Optionsscheine – ein anspruchsvoller Wachstumsmarkt

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Viele Broker und Banken verlangen von ihren Neukunden, die sich für das Handeln mit Optionsscheinen interessieren, zunächst einen Nachweis ihrer bisherigen Erfahrungen, was sich durch die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland erklären lässt. Als Nachweis reicht oftmals schon die formlose Lektüre und Akzeptanz der AGB, ohne dass tatsächliche Erfahrungen nachgewiesen werden müssen.
  • Historisch betrachtet, reichen die Wurzel des Tradings mit Optionsscheinen in Deutschland bis in die späten 1960er Jahre zurück. Damals wurde die ersten Aktien-Optionen für den Handel freigegeben.

Optionsschein erleben weltweit von Anfang einen massiven Boom

Der Begriff „börsengehandelte Optionen“ begegnet Anlegern in aller Regel erst dann, wenn sie nicht nur Aktien handeln, sondern auch den Blick über den Tellerrand des normalen Aktiengeschäfts hinaus riskieren möchten. Erklärung und Definition helfen schnell bei der Erarbeitung eines guten Wissensfundaments. Optionsscheine sind an der Deutschen Börse schon seit etwa 1970 handelbar. Damals gab es im sogenannten „Amtlichen Handel“ bereits die Möglichkeit für Anleger, Geld in rund drei Dutzend Optionen auf Basis von Aktien zu handeln. Anleger von heute lassen sich von solch einer Auswahl natürlich nicht mehr wirklich beeindrucken, denn die Zahl der Optionen an den weltweiten Märkten und Handelsplätzen ist über die Jahre massiv gestiegen. Und auch das Erscheinungsbild der Optionen hat sich verändert, weshalb es vom Händler in spe in diesem Bereich der Handelsinstrumente ein gewisses Grundverständnis für die Materie verlangt.

Bankkunden, die mit Optionen handeln möchten, müssen teilweise zunächst Erfahrungen vorweisen, bevor sie für den Handel zugelassen werden. Der Grund ist das geltende deutsche Börsengesetz, das Banken zumindest bedingt die Pflicht zur Abfrage von Wissens-Nachweisen auferlegt.

Auch der Optionshandel basiert auf Kauf- und Verkaufs-Orders

Anders sieht die Situation im Bereich der sogenannten binären Optionen aus, die Broker-Kunden schon mit sehr geringem Mindesteinsatz nach der erfolgten (meist ebenso geringen) Ersteinlage über ein Handelskonto traden können. Vielfach reichen bereits Einsätze im einstelligen Eurobereich, um Trades ausführen zu lassen über die Plattformen der Anbieter. Grundlage für Optionen und Optionsscheine sind stets Basiswerte, die auch als Vermögenswerte oder „Underlyings“ genannt werden. Aktien, Indizes und Devisen sind meist Standard – teilweise stellen Broker auch Fonds, ETFs oder Rohstoffe als potentielle Handelswerte zur Verfügung. Die Funktionsweise geht über das Hoffen auf steigende Kurse wie beim Aktien-Handel hinaus. Optionsscheine erlauben auch das gezielte Wetten auf sinkende Kurse.

Die Vorgehensweise sieht je nach Typ folgendermaßen aus:

  • Call-Optionen: Anleger tippen darauf, dass die Kurse der ausgesuchten Basiswerte während der festgelegten Laufzeiten bzw. zum Verfallszeitpunkt steigen werden. Sie „kaufen“ also Optionen.
  • Put-Optionen: Wer bei einem bestimmten Basiswert mit einem Kurs-Rückgang rechnet, setzt mit diesen Optionen bewusst auf solche Szenarien. Anleger „verkaufen“ in diesem Fall.

Order-Zusätze erlauben Tradern Anpassung an die Risikobereitschaft

Wie etliche andere derivate Finanzprodukte sind Optionen Produkte mit Hebeleffekt. Dies bedeutet, dass sich die verbuchten Änderungen der Basiswert-Kurse sehr deutlich auf den Wert der Option auswirken können. Je höher die Chancen auf sehr hohe Renditen, desto erheblicher fällt auch das Risiko aus. Der schlimmstmögliche Ausgang von Optionen wäre stets der Totalverlust des erbrachten Einsatzes. Händler sollten sich bei Optionen und Optionsscheinen also nicht allein von den Gewinn-Berechnungen der Broker bei den verschiedenen Orderarten anlocken lassen. Sie müssen die Risiken zur Kenntnis nehmen, die mit dieser Art von Finanzwetten einhergehen. Der oft bemühte Terminus „hochspekulativ“ ist – trotz aller Möglichkeiten zur Einflussnahme während der Laufzeit (vorzeitiges Schließen mittels „Early Closure“-Funktion oder Laufzeitverlängerung per „Roll Over“) – absolut berechtigt. Trader sollten hier erst recht nur mit Geld wetten, das sie nicht für alltägliche Ausgaben benötigen.

Wichtige Begriff für den Optionsscheine-Handel

Die eigentlichen Optionsscheine stellen das Recht dar, den vereinbarten Basiswert zu dem zu Beginn der Laufzeit ausgehandelten Preis zu kaufen oder zu verkaufen – ohne eine Abnahmepflicht, eben weil es sich um eine Option handelt. Eine mögliche Kursdifferenz wird zum Laufzeitende als Barleistung ausbezahlt. Optionsscheine erfreuen sich als standardisierte Instrumente vor allem bei privaten Spekulanten zunehmender Beliebtheit. Um einer Verwirrung vorzubeugen: Im börslichen Umfeld wird zwischen den Termini „Optionen“ und „Optionsscheinen“ nicht zwingend differenziert. Die Begriffe „Call“ und „Put“ wurden bereits angerissen in der Optionsscheine-Erklärung. Call-Optionen bringen Anlegern das Recht zum Kauf eines Basiswerts zum Zeitpunkt X zum Ausübungspreis Y. Liegt der Verfallspreis über dem Ausübungspreis, ist die Differenz der realisierte Gewinn. Im Falle der Put-Optionen geht es entsprechend um das Verkaufsrecht: So entstehen Gewinne, wenn der Kurs zum Verfallszeitpunkt unterhalb des Ausübungspreises zu liegen kommt.

Übliche Unterscheidung zwischen Ausübungs- und Kaufpreisen

Der mehrfach erwähnte Ausdruck „Ausübungspreis“ wird auch als „Strike“ oder „Strike-Preis“ bezeichnet. Wissenswert für Anleger: Der Strike bei Optionsscheinen kann durchaus höher oder niedriger als der Basiswert-Kurs angesetzt werden. Der Optionsschein-Preis wiederum findet sich in Erklärungen oftmals als „Prämie“ wieder. Der Gewinn für Händler ergibt sich (von eventuellen Transaktionskosten oder Depotentgelten abgesehen) letzten Endes aus dem späteren Kauf- oder Verkaufspreis nach Abzug des Ausübungspreises. Verluste über den Kauf- oder Verkaufspreis der Optionsscheine hinaus sind dabei nicht möglich.

Ein wichtiges Faktum: Wer zwei Call- bzw. Put-Optionsscheine mit identischen Konditionen und lediglich verschiedenen Laufzeiten handelt, zahlt für den länger laufenden Schein mehr als für die Option mit der kürzeren Restlaufzeit. Die Ursache ist der jeweilige Zeitwert der Optionen.

Übrigens: Optionen können auch während der Laufzeit weiter gehandelt werden und müssen nicht ohne Wenn und Aber gehalten werden!

Bei der Berechnung des eigenen Gewinns hilft ein einfaches Beispiel, hier präsentiert anhand einer Call-Option: Ein Händler erwirbt eine Call-Option, als Basis dient die Aktien XY, die einen normalen Ausübungspreis von 100 Euro hat. Die Prämie für den Optionsschein liegt im Moment des Kaufs bei 10 Euro. Nun kommt es zum Anstieg des Aktienkurses auf 120 Euro. Dies entspricht rein mathematisch einem Kursanstieg um 20 Euro. Wird die Option nun zum Laufzeitende verkauft, muss zur Gewinn-Ermittlung der Kaufpreis vom Ertrag abgezogen werden, also 10 von 20 Euro. Daraus ergibt sich ein Gewinn von 10 Euro, so dass in diesem Fall 100 Prozent des Kaufpreises realisiert wurden.

Händler müssen wissen, ab wann sie sich „im Plus“ befinden

In diesem Zusammenhang muss bei der Erklärung der Optionsscheine zwangsläufig der Terminus der „Gewinnschwelle“ zur Sprache kommen. Dieser Begriff meint den Zeitpunkt, ab dem Anleger einen Erlös erreichen, der ihre Kosten vollständig aufwiegt. Kosten und Erlöse gleichen sich dann also aus. Erst wenn der Erlös höher ausfällt als die Kosten für Optionskauf oder -verkauf, bewegen sich Trader börsengehandelter Optionen in der Gewinnzone. Angegeben wird die Gewinnschwelle bei Online-Brokern für den Optionshandel in Prozent, sie wird oft auch als „Agio“ oder „Aufgeld“ bezeichnet. Dabei müssen Anleger diese Informationen dahingehend zu lesen wissen, dass die Handelsplattformen zum Teil mit unterschiedlichen Bezugsverhältnissen arbeiten. Es muss also bekannt sein, welchen Gegenwert die Optionen bei den bevorzugten Basiswerten haben.

Im oben genannten Beispiel – mit einem Preis von 10 Euro für den Optionsschein und einem Aktienpreis von 100 Euro – läge das Verhältnis für den Optionsschein-Bezug bei 10:1, denn erst der Erwerb von zehn Optionen der Einheit entspräche dem Gesamtwert des Basiswertes. Bei Put-Optionen muss sich der aktuelle Preis im Moment des Auslaufens der Laufzeit natürlich nicht (wie bei Call-Optionen) über, sondern unterhalb des Ausübungspreises einfinden.

Auch hierzu ein Beispiel mit den genannten Fakten:
Der Ausübungspreis einer Aktie liegt bei 100 Euro, die Scheine für die Call-Option zum Basiswert kosten 10 Euro. Der Kurs sinkt dann zum Verfallszeitpunkt auf 80 Euro, so dass Händler 10 Euro bzw. 100 % ihres Einsatzes gewonnen haben, da die Option im Geld endet.

Zeitwert von Optionsscheinen sinkt mit der Restlaufzeit

Zwei weitere wichtige Begriffe sind der „Zeitwert“ und der „innere Wert“. Um den Zeitwert ermitteln zu können, müssen Interessenten zunächst den inneren Wert kennen. Beide Werten zusammen ergeben erst den Gesamtwert eines Optionsscheins. Die Differenz zwischen dem derzeitigen Basispreis und dem Ausübungspreis für Underlyings nennt man im Fachjargon den inneren Wert. Sofern Optionsscheine aus dem Geld enden, liegt der innere Wert nach dieser Definition bei Null. Der Zeitwert wird letztlich sehr einfach berechnet, indem der innere Wert vom aktuellen Wert der Option subtrahiert wird. Die Folge: Mit abnehmender Restlaufzeit sinkt der Zeitwert der Optionsscheine Schritt für Schritt und andauernd. Hier greift einmal mehr die Erklärung, dass identische Scheine unterschiedlicher Laufzeiten niemals denselben Zeitwert haben können.

Wie finde ich als Händler geeignete Optionsscheine am Markt?

Optionsrechner finden sich an vielen Stellen des Internets. Zu beachten ist aus Sicht der Anleger, dass diese Angebote in Finanzportalen unabhängig ausgerichtet sein müssen. Ihre individuellen Interessen und nicht zuletzt ihre finanziellen Möglichkeiten müssen den Ausschlag bei der Auswahl der Optionsscheine geben – nicht die Werbeeinnahmen der Portal-Betreiber, die möglicherweise über Kooperationen mit Partnern aus der Finanzbranche (oft beispielsweise Brokern) Umsätze in Form von Provisionen generieren. Die Rechner sollten zudem kostenlos sein und vielfältige Einstellungsmöglichkeiten bieten, damit die persönlich passenden Parameter bei der Suche nach börsengehandelten Optionen eingestellt werden können. Je nachdem, welcher Risikoklasse Nutzer angehören, gibt es vielerorts bereits vorinstallierte Einstellungen für die Suche nach Call-Modellen und Put-Optionen.

Einzelne Kriterien bzw. Kennzahlen für Optionsscheine können sein:

  • Der Name des Optionsschein-Herausgebers (zumeist treten Banken als „Emittenten“ auf)
  • Die Brief- und Geldkurse („Bid“ als Kauf- und „Ask“ als Verkaufspreis → Stets sind Kaufpreise höher angesiedelt als die Verkaufspreise)
  • Die sogenannte Wertpapierkennnummer (WKN) → Jeder Optionsschein kann anhand dieser Nummer gesucht und identifiziert werden.
  • Der „Spread“ als Differenz zwischen dem jeweiligen Kauf- und Verkaufspreis → Ermittlung im Standard-Fall nach einem 1:1 Bezugsverhältnis, so dass der Spread vom Basiswert-Preis auf den Optionsschein-Kurs umgerechnet wird.

Gebührenabrechnung auch hier fix oder variabel

Alles in allem spielen gerade die Transaktionskosten eine zentrale Rolle bei der Berechnung der Gewinne und Verluste. Nicht nur bei der Vermeidung eines Totalverlusts, sondern schon allein, um eine Vorstellung von der erzielbaren Rendite und den möglichen Verlusten zu erhalten. Darüber hinaus müssen auch Händler von Optionsscheinen ihre Gewinne als Kapitaleinkünfte zum Teil über die Abgeltungssteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer) des jährlichen Gewinns an den Fiskus abführen. Kosten entstehen im Einzelfall auch für die Verwaltung des Aktiendepots, denn über ein solches werden Optionsscheine gehandelt. Die Gebühren beim Trading können je nach Umgebung wahlweise als Fixum pro Order oder auf das Positionsvolumen kalkuliert berechnet werden. Gehandelt wird mittlerweile an speziellen Optionsbörsen ebenso wie an den schon genannten Terminbörsen.

Wo kann ich Optionsscheine eigentlich genau traden?

Reine Optionsbörsen sind vielfach eher regionale Plattformen für den Handel. Das Wachstum des Marktes hat auch die Informationsbeschaffung für potentielle Händler vereinfacht und zudem die Handelskosten über die Jahre sinken lassen. Ein Grund mehr dafür, dass sich zunehmend private Anleger für diese Art der Spekulationsgeschäfte interessieren. Neben den börsengehandelten Optionen, die – nomen est omen – an Börsen gelistet werden, bietet der Markt viele verschiedene Optionen, die von einzelnen Banken oder anderen Finanzdienstleistern ausgegeben bzw. abgewickelt werden. Hierbei handelt es sich in vielen Fällen um sogenannte „Dealer Options“ oder OTC-Optionen – in beiden Fällen fehlt es im Regelfall an der sonst üblichen Standardisierung.

Der Vorteil der Produkte ist in der Individualisierung zu sehen, und zwar im Hinblick auf die Ziele und die Investitionsspielräume der involvierten Vertragspartner. Dafür jedoch fehlt es unter Umständen bei solchen Put-Optionen oder dem Gegenstück der Call-Optionen an einer Marktregulierung, da sie vorbei am normalen Markt gehandelt werden. Dennoch können auch diese Optionsscheine je nach Risikobereitschaft und Kapital lukrativ für Trader sein.

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Mein Fazit

Schon beim Gebührenthema trennt sich für Händler vielfach die Spreu vom Weizen. Denn nicht jeder Trader ist darauf aus, Entgelte auf Basis der tatsächlichen Gewinne abzuführen. Fixe Entgelte können hierbei in besonderer Weise der Kostensicherheit dienen. Entscheidend sind generell die Kurse der gehandelten Basiswerte, für die sich Anleger in diesem Bereich der derivaten Finanzprodukte entscheiden. Der Handel im Ausland kann wie in vielen anderen Fällen kostspieliger sein als in Deutschland, dafür locken aber fern der Heimat oft höhere Gewinne, wenn Kunden eines Options-Brokers das Risiko einzugehen bereit sind.

Autor: RP