Diamanten als Geldanlage

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Für Privatanleger, die wertbeständige und rentable Investments suchen, sind Diamanten als Geldanlage in vielen Fällen eher nicht die richtige Wahl – denn hier müssen Sparer über den Kaufpreis hinaus viele Dinge über die Produkteigenschaften wissen, um den Überblick zu behalten.
  • Beim Handel über Juweliere fallen neben den reinen Steuern hohe Kosten an, die beim privaten Kauf und Verkauf umgangen werden können. Jedoch lohnt sich in diesem Fall das Vertrauen in seriöse Vermittler und Portale, über die An- und Verkäufer miteinander in Kontakt stehen und Transaktionen abschließen können.

Begeisterung für Diamanten nicht nur bei Frauen

diamanten als geldanlageDer bekannte Klassiker der Musikwelt „Diamonds are a girl’s best friend“ (eigentlich aus dem Broadway-Musical „Gentlemen Prefer Blondes“ bzw. „Blondinen bevorzugt“), den damals die US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe im Film weltweit erfolgreich zu Gehör brachte, greift eine bis zur heutigen Zeit durchaus richtige Aussage auf: Diamanten sind in der Damenwelt beliebt und nicht ohne Grund nach wie vor ein oft genutztes Geschenk, um als Mann endgültig die Herzensdame für sich zu gewinnen. Dabei versteht nach wie vor nicht jeder die große Begeisterung, handelt es sich bei einem Diamanten letzten Endes doch um nicht viel mehr als eine modifizierte Variante des Kohlenstoffs. Die an sich ebenso farblosen wie transparenten Kristalle erhalten ihre Farben durch die in ihnen eingeschlossenen Verunreinigungen, weshalb es Diamanten in zahlreichen verschiedenen Farben gibt.

Industrie- und Schmuck-Bereiche haben Bedarf

Kein Stoff der Welt ist härter. Das Gewicht der Kristalle wird im Karat gemessen, wobei ein Diamant mit einem Gewicht von einem Karat umgerechnet 0,2 Gramm wiegt. Die Umrechnung gelingt also auch für Laien recht einfach und schnell. Zu unterscheiden ist aus Anlegersicht zwischen Industriediamanten auf der einen Seite und Schmuckdiamanten auf der anderen Seite. Wie viele Produkte aus diesem Bereich des Ratgebers kommen auch Diamanten zwar in weiten Teilen im Bereich der Schmuckfertigung (siehe Beispiel Gold und Silber) zum Einsatz, doch gleichermaßen spielen die Kristalle zunehmend in der Industrie eine zentrale Rolle. Insbesondere ihrer beachtlichen Härte wegen kommen Diamanten bei Bohr-, Schleif- und anderen Arbeiten in der Industrie zum Einsatz.

Darüber hinaus werden Industriediamanten auch aufgrund ihrer guten Eigenschaften als Wärmeleiter und dank der enormen Verschleißfestigkeit in vielen Bereichen der Industrie verwendet. Weiterhin kann die gezielte Kombination von Diamanten mit verschiedenen Stoffen wie Phosphor dazu führen, dass das Endprodukt auch in der IT-Branche – etwa als Halbleiter – gefragt ist.

Unterschiedliche Diamant-Produktvarianten

Aber taugen Diamanten als Geldanlage? Diese Frage stellt sich mancher Anleger, der am Finanzmarkt nach interessanten Alternativen zu Anlagemodellen wie Gold oder Klassikern wie Aktien, Optionsscheinen oder Zertifikaten sucht. Um sich mit den Möglichkeiten vertraut machen zu können, braucht es zunächst ein Grundverständnis für die Materie – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Diamanten gibt es in verschiedenen Varianten der besagten Materie.

Und zwar unter anderem als:

  • als geschliffene Produkte
  • als ungeschliffene Ausführungen

Unterscheidung zwischen echten und synthetischen Steinen

Der Handel von Diamanten als Geldanlage wie auch der Produkte, die für andere Zwecke genutzt werden, erfolgt an sogenannten Diamantenbörsen. Die in Europa – und nicht nur dort – wohl bekannteste hat ihren Sitz im belgischen Antwerpen, wo darüber hinaus der Weltverband der internationalen Börsen für den Handel mit Diamanten seinen Sitz hat, unter dessen Dach insgesamt 29 Börsen zusammengefasst sind. Die in Idar-Oberstein beheimatete deutsche Diamant- und Edelsteinbörse (DEIO) war nach ihrer Gründung im Jahr 1974 die erste Börse, an der sowohl Farbedelsteine als auch Diamanten gehandelt wurden. In der Kritik von Experten steht immer wieder die Tatsache, dass der luxemburgische Händler (und Produzent) De Beers eine Stellung als Quasi-Monopolist innehat und durch den Ankauf überschüssiger Diamantenmengen im eigenen Interesse für Stabilität bei den „Diamantenpreisen“ sorgt. Die Anführungszeichen rühren hier daher, dass es keinen pauschalen Preis geben, der für alle Steine dieser Kategorie Gültigkeit hat, wie wir im weiteren Verlauf noch genauer erkennen werden.

Wichtig ist, dass Anleger eine Entscheidung zugunsten möglichst teurer Angebote am Edelsteinmarkt treffen und auf gute Qualität Wert legen. Synthetisch hergestellte Steine sind nicht mit natürlich gewonnenen Diamanten zu vergleichen und haben für den Anleger im Prinzip kaum einen Wert.

Privatanlegern fehlt es oft am Kapital für Investments   

Analysten erwähnen außerdem, dass private Anleger meist eher nicht gut beraten sind, in diesem Marktbereich tätig zu werden – letztlich auch wegen der Kosten. So schön und verlockend es auch sein mag, in Diamanten die neue Anlageklasse schlechthin zu sehen, während klassische Geldanlagen in puncto Verzinsung nicht mehr allzu viel abwerfen. In der Regel ist es eher nicht sinnvoll, Geld in Diamanten zu investieren, eben weil die Edelmetalle vorrangig als Schmuck gelten. Man muss sich schon sehr gut mit dem Markt auskennen, um Investments in Diamanten vorzunehmen.

Gegen Diamanten als Geldanlage sprechen wie bei Gold und anderen Edelmetallen einige Argumente:

  • Anleger erzielen weder Dividendenerträge noch Einnahmen aus einer Verzinsung
  • Mindestinvestitionen liegen mindestens im höheren vierstelligen Bereich
  • Nur hochwertige Diamanten sind lohnende Investments → nur dabei ist eine Preissteigerung wahrscheinlich
  • Investoren ohne Branchenwissen sind schlecht beraten in Diamanten zu investieren
  • Lagerung der Edelmetalle verursacht Kosten (Tresor der Banken oder Händler)
  • pauschale Wertaussagen gibt es nicht → jeder Diamant wird individuell im Wert analysiert
  • Handel erfolgt nicht klassisch an Börsen, was kurzfristige Verkäufe erschwert

Keine einheitlichen Preisdarstellungen für den Diamantenhandel

Einen Käufer für Gold oder Aktien finden Anleger mit Kapitalbedarf im Grunde zu jedem Zeitpunkt. Eigentümer von Diamanten, die dringend einen Verkauf tätigen möchten, müssen indes mitunter etwas Geduld aufbringen, da die Edelsteine nicht an einer typischen Börse gehandelt werden. Dies macht die Suche nach einem Interessenten, der den Wunschpreis zu zahlen bereit ist, je nach Zeitpunkt kompliziert. Auch fehlt es an den sonst üblichen Standard-Preisangaben, wie es zum Beispiel am Goldmarkt üblich ist, wo es einzig um die Reinheit und das Gewicht geht. Das Fachwissen, das Investoren bei Diamanten als Geldanlagen mitbringen müssen, bezieht sich auf die verschiedenen Kriterien, die auf die Qualität der Edelsteine hinweisen.

Gleich vier Eigenschaften sind die Grundlage für die Ermittlung eines realistischen Preises von Diamanten als Geldanlage. Diese sind

  • die Farbe der Diamanten
  • die Reinheit
  • der jeweilige Schliff
  • das Gewicht

Gewicht entscheidet nicht über den Preis  

Diese vier Faktoren werden gerne als „4C“ bezeichnet, was sich von den englischen Begriffen „Carat“ für Gewicht, „Color“ für Farbe, „Clarity“ für Reinheit und „Cut“ für den Diamantenschliff ableitet. Abseits dieser Merkmale kommen in Preisbewertungen noch die Herkunft (erkennbar am Diamantenzertifikat vom jeweiligen Institut oder der sogenannten „Diamantenexpertise“), die Symmetrie der Steine, ihre Politur sowie der Schimmer unter UV-Licht („Fluoreszenz“) zur Sprache. Zunehmend wichtiger wird außerdem das Kriterium, das im Insiderjargon als „Herzen & Pfeile“ bezeichnet wird. Dabei geht es um Muster der Steine, die erst bei der Betrachtung unter bestimmten Optikgeräten offensichtlich werden.

Auch der Edelsteinmarkt lebt von Trends

Aus der Gesamtheit dieser Faktoren ergibt sich unterm Strich ein individueller Wert. Selbst wenn zwei Steine in den Augen eines Laien identisch wirken – dem professionellen Auge entgehen selbst kleine Differenzen nicht, sodass sehr abweichende Preise zugrunde gelegt werden können. Zudem sei erwähnt, dass es selbst bei Diamanten als Geldanlage von Zeit zu Zeit Trends gibt, gerade die Größe, den Schliff und die Farbgebung betreffend. Damit sind Anleger nahezu immer einem gewissen Risiko ausgesetzt, dass sie nicht den Preis für ihre Wertgegenstände erhalten, mit dem sie gerechnet haben.

Händler und Juweliere berechnen hohe Preise

Abgeraten wird beim Kauf von einigen Insidern davon, dass Anleger einen Kauf beim niedergelassenen Juwelier vor Ort in Angriff nehmen. Denn in diesem Fall wird zum einen die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent fällig, andererseits möchten Händler ihrerseits natürlich etwas am Kauf und Verkauf verdienen. Steuern und Gewinne der Händler können insgesamt je nach Angebot zwischen einem Viertel und einem Drittel des Preises ausmachen. Der Kaufpreis ist damit ein Wert, an dem sich Anleger in diesem Kontext besser nicht orientieren sollten. Günstigere Konditionen für Gold als Geldanlage locken im Internet, auf speziellen bzw. spezialisierten Handelsplattformen, auf denen der Handel nach dem zunehmend beliebteren System „von privat an privat“ (neudeutsch auch „private-to-private“) erfolgt. Die Gebühren von Seiten der Juweliere fallen hierbei aus der Berechnung heraus. Eine Wertschätzung durch Experten sollte dennoch vorab vorgenommen werden!

Auf der anderen Seite wird von Branchenkennern sowie auch der Polizei eindringlich davor gewarnt, Angebote anzunehmen, die telefonisch von vermeintlich seriösen Anbietern unterbreitet werden. Nicht nur, weil hier zumeist synthetische Diamanten als Geldanlage offeriert werden. Ungleich schlimmer fallen die Ergebnisse aus, wenn das Geld (schlimmstenfalls auf Konten im Ausland) überwiesenwird, aber keine Ware versendet wurde.

Tipp vom Profi: Beim Diamanten-Kauf von Anbietern in der Schweiz werden nur 7,00 % Mehrwertsteuer fällig; in anderen Ländern wie Hongkong ist der Handel sogar steuerfrei möglich.

Bei der Einfuhr müssen Diamanten aber natürlich ganz normal nach deutschem Recht versteuert werden, hier greift die normale Einfuhrumsatzsteuer. Für alle scheinbar guten Angebote gilt: Anleger in spe sollten sich grundsätzlich Zeit fürs Vergleichen nehmen. Gerade weil es keine fixen Preise gibt, können die Preise durchaus unerwartet hoch ausfallen. Nur wer sich auskennt, stößt auf die wirklich guten Offerten, um mit der Geldanlage Diamanten gute Renditen zu realisieren.

Lassen wir die bisherigen Aussagen einmal außer Acht

Mancher Analyst bewertet die Edelsteine jedoch etwas anders, auch wenn sich die Experten meist darin einig sind, dass Diamanten eher etwas für Anleger sind, die ein größere Budget investieren können. Die Aussagen gehen zum Teil so weit, dass Diamanten als Geldanlage sogar eine bessere Figur machen als die Edelmetalle Gold und Silber. Einmal mehr zeigt sich dabei also, dass es immer verschiedene Blickwinkel gibt – bedenkt man, dass ein reiner Diamant mit einem Gewicht nur etwa einem Karat schnell mal einen fünfstelligen Preis haben kann. Glücklich schätzen können sich Anleger, die ihre „kleinen Lieblinge“ schon seit Jahren im Tresor aufbewahren. Denn innerhalb der vergangenen Jahrzehnte ist der Preis dramatisch gestiegen. Dabei nehmen Diamanten kaum Platz im Schließfach bei der Bank ein.

Angesichts dieser möglichen Wertentwicklung darf aber nicht vergessen werden, dass es auch für Edelsteine keine Gewinngarantien gibt. Die Nachfrage fällt nicht immer üppig aus. Doch gibt es Prognosen, die in den kommenden Jahren bis 2020 mit einem massiven Anstieg der Preise rechnen. Der Grund: Seit einiger Zeit werden keine neuen Minen betrieben, die in Umlauf befindliche Menge steigt also derzeit nicht, das Interesse hingegen wächst.

Woher stammen die Steine? Anleger und die moralische Frage 

Ein zentrales Thema, das Anleger bei Diamanten als Geldanlage beherzigen sollten, ist der ethisch-moralische Faktor. Die Frage nach der Quelle und der Herkunft der Edelsteine sollten Investoren immer stellen. Nicht alle Länder, die für die Förderung bekannt sind und in denen Goldminen betrieben werden, erweisen sich aus dem Blickwinkel eines Menschenrechtlers als unbedenklich. Eher ist mitunter das Gegenteil der Fall. Den Begriff „Blutdiamanten“ haben die meisten Menschen mit Sicherheit schon einmal gehört. Seriöse Anbieter informieren Interessenten ganz genau über die Provenienz der Diamanten. Als Geldanlage eignen sich für die Mehrheit der bewusst agierenden Investoren wohl nur Edelsteine, die ohne die Verletzung der Menschenrechte und die Ausbeutung der Arbeiter in den Minen gewonnen wurden. Teilweise aber ist es schwierig, diese schwarzen Schafe innerhalb der Branche ausfindig zu machen.

Ein Weg, um die angesprochene Zahlung der Mehrwertsteuer zu umgehen beim Spekulieren mit den nach wissenschaftlichen Erkenntnissen oft über 900 Millionen Jahren alten Steinen sind Anteile an geschlossenen Fonds, die im Regelfall Mindesteinlagen in Höhe von 10.000 Euro aufwärts verlangen. Der Preis, den Fonds-Anleger für diese günstige Handelsoption zahlen, zeigt sich jedoch in Form eines hohen Risikos und einer komplizierten Vertragsgestaltung mit klar gesteckten zeitlichen Grenzen für einen möglichen Verkauf – will heißen: Ein generelles Verkaufsrecht für Anteilseigner sehen die Betreiber der Fonds oft nicht vor.

Verschiedene Wege können zum Ziel führen

Es zeigt sich also ziemlich eindeutig: Diamanten als Geldanlagen können physischer Natur sein oder über Fonds zur Anlageoption werden. Bewusst machen müssen sich Anleger, dass es hier keine tägliche Ermittlung eines einheitlichen Kurses gibt, wie es Investoren einmal mehr von Gold und Silber kennen. Gute Prognosen für die Kursentwicklung in den kommenden Jahren formulieren Analysten oftmals aber auch ohne offizielle Kurse. Wer sich Investitionen in Edelsteine echter Top-Qualität leisten kann und möchte, darf sich jedoch Hoffnung darauf machen, ähnliche Renditen zu erzielen, wie es Besitzern in der Vergangenheit gelang. So fiel die Wertentwicklung in den über drei Jahrzehnten seit dem Jahr 1982 erfreulich gut aus. Um knapp das Dreifache kletterte der Diamantenpreis im Durchschnitt bis zum Jahr 2009.

Wissenswert für Anleger ist, dass die Preise während der akuten Finanzkrise ebenfalls in den Keller gingen, später aber erholte sich der Kurs rasch in Richtung des vorherigen Höchstpreises. Verantwortlich für die anhaltend gute Lage sind vor allem Investitionen in Indien und anderen asiatischen Ländern, in denen teils von einem regelrechten Nachfrage-Boom gesprochen werden kann.

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Mein Fazit

Umsonst gibt es nichts am Anlagemarkt – dieser Tatsache sind sich Anleger ohne Frage weltweit bewusst. Doch nicht überall braucht es ein so hohes Budget wie in Fällen, in denen Investoren Diamanten als Geldanlage mit guten Entwicklungsmöglichkeiten erkennen. Wichtig ist dabei, dass natürliche Edelsteine erworben werden, synthetische Steine haben keinen großen Wert und sind eher für die Industrie wichtig. Vergleicht man Diamanten mit Edelmetallen wie Gold und Silber, zeigt sich, dass Edelstein-Anleger neben der Reinheit und dem Gewicht noch etliche andere Faktoren in die Planung ihrer Käufe einbeziehen müssen, um Erfolge verbuchen zu können. Ein gewisses Verständnis für die Materie braucht es also, um Geld nicht in etwas zu investieren, das zwar schön funkelt, aber lediglich wenig Geld beim Verkauf bringen kann. Umso wichtiger ist die Auswahl eines seriösen Händlers am Markt.

Autor: Agnes Nitsche