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Hochfrequenzhandel

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Trader, denen der Hochfrequenzhandel als der ideale Weg zum Erfolg erscheint, müssen anfangs erkennen, dass eine manuelle Ausführung von Orders aufgrund der enormen Zahl von Positionen im Sekundentakt schlicht nicht möglich ist.
  • Automatische Trading-Systeme sind obligatorisch. In der Regel sind es vor allem institutionelle und professionelle Händler, die im Bereich des High-Frequency Tradings aktiv sind.
  • Die Regulierungsbehörden sind seit Ausbruch der letzten großen Finanzkrise bemüht, deutlich genauer hinzusehen und strengere Auflagen für den Hochfrequenzhandel anzusetzen, um zu verhindern, dass dieser Ansatz wiederholt vergleichbar gravierende Auswirkungen auf die Märkte haben kann wie in der Vergangenheit.

Aufsichtsbehörden interessieren sich seit der Krise für das HFT

hochfrequenzhandelDer sogenannte Hochfrequenzhandel tauchte im größeren Umfang erst vor wenigen Jahren (Experten sprechen von 2009) in den Medien auf und galt bis dahin vorrangig als Handelsansatz, der eher professionellen Händlern vorbehalten war. Damals gab es Forderungen aus der US-Politik, den Hochfrequenzhandel grundsätzlich zu verbieten – nicht zuletzt wegen der Möglichkeiten für Trader, auf diesem Wege massiven Einfluss auf die aktuellen Kurse zu nehmen, wie der US-Senator Charles Schumann gegenüber der zuständigen amerikanischen Börsenaufsicht SEC kritisierte, der entsprechende Maßnahmen von der Behörde forderte. Insbesondere große Bankenhäuser waren und sind in diesem Spektrum tätig, wenngleich in den USA mittlerweile weitaus strengere Bestimmungen als früher gelten.

Auslöser der Kritik waren die Entwicklungen nach einer fehlerhaften Software-basierten Handelsausführung des Unternehmens Knight Capital, die binnen nicht einmal einer Stunde einen Verlust von weit mehr als 400 Millionen US-Dollar nach sich zog. Spätestens in diesem Moment war der Aufsicht klar, dass Anpassungen des vorherigen Systems nötig würden.

Bessere Möglichkeiten zur Einflussnahme auf Kosten „normaler“ Trader“?

Den Beinamen „Blitzhandel“ oder „Flash-Trading“ verdankt der Ansatz seinen sehr kurzen automatischen Orderausführungen. Die Marktteilnehmer in diesem Marktbereich profitieren durch die Aktivität an verschiedenen Märkten davon, dass sie schneller als normale Händler vorgehen. So ergibt sich die Gelegenheit zum Weiterverkauf von Positionen an andere Trader, wobei kleine Aufschläge auf den Kurs berechnet werden. Zur Freigabe des Flash-Tradings in den USA kam es erst 2004. Die rechtliche Situation innerhalb der USA ist hinsichtlich des Hochfrequenzhandels nach wie vor nicht vollends geregelt. Die Bedenken der HFT-Gegner zielen vor allem darauf ab, dass nicht allen Marktteilnehmern gleiche Rechte zukommen. Hochfrequenzhändler erreichen schließlich Gewinne, die zulasten anderer Händler gehen. Für das Modell spricht wiederum der Anstieg der Liquidität sowie die positive Beeinflussung der Handelsspannen, also ein Absinken der berechneten Spreads beim Handel.

Auch der deutsche Gesetzgeber hat sich mit dem Thema befasst

Auch der deutsche Bundestag hat inzwischen regulatorische Maßnahmen verabschiedet, um den Hochfrequenzhandel zu begrenzen und seine Auswirkungen einzuschränken. Ein wichtiges Ziel der gesetzgeberischen Intervention ist vor allem darin zu sehen, dass das High-Frequency Trading an Tempo einbüßt, sodass nicht mehr derart gravierende Entwicklungen wie im Beispiel auftreten können. Gerade aber in den USA bleibt der Hochfrequenzhandel ein heißes Eisen, mit dem sich die US-Behörden nach eigenen Aussagen eingehend befassen – spätestens seit dem Frühjahr 2014. Hierzulande beschloss der Bundesrat Anfang 2013 das „Gesetz zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel“. Hintergrund des noch jungen Gesetzes ist die erwähnte Eingrenzung der Missbrauchsrisiken. Auch das europäische Regelwerk „MiFid II“ soll vergleichbare Vorgaben beinhalten.

Doch was genau steckt hinter dem englischen Begriff „High-Frequency Trading“?

Gemeinhin versteht man unter dem Hochfrequenzhandel, der neben HFT (dem englischsprachigen Ursprung entsprechend) auch als HFH tituliert wird, folgendes: Aktivitäten am Wertpapiermarkt, bei denen Händler ihre Positionen nur über extrem kurze Zeiträume (Haltefristen) eröffnen und schließen. Der Handel erfolgt Computer-basiert, da die manuelle Ausführung mit vergleichbarer Geschwindigkeit schlicht und ergreifend nicht möglich wäre. Die Gewinne in diesem Bereich des Aktienhandels fallen in der Regel sehr hoch aus. Daraus resultiert logischerweise, dass auch die potentiellen Verluste beim High-Frequency Trading hoch sind. Einen gewissen Spielraum zur Einflussnahme haben Händler natürlich dennoch, zumal sie zwangsläufig die Parameter für den Handel definieren. Für normale Trader ist das HFT im Normalfall eher keine Alternative, weil die Ausführung den Einsatz von sehr leistungsstarken und schnellen Rechnern verlangt – über solche Geräte verfügen zumeist eher Profi-Trader und Investmentunternehmen. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie so oft.

Extrem schnelle und effektive Version des Automatik-Handels

Dafür erlauben die Systeme die Orderausführung im zeitlichen Rahmen von Mikrosekunden, also deutlich rascher als bei den sonst gebräuchlichen Handelsplattformen von Online-Brokern, die mit ihren Angeboten auch Durchschnitts-Anleger ansprechen. Händler legen eigenständig oder nach Auswahl einer zur Verfügung gestellten Palette von Indikatoren Algorithmen fest, die zur Grundlage der programmierten Orders werden. Die Algorithmen nehmen dann je nach Einstellung bereits kleinste Veränderungen der Märkte und einzelner Kurse wahr und reagieren auf Basis der zugrunde liegenden Parameter mit passenden Trades. Weitgehend ausgeschlossen ist in diesem Bereich des Brokerage-Geschäfts das sogenannte Overnight-Trading, also das Halten von Positionen von einem zum anderen Handelstag. Genau genommen ist der Hochfrequenzhandel „nur“ eine besonders schnelle Variante des automatisierten Tradings.

Die Funktionsweise des Handels mit Höchstgeschwindigkeit:

Orders werden normalerweise nicht an Einzel-Handelsplätzen abgewickelt. Stattdessen werden die gewünschten Mengen eines Basiswertes vielfach an zwei oder mehr Börsen gekauft (Long-Positionen) bzw. verkauft (Short-Positionen). Das Prinzip basiert ausdrücklich auf der Annahme, dass Orders im Wertpapier-Bereich eben nicht an einer einzigen Börse zustande kommen müssen. Das System steht und fällt also in weiten Teilen mit dem Aspekt der Interaktion verschiedener Börsen. Dies gelingt wie folgt: Ein Broker entschließt sich, einen Handels-Auftrag zu erteilen. Statt die Aufträge wie beim Trading über einen normalen Broker im FX- oder CFD-Bereich ausführen zu lassen, werden sie an mehrere unterschiedliche Börsen übermittelt –Teilausführungen der Börsen ergeben gemeinsam unterm Strich den Gesamt-Auftrag.

Wichtig ist für Nutzer des Hochfrequenzhandels, dass sie einen Echtzeit-Zugang zu Börsen erhalten. Kommt es nämlich zu zeitlichen Differenzen bei der Order-Übermittlung, kann dies sonst zu abweichenden Kursen an den diversen Börsen führen – der Begriff der „Latenz“ ist hierbei ein wichtiges Stichwort. Gleiches gilt für die Anzeige der Marktdaten, die beim High-Frequency Trading ebenfalls garantiert sein müssen, um erfolgreich vorgehen zu können. Exakt durch diese Kursunterschiede zwischen den nahegelegenen Börsenplätzen und Standorten, die weiter entfernt vom Hochgeschwindigkeitshändler sind, können im Zuge der Teilaufträge Gewinne realisiert werden.

Insbesondere in den USA ist der Hochfrequenzhandel beliebt

Es geht faktisch darum, bewusst darauf zu spekulieren, dass zu einsehbaren Teilorders andere Teilaufträge für einen Kauf oder Verkauf des ausgewählten Handelswertes an einem Markt gehören. Zum Teil können Händler bei ausreichend schnellen Zugängen rascher an einer zweiten Börse agieren als an der ersten, die Hochgeschwindigkeitshändler gezielt über die Differenzen Rendite erreichen können. Pro Transaktion werden oft eher geringe Gewinne verbucht, insgesamt aber ergeben sich aus vielen Positionen (hier existiert eine Ähnlichkeit zum bereits vorgestellten Konzept namens „Scalping“) durchaus höhere Gesamtgewinne. Schon im Jahr 2010, heißt es in Medienberichten, soll in den USA mehr als jede zweite Aktien-Transaktion im Bereich des Hochfrequenzhandels abgewickelt worden sein, mit steigender Tendenz. Die Kritik von Gegnern zielt in erster Linie darauf ab, dass die Arbeit an den verschiedenen Börsen im Grunde lediglich die Vortäuschung einer hohen Liquidität der betreffenden Märkte darstelle.

Kritiker warnen vor allem vor der Manipulationsgefahr

Die tatsächlichen Verhältnisse im Bereich von Angebot und Nachfrage bei Aktien oder Anleihen aber entsprechen diesem künstlichen System-Niveau nicht. Dies ist die Folge der schnellen Rückabwicklungen anderer Börsen-Orders, wenn einer der Aufträge bei der ersten involvierten Börse angekommen und wenigstens teilweise ausgeführt wurde. Das Problem des High-Frequency Tradings sehen Kritiker weitgehend darin, dass der massive Einfluss der Hochgeschwindigkeitshändler enorme Auswirkungen auf das Geschehen an den Börsen weltweit hat und auf diese Weise Manipulationen Tür und Tor öffnen kann. Das deutsche Wertpapierhandelsgesetz nennt den Hochfrequenzhandel (mit Kauf- oder Verkaufs-Orders) einen Einsatz von Finanzinstrumenten (national wie international) unter Zuhilfenahme „algorithmischer Trading-Techniken“ bzw. sogenannter „multilateraler Systeme für den Handel“.

Grundvoraussetzung für die Existenz des Hochfrequenzhandels ist unter anderem die Verwendung infrastruktureller Systeme, die zu einer Verkürzung der sonst üblichen Latenzzeiten führen. Auch spielen neben den eigentlichen Aufträgen zahlreiche Stornierungen und „Quotes“ eine zentrale Rolle.

  1. Zeitpunkt der Order-Aufgabe
  2. Preis des jeweiligen Handelswertes
  3. die Menge des Handelsgutes

Eine ganze Reihe verschiedener Strategien stehen Händlern für den Hochfrequenzhandel allgemein zur Verfügung. Vier dieser Strategien sind:

  • Der Ansatz „Market Making“: hier geht es um das ständige Stellen von Kursen → sowohl der Geld- als auch der Briefkurse am Markt
  • Die Arbitrage-Strategie: Händler lassen die Differenzen von Kursen an unterschiedlichen Märkten für sich arbeiten → Voraussetzung sind Märkte, die das Arbeiten ohne Kurstaxen erlauben
  • Das sogenannte „Spread Trading“: Händler setzen auf Futures mit unterschiedlichen Laufzeiten, wobei die Ineffizienzen der Preise ausgenutzt werden
  • Das „Quote Stuffing“ → durch eine Vielzahl von Orders versuchen Hochfrequenzhändler, verzögerte Findungen des Preisniveaus an den Börsen auszulösen (an deutschen Börsen darf dieser Ansatz wegen der aktuellen regulatorischen Rechtslage nicht offeriert werden)

Rechtlich definierter Spielraum für High-Frequency-Handel?

Die Aufsichtsbehörden widmen sich vor allem der Regulierung von Händlern, die institutionell im High-Frequency Trading tätig sind. Einschränkungen gibt es im Hinblick auf verschiedene Varianten des Hochfrequenzhandels nicht: Der Gesetzgeber bezieht sich auf alle Bereiche dieses Marktsegments. Unternehmen, die in diesem Sektor des Finanzmarktes aktiv sind, müssen – ungeachtet dessen, ob sie auf eigene Rechnung oder im Interesse von Kunden spekulieren – einige Bedingungen erfüllen. Vor allem braucht es verlässliche und gut funktionierende Handelssysteme. Darüber hinaus müssen sich Betreiber Orders betreffend in einem klaren wirtschaftlichen Rahmen mit Höchst- und Mindestgrößen bewegen. Auch allgemein müssen die unternehmerischen Kapazitäten stimmen, um eine Zulassung zu erhalten. Regelmäßige Systemprüfungen und -wartungen sind weiterhin obligatorisch.

So wird vermieden, dass systematische Dysfunktionen unkontrollierbare Auswirkungen auf die Marktpreise oder die Märkte insgesamt haben können. Externe Kontrollen der Handelssysteme fürs High-Frequency Trading dienen der objektiven Sicherstellung, dass vorschriftsgemäß gehandelt wird.

larserichsen

Mein Fazit

Schon die technischen Anforderungen im Rahmen automatisierter Order-Planungen verdeutlichen, dass der Hochfrequenzhandel eher nichts für den ganz normalen Händler ist. Vielmehr finden sich in diesem Bereich institutionelle Investoren oder Großspekulanten ein. Ganz gleich, ob die Kritik an der möglichen akuten Beeinflussung der Märkte durch diesen Tradingstil nun berechtigt ist: Zutreffend ist, dass das High-Frequency Trading für Aktive, die es sich leisten können, eindrucksvolle Chancen bieten kann. Zugleich können umfangreiche Aktivitäten vieler Hochfrequenz-Trader an der Börse tatsächlich zumindest zeitweilig ein anderes Verhältnis von Angebot und Nachfrage vorgaukeln, als dies auf den zweiten Blick faktisch korrekt ist.