Seltene Erden und Sondermetalle – Spekulieren in Nischenbereichen?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Die Begriffe Seltene Erden und Sondermetalle sind normalen Verbrauchern durchaus geläufig → Der Grund ist im Boom der IT-Branche zu sehen, der in den vergangenen Jahren einen massiven Anstieg der Nachfrage ausgelöst hat → die Preise für die Metalle werden dementsprechend auch in Zukunft gute Chance für Spekulationen in Aussicht stellen.
  • Der größte Teil der verfügbaren und in Umlauf befindlichen Sondermetalle und Seltene Erden stammt zur Verblüffung vieler Anleger aus chinesischer Förderung. Der Einfluss der chinesischen Regierung in Beijing auf den Markt sollte daher nicht unterschätzt werden.
  • Der industrielle Bedarf beeinflusst die Preise für Werte aus diesen Sparten in besonders deutlicher Weise; private Anleger können davon ebenfalls profitieren durch sinnvolle Investitionsentscheidungen.

Klare Trennung beider Kategorien am Edelmetall-Markt

seltene erdenDer Begriff „Seltene Erden“ ist aufmerksamen Zeitungslesern spätestens in der Zeit des Booms im IT-Sektor begegnet. Denn Hersteller von Halbleitern und anderen Produkten benötigen sowohl diese Werte als auch die sogenannten Sondermetalle. Verbraucher ordnen Seltene Erden und Sondermetalle mitunter in dieselbe Kategorie ein, was der wissenschaftlichen Definition entsprechend nicht ganz korrekt ist.

Was sind Seltene Erden?

In diesen Bereich werden jene Elemente der Chemie eingeordnet, die aus der 3. Nebengruppe des bekannten Periodensystems stammen. Zu den Seltenen Erden, aber nicht zur besagten Elementengruppe gehört das Metall Actinium, dafür finden sich in diesem Bereich des Systems auch Lanthanoide wieder. Unterm Strich setzt sich die Nebengruppe aus immerhin 17 Elementen zusammen. Im internationalen Sprachgebrauch taucht vielfach die Abkürzung „REE“ auf, die für „Rare Earth Elements“ steht und das englische bzw. amerikanische Pendant zum deutschen Terminus „Selten-Erde-Elemente“ darstellt. Im deutschsprachigen Raum existiert entsprechend die Abkürzung „SEE“. Die Bezeichnung als Seltene Erden ist genau genommen – bis auf die Ausnahme Promethium – nicht zutreffend, da die Metalle im eigentlichen Sinne nicht tatsächlich selten sind. Faktisch sind von den meisten Vertretern dieser Gruppe weltweit weitaus größere Mengen zu finden als von Metallen wie Gold oder gar Platin.

Seltene Erden werden nochmals unterteilt

Und dies gilt selbst für das wirklich seltenste Seltene-Erden-Metall mit stabilem Isotop, das Thulium. Die Titulierung als Seltene Erden ist auf der anderen Seite durchaus korrekt, weil die Metalle zwar reichhaltig vorhanden sind, dafür aber sehr verteilt und oft in Form von Beimischungen bei anderen Mineralien existieren. Die Förderung erfolgt deshalb in weiten Teilen im Rahmen des Abbaus anderer Metalle, was sowohl für die schweren („HREE“) wie auch leichten („LREE“) Seltenen Erden gilt.

Sondermetalle in der Definition

Eine Definition, was die sogenannten Sondermetalle sind, benötigen Anleger ebenfalls – am besten nicht erst in dem Augenblick, in dem sie die Entscheidung treffen, dass dieser Bereich wie die Seltenen Erden möglicherweise von Interesse sein könnte, wenn vielleicht andere Bereiche des Finanzmarktes zum jeweiligen Zeitpunkt eher keine allzu guten Chancen auf eine erträgliche Rendite erkennen lassen. Insgesamt 21 Metalle lassen sich dieser Rubrik bzw. Anlageklasse zuordnen, wobei Kupfer, Zinn, Chrom und Arsen vermutlich die bekanntesten sind, weitgehend aus Gebieten wie dem IT-Sektor, der Medizin oder der Automobilbranche. Viele der Metalle sind eher Nebenprodukte, die beim Abbau anderer Rohstoffe mit gefördert und gewonnen werden können.

Weltweit wächst der Bedarf konstant weiter

Sondermetalle sind insbesondere deshalb ein Thema, mit dem es sich zu befassen lohnt, in den Bewertungen vieler Analysten, weil sie in Zukunft eine noch zentralere Rolle bei der Produktion von Elektrogeräten, insbesondere Smartphones und Computern einnehmen werden. So wäre die Herstellung von Flachbildfernsehern undenkbar ohne einige der Sondermetalle, deren Entdeckung die Hightech-Entwicklungsarbeit in vielen Fällen überhaupt erst möglich gemacht hat. Und die Nachfrage steigt stetig weiter, was in weiten Teilen dem Technologie-Fortschritt geschuldet ist. Zugleich gibt es eine einfache Rechnung, die auch in diesem Bereich einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Mehr Menschen auf der Welt = größerer Bedarf an Produkten, in denen Seltene Erden und Sondermetalle Verwendung finden.

Und es sind längst nicht mehr nur die Industriestaaten, die aufgrund des wirtschaftlichen Wandels in einigen Sparten des Marktes zu regelrecht explosionsartigen Nachfrage-Anstiegen führen. Auch in vielen Schwellenländern sind die Rohstoffe begehrt.

Engpässe bei der Förderung   

Wie so oft führen diese Tatsachen zeitgleich zu einem schrittweisen Anstieg der Produktions- bzw. Förderungskosten. Denn nach und nach müssen in den Produktionsstätten – wie etwa Minen, in denen sowohl Sondermetalle als auch Seltene Erden zusammen mit Edelmetallen wie Gold und Silber abgebaut werden – größere Mengen gewonnen werden, um den wachsenden Bedarf zu bedienen. Doch genau darin liegt das Problem: Es zeichnet sich eine zunehmende Verknappung ab. Parallel dazu wird die Gewinnung schwieriger und aufwendiger, was wiederum die Preise klettern lässt. Es dauert zudem wegen des Aufwands länger, bis die benötigten Mengen von den Minenbetreibern und Förderunternehmen zur Verfügung stehen.

China bestimmt die weltweite Produktion der Metalle

Interessanterweise findet sich ein Großteil der weltweit verfügbaren Ressourcen in Asien, explizit in der Volksrepublik China. Dort finden sich Experten-Berechnungen zufolge mindestens 80 Prozent aller Reserven aus den Bereichen Seltene Erden und Sondermetalle. Andere Analysten gehen gar davon aus, dass sogar mehr als 95 Prozent der knapper werdenden Rohstoffe in China zu finden sind. Die Folge: Senkt die Regierung in Beijing das geförderte und ausgeführte Volumen der Metalle, bedingt die Begrenzung für den Rest der Welt unweigerlich ein Versorgungsproblem und höhere Kosten. Gerade US-amerikanische und europäische Unternehmen aus dem Hightech-Bereich fürchten die ergänzende künstliche Eingrenzung.

Eine geringe Menge Rhenium am Markt würde beispielsweise Flugzeughersteller schmerzlich treffen, Indium macht die Produktion von Touchscreens überhaupt erst möglich und das Sondermetall Germanium wird in Glasfaserkabeln verwendet. Ohne Gallium gäbe es das Internet nicht. Die rasanten Entwicklungen machen Seltene Erden und Sondermetalle nach den Meinungen manches Insiders zu einem ebenso vielversprechenden wie langfristig interessanten Investment. Inwieweit dieser Sektor des Finanzmarktes (wie auch der Markt insgesamt) die Krise überstanden hat und Chancen in Aussicht stellt, darüber sind sich die Spezialisten keineswegs einig.

Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelte die Nachfrage 

Doch es sind gerade die Zeiten der Krise, in denen vielfach die große Stunde der Edelmetalle und mittlerweile auch der Sondermetalle und Seltenen Erden schlägt. Dies zeigte zum Beispiel die Krisenzeit rund um die Jahre 2008 und 2009. Damals stiegt die Nachfrage so gravierend, dass man zurecht von einem regelrechten Ausverkauf sprechen konnte. Sachwerte dieser Art sind auch aktuell durchaus gefragt, da sich viele Anleger davon ein zukunftsträchtiges Investment versprechen – gerade weil die Metalle als Sachwerte mit dauerhaftem Wert gelten. Ein „Back to the roots“ wird es technologisch nicht geben, der Bedarf und die Verwendung von Technologiemetallen wird aus diesem Grund mit hoher Wahrscheinlichkeit immer schneller und stärker zulegen. Ob bei medizinischen Untersuchungen, im Kfz oder bei der Herstellung von Elektrogeräten für alle Bereiche des Alltags.

Künstliche Verknappung könnte weitere Preisexplosionen auslösen

Spätestens durch die zu erwartenden strikteren Beschränkungen für den Export der Seltenen Erden und Sondermetalle aus den wenigen Ländern mit eigenen Ressourcen wird sich für Anleger in den kommenden Jahren ein weiterhin gutes Potenzial für eine weitere Wertsteigerung ergeben. Allerdings sollten Investoren ein gewisses Kapital mitbringen. Erklären lässt sich dies nicht zuletzt mit den vergleichsweise hohen Aufschlägen auf den Preis, wenn nur kleine Mengen gekauft werden. Höhere Ausgabeaufschläge bei kleinen Mengen sind Anlegern schon von Investments in Gold und Silber vertraut. Investitionen im fünfstelligen Eurobereich verstehen sich im Prinzip von selbst, will man in den Handel mit physischen Technologiemetallen einsteigen.