Prozyklisches Trading (in Trendrichtung) – reines Aufspringen auf Trends?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Prozyklisches Trading in Richtung eines erkennbaren Trends ist im Grunde nichts anderes als der meistgenutzte Tradingstil nach Handelsstrategie und Marktsituation. Hier geht es darum, im richtigen Moment mit dem Strom zu schwimmen und Gewinne mitzunehmen.
  • Wann Trends dauerhaft Bestand haben oder eine baldige Umkehr zu erwarten ist, fällt Anfängern trotz der eigentlich recht einfachen Vorgehensweise mitunter schwer zu erkennen.
  • Je früher Händler einen Trend ausfindig machen, desto länger fällt die Zeitspanne aus, innerhalb der sie Gewinne auf dem Handelskonto verbuchen können.

Festhalten an Trends führt in vielen Fällen zum Gewinn

Nimmt man es ganz genau bei dem nach objektiv guten Kriterien organisierten Handel an den Finanzmärkten, gilt vor allem eine Regel: Ohne einen Tradingplan sind alle Erfolge eine Frage des Glücks und von mehr oder weniger zufällig richtig getroffenen Entscheidungen. Dauerhafte Gewinne sind weitgehend nur dann möglich, wenn sich Händler darauf verstehen, die verschiedenen Marktphasen richtig zu lesen. Dabei kann prozyklisches Trading ebenso gewinnbringend sein wie antizyklisches Handeln. Beide Varianten können in einem abwechslungsreichen Trading-Plan eine Rolle spielen und Aufschluss darüber geben, wann sich ein Markteinstieg wirklich lohnt und wann es ratsam ist, offene Positionen zu schließen. In beiden Fällen setzen Anleger einen Tradingstil nach Handelsstrategie und Marktsituation als Parameter für ihre Marktaktivitäten an.

Prozyklisches Trading (also in Trendrichtung) schauen wir uns an dieser Stelle zuerst an, bevor es im weiteren Verlauf ebenso eingehend um antizyklisches Trading gehen wird.

Frühestmöglicher Einstieg in den Trend bringt Rendite

Vereinfacht und plakativ ließe sich sagen, dass prozyklisches Trading nicht viel mehr ist als ein Investitionsverhalten, bei dem Händler konform mit Trends an Märkten spekulieren und dabei auf die gleichen Muster vertrauen, die auch die Mehrheit der Marktteilnehmer als richtig deutet. Anders formuliert heißt dies: Trader kaufen, wenn die Kurse am Markt steigen, während Verkäufe im Umfeld sinkender Kurse am Aktienmarkt oder in anderen Nischen des Finanzmarktes vorgenommen werden. Dieser Definition entsprechend sind umgekehrt Verkäufe bei steigenden Kursen bzw. Käufe bei sinkenden Kursen nichts anderes als das Vorgehen auf Basis antizyklischer Anlagestrategien. Ganz so einfach lässt sich die Erklärung für pro- und antizyklisches Trading aber wie so oft nicht herunterbrechen.

Saisonale Trends in Marktnischen erkennen und ausnutzen

Gerade in Branchen, die saisonalen Schwankungen unterliegen, kann prozyklisches Trading zum Erfolg führen. Gute Beispiele für solche Sparten des Finanzmarktes sind die Baubranchen, deren Vertreter weitgehend im Frühjahr und Sommer eine deutlich steigende Nachfrage verbuchen. Die Pharmaindustrie hingegen erweist sich oftmals eher in der kalten Jahreszeit als rentabler Sektor, denn im Winter sind die Menschen nun einmal anfälliger für Krankheiten, was den Unternehmen der Branche steigende Umsätze beschert. Andere Branchen wie der IT-Sektor bleiben von solchen saisonalen Abweichungen eher verschont, wobei hier gerade die Weihnachtszeit durch Konsumgüter durchaus mehr Geld in die Unternehmenskassen bringt.

Aktionäre verdienen ihr Geld ausschließlich durch steigende Kurse

Insbesondere das frühzeitige Erkennen von Trends ist Grundbedingung für sehr hohe Gewinne, wobei dies gerade bei Direktinvestments wie am Aktienmarkt gilt. Denn hier verdienen Händler nicht über Wetten auf die Kursveränderungen Geld, sondern dadurch, dass sie aktiv einzelne Werte kaufen und durch einen späteren Verkauf nach einem Kursanstieg Gewinne mitnehmen. Bei derivaten Finanzprodukten wie Differenzkontrakten (CFDs) oder Forex-Instrumenten erweisen sich hingegen auch Abwärtstrends als rentabler Ansatz, wenn diese Trends rechtzeitig ausfindig gemacht werden. Der frühe Einstieg wie auch Ausstieg zeichnet den erfahrenen Händler aus, während Einsteiger oft erst spät partizipieren oder gar das Nachsehen haben: Sie müssen im Ernstfall Lehrgeld zahlen, wenn sie zu spät auf den akuten Trend reagieren.

Technische Analyse und Charts erlauben Trend-Aussagen

Die besten Erfolge können Trader erreichen, wenn sie sich beim prozyklischen Handeln auf die Charttechnik verlassen, da diese Vorgehensweise nicht allein auf dem Zufall und dem persönlichen Glück bei Aktivitäten am Finanzmarkt beruht. Der Vorteil bei diesem Tradingstil besteht darin, dass es in aller Regel weitgehend realistischer ist, dass sich Trend fortsetzen werden, als dass es zu einer Umkehr oder einem Einbruch des Aufwärts- oder Abwärtstrends kommen wird. Als bedingter Nachteil ist beim Handel zu werten, dass Händler in diesem besonderen Fall nicht beim höchsten oder niedrigsten Kurspunkt im Chart einsteigen werden, denn diese Kurse werden im Normalfall bereits vergangen sein. Hier steigen – beim prozyklischen Trading – die Trader im Umfeld eines Widerstands oder einer Unterstützung ein. Der „worst case“ sieht so aus, dass der Einstieg sogar erst dann erfolgt, wenn der Kurs seinen ungünstigsten Stand erreicht hat, also zum Zeitpunkt seiner Drehung.

Nicht jeder Ausbruch eines Kurses wird von Dauer sein

Gewinne werden indes erreicht, wenn der Kurs (mit oder ohne Momentum-Einfluss) durchbricht und sich diese Entwicklung in die eingeschlagene Richtung fortsetzt. Erst beim Durchbruch der Widerstands- bzw. Unterstützungslinie im Chart kommt es zur Auslösung der geplanten Trades. Beim automatischen Handel bleibt das Auslösen aus, wenn es am Widerstand oder schon zu einem früheren Punkt zur Kursdrehung kommen sollte. Die Charttechnik vereinfacht den Handel insofern, als dass Nutzer der Analyse-Tools eine oft sehr genaue Prognose zum erwartbaren Verlauf eines beobachteten Kurses abgeben können, um daraus passende Handelsentscheidungen abzuleiten. Schaut man sich die Funktionsweise des prozyklischen Tradings an, wird deutlich, dass es hier nicht um massive Durchbrüche der Widerstands- und/oder Unterstützungsmarken geht (auf- oder abwärts im Chart). Es reicht vollkommen aus, wenn die Linien im Chart leicht über- oder unterschritten werden. Hier wird vielfach auch von einem sogenannten „Fehlausbruch“ gesprochen.

Unterstützungen & Widerstände – beides kann analytisch wichtig sein

Die besten und vor allem sichersten Ergebnisse erreichen Anwender des Tradingstils mehrheitlich in Phasen, in denen sich infolge eines zeitlich knappen Rücksetzers im Charttest hinsichtlich bestehender Unterstützungen und Widerstände Reaktionen des Kurses auf deren Linien erkennen lassen. Ein Stop-Order-Auftrag kommt zustande, wenn nach der Reaktionssituation ein Durchbruch auftritt. Die Order wird entsprechend wie folgt installiert:

  1. oberhalb des Widerstands-Kurses, aber
  2. unterhalb des Unterstützungs-Kurses

Order-Extras nicht als statische Größen verstehen – Anpassungen oft nötig

Die Installation des Stop-Loss wiederum wird am Markt aktiv, sobald die eigentliche Einstiegs-Order eingegeben wird. Dieser Stop-Loss-Wert wird relativ eng gesetzt – eben weil von einer recht deutlichen Reaktionen ausgegangen wird. Der Kurs des Stop-Loss kann also zum Beispiel knapp über der im Chart verdeutlichten Kerze für den Durchbruch oder ähnlich knapp darunter gesetzt werden. Ein gescheiterter Ausbruch besteht, falls der Kurs in der Folge über die „Durchbruchs“-Kerze steigt. Die Einstiegs-Regeln sind somit recht klar formuliert, was sowohl für den Stop-Loss als auch den Einstieg an sich gilt. Anders verhält sich die Lage im Zusammenhang mit der Ermittlung eines Ausstiegsmoments. Ziele können durchaus festgelegt werden. Um eine Gewinnabsicherung zu erreichen, braucht es in vielen Marktumgebungen jedoch nachträgliche Stop-Loss-Anpassungen (durch Nachziehen) oder die Händler müssen sich schrittweise um einen teilweisen Ausstieg aus Positionen bemühen, was nicht zuletzt auch mit höheren Transaktionsgebühren verbunden sein kann bei vielen Anbietern aus dem Broker-Vergleich.

Dennoch gilt:

Ausstiegs-Szenarien machen ihrerseits eine Anwendung charttechnischer Merkmale empfehlenswert. Bei der Parallelentwicklung einer Position in Gewinn-Entwicklung zum Widerstand oder zur Unterstützung raten Experten Tradern vielfach dazu, einen Teilausstieg auszuführen. Dieselbe Empfehlung bezieht sich im gleichen Maße auf Ereignisse im Umfeld eines „Momentum-Schubs“, bei dem Widerstände bzw. Unterstützungen überwunden werden.

Wann sollte ich prozyklisch in den Markt einsteigen?

Es hat einen guten Grund, weshalb Analysten bei der Suche nach dem passenden Einstiegsmoment zu bedenken geben, dass es sich bei der Analyse durchaus um fachliches Geschick handelt. Beim prozyklischen Trading findet gerade die Redewendung „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ oft und gerne Anwendung. Zauberei mag die Einstiegs-Entscheidung nicht sein, aus dem Bauch heraus sind Erfolge aber eher unwahrscheinlich, gerade, wenn Trader Wert auf Beständigkeit legen und sich auf sicherem Terrain bewegen möchten. Prozyklisches Handeln widerspricht im Grunde der vielerorts gängigen Meinung, dass der Einstiegszeitpunkt beim börslichen Handel keine allzu große Bedeutung hat. Bei diesem Tradingstil nach Handelsstrategie und Marktsituation mag diese Einschätzung bedingt richtig klingen, sie ist aber prinzipiell nur Teil der Wahrheit.

Es lassen sich folgende wichtige Punkte für den Erfolg zusammenfassen:

  • Auswahl des bestmöglichen Zeitpunkts für den Einstieg in Positionen
  • Begrenzung von Verlusten & Gewinnabsicherung
  • bedarfsgerechtes Risiko- und Money-Management

Besser abwarten, wenn Kurse zeitweise nach unten gehen

Zugleich müssen Positionen – die Haltezeit und die Größe betreffend – gut behandelt werden, damit sie möglichst auf lange Sicht den Widrigkeiten des Marktes sprichwörtlich gewachsen sind. Wann möchte ich Positionen eingehen? Diese Frage, also die des richtigen Timings, ist mindestens ebenso wichtig wie die Überlegungen zum späteren Positionsmanagement, etwa mit Anpassungen der Stop-Losses. Im idealen Fall können Trader relativ zeitnah nach dem Einstieg bereits in die Gewinnzone steuern. Nicht erfolgversprechend ist in diesem Kontext, wenn Händler im ersten Schritt Positionen eingehen, die nach der Eröffnung zunächst eine gegenläufige Entwicklung aufweisen werden. Denn es gilt natürlich: Je länger Anleger auf das Eintreffen der erwarteten Entwicklung warten müssen, desto länger lassen Gewinne auf sich warten. Gehe ich von einer solchen Entwicklung aus, was spricht dagegen, direkt erst dann einzusteigen, wenn die gewünschte Richtung eingeschlagen wird?

Anderweitig agieren, bis tatsächliche Trends erkennbar werden

Bis es so weit ist, können anderweitige Orders vorgenommen werden. Wünschenswert bzw. dringend nötig ist darüber hinaus, dass Händler beim prozyklischen Trading den Zeitpunkt für den Einstieg so auswählen, dass die anschließende Kursbewegung auf dem Handelskonto zu einem Gewinn führt, der wahrscheinlich höher ausfällt, als das Risiko bis zum nächstmöglichen Zeitpunkt für einen Ausstieg bewertet wird. Indikatoren und Analyse-Extras wie die sogenannten „Elliott Waves“ erleichtern die Chartanalyse im Hinblick auf prozyklisches Trading. Die Signale, die Händler für einen Einstieg bevorzugen, können später zu einer automatischen Ausführung genutzt werden, sofern Broker dem Automatik-Handel gute Möglichkeiten bieten, wenn mit einem aktuellen Trend gehandelt werden soll. Gerade für Einsteiger ist es unterm Strich meist einfacher, zunächst Erfahrungen zu sammeln, indem sie auf einen laufenden Trend aufspringen und darauf verzichten, nach Wendepunkten am Markt zu suchen.

Zumal: Trends sind in der Regel recht einfach ausfindig zu machen. Später wird nach dem Motto agiert: „Entstehende Gewinne laufen lassen und parallel dazu Verluste zum eigenen Wohl begrenzen“ Viele Broker nehmen Kunden über ihre Handelssysteme sogar einen Großteil der Arbeit ab, da sie auf ihren Plattformen das automatische Generieren von Einstiegszeitpunkten auf Basis der installierten Handelssignale zulassen. Das senkt den zeitlichen Aufwand bei ausreichend guter Vorbereitung erheblich.

larserichsen

Mein Fazit

Prozyklisch – hier geht es vor allem um das Setzen auf Trends. Diese Trends können in guten Phasen den ganzen Markt erreichen, in anderen Momenten beziehen sich Trends eher auf einzelne Sparten der Handelsplätze. Im Grunde geht es immer wieder darum, möglichst früh auf einen Trend aufmerksam zu werden und diesen für die eigenen Trading-Zwecke zu nutzen. Hierzu sind Händler zum einen auf ein gutes Gespür für die Märkte angewiesen, zum anderen aber braucht es einen professionellen Umgang mit Marktnachrichten und Analyse-Instrumenten. Nutzbare Trends gibt es im eigentlichen Sinne immer. Sie wollen lediglich gefunden werden.

Autor: RP