Turtle Trading – Ausdauer und resolutes Handeln

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Turtle Trading gehört als berühmte Tradingstrategie in den Bereich des Positionstradings. Dabei spielt für Trader in erster Linie ein konsequentes Vorgehen eine zentrale Rolle → dies jedenfalls war und ist der Grundgedanke der Strategie, deren Erfolgsgeschichte als Experiment und Wette ihren Anfang an.
  • Mit Schildkröten hat die Strategie im eigentlichen Sinne nichts zu tun – stattdessen ging es dem Begründer Richard Dennis darum, dass Marktregeln seiner Meinung nach stets bestehen, sie müssten also nur zu eigenen Gunsten genutzt werden, um Gewinne zu realisieren.
  • Viele Börsen-Experten befassen sich seit Jahrzehnten mit der Strategie und haben Argumente für/gegen den Ansatz formuliert oder Korrekturen des ursprünglichen Turtle-Trading-Modells vorgenommen, um das Format auf die veränderten Marktbedingungen hin zu optimieren.

Entstehung der Strategie ab Ende der 1940er Jahre

turtle tradingDer Begriff „Turtle“ steht im Englischen für „(Wasser-)Schildkröte“. Diese sprachliche Erklärung aber erklärt nicht wirklich, was mit dem Terminus „Turtle Trading“ am Devisenmarkt oder im Bereich des Tradings mit Differenzkontrakten eigentlich gemeint ist und wie der Handel über diese Handelsstrategie an den Finanzmärkten weltweit funktioniert. Deshalb braucht es eine genauere Auswertung der Funktionsweise, um das Turtle Trading strategisch von anderen Handelsmodellen unterscheiden zu können und zu erkennen, wann der sprichwörtlich große Moment für den Einsatz der Strategie gekommen ist. Zeitlich jedenfalls lässt sich die Entstehung des Turtle Tradings sehr genau zurückverfolgen.

Als eine Variante des sogenannten Positionstradings geht das Konzept auf den erfolgreichen US-amerikanischen Händler Richard Dennis zurück, der im Jahr 1949 das Licht der Welt erblickte. Damit ist im Grunde schon offensichtlich, dass die Handelsstrategie noch zu den recht jungen Modellen für erfolgreiches angemessenes Trading gezählt werden muss.

Turtle Trading – Ausdauer und resolutes Handeln

Dennis entwickelte seine Philosophie des Handels erst im Jahr 1983. Der Name der Strategie ist insofern etwas irreführend, weil sie im eigentlichen Sinne nicht wirklich etwas mit der Lebensweise oder dem Aussehen dieser Tiere zu tun hat. Vielmehr liegt die die Ursache für die Namensgebung darin begründet, dass der Begründer der berühmten Tradingstrategie seinem ebenfalls als Händler erfolgreichen Freund und Kollegen William Eckhardt gegenüber die Überzeugung äußerte: Genau genommen sei es möglich, Händler regelrecht wie Schildkröten heranzuzüchten. Dabei sei „lediglich“ zwingend zu berücksichtigen, dass die ausgesuchte Strategie auch konsequent und durchgängig genutzt und eingehalten wird vom jeweiligen Anwender. Der Erfolg der Strategie liegt letzten Endes unter anderem darin begründet, dass Dennis und Eckhardt eine Wette eingingen, um die zunächst theoretische Vermutung auf den Prüfstand zu stellen.

13 Händler wurden über Inserate fürs Experiment ausgewählt

Zu klären war zwischen den beiden Geschäftspartnern (sie besaßen eine gemeinsame Trading-Company) die Überlegung, ob Trading-Gewinne Folge einer Sozialisierung oder einer natürlichen Veranlagung seien. Um ihren über mehrere Jahre anhaltenden Streit endgültig zu lösen, entschied man sich für einen Versuch – sozusagen am lebenden Objekt. Für Dennis waren die Börsen und Finanzmärkte in gewissen Sinne nichts anderes als ein Spiel, das nicht allein mit Talent zu gewinnen sei. Händler bräuchten klare Regeln, einen strategischen Ansatz sowie Zahlen und Fakten, mit deren Hilfe Weise erlernbare Ziele auf objektive erreicht werden können. Diese Gedankengänge wurden später auch im nach der Strategie benannten Buch „Turtle Trading“ vom Erfinder selbst verschriftlicht.

Insgesamt 13 Personen nahmen am Experiment „Turtle Trading“ teil, wobei diese Versuchsgruppe bereits das Ergebnis einer Begrenzung einer vorher bestehenden Gruppe mit 1.000 Mitgliedern darstellte. In jedem Fall bleibt zu betonen, dass Richard Dennis mit seiner Annahme richtig lag, wie die Analyse später bestätigte.

Hintergrund der Turtle-Trading-Strategie:

Erreicht ein Markt ein neues Hoch in einem Monat (also an steigenden Märkten), kommt es zum Kauf einer Call-Position, während Put-Orders entsprechend in fallenden Märkten im Falle eines erneuten Tiefs in Angriff genommen werden. Die Zeitspanne eines Monats ist natürlich nur ein mögliches Intervall für das Turtle Trading. Ebenso kommen Zeitfenster von einer Woche oder von zehn Tagen als Analyse-Rahmen infrage. Jedoch sieht Dennis im Kontext seiner Turtle-Trader-Philosophie keine noch kürzeren Zeitspannen vor.

Dennis: Langfristig zahlt sich das Festhalten an Regeln aus

Der Grund für die Entstehung des Turtle Tradings als innovativem „handelsphilosophischem“ Ansatz ist darin zu sehen, dass die beiden Freund im Moment der Entwicklung durch Dennis schon seit einigen Jahren darum bemüht waren, die Basis für wissenschaftlich ausgerichtetes erfolgreiches Trading zu erarbeiten. Der Dennis’sche Ausgangspunkt ist, dass jeder Markt bestimmte Strukturen aufweist, die ihren Grundlagen nach vom Händler erkannt und ausgenutzt werden können. Will heißen: Die Marktstrukturen werden aus Dennis’ Sicht im Prinzip „beherrschbar“. Dies aber gelingt stets nur, wenn Turtle Trader in jedem Augenblick alle strategisch geltenden Regeln beherzigen und ohne Wenn und Aber einhalten. Dies gilt auch in Momenten, in denen Trader eventuell den Eindruck haben, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.

Die Theorie besagt: Verluste treten immer erst dann auf, wenn Verletzungen der Handelsregeln entstehen, was wiederum meist die Folge falscher Entscheidungen und Emotionen aufseiten der Trader während des Prozesses sei, so Dennis.

Eckhardts Überzeugung: Regeln des Marktes haben nur zeitlich begrenzt Bestand

Die Gegenposition zur Theorie vertrat seinerzeit Eckhardt. Anders als sein Freund ging er davon aus, dass Marktregeln immer nur bis zu einem Wechsel Bestand haben können und regelmäßig überarbeitet werden müssten. Die Probe aufs Exempel mit besagten jungen 13 Tradern sollte den Streit abschließend klären und Licht ins Dunkel bringen, wer von beiden auf der richtigen Fährte war. Dabei bekamen die Händler echtes Kapital, um vorab definierte Regeln mit aller beim zukünftigen Turtle Trading nötigen Konsequenz zu verfolgen. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte aus einer Gruppe von Lesern der Wall Street Journal. Dennis und Eckhardt hatten im Journal inseriert und am Ende 13 besonders begabte Kandidaten ausgewählt, die nun zunächst einmal Trades mit kurzen Laufzeiten simulieren mussten.

Händler wurden in der „heißen Phasen“ mit Vermögen ausgestattet

Nur zehn dieser Anwärter nahmen anschließend am „echten“ Experiment teil, für das sie – weitgehend aus Dennis’ eigenem Vermögen – über Kapital in einer Größenordnung von einer halben Million bis zu 2,0 Mio. US-Dollar verfügen konnten. Dabei waren strikt die genannten Regeln einzuhalten. Das durchaus überraschende Resultat des Tests: In den Jahren von 1983 bis 1987 realisierten die ersten Händler über die Turtle-Strategie pro Jahr einen Gewinn in Höhe von sage und schreibe 80 Prozent. Faktisch halten einige der erfolgreichen Trader angeblich bis zum heutigen Tage an der Strategie fest.

Komplexes Grundgerüst bei dieser Trendfolgestrategie

Nun stellt sich Interessenten zwangsläufig die Frage, ob und inwieweit Turtle Trading als berühmte Tradingstrategie aus dem technischen Bereich auch über 30 Jahre nach dem ersten Aufkommen tatsächlich noch zum Erfolg führen kann. Dabei ging es dem Entwickler Dennis vorrangig darum, dass (Aktien-)Märkte grundsätzliche und grundlegende Trendbewegungen aufweisen. Durch die Verwendung eines Trendfolgestrategie in durchweg konsequenter Weise können sich Trader eben diesen Erkenntnis zunutze machen. Präsentiert sich ein Markt mit einem neuen Hoch, handelt es sich um einen sogenannten Aufwärtsmarkt (als Hinweis auf einen lohnenden Kauf). Bildet sich dagegen ein neues Tief, kann von einem Abwärtsmarkt gesprochen werden, der beim Turtle Trading einen Verkauf notwendig macht. Was kinderleicht klingt, hat wie jede berühmte Handelsstrategie natürlich auch Ecken, Kanten und Schwierigkeiten.

Dennis war selbst überzeugter Börsianer

Wichtig für Anwender der Strategie ist wie eigentlich bei jedem technischen Ansatz die Festlegung eines für die persönlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten adäquaten Risiko- und Moneymanagements. Und an diesem Punkt sind Händler beim Turtle Trading letztlich auf sich selbst gestellt. Denn nur sie selbst können für sich definieren, an welchen Kurspunkten sie Stopps ansetzen sollten und wie groß Positionen angesichts des eigenen Budgets sein dürfen – oder müssen, um das erwartete Ergebnis realisieren zu können. Der Begründer Dennis war sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Börse genau genommen keine allein gültigen Wirklichkeiten und Wahrheiten aufweist. Dieser Einsicht begegnete er durch die Definition eines 7-Schritte-Analyse-Vorgangs bei seinem neuen Ansatz des Turtle Tradings.

Dass seine Strategie sehr wohl erfolgversprechend ist, bewies Dennis selbst unter anderem im Jahr 1987, als er an der weltbekannten Wall Street in New York binnen eines Handelsjahres einen Gewinn von gut 80 Millionen US-Dollar für sich verbuchte. Mit diesem Erfolg ging er endgültig in die Börsen-Geschichtsbücher ein.

So kann Turtle Trading unter anderem zum Erfolg führen

Verschiedene Indikatoren können Turtle-Tradern insgesamt als Handelssignale dienen. Zu unterscheiden ist dabei wie gewohnt zwischen Long-Positionen auf der einen und Short-Positionen auf der anderen Seite. Außerdem ist eine Kategorisierung in Orders im Umfeld steigender und sinkender Kurse notwendig, um mit Erfolg planen zu können.

Bei Positionen auf einen Kursanstieg gibt es diese beiden Strategien:

Turtle Long 20:

Hier kommt es zu einem Kauf bei einem neuen 20-Tage-Hoch, wobei ein Verkauf im Falle eines 10-Tage-Tiefs vorgenommen würde. Die Position würde nach dem Tief also glattgestellt.

Turtle Long 55:

Es kommt zum Kauf einen neuen 55-Tage-Hochs, verkauft würde bei Auftreten eines neuen 20-Tage-Tiefs.

Die entsprechenden Pendants beim Short-Trading sehen wie folgt aus:

Turtle Short 20:

Händler tätigen den Kauf eines erneuten 20-Tage-Tiefs, verkauft würde bei Auftreten eines 10-Tage-Hochs.

Turtle Short 55:

Der Kauf findet bei Erreichen eines neuen 55-Tage-Tiefs statt, der Verkauf ist für den Moment vorgesehen, in dem ein neues 20 Tage-Hoch erreicht wird.

Unabhängigkeit einzelner Werte vom gesamten Markt als Vorteil

Um aus Positionen sinnvoll aussteigen zu können, müssen Nutzer des Turtle Tradings verstehen, durch welche positiven Eigenschaften, aber auch durch welche Nachteile sich die berühmte Tradingstrategie im Alltag auszeichnet. Denn wie bei allen Strategien hat die Medaille auch bei diesem Ansatz zwei Seiten. Für die Strategie spricht die Tatsache, dass Händler an dieser Stelle weitgehend unabhängig von der Entwicklung des Gesamtmarktes agieren können. Unbeachtet lassen Trader bei solch einer Analyse, ob die Kurse insgesamt nun in einer bestimmten Umgebung gerade einen Aufstieg erkennen lassen oder einen Rückgang aufweisen. Ganz gleich, welche Art eines starken Trends sich in der Analyse abzeichnet: Trader setzen bequem auf die Trendfolge-Strategie, die sowohl bei steigenden wie auch bei sinkenden Kursen Rendite nach sich ziehen kann.

Immense Vielfalt an Indikatoren erschwert Entscheidungen

Je nach Handelsplatz stehen Händlern teilweise tausende Handelssignale zur Verfügung, die Broker entweder für einzelne Handelsplätze und Märkte bereitstellen oder für den internationalen Einsatz anbieten. Wichtig ist für Händler, dass die Signale generell in Echtzeit („Realtime“) angezeigt werden, denn Trends müssen möglichst früh erkannt werden, damit die Rendite am Ende stimmt und ein professionelles Positionsmanagement ermöglicht wird.

Aus Sicht erfahrener Experten bietet sich beim Turtle Trading ein gut strukturiertes Vorgehen bei der Depotverwaltung an, um rentabel aufzutreten. Zu den empfehlenswerten Aspekten gehört unter anderem:

  • Händler sollten im Idealfall mindestens fünf und maximal acht bis zehn Positionen gleichzeitig führen.
  • Trader sollten jederzeit short und zugleich long aufgestellt sein, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.
  • Situationsabhängig nehmen wahlweise Long- oder Short-Orders mehr Raum im Handelskonto ein.
  • Unbedingt beachten sollten Depotnutzer etwaige Trends in einzelnen Branchen. Long-Positionen bieten sich zum Beispiel dann ausdrücklich auf Aktien börsennotierter Banken an, wenn die gesamte Bankenbranche zum Zeitpunkt X von einem Aufwärtstrend gekennzeichnet ist auch saisonale Trends (z.B. Rückgang im Baugewerbe in den Wintermonaten) sind chancenreich aus Händlersicht.
  • Weist eine Einzel-Position ein Plus im Umfang von mindestens 10 % auf, lohnt es sich für Händler, über eine Vergrößerung der besagten Position nachzudenken. Denn gerade durch das Aufspringen auf Trends mit höheren Budgets verbuchen Händler beim Turtle Trading oft die größten Gewinne auf dem Handelskonto.
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Mein Fazit

Diese wenigen Aspekte sollten Händler beim Turtle Trading beherzigen, um von Anfang an eine gute Ausgangsposition einzunehmen und auf alle Eventualitäten des Marktes vorbereitet zu sein. Mitunter kommen Trader im Zuge der ersten Analyse zu dem Ergebnis, dass diese Tradingstrategie trotz ihrer guten Erfolgsaussichten schlicht und ergreifend nicht zu den eigenen Möglichkeiten passt – etwa, weil das Budget zu gering angesetzt werden muss oder weil nicht die nötige Zeit zur Verfügung steht, die bei diesem strategischen Modell für den Handel an den Finanzmärkten aufgebracht werden sollte. Chancen bietet die berühmte Tradingstrategie des Turtle Tradings jedenfalls in allen Phasen am Markt, wenn man diese nur rechtzeitig erkennt und zu bewerten weiß.

Autor: RP