Markttiefe/Handelsvolumen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Die Verlagerung des Tradings vom Präsenzhandel hin zur digitalen Handelsumgebung ließ nicht zuletzt auch das Handelsvolumen an den Märkten insgesamt steigen in den vergangenen Jahren.
  • Sowohl das Handelsvolumen als auch die Markttiefe sind Faktoren, die sich für Broker-Kunden bei der Gebührenabrechnung von Bedeutung sein können → eine geringe Tiefe wird vielfach höhere Trading-Kosten nach sich ziehen.
  • Die Markttiefe ist ein zentrales Merkmal für die Bewertung der aktuellen Lage am Markt, da sie maßgeblich Aussagen zu Angebot und Nachfrage erlaubt.

Wachsende Märkte lassen auch die Markttiefe steigen

Das Handelsvolumen und die Liquidität an den weltweiten Märkten sind in den vergangenen Jahr konstant gestiegen. Ein Grund für diese Entwicklung ist die große Nachfrage – auch weil Anleger aufgrund niedriger Zinssätze am Markt nach Alternativen suchen, um Rendite zu realisieren. Zudem sind infolge der Digitalisierung des Tradings nach und nach neue Märkte und Handelsumgebungen entstanden. So findet der Handel seit einiger Zeit verstärkt über elektronische Plattformen statt. Zusätzlich erweist sich der außerbörsliche Handel für Anleger mit dem nötigen Know-how als lukrativer Bereich. Über „Over the Counter“-Broker (kurz: OTC) können Trader zu günstigen Bedingungen an vielen Märkten weltweit investieren. Der als Sekundärmarkt bezeichnete Bereich eröffnet Investoren vom Kleinanleger bis zum Großspekulanten neue Möglichkeiten. Für die neuen Handelswege spricht unter anderem, dass die Handelszeiten in vielen Fällen mehr Spielraum bieten als an den eigentlichen Börsen.

Diese Tatsache lässt einmal mehr die Liquidität steigen. Besonders erwähnt sei diesbezüglich der Terminmarkt, dessen Einfluss auf die Markttiefe und das Handelsvolumen nicht unterschätzt werden sollte, um erfolgreich an einer oder mehreren Börsen investieren zu können. So ermöglichen Broker ihren Kunden über die Markttiefe mit Informationen in der Übersicht zu den jeweils besten Kauf- und Verkaufsgeboten, dass sie gerade im Aktiensegment gute Beurteilungen des Status quo einer bestimmten Aktie erlangen.

Vor allem der Terminmarkt erlebt einen massiven Boom

Zu nennen ist beispielsweise die deutsche Eurex-Terminbörse, an der unter anderem Terminkontrakte wie Bundeswertpapiere mit Laufzeiten im Bereich von 2 bis 30 Jahren gehandelt werden. Im Jahr 2013 wurde an diesem Terminmarkt ein Handelsvolumen von sage und schreibe mehr als 27 Billionen Euro erreicht. Der Begriff der Markttiefe stellt im analytischen Bereich des Börsenhandels unter anderem einen Bezug zur so genannten „Preiskontinuität“ dar. Eine Rolle spielen Handelsvolumen und Markttiefe bei der Bewertung von Angebot und Nachfrage hinsichtlich eines Marktes bzw. einzelner Werte, die an ihm gehandelt werden.

Aktienkurse wie auch die Preise anderer Finanz-Instrumente können unter Zuhilfenahme bestimmter Analyse-Merkmale bewertet werden. Die Markttiefe ist ein derartiges Kriterium. Vereinfacht lässt sich sagen, dass ein hoher Wert der Markttiefe ein Hinweis auf eher geringe Kursschwankungen sein sollte. In enger Verbindung steht die Tiefe des Marktes, wie nicht anders zu erwarten, mit der Marktbreite.

Markttiefe für den Geld- wie auch Briefkurs relevant

Per Definition gibt die Markttiefe als Trading-Kennzahl in erster Linie Aufschluss über die Aktien-Liquidität. Je höher der Wert, desto geringer fällt die Veränderung aus, wenn kleinere Aufträge (ohne Limit) ausgeführt werden. Professionelle Trader sprechen diesbezüglich davon, dass eine hohe Markttiefe darauf hindeutet, dass innerhalb der so genannten „Tick Size“ keine Lücken im Orderbuch erkennbar sind. Unterschieden wird allgemein zwischen den Aussagen zum jeweiligen Geldkurs auf der einen Seite und dem Briefkurs auf der anderen Seite. Gemessen werden dazu die Steigungen zwischen Geboten, die im Orderbuch nebeneinander angesiedelt sind. Die Markttiefe kann somit für jeden Finanzmarkt und jedes Finanz-Instrument berechnet und angegeben werden. Solche Angaben finden Trader nur für Preise (Kauf und Verkauf) mit kurzen Zeitabständen. Wichtig für Händler ist dabei grundsätzlich, dass die Kurse in Echtzeit angegeben werden. Üblich sind Angaben zur den jeweils fünf besten Ask- und Bid-Offerten im Orderbuch des Brokers oder der Börse.

Hohe Markttiefe lässt auf überschaubare Kursschwankungen schließen

Zeichnet sich bei einem Kurs eine hohe Markttiefe ab, ist dies also ein Fingerzeig dahingehend, dass die Schwankungen des Kurses gering ausfallen, während eine geringe Tiefe entsprechend das Gegenteil, also deutliche Kursschwankungen, erkennen lässt. Eine überschaubare Volatilität macht sowohl Ankäufe als auch Verkäufe sicherer, denn so können Trader ohne allzu hohes Risiko Orders auf den Weg bringen – allerdings in der Regel auch mit weniger üppigen Maximalrenditen. Nicht bei allen Brokern am Markt taucht die Markttiefe als Standard-Hilfsmittel unentgeltlich auf der Handelsplattform auf. Teilweise müssen Händler für diesen Aspekt des professionellen Orderbuchs ein Entgelt entrichten. Im Gegenzug stellen Broker vielfach regelmäßig Angebote zusammen, die sich durch eine besonders gute Markttiefe auszeichnen. Im Falle einer hohen Markttiefe haben geringe Auftragsvolumen höchsten einen minimalen Einfluss auf Kurse und Preisveränderungen.

Geringe Tiefe des Marktes kann Kosten für Transaktionen steigen lassen

Aus Expertensicht fördert ein hoher Wert der Tiefe die Preisstabilisierung – eben wegen der geringen Einflussnahme eines Kaufs oder Verkaufs auf die Kurse an einem Terminmarkt. Fällt die Markttiefe zum Zeitpunkt X nicht ausreichend hoch aus, lässt dies auf geringe Umsätze am Markt schließen. Dies wiederum führt wahrscheinlich zum Anstieg der Kosten für Transaktionen und gleichermaßen höheren Spreads (Differenz zwischen dem An- und Verkaufspreis). Andersherum gilt somit: Steigen Markttiefe, Handelsvolumen und Liquidität, spiegelt dies einen hohen Marktumsatz wieder, was ein Sinken der Spreads, Transaktions- und Börsenkosten insgesamt nach sich ziehen kann bzw. wird. Hierbei tragen Broker den regelmäßig entstehenden Schwankungen an den Märkten Rechnung.

larserichsen

Mein Fazit

Weist ein Markt (oder ein einzelner Handelswert) eine sehr hohe Markttiefe oder ein massives Handelsvolumen auf, wird dies in aller Regel aus Sicht der Trader positiven Einfluss auf die Transaktionsentgelte haben. Ist wenig Bewegung in einem Markt, heißt dies wiederum, dass die Broker gerade bei den Spreads als typischem Gebührenaspekt höhere Margen ansetzen. Generell erlaubt die Markttiefe Rückschlüsse darüber, wie üppig Angebot und Nachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt ausfallen. Ein geringes Handelsvolumen kann auf der anderen Seite auch zu Kurslücken führen, die wiederum gerade beim „Overnight-Handel“ durchaus beträchtliche Risiken bergen, aber eben auch zu Chancen führen können.

Autor: RP