Welche Tradingstile gibt es?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Es gibt viele verschiedene Tradingstile, durch deren Einsatz Händler auf die eine oder andere Weise ihre Ziele verfolgen und erreichen können → mancher Stil arbeitet nach Handelsfrequenz und Haltedauer, bei anderen Ansätzen vertrauen Händler auf Parameter nach Handelsstrategie und Marktsituation; der dritte Weg sind Tradingstile auf Entscheidungsgrundlage, die ebenfalls situationsabhängig rentabel sein können.
  • Trader sollten ihre Tradingstil bewusst an ihr Budget, ihre Risikobereitschaft sowie die Zeithorizonte anpassen, auf die sie ihre Aktivitäten begrenzen müssen. Hobby-Anleger etwa agieren innerhalb kleinerer Kapitalreserven und Zeitrahmen als echte Profis.
  • Viele Ereignisse und Marktumgebungen können dafür sprechen, den bisherigen Tradingstil zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren, falls Ziele kurzfristig oder dauerhaft unerreicht blieben.

Nur Strategien und passende Tradingstile führen dauerhaft ans Ziel

Im Grunde können Händler gar nicht früh genug begreifen, dass es beim Handel am Finanzmarkt über einen Online-Broker letztlich nicht einfach nur darum geht, einzelne Handelsinstrumente wie Aktien, Futures, Optionen, Differenzkontrakte oder Devisen herauszupicken, von denen sich Trader im jeweiligen Moment die bestmöglichen Ergebnisse erhoffen. Vielmehr braucht es im idealen Falle eine frühzeitige Einsicht, dass es verschiedene Tradingstile gibt. Diese Stile wiederum richten sich nach unterschiedlichen Kriterien und Interessen der Händler, sollten aber nicht ohne Blick auf die aktuellen Marktsituationen definiert und betrachtet werden.

Im ersten Schritt ist eine Kategorisierung in einfache Modelle durchaus sinnvoll. So schwanken Trader an den Märkten oft zwischen diesen drei Varianten:

  1. dem Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer
  2. dem Trading nach Handelsstrategie und Marktsituation
  3. Ansätze nach Entscheidungsgrundlage

Doch wie so oft geht es natürlich nicht allein darum, sich für eine dieser drei Rubriken zu entscheiden, um professionell orientiert mit Devisenpaaren, Wertpapieren oder Basiswerten aus anderen Sparten des Marktes zu handeln. Selbstverständlich können alle drei Bereiche nochmals in unterschiedliche Unterkategorien gegliedert werden. Um genau diese Tradingstile wird es in den folgenden Abschnitten unter objektiven Gesichtspunkten gehen.

Bereich 1: Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer

  • Der Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass Trader in diesem Fall bewusst Ziele für Zeitrahmen und die Zahl ihrer Positionen abstecken, die sie beim Handel leisten können oder wollen.
  • Für langfristig ausgerichtetes Trading (Langfriststrategien) benötigen Händler entsprechende Ausdauer, die gerade Einsteigern oft fehlt.
  • Daytrading und Scalping verlangen in besonderer Weise Fingerspitzengefühl von Händlern, da sie oft binnen weniger Minuten Entscheidungen treffen müssen, die durchaus folgenschwer sein können.

Verschiedene Ansätze beim Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer

Wie der Rubrik-Name vermuten lässt, basieren die Tradingstile dieser Rubrik in erster Linie auf zeitlichen Kriterien und der Zahl der Positionen, die ein Trader wahrscheinlich über die Handelsplattform eines Online-Brokers ausführen wird. Warum muss in diesem Kontext unter anderem gefragt werden, in welchem zeitlichen Rahmen wie viele Orders ausgeführt werden? In einem Zeitfenster von nur 24 Stunden sind einige Dutzend Trades durchaus eine beachtliche Menge, auf einen Zeitraum von einer Woche oder noch größere Zeitfenster gerechnet kann bei einem solchen Vorgehen hingegen eher nicht von einem Vieltrader gesprochen werden – auch wenn die Übergänge zwischen Hobby-Aktivitäten, semiprofessionellem und professionellem Trading durchaus fließend sein können, gerade wenn Anleger schrittweise ihren Erfahrungshorizont erweitern möchten und ganz allmählich die Zahl ihrer Positionen steigern.

Ganzheitliche Tradingsysteme sprechen alle Händlertypen an

Schon aus den anderen Bereichen mit Trading-Modellen vonseiten der Broker kennen Händler eine wichtige Basisaussage, die sich beim Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer auf ganzer Linie bestätigt: Kunden von Brokern können im Grunde sehr individuell entscheiden, welcher Tradingstil ihnen und ihren Ansprüchen sowie zugleich ihren finanziellen Chancen am ehesten gerecht wird. Nicht alle Broker sprechen dieselben Zielgruppen an, sondern manche konzentrieren sich zum Teil eher auf bestimmte Kundenwünsche – gerade Scalping-Freunde kommen nicht überall auf ihre Kosten.

Wählen können Anleger beim Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer zwischen folgenden Stilen, die in der Regel zumindest in Grundzügen bei nahezu allen Anbietern genutzt werden können:

  1. Positionstrading
  2. Long-Duration-Trading
  3. Swingtrading
  4. Daytrading
  5. Scalping
  6. High-Frequency Trading

Kombinationen verschiedener Stile als Mittel zum Gewinn

Mancher Ansatz richtet sich vorrangig an Händler, die mit großen Summen jonglieren können, während andere Handelskonzepte in erster Linie durchaus auch Kunden ansprechen, die eher genau haushalten müssen, da sie nur wenig Kapital am Devisenmarkt oder auch generell Handelsplätzen und Märkten investieren können. Der Wechsel zwischen den Tradingstilen führt nicht selten besonders gut ans Ziel, zumal die Grenzen teilweise ohnehin als fließend bezeichnet werden können, was am Beispiel des High-Frequency Tradings und des Daytradings oder Scalpings deutlich wird: Händler, die sehr viele Positionen im Hochfrequenzhandel eröffnen und wieder schließen, tun dies oft innerhalb einzelner Handelstage. Andersherum sind viele Daytrader eher darauf konzentriert, statt weniger großer Orders viele kleine Orders („Scalping“) abzuwickeln. Die Schnittmengen sind je nach Ansatz nur allzu offensichtlich.

Die nächsten Seiten stellen in der nötigen Ausführlichkeit klar, welche Risiken beim Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer in den verschiedenen Varianten existieren und welche Punkte beachtet werden sollten, damit Positionen wie prognostiziert „im Geld“ enden.

Positionstrading – einer der bekanntesten Tradingstile

  • Position Trader gehen nicht ständig neue akute Risiken ein; eher setzen sie auf langfristige Erfolge mit wenigen Trades.
  • Positionstrading ist als Long-Duration-Trading im Grunde das Gegenstück zum Kurzfrist-Handel, wie man ihn vom Daytrading und ähnlichen Tradingstilen kennt.
  • Geduld und Weitsicht sind zwei der wichtigsten Eigenschaften, die Anhänger des Stils Positionstrading mitbringen sollten, um gewinnbringend vorgehen und hoffnungsvolle Entscheidungen treffen zu können.

Dass das sogenannte „Position Trading“ (in einer Alternativschreibweise auch „Positionstrading“) von vielen Experten entsprechend der internationalen Ausrichtung des Finanzmarktes als „Long-Duration-Trading“ tituliert wird, hat einen denkbar guten Grund. Denn hier geht es nicht darum, mal eben zwischendurch binnen weniger Minuten Orders für einen Kauf aufzugeben und Positionen schon kurze Zeit später zu schließen, wie es zum Beispiel im Sektor „Daytrading“ (eine entsprechende Thema-Erklärung folgt an anderer Stelle) üblich ist. Positionstrading hat sich die Bezeichnung als Langfriststrategie redlich verdient. Denn genau darum gut es bei diesem Tradingstil: Händler treffen langfristige Entscheidungen. Dies verlangt vom Trader ein gesundes Verständnis davon, wie Trends funktionieren und an welchen Handelssignalen (Indikatoren) man Trends überhaupt erkennt.

Welche Art von Trends müssen beim Positionstrading beobachtet werden?

Dabei geht es nicht um kurze, akute Trends, sondern um übergeordnete Trends, die vor allem, aber nicht nur beim CFD-Trading teilweise erstaunliche Ergebnisse in greifbare Nähe rücken können. Positionstrading erweist sich aber in den allermeisten Fällen sowohl auf kurzfristige wie auch auf mittelfristige Sicht eher nicht als lukrativ. Statt für einige Minuten, Stunden, Tage oder maximal wenige Wochen werden Transaktionen in diesem Bereich weitgehend auf Zeiträume von Wochen bis hin zu einem Jahr ausgelegt. Haltefristen von 12 Monaten sind bei der Mehrheit der Broker Standard, Abweichungen darüber hinaus haben eher Seltenheitswert als möglicher Anlagehorizont.

Infrage kommen beim Long-Duration-Trading:

  1. Long-Positionen (also der Ankauf von Handelswerten)
  2. Shortselling (das Verkaufen von Basiswerten)

Kauf- und Verkaufsorders können sich lohnen bei diesem Tradingstil

Position Trader können dieser Grundaussage folgend eben nicht nur auf den langfristigen Anstieg eines Basiswert-Kurses spekulieren, sondern bei sinkenden Kursen ebenso gut Shortselling-Orders eingehen. Unter idealen Bedingungen wissen Trader dieses Tradingstils nicht nur mit der charttechnischen Analyse, sondern in gleicher Weise mit der sogenannten Fundamentalanalyse umzugehen. Beide Analyse-Modelle ergänzen sich in vielen Marktumgebungen perfekt und erlauben auf der einen Seite die Bewertung historischer Kursentwicklungen wie die Beantwortung der Frage, welche Auswirkungen aktuelle Marktnachrichten aus Politik und Wirtschaft auf die gehandelten Instrumente haben. Positionstrading kann natürlich nicht allein am Aktienmarkt ans Ziel, also zum Erfolg führen. Andere mögliche Basiswerte sind:

  • Devisen
  • Rohstoffe
  • Zinsprodukte
  • Anleihen
  • Indizes
  • Fonds-Angebote

Position Trader halten Orders oft über Monate

Viele Finanzprodukte sind mehr oder weniger gut als Basis für Position Trader geeignet, allerdings gibt es hinsichtlich der Eignung bei genauer Betrachtung doch wenigstens geringfügige Unterschiede. Aktien sind schon deshalb von Interesse, weil Kursgewinne in diesem Segment des Marktes ohnehin mehrheitlich eher auf lange Sicht realisiert werden. Dies nicht nur aus steuerlichen Gründen, sondern schlicht deshalb, weil es Aktionäre generell gewohnt sind, einzelne Wertpapiere über längere Zeiträume zu halten. Nicht ohne Grund ist die Strategie „Kaufen und Halten“ oder auf gut Englisch: „Buy and Hold“ bei Aktionären weltweit bekannt und aktiv in Gebrauch. Dementsprechend ist das Position Trading nichts, was Anleger mit Engagement am Aktienmarkt strategisch in irgendeiner Weise überfordern könnte. Verwendung finden dabei vor allem die schon angesprochenen Kennziffern zur Fundamentalanalyse, mit denen sich Händler vor dem Einstieg beschäftigen sollten.

Wenige Trades – am besten auf lange Sicht mit großer Wirkung

CFD-Positionen auf Aktien und andere Handelswerte bieten sich für Händler an, wenn sie nicht die nötigen Mittel für Direktinvestments mitbringen, wie sie der tatsächliche Aktienkauf von ihnen verlangt aufgrund der Kurse am Markt. Differenzkontrakte (CFDs) erlauben beim Long-Duration-Trading das Eröffnen von Short- oder Long-Positionen in analoger Form zum Geschäft am Finanzmarkt, der den Positionen zugrunde liegt. Das allerdings mit einem wesentlich geringeren Einsatz, wobei generell eine gewisse Sicherheitsleistung (Margin) auf dem Handelskonto hinterlegt werden muss. Die Handelskosten beim Position Trading über einen CFD-Broker fallen gering aus, weil aufgrund der langen Haltezeiten meist nur eine geringe Menge von Trades ausgeführt wird. Auf der anderen Seite können die langfristig angelegten Positionen gerade beim CFD-Handel über Wochen oder sogar Monate mit zusätzlichen Finanzierungskosten einhergehen.

Geringe Flexibilität durch kluge Entscheidungen abfedern

Und damit sind nicht allein fremdfinanzierte Positionen mit Hebeleffekt gemeint, bei denen Entgelte in Form von Zinskosten für den Übernachthandel anfallen können. Ein Knackpunkt des Positionstrading ist darin zu sehen, dass die langfristige Haltedauer zulasten der Flexibilität der Händler geht. Auch liegt es in der Natur der Sache, dass Trader dabei eine mehr oder minder große Geduld aufbringen müssen, bis sie Gewinne verbuchen können. Abermals liegt der Grund dafür in der geringen Frequenz des Tradings. Die genannten Aspekte zeigen, weshalb Position Trader letzlich nach dem Schließen der Trades möglichst hohe Gewinne verbuchen sollten – immerhin müssen sie die bis zum Schlusszeitpunkt entstandenen Gebühren abdecken, so dass am Ende noch ein Plus auf dem Konto verbleibt. Freilich strebt jeder Händler möglichst hohe Renditen beim Handelskonzept seiner Wahl an.

Order-Zusätze erweisen sich gerade hier als lohnend

Ein lohnendes Extra beim Position Trading im CFD-Bereich sind „Trailing Stops“. Genau genommen handelt es sich bei diesen um „normale“ Stop-Loss-Orders, wobei die Stop-Marken in diesem besonderen Fall jeweils Schritt für Schritt in die erwartete Kursrichtung angepasst werden. Auf diese Weise reduzieren Trader entweder ihr Risiko oder sie ersparen sich Gewinnbegrenzungen. Ein idealer Ansatz ist das hier vorgestellte Position Trading für jene Händler, die nicht die nötige Zeit aufbringen können oder wollen, die Daytrading als kurzfristiger Handelsansatz von ihnen verlangt. Auch Broker-Kunden, die nur ab und zu traden möchten, sind bei diesem Tradingstil aus der Rubrik Handel nach Handelsfrequenz und Haltedauer bestens aufgehoben.

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Mein Fazit

Händler, die sich selbst eher als ungeduldig bezeichnen würden, verzichten in der Regel eher auf das Positionstrading als Tradingstil nach Handelsfrequenz und Haltedauer. Denn in diesem besonderen Fall kann es Monate oder länger dauern, bis erste Gewinne realisiert werden. Spekulationen am Aktienmarkt sind genau genommen ein typisches Beispiel dafür, wie Position Trader arbeiten. Hier ziehen im Kontext von Dividendenausschüttungen zum Teil sogar Jahre ins Land, bis Händler die Gewinnzone erstmals erreichen. Gerade kombiniert mit Daytrading und anderen kurzfristig gestalteten Stilen kann das Positionstrading aber auch im Leben ambitionierter Forex- und CFD-Trader zu erstaunlich guten Ergebnissen führen. Es gilt, die richtigen Momente zu erkennen, um zwischen den Tradingstilen wechseln zu können.

Autor: RP