Welche Risiken bestehen beim Zertifikatehandel?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Ganz ohne Risiko geht auch der Zertifikate-Handel wie erwartet niemals vonstatten. Der Schlüssel zum eigenen Erfolg ist darin zu sehen, dass Händler sehr bewusst entscheiden, welche Gewinne sie erreichen möchten und welches Risiko sie im Gegenzug auf Basis ihrer Budgets einzugehen bereit sind.
  • Der Markt bietet Anlegern Gelegenheiten in gefühlt zahllos vielen Risikoklassen → wie riskant Produkte gestaltet sein dürfen, können und müssen Händler für sich allein abwägen; zu Beginn sind weniger riskante Angebote grundsätzlich zu empfehlen!
  • Zumindest in der reinen Theorie kann der komplette Einsatz beim Zertifikathandel verloren gehen. Die Praxis aber zeigt, dass renommierte Emittenten nur in Extremfällen von einer Insolvenz bedroht sein werden.

Kursentwicklungen bei Zertifikaten können positiver & negativer Natur sein

Wie schon bei der Frage nach den Märkten und Anlageklassen, die für Zertifikate in Frage kommen, kurz angesprochen wurde, entscheiden Anleger maßgeblich mit darüber, welche Risiken beim Zertifikatehandel hinzunehmen sind, um sich Chancen auf eine gute Rendite oberhalb des aktuellen Durchschnitts zu sichern. Zumeist weisen Analysten darauf hin, dass Zertifikate wie alle anderen Anlagevarianten zwangsläufig ein gewisses Risiko bergen. Überall, wo Händler Gewinne realisieren können, lauern Risiken, dass wenigstens ein Teil des investierten Kapitals verloren geht. Das größte Risiko beim Spekulieren an einer Zertifikate-Börse ist auf der einen Seiten im möglichen Totalverlust bei einer Insolvenz des verantwortlichen Emittenten zu sehen. Auch wenn in vielen Fällen große Unternehmen, vor allen anderen Banken hinter den Produkten stehen, grenzt dieses sogenannte Emittentenrisiko bedingt ein.

Jedes Zertifikat birgt das theoretische Risiko eines Totalverlusts

Welche Risiken bestehen beim ZertifikatehandelEinen Schutz für den absoluten Ernstfall aber gibt es nicht, da Zertifikate nicht als Sondervermögen bewertet werden und aus diesem Grund keinen Platz unter dem Insolvenz-Schutzschirm finden. Dieses Risiko müssen sich zukünftige Anleger immer wieder vor Augen führen. Und zwar nicht zuletzt in Fällen, in denen sie Produkte nicht als Erstbesitzer direkt vom Emittenten, sondern über Dritte erwerben.

Die allgemein existierenden Marktrisiken können Interessenten aber zu einem gewissen Teil abschwächen, indem sie weniger risikobehaftete Zertifikate bevorzugen.

Zu diesen gehören unter anderem:

  • Bonus-Zertifikate
  • Discount-Zertifikate
  • Garantie-Zertifikate

Auszuschließen sind schmerzliche Verluste allerdings im Extremfall auch bei derivaten Finanzprodukten dieser Art nicht. Kommt es zu erheblichen Verlusten des Basiswert-Preises, fallen die Einbußen des Anlegerkapitals schlimmstenfalls ebenfalls massiv aus.

Zertifikat-Produkte mit garantierter Auszahlung bieten Anlegern Sicherheit

Als löbliche Ausnahme sind an dieser Stelle die Garantie-Zertifikate zu nennen. Sie zeichnen sich immerhin dadurch aus, dass Investoren bei Eintreten des Termins der Fälligkeit auf eine Auszahlung ihres ursprünglichen Kapitaleinsatzes vertrauen können. Der Konkurs eines Herausgebers würde aber selbst in diesem Bereich einen Totalverlust zur Folge haben. Wobei dies nur die halbe Wahrheit ist: An sich haben Anleger in einer solchen Situation natürlich einen Anspruch darauf, wie andere Gläubiger im Rahmen ihrer Ansprüche aus der Insolvenzmasse ausgezahlt zu wurden. Indes werden Zertifikat-Besitzer in aller Regel erst an zweiter oder dritte Steller der Gläubiger-Liste stehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich einen Bruchteil ihres Geldes zurückbekommen.

Welche Risiken bestehen nun beim Zertifikatehandel mit anderen Instrumenten? Als besonders riskant gelten in diesem Umfeld Produkte wie

  • Turbo-Zertifikate
  • Knock-out-Papiere

In diesen besonderen Fällen verhält sich die Lage so, dass sogar vergleichsweise geringe Verluste des Kurses beim zugrundeliegenden Basiswert am Ende gar zu einem kompletten Verlust des Einsatzes führen kann.

Auch Sparer können mit Zertifikaten auf lange Sicht spekulieren

Sparplanfähige Zertifikate, die einen konstanten Vermögensaufbau erlauben, stammen oft eher aus dem Bereich der weniger riskanten Formate. Anleger, die sich eher auf die erfolgreichsten Produkte – sogenannte „Top Performer“ – verlassen, gehen geringere Risiken meist zulasten der Rendite ein. Ganz ohne Risiko erreichen Anleger fraglos niemals Gewinne. Dafür aber gibt es Produkte mit sehr verschiedenen Risikoprofilen, sodass jeder Anleger für sich passende Zertifikatetypen finden kann.

Das Emittentenrisiko allein ist hingegen nicht der einzige Aspekt, der zur Sprache kommen muss. Vor allem natürlich ist das Kursänderungsrisiko zu erwähnen, da die Preise je nach Marktlage positive oder negative Änderungen erkennen lassen können. Befassen müssen sich Investoren deshalb stets mit den allgemeinen Entwicklungen am Markt, mit der konjunkturellen Lage sowie wichtigen Nachrichten, die Auswirkungen auf die Kurse haben können. Ebenso müssen Händler ausdrücklich auf die Nebenkosten achten, da sie nun einmal die endgültige Renditen direkt und nicht immer nur im Geringen mitbestimmen. Welche weiteren Risiken bestehen beim Zertifikatehandel?

Bevor es um weitere Erklärungen der Risiken geht, hier zunächst einige Stichpunkte:

  • Kursänderungsrisiko
  • Korrelationsrisiko
  • Wertverfallsrisiko
  • Währungsrisiko (vor allem natürlich beim Spekulieren im Ausland)
  • Liquiditätsrisiko
  • Risiko der Basiswertlieferung

Ein gutes bzw. natürlich eigentlich negatives Beispiel für die Auswirkungen des Emittentenrisikos war die US-Investmentbank Lehman Brothers, die in der akuten Finanz- und Wirtschaftsrisiko in die Pleite stürzte. Auch viele deutsche Sparer hatten Zertifikate der Bank erworben und mussten einen gravierenden Verlust verdauen, als die Bank in der Rolle als Emittent zahlungsunfähig wurde. Hier erlebten Händler mit, dass sie als Inhaber von Inhaberschuldverschreibungen auf der Liste der Insolvenzverwalter nur als nachrangiger Posten in Erscheinung treten. Die Aussicht, das angelegte Geld in solchen Momenten zurückzuerhalten, stehen denkbar schlecht. Übrigens sei an dieser Stelle nicht nur die potentielle Insolvenz des Herausgebers als Risiko erwähnt. Ebenso kann zum Beispiel das Unternehmen, dessen Aktie als Underlying eines Zertifikats dient, in einen Bankrott stürzen. Der Effekt ist letztlich aus Anlegersicht identisch: Auch hier wäre der Kapitaleinsatz verloren.

Alle Risiko-Varianten müssen für erfolgreiches Trading bekannt sein

Mit dem besagten Kursänderungsrisiko ist selbstverständlich die grundsätzlich bestehende Gefahr gemeint, dass ein Basiswertkurs schwankt. Die Veränderungen des Preises ziehen wiederum eine Preisveränderung des Zertifikats selbst nach sich. Dies kann natürlich Gewinne bringen, andererseits aber ebenso gut zu unschönen Verlusten für Anleger führen. Entscheidend sind an diesem Punkt vor allem die vertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Herausgeber und den Investoren, die eine Entscheidung zugunsten einer Investition treffen. Teilweise können einmal nach unten verbuchte Veränderungen bis unter einen zu Beginn definierten Schwellenpreis im weiteren Verlauf nicht mehr ausgeglichen werden – selbst deutliche Anstiege können Verluste dann nur noch bedingt oder aber gar nicht minimieren. Je stärker ein Basiswert-Kurs schwankt, desto höher ist also das Risiko, dass derartige Grenzwerte sehr schnell berührt werden.

Unter den Begriff des Korrelationsrisikos fallen die verschiedenen Einflüsse und Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung eines Zertifikat-Preises und/oder den Kurs des jeweiligen Basiswertes haben können.

Hierzu gehören unter anderem:

  • Risiken die Wechselkurse betreffend (wird noch genauer definiert)
  • die Erwartungen der (potentiellen) Anleger am Markt
  • mögliche, auch unerwartete Korrekturen des aktuellen Zinsniveaus
  • Dividenden, die Herausgeber auszahlen oder einbehalten

Diese Punkte können in vielen Fällen durchaus zwar zu einer Änderung des Zertifikat-Preises führen, ohne dass es zwingend deckungsgleich zum Änderungs-Ausmaß beim Basiswertkurs ausfallen muss. Eben deshalb wird hier der Terminus Korrelationsrisiko gebraucht.

Angebote können niemals ganz frei von Verlustgefahren sein

Im Falle des Wertverfallsrisiko ist in ähnlicher Weise die Gefahr gemeint, die jedem Basiswert zu eigen ist: Jeder Preis kann von Verlusten betroffen sein. Einzig Kapitalschutzzertifikate können eine gewisse Absicherung gegen dieses Risiko darstellen, allerdings meist ebenfalls nicht in Höhe des kompletten Einsatzes. Auch ist Kapitalschutz nicht gleich Kapitalschutz, wenn es nicht zum Besten um die Kapitaldecke der Anbieter des Schutzmechanismus steht. Des Weiteren sei darauf verweisen, dass ein solcher Kapitalschutz vielfach ohnehin einzig und allein als Absicherung zum Ende der vereinbarten Laufzeit, nicht aber während der Zertifikat-Laufzeit dient.

Handel mit ausländischen Produkten birgt besondere Risiken

Das Währungsrisiko ist erwartungsgemäß immer dann von Relevanz, wenn es sich bei den gehandelten Produkten um Zertifikate auf Basiswerte handelt, deren Kurse in einer Fremdwährung angegeben werden. Hier wiederum ist zwischen „währungsgesicherten“ und „währungsungesicherten“ Zertifikaten zu unterscheiden. Gesicherte Angebote tragen vielfach den Namen „Quantozertifikate“. Sie können aufgrund der eingebauten Sicherung eventuell mit höheren Kosten für Käufer verbunden sein. Die Ausgaben aber können sich lohnen, um wahrscheinliche oder auch nur rein theoretisch bestehende Risiken zum Verkaufszeitpunkt und zum Ende einer Zertifikat-Laufzeit abzufangen. Andernfalls können die Auswirkungen von Währungsrisiken tatsächlich schmerzlich für die Eigentümer von Zertifikaten sein.

Meist werden Zertifikate nicht gleich wieder verkauft

Der nächste Faktor ist das „Liquiditätsrisiko“. Der Begriff meint folgendes Problem: Anleger, die ihr Kapital in ein bestimmtes Zertifikat investieren, tun dies in aller Regel nicht nur für ein paar Minuten oder Stunden. Auch wenn generell die Aussage angemessen ist: Möchte ich meine Produkte zügig wieder loswerden, gelingt dies allemal bei gefragten Werten und zumindest im außerbörslichen Umfeld. Voraussetzung ist dabei natürlich immer wieder, wie gefragt das entsprechende Zertifikat (oder die Zertifikate, falls verschiedene Produkte veräußert werden sollen) derzeit ist. Wer sein Geld frühzeitig wieder benötigen sollte, kann unter Umständen Probleme bekommen.

Wiederverkauf kann an zeitliche Bedingungen gebunden sein

Die Liquidierung des festgesetzten Kapitals kann im Fall der Fälle also ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Bei manchem Produkt – nämlich bei verschiedenen Angeboten mit fester Laufzeit – ist dies sogar ausgeschlossen. Der Verkauf am Zweitmarkt kann teils erst kurz vor dem Ende der geplanten Laufzeiten realisiert werden. Interessiert sich indes aktuell niemand für das Produkt, schauen Besitzer vorerst in die sprichwörtliche Röhre. Dürfen Investitionen und Anschaffungen nicht mehr aufgeschoben werden, kann im Ernstfall nur noch ein Kredit weiterhelfen. Als Sicherheit können die Zertifikate hier nur bedingt herhalten. Denn die kreditgebende Bank wird allemal den Wert prüfen. Wer also Geld in Zertifikate investiert, sollte immer an einen gewissen finanziellen Puffer denken.

Mitunter bleibt zum Laufzeitende die Auszahlung aus

Der letzte zu nennende Punkt auf der Liste der Risiken ist das „Basiswertrisiko“. Dieses Risiko der Basiswertlieferung steht in gewisser Weise in enger Verbindung mit dem Wertverfallsrisiko bzw. verhält es sich teilweise ähnlich. In jedem Fall kann dieses Risiko zu einem wirtschaftlichen Knackpunkt für Anleger werden beim Handel an den Zertifikate-Börsen. So behält sich mancher Emittent das Recht vor, bei nicht unbedingt positiver Entwicklung des Basiswertkurses anstelle des eigentlichen vereinbarten Geldbetrags zum Ende der Laufzeit den Basiswert auszuliefern. Statt Geld erhalten Anleger in solchen Fällen dann also weitere Produkte für ihr Wertpapierdepot – zum Beispiel Aktien oder Anleihen eines Unternehmens, die man gar nicht haben wollte. Andere Investoren aber entscheiden sich faktisch gerade wegen dieser Eigenschaft für derartige Einzelwertzertifikate.

stefan

Mein Fazit

Es braucht schon etwas Zeit, bis Händler ausnahmslos jedes Risiko, das mit dem Spekulieren an Zertifikate-Börsen potentiell verbunden ist, für sich erkannt und verstanden haben. Die Ratgeber helfen dabei zu begreifen, welche der vorgestellten Risiken bei welchen Produkten von Relevanz sind und unbedingt bekannt sein müssen. So erreichen Händler vor allem eines: Sie stellen sicher, dass sie eine gesunde Basis haben, um Schritt für Schritt das Risiko anzuheben und Renditen zu realisieren, die sie angesichts der jeweiligen Gefahren tatsächlich einzugehen bereit sind. Ohne diese Erklärungen kann jedes Investment an einer Zertifikatebörse zu einer Art Glücksspiel verkommen. Und genau dies soll der Zertifikatehandel im eigentlichen Sinne eben nicht sein.

Autor: Agnes Nitsche