Technisches Trading: Charttechnik, Markttechnik, Indikatoren

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Viele Händler setzen bei der Analyse der Marktlage bewusst auf die Hinweise, die historische Werte für die Zukunft erkennen lassen können. Technisches Trading eignet sich dabei oft eben nicht nur für sich allein gestellt, sondern gerade kombiniert mit dem fundamentalen Trading.
  • Eine gefühlt endlos große Auswahl an Indikatoren und Trading-Strategien ist Händlern dabei behilflich, im Rahmen des technischen Tradings die erhofften Ziele zu erreichen. Dabei müssen die Trader definieren, welche Gewinne sie anstreben und welches Risiko sie einzugehen bereit sind, da auch hier generell immer die Gefahr eines Verlustes besteht.
  • Durch die bewusste Definition der Rahmenbedingungen und die Festlegung der Handels-Indikatoren können Trader gerade die Markttechnik einsetzen, um nicht nur manuell, sondern darüber hinaus über automatische Handelssysteme spekulieren zu können.

Charttechnik – Ergänzung oder Alternative zur Fundamentalanalyse?

Oft und gerne wird technisches Trading in Fachberichten und auf Portalen zu Finanzthemen als Gegenpart zum an anderer Stelle präsentierten fundamentalen Trading bezeichnet. Gänzlich falsch ist diese Bewertung tatsächlich nicht. Doch schon an diesem Punkt sei gesagt: Es muss aus Sicht der Trader in diesem Fall nicht unbedingt darum gehen, entweder auf Fundamental-Analysen anhand von Kennzahlen und ökonomischen Daten zu setzen oder mittels Indikatoren-Einsatz über die Chart- und Markttechnik zum Erfolg zu gelangen. Stattdessen finden sich in Experten-Erläuterungen zurecht und aus gutem Grund Hinweise darauf, dass technisches Trading gerade im Zusammenspiel oder Wechsel mit der Fundamentalanalyse zu guten Ergebnissen führen kann.

Kurs-Veränderungen als Basis zukünftiger Trading-Entscheidungen

Zunächst aber soll es im Folgenden darum gehen herauszufinden, was im eigentlichen Sinne hinter der technischen Analyse steckt. Schon der Name verdeutlicht zum Teil, dass es in diesem Fall nicht allein um die Betrachtung aktueller Werte oder relevanter Unternehmenszahlen geht. Technisch agierende Trader betrachten weniger (auch bei gleichzeitiger Nutzung der Fundamentalanalyse) die Auswirkungen politischer Entscheidungen, der Veröffentlichungen von Bilanzen oder ähnlicher Wirtschaftszahlen. Sie vertrauen einzig und allein auf die Aussagekraft der Kursverläufe und gehen davon aus, dass historische Kursentwicklungen Aussagen darüber zulassen, wie sich der Kurs einer Währung, eines Differenzkontrakts oder eines anderen Finanzinstrumentes zukünftig verhalten wird, wenn die Rahmenbedingungen im Rahmen der Charttechnik ähnlich aussehen. Innerhalb der Markttechnik ist die zugrunde liegende Vermutung also, dass sich Konstellationen der Kurse wiederholen und sich in Charts ablesen lassen.

Die Suche nach regelmäßigen Veränderungen und Formationen

Inwieweit tatsächlich eine Regelmäßigkeit der Kursentwicklung realistisch ist, kann kaum allgemeingültig formuliert werden. Zutreffend aber ist in jedem Fall, dass technisches Trading in vielen Umgebungen am Markt durchaus eindrucksvolle Erfolge zur Folge haben kann. Sobald sich regelmäßige Veränderungen abzeichnen, wird dies als Signal dahingehend gewertet, dass sich die Kurse zeitnah (je nach Zeitraum der charttechnischen Analyse natürlich auch erst in etwas weiterer Zukunft) wie im zurückliegenden Vergleichszeitraum bewegen werden – nach oben oder unten. Für Trader im Bereich des Devisenhandels spielt technisches Trading oft eine besonders gewichtige Rolle, schon weil der Ansatz gerade bei eher kurzfristigen Engagements zu guten Ergebnissen führen kann. Deshalb ist die Markttechnik auch vor allem bei Scalpern und Daytradern beliebt, die oft nur in Minuten- oder Stunden-Intervallen spekulieren.

Ohnehin gilt vielfach: Wer auf die technische Analyse setzt und mit der Charttechnik nach Chancen am Finanzmarkt sucht, beschreitet als Händler vielfach eher ziemlich spekulative Wege – zwar sind nicht selten sehr hohe Maximalgewinne möglich, die Risiken eines Verlusts aber dürfen ebenfalls niemals zu gering bewertet werden.

Eine wichtige Basis für das technische Trading bilden unter anderem diese Aspekte:

    1. Die Kombination aus technischer & Fundamentaler Analyse kann besonders sinnvoll sein
    2. Algorithmische Deskription der Märkte ist die Grundlage der technischen Analyse/Markttechnik.
    3. Regelmäßigkeiten können wahrscheinlich sein, Garantien aber gibt es nicht.
    4. Auch in diesem Bereich können Händler entweder manuell oder automatisiert Handelsstrategien verfolgen.
    5. Die Bewertung der Kursdaten geht sehr rational und einfach vonstatten → eine emotionale Komponente wie teils beim fundamentalen Trading ist ausgeschlossen.
    6. Spezialisten raten Anlegern, beide Konzepte vorab im Demo-Modus zu testen und kennenzulernen. Das Ziel ist die Entwicklung eines angemessenen Risiko-Managements oder einer geeigneten Trading-Strategie.

Der Brückenschlag vom Früher bis ins Morgen

Der Hintergrund des technisch-analytisch ausgerichteten Handels ist letzten Endes der Versuch, einen Zusammenhang zwischen zurückliegenden und kommenden Entwicklungen eines Marktes oder auch eines einzelnen Kurses herzuleiten und sich dabei auf mathematische Instrumente zu verlassen. Besagte Zusammenhänge dienen in einem weiteren Schritt als Handelssignal, aus dessen Auswertung Trader Empfehlungen zu einem lohnenden Kauf („Call-Order“) oder Verkauf („Put-Order“) ableiten, die sie über die Handelsplattform ihres Online-Brokers umsetzen können.

Handelsrelevante Faktoren verändern sich stetig

Dabei darf niemals ein wichtiger Aspekt in Vergessenheit geraten: Eine einzige Herleitung über einen Algorithmus, der ausnahmslos in allen Marktphasen seinen Zweck auf optimale Weise erfüllt, ist schlicht nicht denkbar. Der Grund liegt darin, dass der Markt einfach eine derartige Komplexität aufweist, dass ständig neue Analysen mittels der Charttechnik zwingend erforderlich sind, um Anpassungen an veränderte Bedingungen vornehmen zu können. Dies liegt auch daran, dass Trader ständig neue Faktoren in ihre Analyse einbeziehen müssen. Es ist kaum praktikabel zu jedem Zeitpunkts ohne Wenn und Aber wirklich alle Einflüsse zu erkennen, um diese direkt während der Analyse per Markttechnik berücksichtigen zu können. Viele Händler wissen einfach gar nicht um alle potentiellen Einflussnehmer, die sich Markt gänzlich oder in Teilen auf die Kurse auswirken können.

Gleich eine ganze Palette an Handelsindikatoren kann für die Definition der notwendigen Algorithmen für technisches Trading hilfreich sein. Der Markt bietet mittlerweile eine enorme Vielfalt an Daten-Modellen, die als Indikatoren verwendet werden können.

Einige der wesentlichen Indikatoren beim technischen Trading sind

      • Pivot-Zahlen
      • der Relative-Stärke-Index („RSI“)
      • Der „Moving Average Crossover“
      • Bollinger-Bänder
      • Fibonacci-Level

Indikatoren sind in jeder Phase am Markt entscheidend

Diese Indikatoren können wiederum weiter klassifiziert werden. So gibt es sogenannte zahlentheoretische Handelssignale wie etwa den RSI oder die Fibonacci-Level auf der einen Seite, den Moving Average Crossover oder die Bollinger-Bänder auf der anderen Seite, die auf dem „gleitenden Durchschnitt“ als Modell basieren. Auch Pivot-Zahlen werden den zahlentheoretischen Signalen zugeordnet. Anfängern unterläuft vielfach ein gravierender Fehler, indem sie der Überzeugung sind, ein einzelner Indikator könne bereits ausreichen, um die technische Analyse in Gang zu setzen. Vor dieser Einschätzung warnen Experten aber immer wieder. Sie weisen darauf hin, dass es den Anforderungen des Marktes nicht genügt, nur auf einen Indikator zu setzen, der entweder für die Trendfolge-Strategie oder eine Trendumkehrstrategie geeignet ist. Daher nochmals die eindeutige Empfehlung:

Händler sollten beim Trading mit technischen Daten stets mindestens zwei Indikatoren in Kombination verwenden!

Eine Option in diesem Kontext ist zum Beispiel der Einsatz des RSI als Trendwende-Signal und des Moving Average Crossover als Signalgeber dafür, dass ein bestimmter Wert zum jeweiligen Zeitpunkt sehr wahrscheinlich überkauft ist. Die Wahrscheinlichkeiten des einen Indikators müssen stets denen des anderen gegenübergestellt werden. Beachten müssen Händler natürlich schon im Augenblick der Broker-Auswahl, dass derlei Kombinations-Ansätze infrage kommen für die Charttechnik-Analyse.

Automatisierter Handel kein Problem für die Markttechnik

In jedem Fall meint der Begriff des technischen Tradings, dass allein rational vorgegangen wird: Unbeachtet bleiben weder Faktoren aus der Wirtschaft noch der Politik oder anderen Bereichen, die Einfluss auf die Börse oder außerbörsliche Handelsplätze haben können. Teil der Analyse sind grundsätzlich und ausschließlich Handelssignale, die ihrerseits eine messbare Grundlage haben. Gerade dies macht Handelsstrategien in dieser Sparte interessant, um automatisiert zu traden, ohne dass die Händler selbst von Hand Orders ausführen oder schließen müssen. Eine subjektive Bewertung der Kurslage ist überflüssig.

Eine beliebte Regel am Markt besagt:

Technisches Trading wird umso wichtiger, je kürzer die analysierten Zeiträume am Markt ausfallen sollen!

Erst fundamental agieren und dann technisch arbeiten?

Eine mögliche Vorgehensweise beim kombinierten Einsatz der fundamentalen und der technischen Analyse ist darin zu sehen, dass Trader im ersten Schritt wirtschaftliche und politische Indikatoren und Kennzahlen als ökonomische Daten oder politisch relevante Entwicklungen analysieren (Fundamental-Analyse), um erst im Anschluss an diese Interpretation durch die Auswertung technischer Indikatoren zu analysieren versuchen, wann Kurswenden mit hoher Wahrscheinlichkeit am Markt auftreten werden. Für einen strategischen Handelsansatz ist es also vielfach unverzichtbar, die Analysemethoden als zwei Seiten einer Medaille zu begreifen – nicht als Konzept, bei dem sie sich für einen Weg entscheiden müssen. Die beiden Seiten sollten als gleichermaßen wichtig verstanden werden. Zumal hilft die Fundamentalanalyse Händlern in vielen Phasen zu verstehen, in welchen Situationen sie am Markt auf welche Handelssignale für technisches Trading setzen sollten.

Automatisches Trading entlastet System-Nutzer vor allem zeitlich

Ob Händler nun auf eigene Faust Charts im Blick behalten und Kursveränderungen studieren oder Automatik-Systeme das Trading in ihrem strategischen Sinne erledigen lassen, ist nicht weiter von Bedeutung. Denn so oder so geht es für Händler bei der Markttechnik nun einmal darum, die derzeit goldrichtigen Hinweise ausfindig zu machen und Konstellationen in Charts richtig zu deuten. Zudem müssen Anleger natürlich wissen, durch welche Indizien sich die Fortsetzung eines Trends, ein vollkommen neuer Trend oder ein Einbruch samt anschließender Trendwende ankündigt. Denn oft ergeben sich Chancen für hohe Renditen vor allem dann, wenn Händler frühzeitig einsteigen und so bei Interesse auch viele Orders in einer Phase über die Plattformen ausführen können. Automatik-Trading erlauben die meisten CFD- und Forex-Broker heutzutage, so dass Händler problemlos auch dann traden können, wenn ihnen für das manuelle, sogenannte diskretionäre Trading in den meisten Fällen eher die Zeit fehlt.

Entscheidungen der Händler selbst haben Einfluss auf die Kurse

Ein wichtiger Punkt, der noch zwingend angesichts der vorangegangenen Aussagen Erwähnung finden muss: Völlig außen vor bleiben psychologische Effekte am Ende auch beim technischen Trading nicht. Denn natürlich wirken sich emotionale Entscheidungen der Marktteilnehmer unterm Strich auf die Entwicklungen der Charts bezüglich etwaiger Trends und Trendumkehr-Situationen aus. Kursiert in Krisenzeiten beispielsweise die Angst, neigen gerade Kleinanleger mitunter zu Kurzschlussreaktionen. Gibt es zu einem bestimmten Zeitpunkt zahllose überstürzte Entscheidungen, wirkt sich dies eben doch auch akut auf die Kurse im Chartverlauf aus. Zudem sollten sich Händler niemals zu sehr in Sicherheit wähnen. Denn so sicher die Auswertung der Handelssignale gerade im Zusammenhang mit dem automatischen Trading erscheinen mag: Die Trading-Empfehlungen sollten niemals ohne Hinterfragen übernommen werden.

Fehlinterpretation ebenso riskant wie das Übersehen wichtiger Signale

Sich allzu sicher zu fühlen, ist für Händler am Finanzmarkt im Prinzip nie gut, denn in solchen Momenten sind Trader anfällig für Fehler – absolute Sicherheit gibt es eben nicht einmal für professionelle Händler, die seit Jahren mit großem Erfolg traden. Etwa wenn unverzichtbare Signale nicht als solche erkannt werden bei der Auswahl der richtigen technischen Indikatoren. Allein deshalb, weil etwas in einer früheren Phase des Marktes passiert ist, bedeutet dies selbst bei bestmöglicher Analyse mittels Charttechnik nicht zu 100 Prozent, dass es auch wie prognostiziert nochmals der Fall sein wird. Für die Marktanalyse an sich aber ist technisches Trading nun einmal elementar dank der rationalen Aussagen, die sich aus ihr bei korrekter Anwendung ergeben können. Zudem müssen auch die technischen Voraussetzungen auf der Broker-Seite stimmen.

Direkte Order-Ausführung von größter Bedeutung für Kurzfrist-Trader

Beim Kurzfrist-Handel muss sichergestellt sein, dass die über die Markttechnik ermittelten Zeitpunkte für An- und Verkäufe zügig ausgenutzt werden können. Kursangaben in Echtzeit und eine möglichst schnelle Order-Ausführung sind deshalb unabdingbar, damit keine überraschenden Kursabweichungen auftreten können. Ansonsten geht es letztlich nur um die Entwicklung der Kurse oder Preise der bevorzugten Vermögenswerte. Denn sie sind die einzig wichtige Basis für Kursvorhersagen beim technischen Trading. Ratsam ist neben einer guten Plattform und eventuell ergänzenden übersichtlichen und gut verständlichen Trading-Software wie den Angeboten MetaTrader 4 oder 5 die Nutzung weiterer Quellen, die unabhängig und objektiv Nachrichten aus der Finanzwelt zur Verfügung stellen. Schaut man sich die Plattformen und Fachportale genau an, wird deutlich, dass weltweit Hunderte von Indikatoren generell für technisches Trading infrage kommen. Dass sich dabei manche Indikatoren eher für Einsteiger eignen, während andere eher Profis ansprechen, liegt auf der Hand.

Chancen ergeben sich sowohl in Bären- wie in Bullen-Märkten

Am Ende kann nur jeder Händler für sich entscheiden, welche Signale dies im eigenen Falle sind. Präsentiert sich ein Markt derzeit „bearish“ oder „bullish“, ist dies oft ein guter Moment, um strategische Ansätze für die technische Analyse zu entwickeln. Denn in diesen Phasen fallen Trends – aufwärts wie abwärts – nun einmal besonders eindeutig und konstant aus. Ob man nun mit binären Optionen, Devisen, Futures, Differenzkontrakten oder anderen Assets (Vermögenswerten) handeln möchte, ist dann nicht weiter von Bedeutung, da es konsequent immer und überall um den perfekten Punkt für den Ein- und Ausstieg in den Markt geht.

larserichsen

Mein Fazit

Die Charttechnik (oder auch Markttechnik) ist für Händler in vielen Bereichen des Finanzmarktes wichtig und Grundlage für den Handelserfolg. Denn technisches Trading mithilfe einer großen Palette von Indikatoren erlaubt Trader eine oft durchaus genaue Aussage darüber, wie sich Kurse im Vergleich zu früheren Entwicklungen in ähnlichen Phasen im Chart verändern werden. Für die Auswahl der Handelssignale sollten sich Nutzer in spe am besten etwas Zeit nehmen, um zu erkennen, welche Strategien den Zielen gerecht werden und welche Zeitfenster tatsächlich für die Analyse geeignet sind. Selbstverständlich muss an dieser Stelle wie gewohnt auf die Rolle eines individuell sinnvollen Risiko- und Kapitalmanagements verwiesen werden. Denn auch bei der technischen Analyse sollten Trader stets Entscheidungen treffen, die sie sich im Falle eines negativen Ausgangs leisten können.

Autor: RP