Mischformen als Tradingstrategie in der Praxis

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • In vielen Momenten am Markt macht es sich für Händler sehr bezahlt, nicht zu streng an einer bestimmten Tradingstrategie festzuhalten → denn so läuft man als Trader im Grunde immer latent Gefahr, gute Gelegenheiten zu verpassen, weil man zum Beispiel nur kurzfristige oder einzig langfristige Entscheidungen trifft.
  • Händler können aus dem Bauch oder allein mit „Köpfchen“ traden → beide Wege können zum Erfolg führen, oft aber sind es eher die Mischformen mit fundamentaler und technischer Analyse, aus denen sich Chancen ziehen lassen.
  • Strategische Mischformen sind im Prinzip in jedem Segment des Finanzmarktes interessant. Dies bedeutet nicht nur, dass Kopf und Bauch entscheiden dürfen, sondern dass zugleich sowohl fundamentale Daten als auch technische Analyse-Faktoren ein Thema sein können.

Chance verpasst durch zu engstirniges Trading?

mischformen tradingstrategieUm mit Erfolg traden zu können, ist es in vielen Phasen des Marktes für Broker-Kunden leider wenig sinnvoll, dauerhaft und ohne Wenn und Aber auf eine einzige Tradingstrategie zu setzen und selbst bei mehrfachen Verlusten in kurzer Zeit keine Korrektur der Marschrichtung in Betracht zu beziehen. In professionellen Erfahrungsberichten findet sich immer wieder Hinweise darauf, dass Mischformen in der Praxis als Tradingstrategie sogar dramatisch bessere Ergebnisse ermöglichen können. Dabei muss direkt erwähnt werden, dass solch ein Mixen verschiedener strategischer Konzepte nicht blindlings und ohne organisiertes Vorgehen erfolgen darf, da dabei eher auf das eigene Glück als auf sinnvolle Planung gesetzt wird.

Mit dem Begriff der „Mischform“ ist in erster Linie eines gemeint: Trader, die mit Forex- oder CFD-Werten (und natürlich ebenso anderen Finanzinstrumenten wie Optionen oder Futures) handeln möchten, können sich grundsätzlich entweder für fundamentales Trading oder die technische Analyse entscheiden.

Offen sein für verschiedene strategische Varianten des Tradings

Doch diese scheinbar notwendige „entweder … oder …“ erweist sich im Alltag für Anleger eben oft als falscher Weg. Eher sollten sie eben darüber nachdenken, eine Mischform beider Tradingstile zu nutzen, um die ersehnte Rendite am Finanzmarkt zu realisieren. Der Grund, weshalb diese Entscheidung oft dringend empfehlenswert ist, ist darin zu sehen, dass je nach Marktphase weder allein Kennzahlen und ökonomische Daten der Fundamentalanalyse noch allein die typischen Algorithmus-Merkmale der technischen Analyse zum Ziel führen können und werden.

Risiko muss wie gewohnt individuell definiert werden

Fast in jeder Situation bringt es Händler weiter, sich mit Mischformen als Tradingstrategie in der Praxis mit guten Gewinnchancen zu befassen. Dazu gehört im Grunde auch, sich immer wieder selbst die Frage zu stellen: Ist die derzeitige Strategie, an der ich schon seit längerem festhalte, meinen Ansprüchen an Risiko- und Money-Management überhaupt noch in der erforderlichen Art und Weise gewachsen? Falls ja, ist alles gut. Sollte die Antwort hingegen Nein lauten, braucht es eine Neuausrichtung. Vielfach reichen dabei schon kleinere Optimierungen in die eine oder andere Richtung, ohne dass die Strategie gleich gänzlich verworfen und eine neue entwickelt werden muss. Es geht einfach darum, abzuwägen, wann und wie welche Mischformen in der Praxis als Tradingstrategie am ehesten einen Gewinn nach sich ziehen und mit welchem Risiko dies jeweils verbunden wäre.

Zwischen technischer und fundamentaler Analyse zurechtfinden

Hinterfragt man die Erfolgskonzepte renommierter Händler, kommt dabei oft heraus, dass diese niemals nur „Techniker“ oder nur „Fundamental-Analysten“ sind. Mischformen sind ein beliebter Weg, um verschiedene Faktoren miteinander zu kombinieren, die sonst bei allzu eng gesteckten strategischen Modellen kaum in Einklang gebracht werden können. Ein Mischen der technischen und der fundamentalen Analyse bringt unter anderem folgende Vorteil:

  1. die technische Analyse offenbart Händlern, bei welchen Kursmarken sie am besten ein- bzw. wieder aus dem gehandelten Wert aussteigen.
  2. Die Fundamentalanalyse auf der anderen Seite informiert mich als Trader darüber, in welche Richtung sich der Kurs eines Devisenpaars oder anderen Finanzinstruments aller Wahrscheinlichkeit nach entwickeln wird.

Dies gilt auch bei der Anwendung automatisierter Handelssysteme, bei denen Programme Tradern die manuelle Ausführung abnehmen und auf Basis der vorab eingerichteten Parameter handeln. Automatisierte Handelsstrategien funktionieren allerdings nur bei der technischen Analyse.

Ein Beispiel für eine Mischform in der Praxis:

Ein Händler arbeitet normalerweise weitgehend fundamental. Dies bedeutet dementsprechend, dass der Trader zukünftige Kursveränderungen, etwa im Bereich der Aktien, aus Unternehmensmeldungen abzuleiten versucht. Geschäftsbilanzen sind hier ebenso dienlich wie Ad-hoc-Mitteilungen oder bestimmte betriebswirtschaftliche Kennzahlen: An dieser Stelle seien unter anderem Umsätze sowie Verbindlichkeiten der Aktiengesellschaften genannt. Auf volkswirtschaftlichem Terrain geht es bei der Fundamentalanalyse unter anderem um Devisen-Daten aus dem jeweiligen Wirtschaftsraum, die Leitzinssätze, Arbeitsmarktzahlen oder auch das Bruttoinlandsprodukt. Fundamental arbeitende Händler setzen beim Vergleich eher auf größere Zeitfenster, was nicht heißt, dass eine Anwendung nicht auch im Bereich des Intraday-Handels infrage kommen kann. Allerdings geht es dann eher um überraschende Meldungen (Stichwort „Newstrading“).

Können Kurse wirklich vorhergesagt werden?

Technische Analysten müssen weniger tief in die Materie eintauchen, weshalb sich dieser Analyse-Ansatz auch leichter verstehen und erlernen lässt in vielen Fällen. betrachten Trader „lediglich“ vergangene Entwicklungen der Kurse, um so Aussagen über die Zukunft treffen zu können. In den genannten beiden Analyse-Bereichen gibt es durchaus Grund zur Kritik, die vor allem im Rahmen der Random-Walk-Theorie manifestiert wird. Die Grundaussage der Theorie: Kurse am Markt sind generell nicht prognostizierbar und ergeben sich durchweg in zufälliger Art und Weise.

Automatisches Trading ebenso mit verschiedenen Strategien möglich

Zudem geht es eben nicht immer allein um die Frage, in welcher Phase des Marktes eher die Fundamentalanalyse geeignet ist und wann sich die technische Analyse als Erfolgsbasis anbietet. Auch die strategische Vorgehensweise darüber hinaus muss auf dem Weg zur Rendite thematisiert werden. Interessant kann es für Händler sein, im ersten Schritt mittels fundamentaler Analyse herauszufinden, in welche Richtung sich der Kurs entwickelt, während die technische Analyse einen Hinweis darauf gibt, wann der ideale Zeitpunkt für den Einstieg und später auch für den Ausstieg gekommen ist. Wer sich die nötige Zeit für die manuelle Ausführung nicht nehmen kann oder will, hat die Option, durch automatisierte Handelssysteme nach selbst festgelegten Parametern automatisch Orders ausführen oder Positionen schließen zu lassen.

Generell ist zu beachten:

Nur bei der technischen Auswertung kann automatisiertes Trading genutzt werden, da fundamentale Kennzahlen eben keine Ausführung durch Automatik-Systeme erlauben – eben aufgrund der mitunter emotionalen Basis der ökonomischen Daten bei Unternehmensaktien, Devisen und anderen Handelswerten am Markt.

Die verschiedenen Händlertypen in der Übersicht

Es gibt verschiedene Typen von Händlern, was auch dazu führt, dass die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Kategorien der Strategien im Grunde eher fließend als strikt sind. Eben daraus ergeben sich Mischformen des strategischen Handels am Finanzmarkt. Jeder Anleger für sich lässt sich eben nicht einzig und allein in eine perfekte Rubrik einordnen. Korrekt ist jedoch, dass es meist eine Gewichtung in die eine oder andere Richtung gibt. Wichtiger als diese Einordnung ist ohnehin eine sachgemäße und sinnvolle Anwendung der Strategie. Außen vor lassen sollten Trader vielfach ihre normalen Instinkte – will heißen, natürlichen Fluchtmechanismen sollten Anleger beispielsweise oft widerstehen und besser an den erzielten analytischen Ergebnissen festhalten.

Eine Mischform könnte etwa so aussehen, dass Trader im ersten Schritt die fundamentalen Daten eines Unternehmens zur Grundlage ihrer ersten Entscheidung machen. Sie betrachten also aktuelle Unternehmens-Meldungen wie die Geschäftszahlen. Im nächsten Schritt kommt die technische Analyse zum Einsatz, um zum Beispiel durch Pivotpunkte zu berechnen, an welchem Kurspunkt der Einstieg lohnend ist.

Handeln können Trader letzten Endes sowohl aus dem Bauch heraus, allein mit dem Kopf oder mit dem Herzen – so theatralisch diese Kategorisierung für manchen Leser klingen mag, so zutreffend kann sie sein.

Einige mögliche Trading-Muster

1. Das Handeln mit dem Bauchgefühl

Wer aus dem Bauch heraus entscheidet, agiert meist im Bereich des Kurzfrist-Handels, gerne und mit Vorliebe im Daytrading, da hier spontane Trades eröffnet und geschlossen werden. Solche Bauchentscheider aber riskieren vielfach unüberlegt riskante Positionen. Ein Vorteil besteht dagegen darin, dass Trader ihr Verhalten sehr rasch an veränderte Bedingungen am Markt anpassen können. Dauerhaft an eigene Entscheidungen festhalten? Händler, die mit dem Bauch „denken“, sind nicht an diesen Grundsatz gebunden. Dafür braucht es aber regelmäßige Kontrollen der Verhaltensmuster, denn beim Handeln aus dem Bauch heraus sind die Möglichkeiten der Kontrolle überschaubarer, als es sich viele Trader vorstellen können.

2. Das Herz allein Entscheidungen treffen lassen

Im literarischen Werk „Der kleine Prinz“ lautet einer der bekannten Schlüsselsätze „man sieht nur mit dem Herzen gut“. Auch beim Trading in den diversen Richtungen können Händler genau ihr Gefühl zur Basis ihrer Positionen machen. Dabei geht es darum, dass Order-Aufträge ein „gutes Gefühlt“ vermitteln. Für Theoretiker ist dieser Weg wie das Handeln aus dem Bauch heraus oft nicht nachvollziehbar. Dennoch sind Erfolge keineswegs ausgeschlossen. Nicht zuletzt werden Vertreter der Random-Walk-Theorie wohl die Herzentscheidung wegen der vermeintlich willkürlichen Kursentstehungen am Markt verstehen können. Das Emotionale statt einer rationalen Ausrichtung aber birgt natürlich Risiken. Händler, die „mit dem Herzen“ spekulieren, sind im mittelfristigen Bereich am häufigsten anzutreffen. Die Handelsstrategien des Swingtradings oder des Positions-Tradings sind in diesem Bereich sehr beliebt. Eine Gefahr ist darin zu sehen, dass dieser Händler-Typus leicht länger als angemessen an einzelnen Positionen festhalten kann. Der Versuch, Verluste auszusitzen, will jedoch im Alltag nicht immer gelingen. Eher können regelrechte Horrorszenarien die Folge sein. Eine gesunde Portion Realismus kennzeichnet den Herzentscheider dennoch in aller Regel.

3. Rein analytisches Traden mit dem Kopf

Den Verstand einzuschalten, um Gewinne mit Mischformen oder einzelnen Strategien zu realisieren – das ist das erklärte Ziel der Händler, die sich selbst als eine Art „Kopf-Händler“ bezeichnen würden. Hier steht die Analyse im Zentrum, Emotionen werden dabei weitgehend abgekoppelt. Diese Tradergruppe ist vorrangig im langfristigen Handel vertreten. Zudem sind viele dieser Händler im Bereich der Trendfolgestrategie aktiv. Die langfristige Orientierung ergibt sich auch daraus, dass in diesem Bereich so exakt geplant wird. Entstehen Verluste, überarbeiten Kopf-Trader ihre einmal getroffenen Entscheidungen direkt wieder, statt Verluste ruhig auszusitzen. Händler dieser Kategorie wissen meist sehr genau, in welchen Umfang sie die Kontrolle über ihre Investitionen behalten können. Dafür aber besteht im Einzelfall das Risiko, aufgrund eines zu hohen Angstlevels einen Kontrollverlust in Kauf zu nehmen. In der Folge könnten gute Handelschancen übersehen werden.

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Mein Fazit

Mischformen gibt es in der Praxis nicht nur mit Blick auf die Tradingstrategien wie Pivotpunkte oder die Ansätze der Trendfolge bzw. des Kontratrend-Ansatzes. Auch zwischen den genannten Trader-Gruppen können Händler je nach Situation halbwegs flexibel wechseln. Das bedeutet, dass Händler, die sonst eher emotional vorgehen, durchaus hin und wieder rein analytisch-objektiv mit dem Kopf investieren können. In anderen Fällen vertrauen Kopfmenschen vielleicht gelegentlich auf ihren Bauch, um neue Positionen zu eröffnen oder zu schließen, wenn sie das Gefühl haben, dass schon bald das Ende eines aktuellen Trends bevorsteht.

Autor: RP