbeuten bei der Förderung lassen ebenfalls den Preis ansteigen. Momentan ist nicht absehbar, dass Produzenten in naher Zukunft weitere Minen in Betrieb nehmen werden. So ist beim Palladium aus Investorensicht einstweilen also nicht damit zu rechnen, dass sich frühzeitig eine Annäherung zwischen Angebot und Nachfrage abzeichnen wird.

Russland dominiert das Angebot am Markt eindeutig

Diesbezüglich verhält sich die Situation übrigens auch in Russland, dem Land, in dem die größten Palladium-Förderer und Produzenten zuhause sind. Etwa 40 Prozent der weltweit geförderten Mengen des Edelmetalls stammen von dort, dicht gefolgt von Südafrika mit etwa 27 %. Zum Vergleich: Kanada (etwa 9,0 %) und die USA (nur knapp 6,0 %) bringen es gemeinsam nur auf etwa ein Sechstel. Gewonnen wird Palladium heutzutage übrigens als Nebenprodukt anderer Metalle wie Nickel und Kupfer. Kein Wunder also, dass die großen Produzenten auch in diesen Bereichen zu den Branchenriesen gehören. Schätzungen zufolge werden jährlich knapp über 2.000 Tonnen des Edelmetalls gefördert. Die Verteilung der Plätze in der Top 3 könnte sich schon bald dramatisch verändern, denn etwa 95 Prozent aller global verfügbaren Ressourcen finden sich laut wissenschaftlicher Auswertungen nicht in Russland, sondern in Südafrika.

Kreml hält sich zunehmend mit Stützungsverkäufen zurück 

Zum derzeitigen Hauptförderer ist zu sagen: Begegnete die russische Regierung dem Rückgang der (weltweiten) Produktion noch lange, indem eigene Reserven zum Ausgleich veräußert wurden, hält sich der Kreml inzwischen spürbar zurück. Wohl in dem Wissen, dass die Rücklagen nicht endlos lange reichen würden, zugleich aber sicher auch aus politischen Beweggründen. Die Geschichte hat weiterhin gezeigt, dass etwaige Sanktionen etwa von Seiten der EU oder der USA Einfluss auf den Wert von Palladium aus Investorensicht haben können, wie sich mehrfach gezeigt hat. Schwankungen des Palladium-Preises infolge steigender Angebote und Nachfragen können nicht ausgeschlossen werden. Gerade auch in Momenten, in denen Großinvestoren die Entscheidung zur Gewinnmitnahme treffen.

Anleger sollten Palladium-Investments wenigstens in Betracht ziehen

Wie gut die Aussichten bei Palladium aus Investorensicht stehen, zeigt die Entwicklung des Preises in den etwa drei Jahren seit Ende 2011. Mussten Gold-Anleger in dieser Zeitspanne ein Minus von gut einem Drittel des Kurses mit ansehen, präsentierte sich die Schwester Palladium als weitgehend wertstabil. Phasenweite legte das Edelmetall sogar zu. Erwähnenswert ist, dass der Kurs gerade zum Jahresbeginn in der Regel von einem Anstieg gekennzeichnet ist, was die Betrachtung fundamentaler Daten in schöner Regelmäßigkeit bestätigen kann – und zwar auch über Analysezeiträume von mehr als zwei Jahrzehnten. Die Ursache ist in umfangreicheren Produkt bei Anbietern der Autoindustrie zu sehen, die Palladium in erster Linie bei der Herstellung von Katalysatoren verwenden.

Wie investiere ich richtig in Palladium?

Direkte Investments sind vor allem über Zertifikate möglich, die zumeist von Banken auf die Entwicklungen des Palladium-Preises herausgegeben werden. Fonds sind eine andere Alternative, die sich gerade für Anleger eignen, die ihr Investment im Depot streuen möchten. Doch nicht alle Broker erlauben die Diversifikation auf diesem Wege, weshalb es einen gezielten Broker-Vergleich in diesem Rahmen braucht. Der vollständige Verzicht auf Palladium-Angebote oder die ausschließlichen Offerten in Form von Fonds-Mischprodukten erklären Emittenten und Broker gerne mit der sehr hohen Volatilität des Palladium-Kurses und der hohen Abhängigkeit der Nachfrage von der konjunkturellen Lage.

Steuern nicht vergessen, bevor Palladium gehandelt wird

Wer sich über den Nutzen von Palladium aus Investorensicht informieren möchte, muss zur Kenntnis nehmen, dass der Kauf von Barren und Münzen nicht nur gewichtsabhängige Aufschläge auf den aktuellen Marktpreis mit sich bringt. Auch wird in Deutschland die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % im Rahmen des Handels mit dem reinen Edelmetall fällig. Insgesamt gesehen ist Palladium in nahezu all seinen Formen als Anlageprodukt in erster Linie für langfristig orientierte Investoren von Interesse. Akut üppige Renditen sind unwahrscheinlich, was auch daran liegt, dass für die nächsten Jahre eher nicht mit einer erheblichen Veränderung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage zu rechnen ist. Überraschungen aber sind denkbar, gerade für den Fall, dass es zu unerwarteten Wirtschaftskrisen kommen sollte, die Palladium noch größeren Zuspruch durch Anleger einbringen könnten.

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Mein Fazit

Rein wissenschaftlich wird das Metall als zweites Element der Nickelgruppe bezeichnet, für Anleger sind derlei Erkenntnisse freilich eher nicht von Interesse. So stellt sich für Anleger in erster Linie die Frage, ob der aktuelle Preis gerechtfertigt ist und wie sich Angebot und Nachfrage in den kommenden Monaten und Jahren beim Palladium entwickeln werden. Und die Chancen stehen durchaus gut, dass das Edelmetall weiterhin an Wert gewinnen wird. Der Bedarf wächst stetig, von einem dramatischen Ausbau der Fördermengen in Russland und Südafrika ist eher nicht auszugehen. Zumal auch bei diesem mit dem Edelmetall Platin verwandten Element keine unbegrenzten Förderungen möglich sind. Je weiter die Verfügbarkeit sinkt, desto wahrscheinlicher wird angesichts der Bedürfnisse in der Industrie eine fortgesetzt gute Preisentwicklung.

Autor: Agnes Nitsche