Fundamentales Trading

 

Zurückliegende Kursentwicklungen sind weitgehend irrelevant

Fundamentales TradingMit dem Begriff „fundamentales Trading“ sollte sich ausnahmslos jeder Trader schon ganz zu Beginn der Karriere vertraut machen. Neben dem technischen Trading ist dieser Bereich im Grunde das zweite zentrale Standbein, dessen Funktionsweise und Hintergrund zwingend bekannt sein muss. Hat man als Händler einen der beiden Ansätze nicht verstanden, fehlt es im Grunde genommen an der Basis, ohne die jede Transaktion nicht viel mehr als reines Handeln aus dem Bauch heraus, aber ohne analytischen Arbeitsansatz sein wird. Anders als bei der technischen Analyse benötigen Spekulanten für fundamentales Trading weitgehend keine historischen Daten, die in Charts mittels Markttechnik auf den Prüfstand gestellt und bewertet werden – wenngleich auch in diesem Bereich in vielen Fällen eine gesunde Mischform beider Varianten tatsächlich am ehesten den gewünschten Erfolg nach sich ziehen wird.

Wer auf den fundamentalen Ansatz setzen möchte, muss sich im ersten Schritt wie immer die Fragen stellen: Welche Daten und Fakten spielen für mich eine Rolle? Und was tue ich mit den zur Verfügung stehenden Daten eigentlich, bevor ich endgültige Entscheidungen an der Börse oder an außerbörslichen Handelsplätzen treffen kann?

Kurze Investments und mittelfristige Transaktionen

Oft findet sich in Ratgebern der Hinweis darauf, dass die fundamentale Trading-Strategie ein zweiter interessanter strategischer Weg für den Devisenhandel sein kann, neben dem sogenannten Scalping, das bereits an anderer Stelle genauer präsentiert wird. Empfehlungen gehen dahin, dass fundamentales Trading bestens für jene Händlertypen geeignet ist, die nicht langfristig arbeiten möchten, sondern stattdessen gedenken eher im kurz- bis mittelfristigen Bereich zu investieren. Aktionäre können in diesem Zusammenhang in gewisser Weise eine Ausnahmestellung einnehmen. Der einfache Grund: Sie spekulieren in der Regel auf langfristige Kursgewinne, kommen aber dennoch fast nie ganz aus ohne fundamentale Daten zu den für ihre Zwecke infrage kommenden Werten der Börse aus, gleich ob sie angemessene Orders über die Handelsplattformen ihrer Online-Broker manuell eröffnen möchten oder automatisiertes Handeln bevorzugen.

Chancen erkennen und gezielt Positionen eröffnen

Insgesamt aber können Anleger in allen Segmenten des Finanzmarktes wenigstens phasenweise auf fundamentales Trading über relevante Kennzahlen setzen. Diese Strategie erweist sich sowohl beim Ankauf (Call-Positionen) wie auch bei Verkäufen (Put-Optionen) als dienliches Konzept, wenn Händler damit umzugehen verstehen. Die üblichen Handelszeiten bei dieser Strategie liegen im Bereich von Minuten, Stunden oder bis zu Wochen. Längere Analyse-Zeiträume sind eher die besagte Ausnahme und führen im unter Umständen Ernstfall sogar zu wenig aussagekräftigen oder falschen Ergebnissen und somit zu Verlusten.

Ökonomische Daten stehen im Zentrum der Strategie

Um positive oder negative Trend am Markt, in einzelnen Marktbereichen oder gar bei einzelnen (auch derivaten) Finanzprodukten ausfindig machen zu können, benötigen Händler möglichst viele ökonomische Daten, die als Kennzahlen natürlich einen möglichst großen Informationsgehalt beinhalten sollen. Dies heißt im Klartext: Die Daten sollten mehr als die sprichwörtliche „heiße Luft“ sein. Fragwürdige Quellen sollten dabei zugunsten seriöser Informationen ausgeschlossen werden, um das fundamentale Trading mit Erfolg betreiben zu können. Das insbesondere im eigenen Interesse, denn Trader schaden sich aus logischen Gründen vor allem selbst, wenn sie fehlerhafte Kennzahlen und Fakten zur Grundlage ihrer Analyse der aktuellen Situation am Markt machen. Idealerweise stammen Informationen also aus ernstzunehmenden fachspezifischen Quellen, bei denen Experten für die Publikation verantwortlich zeichnen. Vielfach stellen FX-Broker wie auch Plattform-Anbieter aus anderen Marktbereichen auf ihren Webseiten schon mehr oder weniger umfangreiche Marktnachrichten zusammen, um ihren Kunden sozusagen fundamental-analytisch auf die Sprünge zu helfen.

Händler müssen die Daten zu deuten wissen

Dies aber bedeutet keineswegs, dass die Verantwortung am Ende nicht dennoch beim Händler selbst liegt. Eine Gewähr für die 100-prozentige Korrektheit der übertragenen ökonomischen Daten übernehmen Broker normalerweise nicht, sondern verweisen gebetsmühlenartig auf die Eigenverantwortlichkeit der Trader sowie den Datenbezug von Drittanbietern. Die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen verlangt vom Anleger die schon erwähnte Beschäftigung mit der Fundamentalstrategie, bevor erste größere Investitionen vorgenommen werden können. Der ideale Ansatz ist stets der Weg über ein Demokonto, das viele Broker ihren Nutzern immerhin für eine bestimmte Zeitspanne mit einem gewissen Guthaben nach der Eröffnung eines Handelskontos gewähren (teils auch ohne erste Mindesteinlage).

Diese Kennzahlen können für Fundamental-Trader eine Rolle spielen

Ökonomische Daten lassen sich in der Bewertung letzten Endes recht einfach in zwei wichtige Kategorien einordnen, wobei schnell offensichtlich wird, dass es zwischen diese beiden Bereichen immer wieder Überschneidungen und wechselseitige Beeinflussungen geben kann:

  1. Nachrichten aus der politischen Landschaft
  2. Meldungen aus der nationalen oder internationalen Wirtschaft

Genau genommen gehören alle wirklich wichtigen Kennzahlen in mindestens eine dieser Rubriken, schaut man sich den Inhalt der Nachrichten zielbewusst an. Die Frage für Händler ist stets und unter allen Umständen die folgende:

Welche Aussage über die zukünftige Entwicklung erlaubt die Information für den beobachteten Handelswert oder auch einen kompletten Markt?

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht jedes Ereignis vergleichbar große Auswirkungen auf verschiedene Werte haben oder gar einen kompletten Markt in Turbulenzen stürzen wird.

Diese ökonomischen Daten sind an den Märkten von Bedeutung:

  • Unternehmensbilanzen (insbesondere bei Unternehmensaktien – und -anleihen)
  • Bekanntmachungen zu neu entwickelten Produkten
  • saisonale Branchen- oder Marktentwicklungen
  • Handelsbilanzen
  • Anlagezinsen
  • das jeweilige Bruttosozialprodukt oder Bruttoinlandsprodukt
  • die aktuelle Arbeitslosenquote
  • Zinsentscheidungen der nationalen oder internationalen Notenbanken
  • Publikationen zu neuen Subventions-Programmen von staatlicher Seite
  • steuerliche Neuregelungen (nicht nur Steuersatzsenkungen oder -anhebungen)
  • Handelsabkommen zwischen Staaten bzw. Wirtschaftsgemeinschaften

Zins-Entwicklungen wirken sich auf viele Marktbereiche aus

Das Spektrum der Zinsentscheidungen wird besonders gerne als Beispiel für Kennzahlen genannt, die für fundamentales Trading eine Rolle spielen. Senkt etwa die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen, wirkt sich dies nahezu auf alle Devisenkurse am FX-Markt aus, da die Gemeinschaftswährung Euro eindeutig zu den wichtigsten Devisen weltweit gehört. Somit haben Anpassungen des Zinsniveaus nicht allein innerhalb Europas Einfluss auf die Währungskurse. Passend dazu wirkt sich eine deutliche Schwankung des Dollar-Kurses auch hierzulande beim Import und Export auf die Kosten und im nächsten Schritt teils auf die Aktienkurse von Unternehmen aus, die schwerpunktartig in einem der Bereiche ihr Geld verdienen. Staatliche Subventions- oder Konjunkturprogramme sind wie neue Kooperationsprogramme zwischen Staaten generell ein Wirtschaftsmotor und dienen deshalb auch als elementare ökonomische Daten für Trader.

Kennzahlen haben unterschiedliches Gewicht in der Analyse

Für Aktiengesellschaften in einzelnen Ländern sind etwa Handelsbilanz-Überschüsse wichtig, da diese in aller Regel Einfluss auf den Währungskurs haben werden. Es geht also durchweg um den wirtschaftlichen Hintergrund, der Kursveränderungen nach oben oder unten nach sich ziehen kann beim fundamentalen Trading. Die eigenständige Auswertung und Suche nach Zusammenhängen am Markt ist ein wenig aufwendig, die Hilfestellungen von Seiten der Broker aber dienen gerade Einsteigern oft als erster Berührungspunkt mit der Fundamentalanalyse.

Gerade Händler derivater Finanzprodukte sollten nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ agieren. Das bedeutet, dass möglichst früh auf ökonomische Daten zurückgegriffen werden sollte, um den größtmöglichen Erfolg durch fundamentales Trading zu erreichen. Die Aufgabe der Händler ist diesbezüglich generell, die zur Verfügung stehenden Daten in geeignete Entscheidungen umzusetzen.

Einmal mehr ein Beispiel aus dem Devisenhandel:

Korrigiert die US-Zentralbank die aktuellen Zinsen nach oben, ist dies erfahrungsgemäß ein Hinweis auf einen zeitnah steigenden Dollarkurs am Devisenmarkt. Ein früher Dollar-Kauf kann angesichts solcher Aussichten zu einer beachtlichen Rendite führen.

Marktwirtschaftliche Daten und Kennzahlen sind der Ausgangspunkt für die Prognosen der Trader in diesem Bereich. Verzichten können Händler dabei weitgehend auf mathematisches Know-how. Wobei: Viele Experten raten Tradern dazu, Fundamentales Trading mit der technische Analyse zu kombinieren, statt einzig und allein auf einen der beiden Ansätze zu setzen. Weiterhin sollten Anfänger den Ansatz der „KISS-Strategie“ beherzigen. Die Abkürzung steht für „Keep it simple, stupid“. Kurzum: Man sollte anfangs nicht verkomplizieren und möglichst einfach halten, um sich nicht selbst zu überfordern. Interessant daran: Selbst professionelle Händler bleiben diesem Vorgehen nicht selten zumindest phasenweise treu, um nicht zu viele Indikatoren gleichzeitig einzusetzen, die unterm Strich oft nur eines schaffen – für Verwirrung zu sorgen. Eine einfache Strategie sorgt dafür, dass auch die Anpassungen der Parameter bei veränderter Sachlage am Markt oder in Politik und Wirtschaft relativ einfach umgesetzt werden können.

Allgemeingültige Deutungsweise vs. individuelle Auslegungsmöglichkeiten

Kann man die Handelssignale nicht auf den ersten Blick für fundamentales Trading überblicken und kontrollieren, sollte darüber nachgedacht werden, den Handelsansatz zu überdenken und gegebenenfalls zu überarbeiten – dies gelingt am ehesten durch anderen Kennzahlen und ökonomische Daten, die der aktuellen Situation gerecht werden. Wie so oft sieht die Lage in der Praxis durchaus komplexer aus, als es die bloße Theorie vermuten lässt. So können zwei Anhänger des fundamentalen Tradings durchaus sehr verschiedene Wege beschreiten. Geschuldet ist dies mitunter den unterschiedlichen Theorien, die es zum Verhalten der Märkte gibt.

Wichtig: ein Verständnis für die Bedeutung der Theorien entwickeln

Ein solcher theoretischer Ansatz ist zum Beispiel die sogenannte „Kaufkraftparität“. Hierbei handelt es sich um einen Aspekt, bei dessen Analyse der Blick des Anlegers vor allem auf die Preise gerichtet wird, die für Waren und Artikel in einem Moment bezahlt werden müssen. Die Kaufkraftparität berücksichtigt dabei vor allem die Tatsache, dass Herstellungspreise für Waren an verschiedenen Orten keineswegs identisch ausfallen müssen. Anhänger der Theorie gehen von Währungskurs-Änderungen aus, wenn auch nach einer Preis-Umrechnung zwischen den Währungen der Produktionsländer noch eine Differenz der Kosten zu erkennen ist. Kritische Stimmen, die sich gegen die Kaufkraftparität richten, bemängeln, dass gerade Lohnkosten (samt Auf- und Abschlägen), Unterschiede bei den Energiekosten wie auch steuerliche Faktoren und Zollvorgaben auf Landesebene bei dieser Theorie oft eben nicht ausreichend in die Auswertung einbezogen werden.

Weitere Konzepte sind:

  1. das Zahlungsbilanzmodell und
  2. das Marktmodell

Bilanzen im Import und Export als Bewertungsgrundlage

Die Salden der Export-Import-Bilanzen stehen im Zentrum des Zahlungsbilanzmodell: Die beiden Größen werden miteinander verglichen bzw. einander gegenübergestellt. Als rentabel gilt der Export von Waren aus einem Land mit hohem Exportvolumen, wenn besagtes Land in diesem Moment eine schwächere Währung vorweisen kann. Wirtschaften, die vergleichsweise starke Devisen haben, entscheiden sich in der Regel lieber für den Import – eben weil Geld so einen größeren Gegenwert in Waren und Dienstleistungen einbringt. Kurzum: Dort gibt es mehr fürs Geld! Offensichtlich werden derartige Unterschiede insbesondere im Bereich von Ländergrenzen, da Konsumenten dort ohne großen Zeitaufwand selbst erkennen können, wie sich Devisenkurse und Kaufkraftunterschiede auf den Handel auswirken können. Eine Basisannahme des Zahlungsbilanzmodells besteht darin, dass der Export-Import-Saldo und die (nationalen) Devisenkurse wechselseitig Einfluss aufeinander haben. Eine Folge: Steigt das Exportaufkommen, sinkt der Devisenkurs der entsprechenden Währung. Steigt indes der Währungskurs, führt dies oft zu einem Rückgang des Devisenkurses.

Viel Raum zur Entfaltung am Forex-Markt

Im Rahmen des für das fundamentale Trading beliebten Asset-Marktmodells geht es in weiten Teilen um die Annahme, dass die Währungskurse vor allem durch den drastischen Anstieg des weltweiten Forex-Handels beeinflusst werden. Gerade die rasante Digitalisierung des Marktes ist also ein Faktor für die alltäglichen Schwankungen der Kurse. Auch besagt das Modell, dass der Handel am Devisenmarkt Einfluss auf dem Aktienmarkt hat. Dies wiederum lässt sich zumindest zum Teil dadurch erklären, dass das Volumen des Devisenmarktes längst den Umsatz im Import-Export-Sektor um Längen übertrifft. Um sichere Prognosen zum Finanzmarkt abgeben zu können, sollte diese Theorie generell die nötige Aufmerksamkeit erhalten.

Einordnung der Daten in Kategorien empfehlenswert

Aus Händlersicht lohnt es sich, vor der ersten Nutzung zu hinterfragen, inwieweit fundamentales Trading über Kennzahlen und ökonomische Daten von der erhofften großen Aussagekraft sein kann. Diese Frage muss sich letztlich natürlich auf alle Tradingstrategien beziehen. Unverzichtbar ist es, den Überblick zu behalten und niemals zentrale Faktoren aus dem Blickfeld zu verlieren. In jedem Fall eignet sich die Fundamentalanalyse, um erst einmal unter den verfügbaren Informationen gewissermaßen die Spreu vom Weizen zu trennen. Trader können die Datenmasse auf diesem Wege kanalisieren und nach „wichtig“, „eher unwichtig“ und eventuell auch „generell unbrauchbar“ filtern. Die eigenen Ziele sind das Hauptkriterium für die Daten-Auswertung. Ein vollständiger Verzicht auf die Fundamentalanalyse erweist sich jedenfalls in der Regel als nicht empfehlenswert – oft wird sie wie gesagt auch in Verbindung mit der technischen Analyse genutzt.

Wechsel zwischen Strategien ist oft die richtige Wahl

Gegen fundamentales Trading spricht der Zeitrahmen, in dem sich Händler für eine sinnvolle Analyse vielfach bewegen. Gerade am Anfang ist der Aufwand nicht unbedingt gering, schon weil Erfolge oft ein gesundes Basiswissen brauchen und ein Verständnis für die Entwicklung der Märkte unwahrscheinlich ist. Dafür aber erfahren Trader reichlich Wissenswertes über die Marktwirtschaft, ihre Funktion sowie die Verbindungen und Wechselwirkungen mit der Politik. Ein mitunter folgenschwerer Fehler ist es, sich im Alltag zu engstirnig auf eine Theorie zu beschränken. Trader sollten also flexibel bleiben, um nicht Gefahr zu laufen, wichtige Handelssignale zu verpassen, sondern auch akute Schwankungen für die eigenen Zwecke nutzen zu können. Ansonsten gilt: Wer den Markt kennt, hat den halben Weg zur Rendite schon fast gemeistert.

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Mein Fazit

Das Erarbeiten eigener Theorien für fundamentales Trading oder das Anpassen bereits bestehender Modelle kann sich ebenfalls für Trader lohnen, wenn sie neue Wege beschreiten möchten bzw. mit verschiedenen Analyse-Modellen nur teilweise zufrieden sind und einzelne Bestandteile eher nicht für angemessen halten. Denn worum geht es bei der Fundamentalanalyse im Grunde genau? Genau: um das Erkennen der großen und kleinen Zusammenhänge an Märkten. Eine Rolle spielt die Definition von Ursachen und Gründen, weshalb sich bestimmte Veränderungen und Entwicklungen am Markt erkennen lassen. Gemeinhin sollten Händler hierbei lediglich darauf achten, sich nicht zu streng auf einen theoretischen Ansatz konzentrieren. Stattdessen ist es besser, flexibel zu bleiben, um so selbst auf unerwartete Veränderungen reagieren zu können.

Autor: RP