Ausführungsgrundlagen: Bid & Ask und Slippage

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Trader müssen mit einigen wesentlichen Begrifflichkeiten vertraut sein, um zu verstehen, wie Kurse zustande kommen und weshalb im Fall der Fälle überraschende Kursschwankungen auftreten können → die Ausführungsgrundlagen Bid & Ask und Slippage gehören unweigerlich zu den Basics, die schon Anfänger kennen müssen.
  • Angebot und Nachfrage sind die zentralen Aspekte, die Grundlage für die Kalkulation von Bid und Ask sind. Slippage-Effekte können im Prinzip an jedem Markt als Lücken in der Kursgestaltung auftreten → die Abweichungen müssen dabei nicht generell zum Nachteil der Händler sein.
  • Entscheidend für die Konsequenzen, die der Slippage-Effekt im Zusammenhang mit der Stellung der Ask- und Bid-Kurse hat, ist nicht zuletzt das Tempo, mit dem Online-Broker die Orders ihrer Trader am Markt ausführen.

Geld- und Briefpreise sind an allen Märkten zu finden

bid ask slippageWer an den Märkten handeln möchte, muss wissen, was sie oder er tut. Und so sollte niemand zu Beginn versäumen, sich erst gründlich einzuarbeiten. Dazu gehören zwangsläufig die wichtigsten Ausführungsgrundlagen. Bid & Ask und Slippage sind zwei Grundpfeiler des Börsenhandels wie auch außerbörslicher Handelsplätze. Auch beim Trading am Terminmarkt mit so genannten Futures kommen die genannten Begriffe zum Einsatz. Gemeint sind damit stets weitgehend dieselben Dinge. Als „Bid“ oder Geldkurs bezeichnen Börsenhändler den Preis, den Anleger im Falle eines Verkaufs für ein bestimmtes Instrument erhalten möchten, während der Terminus „Ask“ für den Briefpreis steht. Dieser wiederum meint den Preis, zu dem ein Kauf zum jeweiligen Zeitpunkt abgewickelt werden könnte. Beide Kurse gehen davon aus, dass der verlangte oder maximal gezahlte Preis derzeit nicht zwingend ein Pendant auf der anderen Seite findet. Stattdessen geht es am Markt darum, Angebot und Nachfrage zueinander zu bringen.

Am Beispiel des Devisenhandels mit Währungspaaren zeigt sich hinsichtlich der Ask- und Bid-Preise vor allem eines sehr schnell:
Beim Devisenhandel liegt der Kaufpreis generell etwas über dem Verkaufskurs am Markt. Genau dieser Abstand ist der Gewinn des Brokers. Angegeben werden Devisenkurse normalerweise bis zur vierten Nachkommastelle. Die Abweichungen an der vierten Stelle hinter dem Komma werden fachlich als „Pips“ bezeichnet, was im Englischen für „percentage in point“ oder „price interest point“ steht. Üblich sind Differenzen von maximal 3 Pips zwischen dem Ask- und dem Bid-Preis für ein Devisenpaar.

Trader müssen Kurse für den Kauf und Verkauf vergleichen

Liegt beispielsweise der Bid-Preis des Devisenpaars EUR/USD bei 1,3550 und der Ask-Preis bei 1,3580, heißt dies, dass Marktteilnehmer die Basiswährung zum Kurs von 1,3550 kaufen würden und einen Verkauf der Basiswährung Euro zum Ask-Preis von 1,3580 in Betracht ziehen. Es gibt stets Abstände zwischen Bid und Ask – die so genannten Spreads. Sie sind die Differenz zwischen dem Geldpreis und dem Briefkurs und dienen Forex-Brokern als wichtige Gebühr und damit Umsatzbasis. Die Höhe des jeweiligen Spreads kann – nicht nur beim Trading am Devisenmarkt – wahlweise fix oder variabel kalkuliert werden. Das Ausmaß der Kursabstände zwischen Bid und Ask hängt entscheidend vom bevorzugten Handelsweg ab. Gerade die so genannten „Market Makers“ unter den Brokern fürs FX- und CFD-Trading und den Handel mit binären Optionen berechnen auf die vom Interbankenmarkt bezogenen Kurse meist Aufschläge, durch die sich die Anbieter finanzieren. Aus diesem Grund ist der Spread denn auch im Online-Broker-Vergleich ein zentrales Auswahlmerkmal.

Slippage: allgegenwärtiges Risiko oder Chance beim Trading?

Welche Ausführungsgrundlage muss Anleger beim Future-Trading und ähnlichen Spekulationen noch bekannt sein? Bid, Ask und Spread gehen gewissermaßen Hand in Hand mit dem Begriff „Slippage“. Als Slippage wird ein Effekt bezeichnet, der letzten Endes bei jedem Online-Broker wie auch beim Handel über eine Bank auftreten kann. Genauer gesagt: Ohne Slippage funktioniert der Handel im Grunde nirgendwo, einzig sehr aktive Trader mit hohen Budgets können unter Umständen Sonderkonditionen mit ihrem Broker aushandeln. Je mehr Geld gerade institutionelle Investoren über die Handelsplattform eines Brokers investieren, desto eher besteht die Möglichkeit, dass spezielle Bedingungen vereinbart werden können. Normalen Tradern von Devisen, CFD-Werten, Futures und anderen Finanz-Instrumenten bleibt nur der Broker-Vergleich, um die günstigsten Slippage-Tarife ausfindig zu machen und die Trading-Kosten im eigenen Interesse möglichst gering zu halten.

Geringes Handelsvolumen erhöht Slippage-Wahrscheinlichkeit

Als Kostenfaktor sollte der Stellenwert des Themas Slippage an allen Finanzmärkten niemals unterschätzt werden. Immer dann, wenn es an einem Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu Kurslücken innerhalb des Ablaudfs der Preisgestaltung kommt, tritt der Slippage-Effekt auf. Dies kann auch der Fall sein, wenn mit Blick auf einen Handelswert X vor dem Hintergrund eines bestimmten Kurses keine ausreichende Liquidität verfügbar ist. Gerade an sehr volatilen Märkten mit akuten Schwankungen können Marktlücken immer wieder auftreten. So können gerade am FX-Markt akute Kursbewegungen von mehreren Pips zu Sprüngen des Kursniveaus führen, ohne dass es zwischenzeitlich zu Überbrückungs-Levels kommt. Zu jedem Kurs am Markt gehört im Prinzip eine gewisse erforderliche „Liquiditäts-Menge“.

Sehr schnell bewegende Märkte besonders oft betroffen

Zum Effekt kommt es also insbesondere, wenn Trader Orders an Märkten platzieren, die sich mit einem sehr hohen Tempo bewegen und schnelle Kursveränderungen aufweisen. Übersetzen lässt sich der Begriff „Slippage“ als „Schwund“ oder „Schlüpfrigsein“, was bereits ganz gut zeigt, worum es geht. Die Slippage meint den Abstand zwischen dem Kurs, den der betreffende Händler erwartet hat, und dem Kurs, zu dem die Order tatsächlich abgerechnet wird aufgrund der Kurslücken. Dies kann unter anderem dann passieren, wenn Limitorders ausgeführt werden sollen, bei denen die Kurse zunächst das Limit übertreffen und zeitnah wieder unter die Limit-Marke fallen.

Handelsplattformen müssen Orders schnellstmöglich ausführen

Auch wenn es theoretisch denkbar ist, profitieren in der Regel eher die Broker als die Trader selbst von den Lücken in der Kursgebung zwischen der Ordererteilung und der Zusammenführung der Angebote und Nachfragen verschiedener Marktteilnehmer. Diesen Prozess bezeichnen Experten auch als „Matching“. Regulierte Broker sind dazu angehalten, keine gezielten Brokerage-Strategien unter Einwirkung der Slippage-Aspekte zu verfolgen, die Märkte als solche können aber bei entsprechend flacher Ausrichtung durchaus zum Eintreten des Slippage-Effektes führen. Gerade die so genannten Market Makers sind es abermals, die mit den Slippage-Effekten Geld verdienen, die in vielen Fällen entstehen. Technische Möglichkeiten zur Verhinderung des Effekts gibt es im Grunde nicht – insbesondere nicht am schwankungsanfälligen Devisenmarkt. Dies, weil selbst die schnellsten Handelsplattformen den minimalen Zeitabstand zwischen Order-Aufgabe und Order-Ausführung nicht vollends ausgleichen können.

Ausführungs-Features als Kriterium für den Broker-Vergleich

Sollten ausgerechnet in diesem knappen Zeitfenster von meist nur ein bis drei Sekunden Kursbewegungen am Markt verbucht werden, sind Abweichungen (meist eben zulasten der Trader) generell denkbar. Händler sollten also im Broker-Vergleich auch Informationen zum Zeitabstand in Erfahrung bringen, um schnellstmögliche Ausführungen sicherzustellen beim Future-Trading und Devisenhandel mit Bid und Ask. Im Zweifelsfall informiert der Support der Online-Broker, wie es um Slippage-Risiken und die Geschwindigkeit der Orderausführungen steht. Im Fall der Fälle wirken sich unzuverlässige oder zu langsame Internetverbindungen ebenfalls nachteilig auf den Slippage-Effekt aus, wenigstens aus Sicht der Anleger. Verschiedene Verhaltensweisen können das Risiko unvorhersehbarer Kursschwankungen senken.

Prodit aus Slippage-Effekten durchs Traden gegen den Trend?

So sollten Trader bei Neuemissionen auf den so genannten Ausbruchshandel verzichten. Vor allem bei Verwendung der Kontratrendstrategie können Händler durchaus von einer positiven Slippage profitieren. Bei längeren Trading-Intervallen unter Einbindung der aktuellen Bid- und Ask-Preise ist die Slippage-Auswirkung in aller Regel weniger gravierend als beim kurzfristigen Handel mit oder gegen den Trend. Gerade beim Hochfrequenzhandel mit kurzen Intervallen können Spread und Slippage erhebliche Handelskosten zur Folge haben. Wer auf Limit-Orders setzt, ist meist geschützt gegen Slippage-Effekte, kann aber in den Genuss einer Orderausführung zu einem unerwartet guten Kurs kommen – je nachdem, wie akut die Veränderungen der Kurs tatsächlich ausfallen.

Teilweise Ausführung von Orders erhöht die Gefahr

Auch große Orders können Slippage-Auswirkungen zur Folge haben, wenn sie an den Markt kommen. Unterscheiden müssen Anleger zwischen der klassischen Market Order einerseits und andererseits einer Limit-Order. Werden Market Orders klassisch ausgeführt, bedeutet dies, dass eine Ausführung nach der Vorgabe „bestens“ oder „billigst“ erfolgt. Zu den Market Orders gehören auch die so genannten Stop Loss Orders, bei denen der Auftrag zur Ausführung kommt, sobald ein vorab installierter Kurswert erreicht wird, so dass die Positionen aufgelöst werden. „Billigst“ wie auch „bestens“ sind also mit einem Slippage-Risiko für Trader verbunden, wenn Angebot und Nachfrage in einem Ungleichgewicht stehen – preislich oder zeitlich. Teilausführungen können in besonderer Weise zu Abweichungen führen, wenn Händler versäumen, auf Komplett-Ausführungen zu bestehen. So können bei teilweiser Ausführung zu unterschiedlichen Momenten zwangsläufig verschiedene Kurslevels auftreten. Slippage könnte also bedingt auch als Aufschlag für eine spätere Vervollständigung einer Order bezeichnet werden, da es keine Garantie gibt, dass der erste Kurs auch später noch Gültigkeit hat.

Mit limitierten Orders eventuell Slippage umgehen

Mittel und Wege zur Slippage-Vermeidung sieht leider nicht jeder Broker vor. Dennoch können Limit-Orders sinnvoll sein, wenn Trader damit festschreiben, dass sie eine Ausführung grundsätzlich nur zum angegebenen Kurs wünschen – oder einem besseren Kurs, was billiger bzw. auch teurer als der aktuelle Bid- oder Ask-Preis sein kann. Auch Order-Arten vom Format „Entry“ oder „Market-Range“ können helfen, die Slippage-Auswirkungen abzumildern oder sie – unter idealen Bedingungen – vielleicht sogar gänzlich zu verhindern. Gerade in Verbindung mit Tageshochs und -tiefs aber können sich Händler das beim Devisenhandel und an verschiedenen anderen Märkten durchaus mit dem nötigen Verständnis für die Märkte zunutze machen. Wer weiß, wann die Kurslücken mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten, kann seine Gewinne durch die Schwankungen optimieren.

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Mein Fazit

Bid und Ask sind Tradern oft schon ein Begriff. Was genau der Slippage-Effekte im Händler-Leben bedeutet, ist Einsteigern nicht immer gleich verständlich. Etliche Situationen können bei den Ausführungsgrundlagen Bid & Ask und Slippage zu einer Veränderung der Kurse führen. Ein zu geringes Handelsvolumen etwa wirkt sich stets auf die Kurse an den Märkten aus. Auch ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kann Einfluss auf das Slippage-Ausmaß haben. Durch Limit-Orders zum Beispiel können sich Kunden eines Online-Brokers wenigstens zum Teil gegen die generell bestehenden Risiken im Slippage-Kontext schützen oder sogar den Effekt je nach Umgebung am Markt für sich nutzen.

Autor: RP