Futures – Derivate Finanzprodukte mit Hebelwirkung

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Futures fallen in den Bereich der Derivatprodukte und stellen einen Vertrag mit Blick auf die Zukunft dar: Anbieter und Käufer gehen dabei eine vertragliche Verpflichtung für einen Termin X zu bestimmten Vereinbarungen ein.
  • Je nachdem, in welchem Umfang die späteren Kurse von den vorhergesagten und vereinbarten Preisen abweichen, kann ein finanzieller Ausgleich zugunsten der Abnehmer oder der Verkäufer/Anbieter geschehen.
  • Anders als im Falle des Optionshandel sehen Futures für beide Parteien eine Pflicht zur Einlösung und Erfüllung des Vertrags vor.

Futures als Alternative für Spekulanten mit kleineren Budgets

Ein seit Jahren beliebtes Modell der derivaten Finanzprodukte sind die sogenannte Futures. Eine Information vorab: Nicht in allen Marktbereichen sind Terminkontraktgeschäfte dieser Art handelbar. Gerade in Nischenbereichen und bei Interesse für kleinere Aktiengesellschaften bleibt Anlegern oftmals nichts anderes als das direkte Investment in die betreffenden Wertpapiere. Doch innerhalb der großen Indizes und mit Blick auf viel gehandelte Aktien bietet sich eben nicht allein die Möglichkeit, direkt Aktien kaufen zu müssen, um an Entwicklungen teilzuhaben. Aus Sicht eines Analysten sind es insbesondere Futures, die Chancen bieten können.

Bei Futures handelt es sich ihrer Form nach um einem Börsenvertrag mit Verbindlichkeit für beide Parteien: den Verkäufer/Anbieter auf der einen Seite und den Käufer/Abnehmer auf der anderen Seite. So kann es im Zuge dieser verpflichtenden Lieferung der Terminkontrakte auch zu Situationen kommen, in denen eine Partei einen Zahlungsausgleich an die andere leisten muss.

Verträge sind von beiden Parteien einzuhalten

Während der Hintergrund des Optionshandel der Aspekt des „Optionalen“ ist, geht es beim Handel von Futures in erster Linie um die Verbindlichkeit. Beide Kontraktpartner verpflichten sich zur Erfüllung der Vereinbarungen – in diesem Bereich gilt also ohne weiteres die lateinische Redewendung „pacta sunt servanda“. Für Käufer bedeutet dies: Entwickelt sich der Kurs des zugrundeliegenden Basiswertes anders als erhofft, hat der Verkäufer unter Umständen einen Anspruch auf die Erbringung von Nachzahlungen. Ihrer Funktionsweise nach handelt es sich bei Futures um Kontrakte, die standardisiert gehandelt werden. Der Handel als solcher wird an sogenannten Terminbörsen abgewickelt.

Als Basiswerte für Futures kommen infrage:

    • Aktien und andere Wertpapiere
    • (nationale und internationale) Indizes
    • Anleihen
    • Zinsprodukte
    • Devisen und Währungspaare
    • Edelmetalle
    • Rohstoffe & Genussmittel

Laufzeiten meist bis zu 12 Monaten

Unterschieden wird zwischen den verschiedenen Klassen von Underlyings (Vermögenswerten) wie folgt: Gold, andere Edelmetalle, Rohstoffe wie Öl sowie Genussmittel werden als Warentermingeschäfte am Markt getradet, nicht als Finanztermingeschäfte, wie es bei den anderen Klassen der Fall ist. Am funktionalen Hintergrund und Prozedere ändert diese Differenzierung aber nichts. Forwards sind zeitlich begrenzt, ihre Laufzeiten liegen im Normalfall bei maximal 12 Monaten. Unterteilt werden die Laufzeiten meist im Drei-Monats-Rhythmus. Die Abrechnung von Futures kann zum Zeitpunkt des Verfalls entweder in Geld oder durch die physische Auslieferung der Kontraktwaren erfolgen. Lieferungen verursachen meist weitere Kosten, wobei ohnehin zumeist der Ausgleich in bar Standard beim Handel an Terminbörsen ist. Die Vielfalt und Verteilung der handelbaren Basiswerte auf die verschiedenen Kategorien kann und sollte durchaus ein Argument für die Auswahl eines Futures-Brokers sein.

Bevorzugte Handelsinstrumente bei Broker-Wahl berücksichtigen

Auch wenn es um die Extra-Funktionen auf den Handelsplattformen geht, gibt es Unterschiede, die im Vergleich eine Rolle spielen können. Wer als erfahrener Händler besondere Lieblingswerte im Forwards-Segment hat, sollte diese selbstredend auch beim neuen Broker vorfinden, um eine bisher erfolgreiche Handelsstrategie in Zukunft weiterhin nutzen zu können.

Wichtige Eigenschaften der Forwards, wie Futures auch genannt werden:

  • Sie beziehen sich explizit auf einen festgelegten Basiswert (den Gegenstand des Vertrags)
  • Genaue Definition der Menge und Qualität des Gegenstandes (bzw. der Kontraktgröße)
  • Festlegung eines zukünftigen Abnahmetermins
  • Bestimmung eines festen Preises im Moment des Vertragsabschlusses

Obligatorische Hinterlegung von Depot-Sicherheitsleistungen

Terminkontraktgeschäfte zeichnen sich aufgrund dieser Merkmale dadurch aus, dass sie zu sehr transparenten Konditionen gehandelt werden. Zudem fallen die Transaktionskosten für Futures im Gegensatz zu vielen börsengehandelten Optionen relativ gering aus. Der Zugang zum Markt für derlei derivate Finanzprodukte gelingt vergleichsweise einfach. Sowohl Käufer als auch Verkäufer zahlen vor dem Zustandekommen der Verträge eine Sicherheitsleistung, die zunächst im Regelfall im Bereich zwischen etwa 0,1 und maximal 6 Prozent des Vertrags-Gegenwertes liegt; sie wird oft auch als „Vorschusszahlung“ bezeichnet. Die Entwicklung des Marktes, also die Volatilität, entscheidet, ob eventuell nachträglich höhere oder geringere Zahlungen notwendig sind. Die besagten Sicherheitsleistungen für die Forwards-Verträge sind auf spezielle Accounts zu überweisen, die auch als Margin-Konto bezeichnet werden. Der Begriff Margin ist vielen Tradern auch aus dem Forex- und CFD-Segment bekannt.

Verluste zehren am Depot-Guthaben, können Nachschusspflicht auslösen

Auch eine andere Ähnlichkeit verbindet Futures als derivate Finanzprodukte mit Differenzkontrakten und dem Devisenhandel: In allen drei Fällen müssen Trader nicht den kompletten Gegenwert der Kontrakte, sondern lediglich einen geringen Anteil des Kontraktvolumens für die Eröffnung aufbringen. Im Fachjargon wird hierbei von einer Hebelwirkung (oft auch „Leverage“) gesprochen. Die Risiken dürfen angesichts dieses Vorzugs im Moment des in die Zukunft gerichteten Kaufs natürlich nicht unerwähnt bleiben, denn diese gibt es wie bei allen Derivat-Produkten am Finanzmarkt.

Nicht ausreichende Reserven führen zu Positions-Schließungen

So kann es im Ernstfall zum sogenannten „Margin Call“ durch den beteiligten Broker kommen, nämlich dann, wenn sich die Erwartungshaltung des Traders hinsichtlich der Kursentwicklung als nicht zutreffend erweisen sollte. In dieser Situation kann es dazu kommen, dass Händler aufgefordert werden, eine erneute Sicherheitsleistung einzuzahlen – der „Call“ ist dabei im Grunde so etwas wie eine Risikowarnung von Seiten des Brokers. Die Warnung kommt, sobald offene Positionen aufgrund der Kursveränderungen die hinterlegte Margin auf dem Handelskonto aufzubrauchen drohen. Die Positionen werden geschlossen, wenn die Händler der Aufforderung zur Ausgleichszahlung nicht rechtzeitig nachkommen.

Und schlimmer noch: Schließen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Handelsplattform nicht ausdrücklich eine Nachschusspflicht aus, kann es dazu kommen, dass Händler bei massiven Kursschwankungen und Abweichungen vom erwarteten Kursziel im Grunde Verluste jenseits der Margin hinnehmen müssen, für die sie komplett mit ihrem Kapital haften müssen. Viele Online-Broker wie auch Banken garantieren ihren Kunden mittlerweile aber den Abschluss einer Garantie gegen eine solche Nachschusspflicht beim Traden mit Forwards.

Ein Beispiel für die Hebelwirkung beim Handel mit Terminkontraktgeschäften:

Trader XY investiert in einen Anleihen-Futures mit einem Gesamt-Nennwert von 200.000 Euro. Der Broker verlangt eine Sicherheitsleistung in Höhe von 0,01 % des Volumens, also eine sogenannte Initial Margin von 200 Euro. Im positiven Falle eines Kursanstiegs um 5,00 % würden dem Händler für seine 200 Euro Eigeneinsatz zum Ende der Laufzeit 10.000 Euro ausgezahlt. Sinkt der Kurs hingegen um 3,00 %, kann der Broker bzw. die zuständige Clearingstelle die Position zum Laufzeitende nur noch zu einem Restwert von 194.000 Euro am Markt verkaufen. Somit müssten rein rechnerisch 6.000 Euro nachgezahlt werden.

Die Folge: Das Depot-Kapital ist im Handumdrehen verbraucht. Deswegen sollten Anleger sehr bewusst abwägen, welches Risiko sie eingehen möchten unter Berücksichtigung der realistischen Renditen. Diese Fakten sprechen dafür, dass Futures unterm Strich eher nichts für Anfänger sind. Zumal sollten sich auch Fortgeschrittene gut überlegen, wenn sie Werte handeln, bei denen wenigstens theoretisch Verluste über das Eigenkapital hinaus möglich sind.

Welche Kosten entstehen beim Trading an Terminbörsen?

Um eine Analyse der Rendite-Aussichten vornehmen zu können, müssen Händler in spe eine Ahnung davon haben, welche Gebühren ihnen beim Trading von Futures entstehen können. Zu nennen sind an dieser Stelle zuerst die Entgelte, die von Handelsanbietern unter dem Begriff „Cost of Carry“ geführt werden. Zusammengefasst werden damit unter anderem Verwaltungs- und Finanzierungskosten. Beim Warenhandel werden auch Entgelte für die Lagerung der Güter in Rechnung gestellt. Cost of Carry meint diesbezüglich Differenz, die übrig bleibt, wenn alle Gebühren von den Erträgen aus den Positionen abgezogen wurden. Erträge können beim Forwards-Handel neben Barzahlungen auch in Form von Dividendenleistungen verbucht werden. Eine positive Cost of Carry entsteht nach einem Anstieg des Basiswert-Preises nur bei Erlösen, die höher als die Gesamtgebühren ausfallen.

Trading in fremden Währungen oft relativ teurer

Zusätzlich können weiterhin Währungskosten entstehen, wenn Händler an ausländischen Märkten Geld in Future-Kontrakte investieren. Transaktionskosten finden im Broker-Vergleich vorrangig als Kommissionen Erwähnung. Werden Kontrakte in anderen Währungen als der eigenen gehandelt, wirken sich die aktuellen Wechselkurse ergänzend zum monatlichen Volumen der Handelsaktivitäten auf die Kosten aus: Händler kommen für die Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs auf, so wie es viele Trader vom Handel am Devisenmarkt bereits kennen. Jedoch verhält sich die Lage beim Einfluss der Größe der Kontrakte anders, als es sich Laien vielfach vorstellen. Tatsächlich sind Kontrakte mit einem größeren Volumen bei Handelsinstrumenten aus dem Futures-Bereich im Vergleich preiswerter zu handeln als kleine Positionen.

larserichsen

Mein Fazit

Bewusst machen sollten sich Trader beim Futures-Trading vor allem, dass Aktivitäten an Börsen und Handelsplätzen im Ausland andere Gebührenmodelle vorsehen können als Transaktionen, die innerhalb Deutschlands ausgeführt werden. Die Vielfalt der handelbaren Instrumente ist immens, sollte aber nicht zu unüberlegten Orders und Kontrakten führen. Günstige Investments können bei zu ungenauer Analyse der wahrscheinlichen Kursveränderungen hohe Nachforderungen zur Folge haben. Nichtsdestotrotz ist der Handel mit Futurs gerade auch für Händler ein guter Weg, die nicht über das nötige Kapital für „echte“ Aktien-Käufe verfügen oder eher in die Zukunft gewandt investieren möchten.