Buy & Hold Tradingstrategie: nicht nur für Aktionäre erfolgversprechend

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Die Buy & Hold Strategie ist wider Erwarten kein Konzept für faule Händler, auch wenn dies aufgrund der langen Haltezeiten bei unerfahrenen Anleger mitunter den Anschein erweckt → doch auch und gerade hier geht es um eine sehr präzise Auswahl der Assets und Order insgesamt.
  • Fürs „Kaufen und Halten“ benötigen Trader oft reichlich Geduld und Nervenstärke, denn zwischendurch kann das Depot durchaus spürbar ins Minus rutschen. Auf lange Sicht aber sollten sich Positionen ausgleichen und in die Gewinnzone steuern.
  • Vollkommen ausgeschlossen sind Umschichtungen innerhalb des Depots und eine geänderte Ausrichtung der Schwerpunkte auch bei der als vermeintlich inaktiv geltenden Buy & Hold Strategy niemals. Vielmehr entscheidet die Situation, wann welche Entscheidungen nochmals überdacht und gegebenenfalls korrigiert werden sollten.

Buy & Hold – auch, aber nicht nur für Aktionäre rentabel

Die Handelsstrategie „Buy & Hold“ oder auf gut Deutsch: „Kaufen und Halten“ ist vor allem überzeugten und ambitionierten Aktionären ein Begriff. Denn am Aktienmarkt kommt es besonders oft dazu, dass Händler einzelne Werte kaufen und über einen langen Zeitraum halten, bis sich der Kurs so deutlich verändert hat, dass sich ein Verkauf für die Aktionäre wirklich lohnen kann. Faktisch ist dies sogar aus rechtlicher Sicht bei Wertpapier-Spekulationen mitunter empfehlenswert, da der Fiskus in manchen Ländern Anleger gerade bei kurzfristigen Aktivitäten zur Kasse bittet, während langfristig agierende Händler teilweise steuerlich besser aufgestellt sind. Die „Buy and Hold Strategy“ gehört zu den meist genutzten Strategien am Markt überhaupt – nicht zuletzt, weil das Konzept in vielen Situationen einfach zum Erfolg führt.

Nicht verwechseln aber sollte man den Ansatz damit, Werte zu kaufen oder Positionen zu eröffnen und die Entwicklungen des Marktes im Anschluss an die getätigten Orders über den Online-Broker gänzlich außer Acht zu lassen. Mit Inaktivität hat die Buy & Hold Tradingstrategie letzten Endes wenig zu tun. Es geht vielmehr um gezieltes Ruhenlassen und Beobachten der Kurs-Entwicklungen.

Dividenden können beim Aktienhandel vorzeitige Rendite einbringen

Zumal kann beim Aktienhandel in der Zwischenzeit sehr wohl Rendite realisiert werden, wenn die Emittenten der Aktienwerte bei entsprechend guten Geschäftsergebnissen Dividenden an ihre Anteilseigner ausschütten. Die Anlagestrategie ist eine mögliche Perspektive für Händler, die das nötige Sitzfleisch mitbringen, auf Gewinne warten zu können. Diese Eigenschaft weist keineswegs jeder Anleger auf, auch wenn dies zu Beginn des Engagements subjektiv vielleicht so empfunden wird. Mal eben Rendite mitnehmen und an anderer Stelle neue Positionen eröffnen? Beim Kaufen und Behalten ist dies nicht möglich. Neben Geduld benötigen Trader in diesem Fall auch ein gesundes Vertrauen darin, dass sich der Kursverlauf nach einiger Zeit wirklich wie erhofft entwickeln wird – ganz gleich, ob es hierbei um die Erwartung steigender oder sinkender Kurse geht, da auch die Buy & Hold Tradingstrategie nicht nur bei Aktiengeschäften genutzt werden, bei denen einzig Kursanstiege Gewinne zur Folge haben können.

Klare Obergrenze beim Handel mit derivaten Finanzprodukten

Ein Vorteil beim Kaufen und Behalten besteht zwangsläufig darin, dass nicht ständig Transaktionskosten entstehen können, wie es bei regelmäßig durchgeführten neuen Trades zuträfe. Buy-&-hold-Spekulanten zahlen nur für wenige Orders Geld, so dass im Erfolgsfall vergleichsweise viel vom Gewinn übrig bleibt. Eine zentrale Rolle spielt bei dieser Strategie indes, dass Händler ausreichend Zeit für die Diversifikation (Risikostreuung) aufbringen – ohne dass dabei ständige Depot- oder Handelskonto-Umschichtungen vorgenommen werden müssen, da eben dies wegen der langen Haltezeiten nicht zur Strategie gehört. Zumindest nicht im Umfeld der einzelnen Anlageklassen, die sich im Portfolio befinden.

Auch Broker treffen Aussagen zum maximalen Zeitrahmen

Wie lange Positionen gehalten werden, hängt wenigstens zum Teil von den kalkulierten Transaktionsentgelten ab. Höhere Handelskosten führen also vielfach zu einer längeren Haltezeit als das Gebührenmodell eines sehr günstigen Brokers am Markt. Orders müssen so lange Bestand haben, bis aus Kosten im Falle eines Gewinns eine tatsächliche Rendite wird. Und eben dies müssen sich Trader leisten können, ohne dass Gelder in der Zwischenzeit durch das Auflösen von Positionen mit Verlust zurückgeholt werden müssen. Während Aktionäre problemlos über Jahre hinweg Positionen im Portfolio halten können, schränken Broker für den Handel mit Derivaten wie Binären Optionen, Differenzkontrakten, Forex-Werte oder ähnlichen Instrumenten des Finanzmarktes ihre Trader meist zeitlich ein. Dabei liegen die maximalen Haltezeiten in vielen Fällen bei etwa 12 Monaten.

Märkte verändern sich heute schneller als vor dem WWW-Boom

Mancher Analyst ist der Auffassung, die Strategie Buy & Hold habe in der heutigen schnelllebigen Zeit am Finanzmarkt weitgehend an Bedeutung verloren, andere Experten sind eher der Meinung, die Lösung liege wie so oft in einem Wechsel verschiedener Strategien, bei denen auch das Konzept „Kaufen und (Be-)Halten“ nicht außen vor bleiben darf. Dennoch ist die Aussage berechtigt, dass der Markt heute anfälliger für akute Schwankungen ist als in der Zeit vor der digitalen Vernetzung. Private Anleger, die nebenberuflich nicht viel Zeit ins Trading investieren können, setzen weiterhin gerne auf die Handelsstrategie.

Die Buy and Hold Strategy wirkt vordergründig wie eine Tradingstrategie für Faule. Faktisch aber geht diese Bewertung nicht weit genug und vergisst vor allem die Risiken, die zweifelsohne auch in diesem Bereich anzutreffen sind. Gerade zu Beginn der Karriere als Händler ist die Buy and Hold Strategy oft das A und O – auch weil es vielen Anlegern an der nötigen Zeit fehlt, um im Bereich Daytrading ständig aktiv sein zu können.

Die positiven Eigenschaften der Buy-and-Hold-Strategie sind vor allem diese:

    • Händler müssen ihr Depot nicht ständig umschichten, was – abgesehen von Entgelten für die Depotverwaltung – auch die Kosten für neue Positionen gering hält → das dient im Erfolgsfall der Performance-Optimierung.
    • kurzfristige Einbußen der Kurse werden generell mit eingeplant und führen nicht direkt zu nervlichen Belastungen auf Händler-Seite → Kursrückgänge bei bestehenden Positionen laden oft eher zum Nachkaufen ein, sodass unterm Strich trotzdem gute Preise erzielt werden können.
    • Depotnutzer haben „alle Zeit der Welt“, um Entscheidungen zu treffen, da sie vielfach über Zeiträume von Monaten oder Jahren planen → dementsprechend präzise geht die Positions-Organisation in diesem Fall vonstatten.
    • Händler sind nicht dazu gezwungen, ständig nach neuen Gelegenheiten am Markt Ausschau halten zu müssen; sie konzentrieren sich auf das für sie und ihre Ziele Wesentliche.

Wenig Zeitaufwand, aber große Wirkung? Es gibt Risiken und Chancen

Private Anleger tun vielfach gut daran, sich einen gewissen Erfahrungshorizont durch den Einsatz der Buy-and-Hold-Strategie zu erarbeiten, ohne sich dabei Tag für Tag mehrere Stunden Zeit fürs Trading nehmen zu müssen. Für den Ansatz „Kaufen und Liegenlassen“ braucht es kein allzu großes Zeit-Budget, wobei dies fraglos eine bewusste Order-Auswahl und Vorgehensweise nicht überflüssig macht. Schon auf den ersten Blick zeigt die Betrachtung: Die Buy-&-Hold-Tradingstrategie kostet Trader relativ wenig Zeit, kann aber zu hohen Gewinnen führen. Das Wertpapierdepot ständig umzuschichten, kostet vor allem Zeit, geht aber genau genommen je nach Gebührenmodell der Online-Broker zudem arg ins Geld. Am Ende nehmen Händler, die täglich zahllose Positionen über eine Handelsplattform abwickeln, in Kauf, eher für den Broker als sich selbst mit Aktien oder Devisen, CFDs und anderen derivaten Finanzprodukten zu traden.

Experten raten zur Verteilung des Budgets auf verschiedene Haltezeiten

Zurecht taucht in Erläuterungen zum Thema Kaufen und Halten oft und gerne die Redewendung „Hin und her macht Taschen leer“ als Argument gegen einständiges Umschichten des Depots und für die Buy and Hold Strategy auf. Maximal fünf Umschichtungen pro Jahr empfehlen Analysen vielfach im Rahmen der Strategie, um die Fixkosten so gering wie möglich zu halten. Interessant ist dabei, dass sich diese mittel- bis langfristige Strategie in vielen Fällen gerade in Verbindung mit kurzfristigen Aktivitäten als besonders erfolgreich erweisen kann. Zum Beispiel könnte eine Traderin drei Viertel ihres Budgets im Bereich Buy & Hold investieren, während die übrigen 25 Prozent in kurzfristige Positionen gesteckt werden, um zwischendurch Gewinne mitnehmen zu können.

larserichsen

Mein Fazit

Auch wenn es nicht so wirken mag: Kaufen und Halten verlangt Händlern in der genauen Analyse einiges ab. Denn das Warten auf die ersten erhofften Gewinne kann mitunter etwas nervenaufreibend sein. Zumal können Umschichtungen des Depots bei dieser Strategie fürs Trading sehr wohl nach einiger Zeit notwendig sein, wenn sich Positionen anders entwickeln, als nach der Bewertung der Kurse mithilfe der Markttechnik oder des fundamentalen Trading-Ansatzes zu erwarten gewesen wäre. Auf der anderen Seite aber eignet sich diese berühmte Tradingstrategie in erster Linie für Händler, die sich nicht ständig Zeit fürs Daytrading oder kurzfristiges Handeln mit eher kurzen Laufzeiten nehmen können oder wollen.

Autor: RP