Automatisiertes Trading – reines Vertrauen in den Computer?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Händler, die sich Sorgen machen, ob sie in hektischen Phasen beim manuellen Trading zu jeder Zeit den Überblick behalten können, haben die Chance, sich durch automatisiertes Trading das Leben leichter zu machen. Ungeplante Erfolge aber werden auch bei automatischer Ausführung eher Seltenheitswert haben.
  • Nur durch eine exakte Definition der Trading-Ziele können Handelssysteme ihren optimalen Nutzen erfüllen → eine gute Auswahl vorinstallierter Indikatoren und Chart-Tools ist eine gute Ausgangsposition für den Handel ohne eigene Einflussnahme.
  • Trader können nicht nur vollautomatisch arbeiten, auch halbautomatische Systeme sind eine Alternative, um sich zumindest einen Teil des Aufwands abnehmen zu lassen von einer professionellen Software.

Vor allem Profi-Trader wissen automatisiertes Trading zu schätzen

Automatisiertes TradingDie manuelle Order-Ausführung ist selbstredend so etwas wie der Klassiker beim Handel mit derivaten Finanzprodukten. Trader sind hierbei direkt auf der Handelsplattform ihrer Online-Broker angemeldet, um so Chancen wie auch Gefahren zu analysieren und von Hand Positionen eröffnen, korrigieren oder schließen zu können. Das Dilemma aus Sicht vieler Händler: Sie sind eher nebenberuflich an den Finanzmärkten und Handelsplätzen engagiert und spekulieren dort mit Kapital, das sie im Hauptberuf verdienen. Die Folge sind zeitliche Probleme, denn nicht jeder Anleger bekommt vom Arbeitgeber die Erlaubnis, mal eben vom Büro aus zu traden und so zeitnahe Gewinne zu erreichen. Eine mögliche Alternative ist das Mobile Trading, das viele Broker ihren Kunden mittlerweile zur Verfügung stellen.

Doch auch dabei besteht ein Risiko, wenn während der Arbeitszeit gehandelt wird. Zumal es eine sichere, verlässliche und stabile mobile Internetverbindung braucht für derlei Aktivitäten. Automatisiertes Trading über ein digitales Handelssystem ist deshalb für viele Trader die bessere und dementsprechend oft erste Wahl.

Zwei zentrale Komponenten gibt es, die für automatisiertes Trading sprechen:

  1. der Faktor Zeit
  2. die nicht-emotionale Ebene

Gefühlsbasierte Fehlentscheidungen entfallen

Händler reagieren beim Spekulieren mit Aktien und derivaten Instrumenten wie Optionen oder CFDs zum eigenen Leidwesen leider nicht so frei von Gefühlen, wie dies unter rein technischen Gesichtspunkten eigentlich zu empfehlen wäre. Gerade nach schmerzlichen Verlusten nehmen sich Trader nicht immer die Zeit, die es vielleicht bräuchte, um den bisherigen Tradingstil nach Entscheidungsgrundlage und Risikobereitschaft eingehend zu hinterfragen und gegebenenfalls an einigen Stellen zu korrigieren und optimieren. Nach einem höheren Verlust geht mancher Spekulant beim manuellen (auch „diskretionäres“) Trading ein unnötig hohes Risiko ein, um das Minus auf dem Handelskonto direkt wieder auszugleichen – mit der Folge, dass mitunter gleich die nächsten Verluste hinzunehmen sind. Automatisiertes Trading per Computer und unter Zuhilfenahme von Handelssystemen trennt das Wetten auf die Kursveränderungen von der emotionalen Ebene. Denn den Systemen ist es selbstverständlich gleich, ob Positionen am Ende im Geld oder aus dem Geld enden.

Welche Grundlagen halte ich als Trader für passend?

In der gleichen Weise gilt: Systeme laufen nicht Gefahr abzuwarten, bis möglicherweise nach einem zeitweisen Minus doch noch ein Plus entsteht. Hoffnung ist da ein Fremdwort: Trades werden nach Entscheidungsgrundlage geschlossen, sobald die eingerichteten Rahmenbedingungen wie ein Kurslimit einer Stop-Loss- oder Take-Profit-Order erfüllt sind. Der Computer ärgert sich auch nicht über Misserfolge. Stoisch gelassen bleibt das Handelssystem den installierten Indikatoren treu, bis der Nutzer eine Anpassung vornimmt. Der „Faktor Mensch“ entfällt also weitgehend, wenn sich Brokerkunden für automatisiertes Trading entscheiden. Das jeweils genutzte Handelssystem beruft sich als Software auf dem Computer generell auf die Parameter, die der User vorab als gewünschte Kriterien ausgewählt hat. So kommt es zur automatischen Weiterleitung von Orders für An- und Verkäufe an die Börsenplätze, an denen die betreffenden Handelswerte getradet werden.

Viele Einzelpunkte müssen Händlern bekannt sein

Die zeitliche Komponente ist, wie gesagt, deshalb wichtig, weil es beim manuellen Trading oft schwierig ist, zeitnah auf veränderte Bedingungen am Markt reagieren zu können. Die Arbeitsweise auf Basis von Algorithmen gelingt weitaus schneller als eine individuelle Auswertung aller zentralen Aspekte der Marktlage. Müssten Trader allein Punkte wie das Marktvolumen, das Timing, den eigentlichen Preis und andere Aspekte analysieren, würde dies bei kurzen Trading-Intervallen mehrheitlich bedeuten, dass Chancen verpasst werden. Automatisiertes Handeln per Computer zeichnet sich durch sehr kurze Reaktionszeiten aus, die vor allem bei den Tradingstilen Daytrading und Scalping von allergrößter Bedeutung sind.

Selbst gesteckte Ziele nicht nur vollautomatisch erreichen

Zugleich aber müssen Händler verstehen, dass das automatische Trading zwar Computer-basiert vonstatten geht. Der Rechner selbst aber kann natürlich nur solche Entscheidungen treffen, für die er zuvor programmiert wurde. Der Computer benötigt also jemanden, der ihm sozusagen die Aspekte einflüstert, die dann nachfolgend im Zuge der Ausführung zur Basis der Trades werden. In der Regel werden die verantwortlich zeichnenden Handelssysteme im Fachjargon als „Expert Advisor“ (kurz: EA) bezeichnet. In diesem Bereich wiederum kann und muss zwischen zwei verschiedenen Systemvarianten differenziert werden:

  • vollautomatischen Systemen
  • halbautomatischen Modellen

Ausführung von Orders muss unmittelbar gelingen

Diese beiden Ansätze sind die einzig gängigen Alternativen zum vollständig manuellen Trading-Verfahren, bei dem Händler vom ersten bis zum letzten Schritt alle Entscheidungen „von Hand“ treffen. Das Handelssystem als solches fußt in seinen Ausführungsprozess auf dem Know-how von erfahrenen Tradern, deren Wissen Grundlage der Programmierung war. Zahllose Indikatoren und Kursverlaufs-Szenarien werden in der Regel installiert, bevor die Systeme in den Handel starten können. Dieses Handeln wiederum schafft automatisiertes Trading weitgehend in Echtzeit, wobei es zu gewissen Zeitabweichungen kommen kann, da die Ausführung der Orders an den Märkten durch die involvierten Broker mitunter etwas verzögert erfolgen kann. Diese minimalen Unterschiede können unter Umständen durchaus über Sieg und Niederlage entscheiden. Zunehmend aber erfolgen Ausführungen im Millisekunden-Takt, wie dies vielen Nutzern zum Beispiel von der Trading-Software MetaTrader 4 oder dem Nachfolger-Modell MetaTrader 5 bekannt ist.

Organisiertes Vorgehen ist und bleibt zwingend erforderlich

Die Orders werden automatisch ausgeführt, sobald die vorgegebenen Parameter die Ausführung erforderlich machen. Dies bedeutet aber auch: Erst wenn Nutzer der Handelssysteme eine Korrektur des bisherigen Ansatzes vornehmen, können andere Indikatoren zur Basis des Computer-basierten Tradings werden. Vollkommen tatenlos schauen Händlern also keineswegs zu, wenn die Systeme in ihrem Sinne agieren. Vor allem aber erfolgt der Handel schneller als beim manuellen Agieren – zudem entfällt die Gefahr zu emotionaler Entscheidungen, wie sie etwa nach größeren Verlusten auftreten können. Wichtig ist stets, dass Nutzer und Handelsplattformen bestmöglich zueinander passen. Anfänger nutzen am besten in der ersten Zeit eine Software, die sich eher durch eine simple Trading-Oberfläche auszeichnet. Schritt für Schritt gelingt so eine strukturierte und verständliche Einarbeitung in die Materie. Die Tatsache, dass manche Programme vom Online-Broker kostenlos zur Verfügung gestellt und andere kostenpflichtig offeriert werden, ermöglicht an sich noch keine Qualitätsaussage.

Gebührenfreie vs. kostenpflichtige Expert Advisors

Diesbezüglich kann wohl eher der Blick auf die genaue Ausstattung der Systeme für automatisiertes Trading die Gewissheit bringen, ob die nötige Kompatibilität zwischen Tradern und Programmen gegeben ist. Extra-Funktionen können im Einzelfall den Ausschlag für die Auswahl der Software geben. Eine technische Verlässlichkeit und ein adäquater Kundenservice für die Nutzer sollten ebenso gewährleistet werden, denn Probleme können nie gänzlich ausgeschlossen werden. Dies bedeutet auch, dass der Support idealerweise nicht nur per E-Mail oder Chat, sondern ebenso per Hotline erreichbar ist, insbesondere falls Verbindungsprobleme auftreten. Möglichst viele Indikatoren und Chart-Tools sind elementar für Trader, die sich einer professionellen Analyse widmen möchten. Zunehmend ist automatisiertes Trading zudem durch den Einsatz von Mobile Apps auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets praktikabel. Einmal mehr sei hierbei der MetaTrader in seinen verschiedenen Varianten erwähnt, der von vielen Brokern für den Devisen- und CFD-Handel standardmäßig als Software fürs Trading vorgesehen ist – wie erwähnt im Regelfall gebührenfrei.

Expert Advisors von externen Quellen hingegen können mit Kosten verbunden sein. Rechnen können sich die programmierten Handelssysteme dann dennoch, wenn die späteren Umsätze stimmen. Eigenständige Programmierungen in der Programmiersprache MQL erlauben Händlern die manuelle Erstellung eigener Parameter, die wiederum über verschiedene Plattformen im Web durchaus anderen Tradern bereitgestellt werden können.

Präzise Datenverarbeitung in kürzester Zeit

Der genutzte Expert Advisor analysiert den Markt ständig, was in einer Regelmäßigkeit und Geschwindigkeit erfolgt, wie es menschliche Trader nicht zu leisten in der Lage wären. Die schnelle Ausführung des automatisierten Handels ist ebenso eindeutig ein Vorzug der Handelssysteme wie die Verlässlichkeit der Computer-Programme. Das manuelle Platzieren von Orders kann allgemein selbst bei schnellstmöglicher Umsetzung bei diesem Tradingstil nach Entscheidungsgrundlage nicht in Sekundenbruchteilen erfolgen, wie es Erfahrungen zeigen. Darüber hinaus sei in diesem Fall darauf hingewiesen, dass der Computer natürlich als reine Rechenmaschine weitaus mehr Informationen parallel verarbeiten kann als das menschliche Gehirn. Der Mensch verliert selbst bei langjähriger Ausbildung ab einem gewissen Informationsvolumen fast zwangsläufig den Überblick.

Computer-Systeme funktionieren rund um die Uhr

Expert Advisors sind in der Lage, rund um die Märkte und an sieben Tagen pro Woche – genauer gesagt: unter Berücksichtigung der abweichenden Öffnungszeiten der internationalen Märkte und der Handelszeiten der Börsen – zu bewerten, wie sich Kurse entwickeln. Schlaf benötigt der Handelscomputer nun einmal nicht, auch müde wird ein solches Handelssystem generell nicht, wenn es vom Händler für automatisiertes Trading genutzt wird. Die Trader selbst sind dank der Systeme also jederzeit „up to date“. Auch entstehen im eigentlichen Sinne im Zuge der Order-Eingabe und möglicher Änderungen der Parameter oder Löschungen von Positionen keine Zeitverzögerungen durch die Systeme – hier sei nochmals auf die Ausführungszeiten der Broker verwiesen, die mit einem gewissen Verzug verbunden sein können. Das besagte emotionslose Handeln ist für Anfänger möglicherweise eher hinderlich. Bei genauer Analyse aber ist genau dies in vielen Fällen vorteilhaft. Denn faktisch birgt der Mensch an sich als emotionales Wesen stets ein gewisses Hindernis beim Trading.

Optionale Kombination manueller und automatischer Trades

Nichtsdestotrotz gilt: Da der Händler selbst die Parameter für die Aktivitäten zugrunde legen muss, kann die menschliche bzw. manuelle Risiko-Komponente allgemein nicht außen vor bleiben. Jede Trading-Software arbeitet nur so gut, wie es ihr Nutzer jeweils durch die Festlegung der Rahmenbedingungen zulässt. Nichtsdestotrotz ist automatisiertes Trading insofern von Vorteil, dass Händler auf diesem Wege vermeiden, Kurzschlussreaktionen in Kauf nehmen zu müssen. Diese nämlich sind immer ein Risiko, wenn beim Spekulieren überraschende Ereignisse auftauchen, angesichts derer Trader plötzlich das Bedürfnis haben, schon laufende Positionen früher als geplant zu schließen oder neue Orders über ihren Online-Broker in Auftrag zu geben. Nicht immer sind derlei Entscheidungen aus dem Bauch heraus im Zusammenhang mit der charttechnischen Analyse nachweislich erfolgversprechend.

Zumal spricht an sich nichts dagegen, neben automatisch organisierten Positionen zusätzlich manuelle Orders in Angriff zu nehmen. Oft liegt die Würze sogar exakt in der Kombination aus dem sogenannten diskretionären und dem automatisierten Handel mit Devisen, Aktien, Differenzkontrakten und anderen Finanzinstrumenten.

Tradern obliegt die Verantwortung wie beim manuellen Handel

Allen Orders, die automatisch geplant wurden, liegen letztlich menschliche Planungen zugrunde. So hat der Mensch gleichsam entschieden, unter welchen Bedingungen die Handelssysteme Orders einschalten oder Positionen schließen. Halbautomatisches Trading kann somit als Handel definiert werden, bei dem Spekulanten sowohl automatische Orders ablaufen lassen als auch eigenständig aufgrund aktueller Entwicklungen der Kurse manuell Trades über die Handelsplattform ihres Brokers abwickeln. Die endgültige Ausführungsgewalt liegt auch weiterhin beim Nutzer des Handelssystems. So können die verwendeten Programme nach Belieben modifiziert oder ein- und ausgeschaltet werden, falls sich die Marktlage gegenläufig oder auch bedingt anders entwickeln sollte. Auf diese Eigenschaft sollten Trader unbedingt achten bei der Handelssystem-Auswahl. Diese besagte Verantwortung aber birgt auch Risiken, weil menschliche Händler oft zum Opfer ihrer Emotionen zu werden drohen. Es gilt also abzuwägen, ob die Kriterien des automatisierten Handels wirklich überarbeitet werden sollten.

Was erlaubt automatisiertes Trading per Computer?

Der zentrale Vorzug ist zunächst darin sehen, dass Computer-Systeme vollkommen ohne den Einfluss von Emotionen arbeiten. Dies aber heißt, dass akute Reaktionen generell ausgeschlossen werden können. Dem Computer ist es egal, ob wichtige Ereignisse aus der Politik oder Wirtschaft zu veränderten Bedingungen an den Märkten führen, solange die Händler keine Anpassung der Merkmale vornehmen. Dafür aber spielt es keine Rolle, ob Händler beim automatisierten Trading manuell aus mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen andere Entscheidungen treffen würden. Das System vertraut einzig und allein auf die Logik und Handelssignale als Kriterien fürs Trading. So ist für die Berechnungen für Orders über die Handelsplattformen unerheblich, ob Händler bei bestimmten Werten ein schlechtes Gefühl haben – Intuition ist absolut irrelevant. Zwar denkt die Software, aber nur rein technisch und ohne jedes Empfinden.

Das allerdings auch unmittelbar und jeden zeitlichen Vorlauf. Faktoren wie Gier, Gefühl oder Angst bleiben unberücksichtigt. So oder so obliegt es dem Handelssystem-User, wie streng beim Risiko- und Money-Management vorzugehen ist. Denn die Programme wissen auch nicht, ob Geld eingesetzt wird, dass eventuell zeitnah für andere Zwecke gebraucht wird. Wann ein Ausstieg nach Verlusten und Gewinnen beim automatisieren Trading ratsam ist, kann deshalb nur jeder Trader für sich definieren.

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Mein Fazit

Automatisches Trading durch die Nutzung von Handelssystemen wie Expert Advisors und Orderzusätzen mit Limits und Stops hat, wie auch das diskretionäre Trading, Vor- und Nachteile. So ist beispielsweise zu sagen, dass die Ausführung von Orders durch einen Software-Händler nicht von der Pflicht zur sorgfältigen Arbeit und Vorbereitung entbindet. Kurzum gilt, dass die Programme nur so gut sein können, wie es das Know-how der Nutzer überhaupt zulässt. Es gibt keine Alternative zum regelmäßigen Hinterfragen der zugrunde gelegten Parameter, um eine sinnvolle Reaktion auf Veränderungen des Finanzmarktes oder einzelner Handelswerte zu ermöglichen. Kosten Handelssysteme Geld, müssen die Ausgaben in einem lohnenden Verhältnis zu den technischen Vorzügen und realistischen Renditen stehen. Frisst das Handelssystem den Löwenanteil des Gewinns auf, erweist sich dies für automatisiertes Handeln eher nicht als empfehlenswert.

Autor: RP