Auf welche Märkte und Anlageklassen gibt es Zertifikate?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Händler, die zuvor schon an anderen Märkten tätig waren, zeigen sich meist wenig verwundert darüber, welch enorme Auswahl ihnen an den weltweiten Zertifikate-Börsen präsentiert wird. Die Risiken von Produkten zu ein und demselben Basisprodukt können allerdings je nach Herausgeber und Standort durchaus variieren.
  • Schuldverschreibungen sind letzten Endes auf fast jedes Basisprodukt emittierbar → prüfen müssen Anleger, welche Angebote zu ihnen und ihrer Risikobereitschaft am besten passen.
  • Manches hochspekulative Zertifikat spricht eher professionelle Händler an, während einfacher strukturierte Angebote auch und gerade Anleger ansprechen, die eher nach einem Weg Ausschau halten, um eine bessere Streuung des Risikos innerhalb ihrer Depots zu erreichen.

Immer neue Märkte und Anlageklassen von Zertifikatbörsen erschlossen

welche maerkte und anlageklassenIm Bereich der Schuldverschreibungen, noch genauer: innerhalb des Marktes für derivative Finanzinstrumente, sind Zertifikate auf den ersten Blick erst einmal ein Produkt, das sich in weiten Teilen durch sehr eindeutige Strukturen auszeichnet. Die Tatsache aber, dass Emittenten Produkte im Grunde auf gefühlt alle anderen Angebote herausgeben dürfen, lässt die Bandbreite der Formate nahezu ins Endlose steigen. Die Ratgeber-Rubrik „Auf welche Märkte und Anlageklassen gibt es Zertifikate?“ fällt dementsprechend umfangreich aus.

Der Begriff des Strukturierten darf des Weiteren in diesem Kontext von unerfahrenen Anfängern auf keinen Fall missverstanden werden. So existieren auf der einen Seite die mitunter hochspekulativen Hebelzertifikate, denen auf der anderen Seite Produkte an den Zertifikate-Börsen gegenüberstehen, die sich durchaus im direkten Vergleich durch einen guten Kapitalschutz auszeichnen.

Weltweit aktive Händler wählen aus endloser Produkt-Vielfalt

Auf den ersten Blick kann gesagt werden, dass es auf dem Sektor der Schuldverschreibungen eine Vielfalt von Konstruktionen gibt, die zumindest für Laien ins schier Endlose zu steigen scheint. Faktisch ist diese Einschätzung natürlich nicht zutreffend, auch dann, wenn es neben den Standardtypen immer neue Varianten gibt, um als Herausgeber – also in der Regel als Bank – im Grunde ausnahmslos jede Meinung am Markt abbilden zu können. Darüber hinaus arbeiten zum Teil auch Unternehmen mit eigenen Zertifikaten, zum Beispiel mit dem Ziel, einen Schutz gegen den erwarteten Anstieg von Rohstoffpreisen zu erreichen. Mittlerweile bietet der Markt weltweit nach Aussagen von Experten über 300.000 Zertifikate-Produkte mit oft sehr unterschiedlich hohem Bonitätsrisiko. Andere Beobachter gehen davon aus, dass an den Börsen und um sie herum sogar längst mehr als 1,0 Millionen Zertifikate für den Handel bereitstehen. Genügend Vielfalt wird dem Anleger also allemal geboten.

Nicht allein Profi-Händler können Erfolge realisieren

Schon die Erkenntnis, dass sich sehr viele verschiedene Emittenten am Markt bewegen, macht eine genaue Analyse für Händler in spe dringend erforderlich. Dass jede Marktmeinung abgebildet werden kann, stellt einen elementaren und für viele Interessenten lohnenden Vorzug gegenüber anderen Anlageklassen wie Aktien oder Gold da. Nichtsdestotrotz werden wir im im Folgenden erkennen, dass Zertifikate ohne Verpflichtungen für Anleger auskommen und auf eine enorme Menge von Märkten und Anlageklassen bezogen gehandelt werden können. Die Zeit, in der Zertifikate einzig und allein institutionellen Investoren zum Vorteil gereichten, sind Geschichte. Stattdessen sind die Produkte auch für ganz normale Anleger zur spannenden Alternative geworden.

Investment indirekt auf die zugrunde liegenden Basiswerte

Da es bei Zertifikaten nicht um eine direkte Geldanlage geht, sondern um ein Produkt, dessen Wert von der Entwicklung eines Basiswertes abhängt, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis infolge der ersten Emission eines Zertifikats –eines Indexzertifikats auf den Deutschen Aktienindex (DAX) im Frühsommer des Jahres 1990 – auch derivate Wertpapiere dieser oder ähnlicher Art auf andere Finanzprodukte in den Handel kommen würden. Den Grundstein für den heutigen Erfolg legte damals übrigens die Dresdner Bank, die für die Emission des DAX-Papiers verantwortlich zeichnete.

Welche Underlyings mittlerweile hinzugekommen sind und auf welche Märkte in den vergangenen Jahren nach und nach ebenfalls spekuliert werden konnte, muss sich in den nächsten Abschnitten noch im Einzelnen zeigen.

Eine erste Quasi-Regel könnte lautet:
Erlaubt ist, was dem Emittenten gefällt. Und letzten Endes selbstredend den Käufern, denn ohne sie geht an Zertifikatebörsen und außerbörslich logischerweise ebenfalls nichts.

Als zweite Regel ließe sich formulieren:
Im Falle einer Emittenten-Pleite realisiert automatisch auch der Anleger einen Totalverlust, sofern kein rechtzeitiger Verkauf umgesetzt worden ist.

Auch staatliche Emittenten-Regulierung nimmt Produkten nicht das Risiko

Erklären lässt sich dies damit, dass sich Zertifikate nicht in die Kategorie des Sondervermögens einordnen lassen, was dazu führt, dass die derivaten Finanzinstrumente Teil der normalen Insolvenzmasse sind. Zertifikate dienen der Refinanzierung ihrer Herausgeber und kommen ohne eine feste Verzinsung aus. Hier geht es darum, dass Anleger am eigentlichen Börsengeschäft partizipieren – über steigende oder sinkende Kurse bzw. alternativ, genau genommen, sogar in Seitwärtsbewegungen. Chancen sowie Risiken stehen und fallen mit der Produktart – „gehebelt oder nicht?“ ist eine der zentralen Fragen, die mit der Überlegung verbunden sind, auf welche Märkte und Anlageklassen es Zertifikate gibt. Absichern oder reines Spekulieren, beides ist mit Produkten dieser Art denkbar. Teilweise kann mit sogenannten Twin-Win-Zertifikaten sogar zeitgleich auf steigende und sinkende Kurse gewettet werden.

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage, auf welche Märkte und Anlageklassen spekuliert werden kann. Zu nennen sind als Basiswerte insbesondere:

  • Aktien
  • Indizes
  • Rohstoffe (wie Gold, Zink, Aluminium etc.)
  • Fonds
  • Anleihen (Unternehmens- oder Staatsanleihen)
  • Hedge-Funds
  • Zinsen
  • Emissionsrechte
  • Strom und andere Energien
  • Immobilien(-Indices)
  • Devisen bzw. Devisenpaare
  • Etablierte wie auch exotische Märkte
  • bestimmte Branchen („Basket-Zertifikate“)
  • Futures

Fehlenden Einfallsreichtum kann man den Emittenten weltweit jedenfalls nicht unterstellen, wenn man sich die Angebote anschaut, die entweder an einer Zertifikate-Börse oder außerbörslich direkt über die Emittenten offeriert werden.

Angebote der Börsen auch auf komplette Märkte verfügbar

In jedem Fall erlauben die Produkte eine genaue und gezielte Steuerung des individuellen Risikos. Dabei muss es nicht in jedem Fall ein bestimmter einzelner Basiswert sein. Ganze Märkte stehen zur Wahl, wenn Anleger eine entsprechende Entscheidung in diese Richtung zu treffen bereit sind. So konnte in der Vergangenheit mancher Spekulant durch das Wetten auf komplette osteuropäische oder asiatische Märkte eindrucksvoll hohe Gewinne erreichen. Die obige Liste der Kategorien ist nur eine Auswahl, denn, wie schon angesprochen, sind auch andere Produkte potentiell mehr oder minder gut geeignete Basiswerte für den Handel an Zertifikat-Börsen. Am Beispiel sogenannter „Basket-Zertifikate“ wird deutlich, wie viel Spielraum Emittenten ausschöpfen können: So werden Zertifikate in diesem Bereich unter anderem auch auf die Aktien verschiedener Sportwetten-Dienstleister oder auf Wertpapiere von Spirituosen-Herstellern angeboten.

„Natürliche“ Grenzen gibt es nur bedingt für Emittenten

Letzten Endes aber sind Herausgebern kaum Grenzen gesetzt, wenn sie Körbe zusammenstellen, um Anleger für sich zu gewinnen. Deutlich wird dies spätestens beim Blick auf sogenannte Sport-Zertifikate, bei denen auf sportliche Events wie Fußballspiele gewettet werden kann – hier handelt es sich wohl nicht mehr um Produkte, die von Banken emittiert werden. Technisch sind sie eher nicht als sonderlich seriös zu bezeichnen. Flexibilität wird jedenfalls für Emittenten wie für Käufer und Verkäufer am Markt inzwischen groß geschrieben. Für den Einstieg eignen sich vielfach sichere Märkte wie der deutsche oder andere europäische Märkte, an denen dramatische Schwankungen – abgesehen von unerwarteten akuten Nachrichten oder einem Krisenausbruch – meist eher nicht zu erwarten sind.

Insgesamt kann zusammenfassend gesagt werden: Basiswerte, die an sich schon als relativ riskant zu bezeichnen sind, werden dieses Risiko in aller Regel auch bei entsprechenden Zertifikaten mit sich bringen.

stefan

Mein Fazit

Wir haben in den vorangegangenen Abschnitten erkannt, dass es im Grunde fast keine Grenzen für die Emission von Zertifikaten gibt. Zeichnen sich solche Grenzbereiche indes dennoch ab, liegt dies daran, dass die Herausgeber möglicherweise in Bereichen tätig werden, die kaum oder nur sehr bedingt einen Zusammenhang mit den internationalen Finanzmärkten aufweisen. Ansonsten bestimmt insbesondere die Risikofreude der Anleger, welche Märkte und Anlageklassen für welchen Händlertypus am Ende wirklich von Interesse sind.

Autor: Agnes Nitsche