Pivotpunkte – die Relation der Kurse verschiedener Handelstage

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Die sogenannten Pivotpunkte gehören zum Bekanntesten, was das strategische Trading im Forex- und CFD-Sektor, aber auch verschiedene andere Handelsbereiche zu bieten haben. Aus der Taufe gehoben wurde der Ansatz vom Analysten Dr. Bruce Gould, der sich in seiner Theorie vor allem auf den Preiszonenansatz bezieht.
  • Im „Urmodell“ widmete sich die analytische Betrachtung vor allem Zeiträumen im Bereich von zwei bis drei Jahren. Allerdings können Pivot-Punkte auch innerhalb anderer Analyse-Zeitfenster gut zum Erfolg führen.
  • Einzelne Punkte stehen niemals für sich allein vielmehr geht es bei der Tradingstrategie mit Pivotpunkten um das Erstellen eines Verhältnisses zwischen aktuellen und vorherigen Kursen.

Pivotpunkte kommen in vielen Marktbereichen zur Verwendung

pivotpunkte tradingNicht nur Devisen- und CFD-Trader nutzen gerne verschiedene berühmte Tradingstrategien, um ihre Rendite- und Erfolgsziele möglichst ohne größere Umwege – also mehr oder weniger hohe Verluste – erreichen zu können. Auch Händler von Futures vertrauen in vielen Fällen auf Strategien, die ihnen gute Chancen für kurz-, mittel- oder langfristige Gewinne einbringen können bei geschickter Anwendung in der geeigneten Situation. Ein solcher strategischer Ansatz nutzt die sogenannten „Pivotpunkte“. Sie begegnen Händlern oft auch in der Schreibweise als „Pivot-Punkte“ oder „pivot points“. Vorrangig wurden die Punkte in früherer Zeit im Umfeld der Märkten für den Handel mit Commodities verwendet, bis vor einigen Jahren auch Futures-Trader die Gelegenheiten zu schätzen lernten. Entwickelt wurde das Konzept der Pivot0Punkte durch Dr. Bruce Gould, wobei die Grundlage im sogenannten Preiszonenansatz zu sehen ist.

Anfangs- und Schlusskurse verschiedener Handelstage werden verglichen

Im Vergleich zum ursprünglichen Ausgangsszenario muss allerdings eine gewisse Korrektur vorgenommen werden. Denn das Modell der Preiszonen sah vormals die Analyse der Verläufe von Kursen in einem Beobachtungszeitraum von 24 bis 36 Monaten vor – typisch für den Handel mit Futures also. In anderen Bereichen wurde das Format der Preiszonen dann auf kürzere Analyse-Intervalle ausgerichtet. Genauer gesagt: Meist spielen Kursverläufe in einem Zeitfenster von einzelnen Handelstagen eine zentrale Rolle, wenn das System der Pivot-Punkte eine praxisnahe Anwendung findet. Kalkuliert werden dabei die aktuellen Kurswerte jeweils in Relation zu den Kursen vom Vortag.

Das Ziel: Widerstände und Unterstützungen kalkulieren

Hintergrund der Analyse ist dabei stets der Versuch, eine Definition dessen zu erreichen, welches Kursniveau als potentieller Bereich für Unterstützungen oder Widerstände im Intraday-Umfeld wahrscheinlich ist. Ein gewisses mathematisches Basiswissen ist durchaus empfehlenswert, damit Trader die Funktionsweise der Pivotpunkte verstehen können. Zu den elementaren Fragestellungen gehört die Überlegung, inwieweit sich die Regeln des Tradings auf Basis der Pivotpunkte in der Realität sinnvoll anwenden lassen und ob der Ansatz wirklich seinen Zweck erfüllen kann.

Wie gesagt: Es geht bei der Ermittlung von Pivot-Points darum, markante Stellen für Widerstände und Unterstützungslinien abzuleiten.

Die folgende Formel wird bei der Kalkulation der Pivotpunkte zugrunde gelegt. Die Strategie kann dabei fürs Trading immer wieder erneuten Anpassungen unterzogen werden, bis der gewünschte Erfolg eintritt oder das Konzept zugunsten einer anderen Vorgehensweise aufgegeben wird, die sich in der jeweiligen Situation am Markt besser eignet:

Pivotpunkt PP: (gestriger Höchstwert + gestriger Tiefstwert + Schlusskurs) : 3 

An dieser Stelle ist zu sagen, dass es ein alternatives Rechenmodell gibt, bei dem anstelle des Schlusspreises eines Handelswertes der jeweils ermittelte Tages-Eröffnungskurs berücksichtigt wird.

Für die einzelnen Werte sehen die Berechnungswege wie folgt aus:

1. Widerstand = ((2 x Pivot-Punkt) – Tiefstwert des Vortags)
2. Widerstand = (Pivotpunkt + Höchststand des Vortags – Vortags-Tiefstwert)
1. Unterstützung = ((2 x Pivotpunkt) – Vortags-Hoch)
2. Unterstützung = (Pivot-Punkt – Vortags-Hoch + Vortags-Tiefststand)

Wann gehe ich „short“, wann lohnen sich „Long“-Positionen?

Im Mittelpunkt stehen beim Modell der Pivotpunkte im Bereich des Daytradings und der Verkäufe insbesondere die beiden Widerstandswerte, wenn die betreffenden Werte 1 und 2 übertroffen werden. Hier werden also Short-Positionen eröffnet bzw. aufgebaut. Werden indes die beiden Unterstützungswerte unterschritten, entscheiden sich Händler in aller Regel für Long-Orders. Fraglich ist jedoch: Inwieweit kann diese Regel einer genauen Analyse standhalten im Alltag eines Traders?

Trader sollten jederzeit für Korrektur-Ansätze offen sein

Die Fragestellung ergibt sich ganz zwangsläufig aus der Erkenntnis, dass theoretische Gedankenspiele letzten Endes in der praktischen Umsetzung eben nicht immer ihren erhofften Zweck erfüllen können. Der Grund ist im Zusammenhang mit den Pivotpunkten in erster Linie darin zu sehen, dass der Hinweis auf den vermeintlichen Nutzen von Short-Positionen bei Überschreitung des ersten Widerstandswertes keine wirklichen Risiko-Informationen beinhaltet. Hier müssen Trader im Grunde einen Schritt über die erste Berechnung hinausgehen, um weitergehende Daten zu ermitteln, die ihnen dabei helfen, angemessene Entscheidungen zu treffen.

Wie gehen wir also sinnvollerweise vor?

Die drei folgenden Schritte können einen ersten guten Einblick in die Marktsituation erlauben, hier am Beispiel eines Futures auf den Deutschen Aktienindex (DAX):

    • Ermittlung der jeweiligen tagesaktuellen Pivotpunkte sowie Kalkulation der aus den Punkten folgenden Widerstands- und Unterstützungs-Werte, also der Extrempunkte, die das Ergebnis der Pivot-Punkte sind – auf Basis des DAX-Kurses bzw. DAX-Futures
    • Eröffnen einer Short-Position, sofern es zur Überschreitung des ersten vorab ermittelten Widerstands-Kurses kommt, oder einer Long-Order, wenn der Kurs des DAX-Futures (auch „FDAX“) die 1. Unterstützungsmarke im Analyse-Zeitraum unterschreiten sollte
    • Folge-Annahme: Der Kurswert wird infolge des Unter- bzw. Überschreitens eine Entwicklung in Richtung des Ausgangswertes des berechneten Pivotpunktes aufweisen. Das Ergebnis ist eine Positions-Auflösung (also der Long- bzw. Short-Positionen) zum Schlusskurs

Bis zum Gewinn kann es mitunter etwas dauern

Etwaige Stopp-Kurse bleiben bei diesem Kontratrend-Ansatz zunächst einmal unberücksichtigt. Unterm Strich kann bei dieser Vorgehensweise herauskommen, dass spätestens auf lange Sicht (gemeint sind hier Verfahren über eine Reihe von Jahren) durchaus hohe Verluste entstehen können. Das ist übrigens selbst dann möglich, wenn für die Positionen Stopp-Kurse eingerichtet worden sind. Hier wäre am ehesten damit zu rechnen, dass der gesamte Verlust weniger massiv ausfallen würde. Der gewünschte Erfolg des Handels bleibt also aus, wenn eine Gegentrend-Position oberhalb des ersten Widerstands-Wertes eröffnet oder eine Entscheidung zugunsten einer konträren Position unterhalb der Unterstützung getroffen wird. Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs liegt es nahe, die jeweils zweiten Pivotpunkte als Alternative für die Tradingstrategie zu erkennen. Doch leider fällt das Minus bei dieser Arbeitsweise im Ernstfall noch dramatischer aus als bei der Orientierung über die ersten Widerstands- und Unterstützungs-Marken.

Erstaunlich daran ist aus analytischer Sicht, dass dieser Ansatz in vielen Ratgebern Erwähnung findet als erfolgversprechend. Dabei nutzen Stopp-Marken selbst an dieser Stelle eher wenig, um stabile und sichere Erträge zu erreichen.

Einzige Option – wiederholte Anpassung der Pivotpunkt-Regeln?

Konstante Nachbesserungen der Tradingstrategie scheinen also unausweichlich zur Arbeit der Händler zu gehören, die Pivotpunkte zum Einsatz bringen möchten. Viele Korrekturen können dabei nur ein weiterer Zwischenschritt auf dem Weg zum ersehnten Gewinn sein. So können Trader möglicherweise bei Erreichen eines Wertes über dem ermittelten Pivot-Punkt beim Eröffnungskurs an einem Handelstag eine Long-Position ausführen und sich dafür entscheiden, die Order bis zum Ende des Tages zu halten. Zugleich kann eine Short-Positionen geplant werden, sofern sich Eröffnungskurs unterhalb des Pivotpunkts einfindet. In diesem Fall würde die Positionierung ebenfalls bis zum Schließen des Handelsplatzes am betreffenden Tag Bestand haben.

Einen garantierten Gewinn gibt es bei diesem Szenario dennoch nicht. Allerdings kann konsequentes Festhalten an der Strategie über Jahre hinweg zur Rendite führen.

Der richtige Moment fürs Eröffnen und Schließen muss gefunden werden

Umgekehrt kann das zuletzt präsentierte Modell übrigens ebenfalls einem Test unterzogen werden. Worum geht es? Die genannten Regeln lassen sich ebenso andersherum ansetzen. Dies würde heißen, dass Short-Positionen auf derivate Finanzinstrumente eröffnet werden, falls der Eröffnungskurs an einem Handelstag über dem kalkulierten Pivot-Punkt zu liegen kommt. Dem gegenüber steht in diesem speziellen Umfeld eine Long-Position, wenn der Eröffnungspreis eines Basiswertes hinter dem berechneten Pivot-Punkt zurückbleibt. Geschlossen werden die Positionen mit Bezug zum jeweiligen Schlusskurs. Aber: Die Erträge bei einem solchen Vorgehen sind ebenfalls nicht immer und in jeder Phase des Marktes erfolgversprechend.

Bessere Aussichten auf Renditen ergeben sich je nach Umgebung am Markt bzw. Stand und Entwicklung eines Wertes bei folgender Arbeitsweise:

Händler X ermittelt wie gehabt die Widerstände und Unterstützungen. Dabei wird nicht nur der Pivotpunkt, sondern auch der Vortageskurs berücksichtigt. Wird die erste Ebene des Widerstands überschritten, geht der Trader long – die Order wird wie gehabt bis zum späteren Schlusskurs gehalten. Wird die Unterstützung unterschritten, geht der Anleger short, wobei auch hier der Schlusskurs für das Beenden der Position abgewartet wird. In diesem Fall können langfristig Gewinne erreicht werden. Zumindest aber kann ein vergleichsweise gutes Gewinn-Verlust-Verhältnis im Vergleich mehrerer Zeiträume erreicht werden.

larserichsen

Mein Fazit

Oft dauert es eine ganze Weile und braucht es mehrere schrittweise Korrekturen des klassischen Handelsansatzes über die Pivotpunkte, bis erstmals die Gewinnzone angesteuert werden kann. Wie überall gibt es natürlich auch bei dieser berühmten Tradingstrategie keine Garantie für den Erfolg. Jedoch können Händler, die sich eingehend mit der durchaus komplexen und facettenreichen Materie und dem System hinter den Pivotpunkten befassen, rentabel an den verschiedenen Handelsplätzen und Börsen spekulieren. Teilweise reichen geringe Anpassungen, um das Verhältnis von Gewinnen und Verlusten zu eigenen Gunsten zu optimieren. Wichtig ist generell, dass niemals pauschale und allgemeingültige Definitionen eines bestimmten Erfolgsmodells getroffen werden können.

Autor: RP