Kosten/Gebühren – eine Übersicht

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Wie erwartet ist auch der Handel mit Zertifikaten für Anleger mit gewissen Kosten und Gebühren verbunden → welche Ausgaben auf Händler zukommen, entscheiden sie vor allem selbst, indem sie sich für oder gegen bestimmte Produkte entscheiden.
  • Schaut man sich an, welch enorme Vielfalt von Angeboten an Zertifikatbörsen gehandelt wird, liegt es auf der Hand, dass verschiedene Produkte auch mit unterschiedlichen und vor allem verschieden hohen Gebühren & Kosten verbunden sind.
  • Eine Unterteilung aller Kosten und Gebühren beim Zertifikathandel ist vorrangig dahingehend möglich, dass manche Ausgaben nur einmal auftreten, während andere Kostenpunkte immer wieder in den Kalkulationen zum bevorzugten Produkt auftauchen können.

Lektüre der Produktformulare gerade wegen der Unkosten unerlässlich

kosten gebuehren eine uebersichtWer die Angebote von Banken und Brokern für den Zugang zu Zertifikatbörsen einmal genauer miteinander vergleicht, was fraglos immer dringend zu empfehlen ist, wird in erster Linie eines sehr schnell bemerken: Bei teils bis zu einer Million Zertifikaten in den Portfolios mancher Anbieter liegt es auf der Hand, dass auch die Kosten und Gebühren beim Handel je nach Spielart und Risikobereitschaft sehr unterschiedlich ausfallen können. Allein am deutschen Markt bringt es die Auswahl nach Expertenmeinungen auf mehr als 500.000 Produkte. Spätestens wenn es Anlegern auch um die Frage geht, ob vielleicht auch sogenannte sparplanfähige Zertifikate von Interesse sein können, gehen die Aussagen zu den Handelskosten und -gebühren noch weiter auseinander. Gerade bei Neuemissionen sind Risiken und Entgelte oft nicht ganz eindeutig erkennbar, in anderen Fällen werben die Anbieter von Produkten mit Rabatten und Bonusaktionen für den Handel.

Es geht also wie so oft um die detaillierte Analyse, denn sie allein kann Anlegern tatsächlich die nötige Klarheit bringen.

Viele Produkte sind geprägt von anlegerfreundlichen Gebührenmodellen

Ein sehr interessanter Ausblick zu Beginn: Dass Zertifikattypen wie Garantie-Zertifikate, Indexzertifikate und andere strukturierte Produkte, die in so manchem Musterdepot bei Anbietern in Erscheinung treten, bei ganz normalen Anlegern auf Zuspruch stoßen, wird auch daran deutlich, dass sich mittlerweile selbst die Experten der Verbraucherzentralen mit den Kosten und Gebühren beim Zertifikathandel beschäftigen – und natürlich, so ihre Aufgabe, vor falschen Spekulationsansätzen warnen. Sagen lässt sich zu den Gebühren/Kosten in der Übersicht vor allem eines: Anleger realisieren den Großteil ihres Gewinns schon im Moment des Einkaufs. Hier macht sich also eine alte Regel bemerkbar, die Kaufleute schon seit Generationen kennen.

Zu den wichtigsten Entgelten beim Zertifikate-Handel gehören:

  • Depotgebühren
  • Transaktionsgebühren

Diese beiden Rubriken können wiederum natürlich in diverse Unterpunkte gegliedert werden. Darüber hinaus zeichnen sich bei dieser Art von Wertpapieren abhängig vom jeweils bevorzugten Produkt weitere Extraausgaben ab. Zu den wichtigsten Kosten gehören natürlich die drohenden Einbußen, wenn Besitzer von Zertifikate einen vorzeitigen Verkauf im außerbörslichen Bereich realisieren müssen, weil sie früher als erwartet zusätzliches Kapital benötigen.

Gebühren als Ausgabeaufschläge sind an der Tagesordnung

Die erste Gebühr, die normalerweise berechnet wird, ist der sogenannte Ausgabeaufschlag. Am Markt ist – vor allem im internationalen Sprachgebrauch – auch der Begriff „Agio“ üblich. Die Höhe dieses Aufschlags kann vom Emittenten selbst als auch vom Produkt abhängen. Gängig ist ein Wert von 1,0 % bis 3,0 % auf den jeweils zugrunde liegenden Nennwert des erworbenen Zertifikats. Genau genommen handelt es sich hierbei um nichts anderes als eine Provision, die für den Produktvertrieb erhoben wird. Derlei Kosten sind vielen Anlegern bereits aus dem Umfeld des Fondsmarktes bestens vertraut. Wer Produkte zwar an der Zertifikatebörse kauft, aber später lieber am Sekundärmarkt wieder verkaufen möchte, umgeht zwar den Agio. Dafür aber wird der „Spread“ fällig. Auch dieser Terminus ist den meisten Händlern bereits aus anderen Sektoren des Finanzmarktes wie dem CFD- oder Forex-Bereich nur allzu vertraut.

Zur Erklärung für Anfänger: Als Spread wird die Differenz zwischen dem Ankaufs- und Verkaufspreis eines Finanzproduktes am Markt bezeichnet!

Spreads kommen auch beim Zertifikat-Handel zur Sprache

Alternativ werden auch die Begriffe des Geld- und Briefkurses genutzt, die aber einfach dasselbe wie der Kauf- und Verkaufspreis sind. Was bedeutet der Spread als „Geld-Brief-Spanne“ am Sekundärmarkt für Händler? Vereinfacht ließe sich sagen, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt macht, wenn Eigentümer in spe Zertifikate sinnvollerweise erst nach Abschluss der sonst üblichen Zeichnungsphase erwerben.

Außerdem lohnt es sich vor dem Start und insbesondere vor der Eröffnung eines Wertpapierdepots, die erhobenen Spreads der verschiedenen Anbieter – also der Broker oder der Herausgeber selbst – so präzise wie nur möglich zu vergleichen. Dazu bietet sich ein Zertifikat-Vergleich an, den echte Profis objektiv und unabhängig im WWW für Anleger durchführen.

Unterschied zwischen Einmalkosten und laufenden Gebühren

Insgesamt lassen sich die Entgelte in die Sparte der einmaligen oder regelmäßig erhobenen Kosten einordnen. Strukturierungsgebühren etwa gehören zu den „wiederkehrenden“ Kostenfaktoren. Sie werden meist pro Quartal oder Jahr abgerechnet. Ihre Höhe liegt in aller Regel auf dem Niveau, das Anlegern vielfach schon von Investmentfonds bekannt ist. Die Ausgaben für die Strukturierung werden typischerweise aber nicht extern, sondern direkt über die Zertifikatpreise verrechnet. Kommt es dann zur Wertsteigerung, behalten Emittenten oder Vertriebspartner sowie andere Anbieter die Entgelte direkt vom Gewinn ein. Ausdrückliche Hinweise auf derartige Gebühren finden sich leider nicht immer in den Informationen der Herausgeber, fällig werden sie nichtsdestotrotz. Denkbar sind auch Abrechnungen über Zinserträge oder Dividendenzahlungen, sofern diese realisiert werden.

Achtung: Kosten dieser Art werden selbst dann berechnet, wenn die erhoffte Wertsteigerung ausbleibt!

Was bedeutet dieser Kostenfaktor genau für Zertifikat-Anleger?

Sie zahlen zusätzlich zum eigentlichen Verlust noch einen zusätzlichen Abschlag. Dieser fällt zwar bei der großen Mehrheit der Produkte mit solchen Eigenschaften geringer aus als im Falle eines Anstiegs des Kurses. Logisch, eben weil die Entgelte normalerweise prozentual berechnet werden. Zu sagen ist allerdings, dass diese Kosten meist nur entstehen, wenn die Zertifikate aus der Rubrik der Instrumente ohne Laufzeitvorgaben stammen, also unlimitiert gehandelt werden.

Professionelle Beratungsarbeit durch Experten hat ihren Preis

Zukünftige Händler sollten sich immer vor Augen führen: Wer die persönliche Beratung sucht, muss für diese in aller Regel ebenfalls Gebühren entrichten. Dies gilt letzten Endes ebenso beim Handel über die Hausbank wie beim Kauf über den tatsächlichen Herausgeber oder einen Vertriebspartner des Emittenten. Hier müssen Anleger oft gezielt nach den Gebühren und Kosten für den Zertifikathandel fragen, um verlässliche Informationen zu erhalten. Eine Ausnahme sind die Emittenten, die natürlich zu Werbezwecken Produktbroschüren zur Verfügung stellen, um Kunden umfassend zu informieren. Wer auf Beratung verzichtet, geht ohne umfangreiche Vorerfahrungen ein höheres Risiko ein, kann auf diesem Wege aber durchaus positiv auf die Handelskosten einwirken. Die eigenständige Entscheidung mithilfe der „PIB“ – der Produktinformationsblätter der Herausgeber – ist aber ohne Frage eine Option.

Emittenten müssen für die nötige Liquidität sorgen

Zurück zum Thema Spread: Fragt man Emittenten und andere Anbieter oder Vermittler, weshalb er Anlegern in Rechnung gestellt wird, heißt es in erster Linie, dass dieser Kostenpunkt im Grunde der Absicherung dient. Denn Emittenten müssen fortlaufend die Kursstellung garantieren, ungeachtet des aktuellen Handelsvolumens, das in der Theorie phasenweise gleich Null sein kann. Die Liquidität muss auch dann sichergestellt werden, wenn Papiere zwischenzeitlich weder über die Zertifikate-Börsen noch über die eigentlichen Emittenten gehandelt werden. Der Begriff der „Absicherungskosten“ findet sich dementsprechend in vielen Ratgebern.

Wie hoch fallen die Spreads denn nun beim Zertifikathandel aus?

Entscheidend für die Höhe der Spread ist vorrangig der Basiswert, auf den Zertifikate ausgegeben werden. Genauer: die Liquidität eben dieser Assets, wie die Basiswerte auch genannt werden werden. Wer preiswerte Produkte sucht, hält Ausschau nach Angeboten, deren Spreads im Bereich von unter 0,5 % angesiedelt werden. Dies trifft vielfach gerade auf Indexzertifikate zu, da sie besonders gefragt sind und große Handelsvolumina zu einem Sinken der Spreads führen. Auch Aktien, die in großen Indizes wie dem Deutschen Aktienindex (DAX) gehandelt werden, zeichnen sich meist durch niedrig angesetzte Spreads aus. Bei exotischen Zertifikaten hingegen steigen die Preise deutlich, etwa bei Index-Werten aus Schwellenstaaten, die weitaus weniger gefragt sind. Gut vergleichbar sind Produkte, die sehr einfach und übersichtlich gestaltet sind. Ein gutes Beispiel sind die gefragten Discountzertifikate.

Verwaltung des Bestands durch den Emittenten mit Extra-Gebühr

Viele Experten erklären, dass alle Spreads im Bereich unter der Marke von 0,5 % als günstig, alle ab 1,00 % aufwärts eher als teuer zu bewerten sind. Auf höhere Gebühren und Kosten müssen Anleger vorbereitet sein, wenn sie eine Entscheidung für die Verwaltung ihres Zertifikat-Portfolios durch den Emittenten treffen. Solche Maßnahmen bieten sich gerade bei Angeboten aus der Sparte der Basket-Zertifikate an, wenn Anleger nicht selbstständig die Zeit für Marktanalysen haben und Entscheidungen über regelmäßige Umschichtungen des Depots treffen möchten oder aus zeitlichen Gründen können. Auch bei Indexzertifikaten kann sich die Verwaltung durch Profis vielfach lohnen.

Dieser „Management-Luxus“ geht jedoch durchaus ins Geld. Mit einem zusätzlichen Kostenfaktor in Höhe von 0,5 % und 1,5 % des im Wertpapierdepot angelegten Kapitals sollten Anleger an dieser Stelle rechnen – und zwar ein Mal pro Jahr!

Makler möchten am Handel mit Zertifikaten mitverdienen

Wer sich auf die Arbeit eines Maklers verlässt, muss zwangsläufig auch Courtagen in die Gebührenberechnung aufnehmen. Üblich ist ein Entgelt in Höhe von zumeist rund 0,8 Prozent des über den Dienstleister abgewickelten Auftragsvolumens. Umgehen können Anleger diesen Gebührenfaktor durch den Direkthandel, der nur zwischen Emittenten und Interessenten stattfindet.

Laufende Kosten fürs Depot nicht vergessen!

Selbstverständlich müssen auch die Gebühren für ein bereits bestehendes oder neu eröffnetes Depot berücksichtigt werden; schließlich bedeuten sie eine Reduzierung der endgültigen Rendite. Arbeiten Banken und Broker zwar mit etwas höheren Depotgebühren, setzen dafür aber bei der Abrechnung von Transaktionen auf günstige Pauschalentgelte, kann es sich lohnen, über den Wechsel des Depots nachzudenken. Positiv können sich beispielsweise auch Guthabenzinsen fürs Depotkapital auswirken, wie sie von einigen Banken angeboten werden. In der aktuellen Niedrigzinsphase sind die Erträge zwar nicht üppig, aber wie heißt es so treffend: Kleinvieh macht auch Mist. Alles, was die Kosten und Gebühren aus der Übersicht insgesamt senkt, hat einen kundenfreundlichen Effekt. Eine Kombination aus Guthabenzinsen und einem Verzicht auf Depotgebühren hingegen suchen Kunden am Markt eher vergebens.

Beim Handel über einen Vertriebler entstehen weitere Kosten

Weitere mögliche Gebühren sind Vertriebsprovisionen, die den Preis für Zertifikate mehr oder weniger deutlich steigen lassen. Die Gebühr wird vom Anleger also indirekt finanziert. An sich zahlt zunächst der Herausgeber eines Zertifikats die Provisionen an seine(n) Vertriebspartner. Diesbezügliche Informationen müssen in den PIB genannt werden! Auffallen wird Anlegern, dass nicht für alle Papiere Provisionen fällig werden. Das mutmaßliche Paradoxon besteht darin, dass es im Alltag des Handels sogar zu Situationen kommen kann, in denen ein und derselbe Emittent zwei Produkte mit identischen Eigenschaften offeriert – einmal mit und einmal ohne Vertriebsprovision. Gerade Einsteiger können solche Gegebenheiten durchaus verwirren. Dies aber ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass Emittenten so viele Freiheiten bei der Gestaltung ihrer Produkte haben.

Umso wichtiger also ist am Ende der Vergleich der exakten Gebühren und Kosten für die potentiell interessanten Zertifikate. Wer auf gute Gelegenheiten warten kann, stößt regelmäßig – vor allem bei Direktbanken und Online-Brokern – immer wieder auf Sonderaktionen, in deren Verlauf vielfach nur sehr geringe oder im besten aller Fälle sogar keinerlei Transaktionsgebühren berechnet werden.

Gebühren sind nur ein mögliches Entscheidungsmerkmal

Die voranstehende Übersicht über Kosten und Gebühren, die börslich und außerbörslich erhoben werden, ist eine wichtige Hilfestellung für den Einstieg und auch später, um stets den Überblick zu behalten. Analysten und Zertifikatebörsen-Insider weisen aber zu Recht darauf hin, dass die Kosten nicht immer das Auswahlkriterium Nummer eins sein sollten. Die Argumente beruhen auf verschiedenen Bereichen. Die Risiken, Rendite-Aussichten, möglichen Laufzeiten, die Bonität der Emittenten und die Gebühren ergeben erst zusammen einen guten Eindruck von den Qualitäten eines Produkts. Kostet der Handel bei einem sehr seriösen und bewährten Broker etwas mehr als bei einem vermeintlich unseriösen ausländischen Dienstleister ohne Regulierung, sollte der Spartrieb lieber unterdrückt werden.

Das alles ganz im Sinne guter Erfahrungen von Anfang an. Ein regelmäßiger Anbieterwechsel kann sich unterm Strich ebenfalls immer wieder günstig auf die Gesamtkosten des Zertifikate-Handels auswirken.

Wechsel von Zertifikat-und Depotanbietern gelingt einfacher als gedacht

Der Aufwand für einen solchen Wechsel des Dienstleisters/Emittenten ist heute erfreulich gering. Vergleicht man Zertifikate abermals mit Fondsprodukten, zeigt sich des Weiteren, dass sich trotz des fraglos großen Gestaltungsspielraums für Emittenten zumindest in weiten Teilen recht gut kalkulieren lässt, was Zertifikate kosten und welche Rendite am Ende insgesamt nach Abzug der Kosten und Gebühren herauskommen wird. Hilfe erhalten Trader in diesem Bericht durch die „Termsheets“, die vom Anbieter publiziert werden.

stefan

Mein Fazit

Ohne Kosten/Gebühren kommt auch der Zertifikate-Handel nicht aus, wie wir gesehen haben. Händler haben aber durchaus die Möglichkeit, diese selbst positiv zu beeinflussen, indem sie mit Bedacht auswählen, welchem Emittenten und Anbieter sie den Vorzug geben. Zeigt der genaue Kostenvergleich, dass verschiedene Offerten von vergleichbaren Konditionen geprägt sind, ist immer noch genug Zeit, um die Produkte bevorzugt in den Kreis der „Verdächtigen“ einzuordnen, bei denen geringe Ausgaben bei überdurchschnittlich hohen Gewinnen versprochen oder zugesichert werden. So oder so spielen die Gebühren eine Rolle, wenn es um die Ermittlung der endgültigen Rendite geht.

Autor: Agnes Nitsche