Geschichte des Trading

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Als Ende des 18. Jahrhunderts einige US-amerikanische Broker in New York den Grundstein für die Wall Street legten, war kaum absehbar, wie facettenreich das Trading und die Börsenwelt allgemein rund 220 Jahre später aussehen würde. Mit dem Wachstum gingen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken einher.
  • Viele Facetten des frühen Tradings, wie es von New York aus die Welt eroberte, finden sich an den Finanzmärkten auch heute noch – zum Beispiel der kreditbasierte Handel mit Futures und Optionen über Leerverkäufe.
  • Die erste Börse diente zur vereinfachten Abwicklung von An- und Verkäufen zwischen Händlern aus New York und dem Umland. Über wenige Jahrzehnte entstanden Merkmale, wie sie die Börsen weltweit noch heute wenigstens indirekt kennzeichnen.

Ohne die ersten US-Märkte wäre Trading wohl nicht entstanden

Allgemein gelten die Vereinigten Staaten als Ursprungsland des heutigen Tradings. Ende des 18. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1791, wurde durch die damalige US-Regierung der Grundstein für das Spekulieren gelegt. Im besagten Jahr entstand in Philadelphia die erste Börsen für den ebenso national wie international ausgerichteten Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren. Nur ein Jahr später taten sich zwei Dutzend Broker und Händler in New York zusammen, um 1792 das auf den Weg zu bringen, was heute schlechthin als die wichtigste Börse weltweit gilt: die New Yorker Wall Street. Ihren Namen trägt die Börse unspektakulär deshalb, weil die beteiligten Vermittler ihr Trading an Ort und Stelle auf Basis von Kommissionen abwickelten, und zwar explizit unter einem Baum an der Wall Street 68.

Die damals verantwortlich zeichnende Regierungs-Instanz schuf also die Basis des heutigen Tradings in all seinen Facetten. Rasch entwickelte sich auch der Handel mit Aktien von Banken und Versicherungsgesellschaften, der das Handelsvolumen merklich steigen ließ und der „Ur-Börse“ ordentlich Aufschwung verlieht.

Immer neue regionale Handelsplätze entstanden von New York aus

1817 war das Jahr, in dem sich die heute wichtigste US-Börse allmählich zu einem formalen Vorläufer des heutigen „New York Stock and Exchange Board“ entwickelte. Zur eigentlichen Namensgebung kam es dann erst fast fünf Jahrzehnte später, genauer gesagt im Jahr 1863. Auch während des Bürgerkriegs schritt die Entwicklung des Börsensystems weiter voran. Damals entstand das Ausgangsmodell dessen, was heute als „American Stock Exchange“ bekannt ist und über viele Jahre die zweitgrößte US-Börse war. Das System aus Kaufen und Verkaufen – auch und gerade im Hinblick auf den Anleihen-Handel – lässt sich im Grunde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Freilich war das Trading damals noch weitaus zeitaufwendiger als in der heutigen Zeit, die vom digitalen Handel geprägt ist, der seit Jahren verstärkt dem so genannten Daytrading den Weg ebnet. Damals entstanden Schritt für Schritt in vielen größeren Städten der USA eigene kleine Handelsplätze, was nicht zuletzt zu einer rasanten Erweiterung der Zielgruppe führen konnte. Diese Märkte trugen vielerorts den Namen „Bucket Shops“.

Wurzeln des frühen Handels noch heute Teil des Tradings

Der Namen leitet sich daraus ab, dass die Trader-Gelder seinerzeit in einem gemeinsamen Topf oder Eimer, also einem „Bucket“, landeten. Das gesammelte Geld diente im weiteren Verlauf als Sicherheit für den Kauf von Aktien, Rohstoffen und anderen Gütern – gewissermaßen auf Kreditbasis, was eine Parallele zum heutigen Handel mit Hebelwirkung („Leverage“) wie bei Devisen- und CFD-Transaktionen erkennen lässt. Kleinere Anleger erhielten so die Chance, an Anlagemodellen zu partizipieren, die mit ihrem eigenen Budget und ohne die Community der Händler nicht finanzierbar wären. Der Handel über die Bucket Shops war durchaus riskant für die frühen Trader.

Die Listung der Preise war eine Gemeinschaftsleistung: Ein Angestellter bzw. Buchhalter war für das Ablesen der übermittelten Kurse zuständig, ein zweiter notierte die Daten für die Investoren sichtbar auf einer Tafel. So konnten Beobachter sehr schnell einen Kauf oder Verkauf vornehmen. Entsprechend engagiert sah das Trading an der Börse schon damals aus. Die Betreiber der Handelsshops waren ihren Anlegern gegenüber zur Ehrlichkeit verpflichtet. Dennoch gab es zahlreiche nicht lizenzierte und illegale Anbieter am damaligen Markt.

London, Frankfurt, Paris – Europas wichtigste Börsenstandorte

In der Folge des dramatischen Börsencrashs im Jahr 1929 brach das illegale Netzwerk weitgehend zusammen, da der Staat im Zuge der Krisenbewältigung mit Erfolg größere Bemühungen zur Regulierung der Handelsplätze in Angriff nahm. Dies war ein unverzichtbarer Schritt, damit in den 1930er Jahren im Rahmen der Restrukturierung des Marktes regulierte Börsen entstehen konnten. Das so genannte „Big Board“, die New York Stock Exchange (NYSE), gehört bis heute zu dominierenden Märkten. Weitere wichtige Börsenplätze sind die AMEX – die American Stock Exchange –, das Chicago Board of Trade (CBOT) und die NASDAQ.

International wichtige Börsen sind die Deutsche Börse mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und mit dem Deutschen Aktienindex (DAX), dem wichtigsten deutschen Index, die Pariser (CAC), die Tokioter (Nikkei) und die Londoner Börse FTSE sowie die Börse in Hong Kong und einige andere mehr. Rasch entstanden infolge der staatlichen Regulierungsmaßnahmen weitere Märkte, so dass Trading nicht nur mit Anleihen und Aktien, sondern auch mit Optionen, Futures und anderen Instrumenten möglich wurde.

Zusammenbruch der Börsen rief nach anderen Markt-Parametern

Die „große Depression“ nach dem Börsencrash im Jahr 1929 machte ein Umdenken das Trading betreffend unabdingbar, um vergleichbare Szenarien in der Zukunft zu vermeiden. Wichtig war diesbezüglich die Entstehung der SEC – der Security und Exchange Commission – als Aufsichtsbehörde zur Regulierung, die bis heute eine zentrale Rolle im US-amerikanischen Handelsalltag an den diversen Märkten spielt. Mitte der 1930er Jahre kam es zur Etablierung dieser Regulierungskommission durch den US-Kongress. Zunächst analysierte das so genannte „Senate Committee on Banking and Currency“ das Geschäftsmodell der New Yorker Börse.

Diese Kommission verfolgte vorrangig das Ziel, das krisenbedingt verloren gegangene Anlegervertrauen zurückzugewinnen, einen erneuten Systemzusammenbruch wie 1929 zu verhindern und Manipulationen zukünftig, so gut es geht, auszuschließen. Aktienbroker wurden nun besser überwacht. Insbesondere nicht-öffentliche Informationsweitergaben sollten beim Aktienhandel ausgeschlossen werden – bis heute steht Spekulieren mit Insiderwissen unter Strafe. Dazu gehörte im Grunde auch die Schaffung einer Informationspflicht für Aktiengesellschaften: Unternehmen mussten sicherstellen, dass alle relevanten Daten der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Heutige Märkte als direkte Nachfolger früherer Handelsplätze

Von einem Markt im eigentlichen Sinne spricht man, wenn auf ihm ähnliche Produkte, Güter oder eben Finanzinstrumente gehandelt oder getauscht werden. Die heutige Marktform wäre ohne die frühen Handelsaktivitäten im landwirtschaftlichen Bereich wahrscheinlich niemals entstanden. Dort wurden Preise schon früh auf Basis von Angebot und Nachfrage ermittelt – und nach wie vor existieren diese Märkte vielerorts.

Elektronische Trading-Abwicklung schon seit Anfang der 70er Jahre

Anfang der 70er schuf die NASD – die National Association of Securities Dealers – das Modell der NASDAQ. Das „National Association of Securities Dealers Automated Quotation“-System legte 1971 als computerisiertes Trading-System den Grundstein für den heute gängigen elektronischen Börsenhandel. Mitglieder des Systems konnten nun schneller interagieren und in Wettbewerb miteinander treten durch die Kursstellung durch Angebot und Nachfrage für zahlreiche Aktien. Genau genommen war der NASDAQ-Start die Initialzündung für den digitalen „Over the Counter“-Handel, der heute von vielen Brokern als Plattform bevorzugt wird. So kam es über die Jahre schrittweise zur Entwicklung des elektronischen Tradings weg vom vormals üblichen Präsenzhandel, der heute nur noch eine untergeordnete Rolle an der Börse spielt. Was in den USA begann, hat sich längst weltweit etabliert und zu einer Internationalisierung des Tradings mit Aktien, Devisen und anderen Finanzprodukten geführt, die Tradern in aller Welt den Börsenhandel weltweit zugänglich macht.

Aufkommen der Online-Broker ließ Trading-Kosten sinken

Zugleich sind die Handelskosten für Trader dank der neuen Technologien gesunken, da Anleger nicht mehr auf die Beratung bei einer Bank angewiesen sind. Nichtsdestotrotz erheben auch Aktienbroker und andere virtuelle Dienstleister Gebühren in Form von Aufschlägen und Spreads (Abweichungen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen an der Börse). Zudem werden im Normalfall Provisionen fällig. Bei verschiedenen Transaktionen wie etwa den im CFD-Trading (aber nicht nur dort) beliebten Leerverkäufen berechnen Broker weiterhin Transaktionsgebühren sowie im Fall der Fälle Gebühren für den Übernacht-Handel, das so genannte Overnight-Trading, sofern Positionen über mehr als einen Handelstag oder längere Zeitspannen gehalten werden.

Regulierungen bringen Tradern mehr Sicherheit und Transparenz

Die NASD begann in den USA schon 1965 mit der Veröffentlichung von Preisen, die zwischen Händlern berechnet wurden. Zu finden waren diese „Inter-Dealer-Preise“ in der so genannten „National List“ der Aufsicht. Wichtig wurden diese Publikationen spätestens mit der Entstehung der NASDAQ im Jahr 1971, da die zunehmende Trading-Automatisierung ein höheres Handelstempo zur Folge hatte. Das Modell NASDAQ ist dabei ein Tochterunternehmen der NASD und wird durch die SEC reguliert und kontrolliert. Nach der NASDAQ-Entstehung nahm der Wettbewerb massiv zu, was rasch sinkende Spreads nach sich zog. Zumindest trifft diese Aussage auf eine Vielzahl der Aktien zu.

Market Maker: ein günstiger Einstiegsweg für Kleinanleger

Potentielle NASDAQ-Mitglieder müssen selbst eine SEC-Registrierung vorweisen. Zudem müssen wenigstens zwei Broker-Anbieter als Handelsteilnehmer – so genannte Market Makers – existieren, die das Recht zum Verkauf und zur Preisstellung haben. Die ermittelten Anleihen- und Aktienkurse entsprechend nicht zwingend dem eigentlichen Marktpreis. Der Handel über die besagten Market Makers sieht keine allzu hohen Anforderungen vor und hat das Trading somit endgültig interessant auch für normale Privatanleger gemacht. Auch heute noch unterliegen die Handelsplätze und die Kurse gewissen, mehr oder weniger regelmäßigen Schwankungen. Auch massive Krisen sind an den Börsen und elektronischen Handelsplätzen weiterhin nicht ausgeschlossen, wie die Immobilien- und Kreditmarktkrise ab dem Jahr 2007 eindrucksvoll unter Beweis stellte. Auf der anderen Seite folgen fast naturgemäß und zwangsläufig nach einem Crash mit einer Anleger-Panik und massiven Verkaufswellen wieder bessere Zeiten.

Technischer Fortschritt hat immer neue Booms der Märkte ausgelöst

In den vergangenen Jahren hat die Optimierung der technischen Möglichkeiten weltweit einen Trading-Boom und vielerorts Kurs-Höhenflüge ausgelöst. Denn mittlerweile kann jeder Anleger mit einem gewissen Budget, einem Computer oder auch mobilen Endgerät sowie einem ausreichend schnellen und zuverlässigen Internetzugang von zuhause aus oder unterwegs mit geringer Mindesteinzahlung ein Handelskonto bei einem Online-Broker eröffnen und schon mit geringem Einsatz selbst in den Aktienhandel einsteigen. Und das im Prinzip fast rund um die Uhr, wenn die Zeitverschiebungen und die unterschiedlichen Öffnungszeiten der Börsen weltweit berücksichtigt werden.

Viele Aktien-Broker und andere Anbieter sind inzwischen in verschiedenen Trading-Bereichen tätig, so dass ihre Kunden nicht nur mit Aktien, sondern oft auch mit Futures, Optionen und anderen Derivaten traden können, ohne extra ein zusätzliches Konto an anderer Stelle eröffnen zu müssen. Auch die Auswahl der handelbaren Finanzprodukte wächst konstant. Gleiches gilt für die Handels- und Orderarten samt der Extra-Funktionen zur Risikoabsicherung und Gewinnmitnahme, die viele Online-Broker ihrer Kundschaft zur Verfügung stellen.

larserichsen

Mein Fazit

Innerhalb der fast 200 Jahre, seit die erste Börse in den USA entstand, hat sich einiges getan – wenig überraschend. Doch bis endlich auch ganz normale Privatpersonen ohne die Unterstützung einer Bank am Handel bzw. Trading partizipieren konnten, brauchte es das neue Medium Internet. Denn durch die Neuentwicklung kam es zu einer Globalisierung und Digitalisierung der Märkte und in der Folge zu Veränderungen, die vor allem die Kosten für den Zugang zu Handelsplätzen sinken ließen. Einmal mehr erwies sich ein solcher Umbruch des vorherigen Systems, das in weiten Teilen vorrangig institutionellen Investoren vorbehalten war, insbesondere für Anleger vorteilhaft, die sich das Traden sonst eher nicht hätten leisten können. Eben wegen der lange Zeit hohen Gebühren und Provisionen, die der Devisenhandel und das Trading mit anderen Finanzinstrumenten lange Zeit verursachten.

Autor: RP