Welche Kennzahlen sind wichtig?

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Abseits der Bonität eines Zertifikat-Emittenten sind es in erster Linie die mehr oder weniger zahlreich vorhandenen Kennzahlen, die Anleger zu einem bestimmten Zertifikat kennen und in die Planung einbinden sollten → sie geben am ehesten Aufschluss darüber, welches Angebot an Zertifikat-Börsen zum Zeitpunkt X die besten Aussichten auf gute, sichere Gewinne bieten kann.
  • Zugesicherte Renditen, Einflüsse auf die Höhe der Ausschüttung und die Kursentwicklungen sowie viele andere Faktoren wirken sich vielfach auf die Preise für Zertifikate aus.
  • Gerade die Art der gehandelten Zertifikate entscheidet darüber, welche Kennzahlen Händler konstant über objektive Informationsgeber abfragen sollten.

Verschiedene Kennzahlen bei unterschiedlichen Produkten von Bedeutung

welche kennzahlen sind wichtigWährend Anleger zum Beispiel im Bereich des Tradings mit binären Optionen oder Differenzkontrakten im Rahmen der Fundamentalanalyse in weiten Teilen stets mehr oder weniger auf dieselbe Gruppe wichtiger Kennzahlen vertrauen können, ist diese Analyse im Bereich der Zertifikate vielfach etwas aufwendiger. Dies liegt vorrangig daran, dass für Indexzertifikate, Bonuszertifikate, Garantiezertifikate oder auch Discount-Zertifikate aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung der Produkte im Einzelfall recht unterschiedliche Fakten von Bedeutung sein können. Nichtsdestotrotz spielen Kennzahlen insgesamt eine ausgesprochen große Rolle. Denn sie dienen als Information dazu, wie es um die Bedingungen für die Rückzahlung investierter Geld steht und wie Produkte, die an Zertifikatbörsen und außerbörslich gehandelt werden, überhaupt von Seiten der Emittenten ausgestaltet werden.

„Caps“ sind ein Aspekt, den Investoren vielerorts kennen müssen

Die Zahl der zu beachtenden Kennzahlen ist dann aufgrund der verschiedenen Produktarten auch dementsprechend umfangreich. Zu diesen Merkmalen gehört im ersten Schritt unter anderem der sogenannte „Cap“. Ein Begriff, den gerade mancher Kreditnehmer schon kennt, wo er eine zinsliche Begrenzung nach oben oder unten markieren kann. Ähnlich sieht es beim Handel mit Zertifikaten aus. Hier meint der Cap in aller Regel – vorrangig bei Discount-Zertifikaten – einen vorab definierten Maximalwert, der sich auf die erreichbaren Erträge bei einem bestimmten Produkt bezieht.

Manche Angebote an Börsen und auch außerbörslich mit Garantie-Zahlungen

Wichtig ist auch die Rendite pro Jahr, die meist als „Rendite p.a.“ angegeben wird. Als Kennzahl gibt dieser Wert an, welche Rendite auf eine Laufzeit von einem Jahr, also je Kalenderjahr, beim Zertifikat XY realisiert würde. Diese Größe erlaubt einen Vergleich der möglichen Renditen gegenüber anderen Anlageklassen. Je nach Zertifikat-Variante existieren für Anleger zu den Daten auch Formeln, mit denen eigenständige Berechnungen zu wichtigen Rahmenbedingungen – gerade zu Bonusquoten – ermittelt werden können. Einfacher ist es freilich, wenn Interessenten über ihre Bank oder den Broker direkt Zugriff auf zentrale Informationen erhalten, ohne selbst Rechnungen aufstellen zu müssen. Denn oft fehlt es an der Zeit oder dem mathematischen Hintergrundwissen, das unter Umständen für exakte Kalkulationen vonnöten sein kann.

Wie und wann erfolgt die Rückzahlung beim Handel mit Zertifikaten?

Im Zusammenhang mit Express-Zertifikaten ist im Moment der Rückzahlung sowie mit Blick auf die Rückzahlungshöhe die Entwicklung des Basiswertkurses relevant. Diese Kennzahl kann auch Einfluss auf die Art der Ausschüttung zu Kupons haben. Die Basiswerte als solche können bekanntlich aus verschiedenen Bereichen stammen, z.B. vom Aktienmarkt, aus dem Indexbereich oder dem Rohstoffsektor. Gleiches gilt für Währungen und Devisenpaare.

Weitere – je nach Produkt – mehr oder weniger wichtige Kennzahlen sind:

  • die eigentliche Laufzeit des Produkts
  • das Bezugsverhältnis
  • der Einlösungsbetrag
  • die Volatilität
  • die Einlösungsschwelle
  • im Einzelfall: die Zinsschwelle
  • teilweise: eine Kursbarriere
  • Spread
  • Aufgeld
  • der Hebel

Eine Erweiterung dieser Liste von für Zertifikate-Anleger wichtigen Kennzahlen ist ohne Weiteres möglich. Jedoch sind die obigen Punkte bei den gerade für Kleinanleger interessanten Produkten an Zertifikate-Börsen typischerweise die wichtigsten Merkmale, die vorab Basis einer jeden Investitionsentscheidung sein sollten.

Wenigstens die Basics für Kennzahlen müssen Händler kennen

Einige kurze Erklärungen zu den genannten Kennzahlen sollen einen Einstieg in die Materie erleichtern. Ausführliche Definitionen ausnahmslos aller Kriterien, die potentiell von Relevanz beim Zertifikathandel sind, können allerdings nicht folgen. Schlicht und ergreifend deshalb, weil angesichts des Einfallsreichtums vieler Emittenten die Auswahl an Produkten so umfangreich ist, dass eine vollständige Liste samt Erläuterungen jeden sinnvollen Rahmen sprengen würde.

Thema 1: Basiswerte und Basispreise

Anleger mit Vorerfahrungen in allen Finanzmarkt-Nischen sind auch mit diesen Termini vertraut. Ein Basiswert – auch Vermögenswert, Underlying oder Asset genannt – ist wie erwähnt eins der verschiedenen Finanzinstrumente, auf die Zertifikate emittiert werden. Klassiker sind Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungspaare, Fonds, Anleihen und Zinsen. Im Grunde ließe sich auch diese Liste ähnlich wie die Zusammenstellung der wichtigen Kennzahlen immer weiter ergänzen. Denn Herausgeber können an sich Zertifikate auf fast endlos viele Produkte herausgeben. Die Basispreise sind erwartungsgemäß die Preise der Basiswerte, die wiederum Grundlage für die Preisberechnung der Zertifikate sind. Einfluss können dabei auch die weiter unten erklärten „Aufgelder“ und die Bezugsmengen haben, insbesondere bei Hebel-Zertifikaten.

Thema 2: Laufzeiten

Dieser Aspekt muss im Grunde nicht umfangreich definiert werden. Laufzeiten geben an, zu welchem Zeitpunkte Zertifikate (und diverse andere Kontrakte) verfallen bzw. verfallen können. Denn nicht bei allen Zertifikaten sind vorab vereinbarte Laufzeiten unbedingt bindend, sodass vor allem außerbörslich vorzeitige Verkäufe getätigt werden können. Teilweise aber rentiert es sich, wenn Anleger die Zeiträume bis zum Verfall und zur Rückzahlung abwarten.

Thema 3: das Bezugsverhältnis

Hier geht es in erster Linie um die Frage, wie viele Anteile eines Basiswertes – also zum Beispiel einer Aktie – einem bestimmten Zertifikat-Modell entsprechen. Dieser Faktor ist in Fällen, in denen sich die Kurse zum Wohle der Anleger entwickeln, weitgehend unwichtig. Tritt indes eine negative Entwicklung ein, sodass der „Einlösungsbeitrag“ zum Laufzeitende einen Verlust des Basiswert-Kurses repräsentiert, ist das Bezugsverhältnis sehr wohl relevant. In diesem Fall kommt es zur Division des Nominalbetrags des Zertifikats durch die Aktienmenge, die zum Zeitpunkt des Kontraktbeginns vorhanden war. Für negative Situationen kann so recht unkompliziert der Betrag für die Rückzahlung ermittelt werden.

Thema 4: der Einlösungsbeitrag

Dieser Begriff ist insbesondere dann für Händler wichtig, wenn sie mit dem Gedanken spielen, Zertifikate vorzeitig zu einem anderen Einlösungstermin zurückzahlen zu lassen, oder auch eine Rückzahlung zum „normalen“ Ende der Laufzeit planen, wenn eine installierte Einlösungsschwelle erreicht ist. Im Alltag an Zertifikate-Börsen können letzten Endes unterschiedliche Szenarien auftreten. Handelt es sich um Express-Zertifikate klassischer Art, steigt der Einlösungsbetrag mit jedem weiteren Jahr der Laufzeit. Im Falle sogenannter Kupon-Zertifikate (wie auch bei „Memory-Express“-Zertifikaten) wird stets der anfängliche Einlösungsbetrag beibehalten, der wiederum gleich dem Nominalbetrag ist.

Vielfach klare Vorgaben zum Mindestbetrag für Investitionen

Im Normalfall liegt dieser bei 100 Euro. Dafür realisieren Anleger in diesem Bereich teilweise weitere Renditen durch vereinbarte Zahlungen von Prämien. Diese können entweder addiert zum Laufzeitende oder bereits während der Laufzeit ausgeschüttet werden. Die dritte Variante nimmt in erster Linie Bezug auf die „Performance Plus“-Produktart. Hier berechnet sich der Betrag der Einlösung anhand des Basiswert-Kurszuwachses. Kommt es lediglich zu einem überschaubaren Anstieg, greift oft wenigstens ein gewisser minimaler Einlösungsbetrag.

Thema 5: die Volatilität

Bei zahlreichen Zertifikaten kommt auch und gerade die Volatilität zum Tragen bei der Kursgestaltung. Genauer gesagt: die implizierte Volatilität. Sie definiert die Breite der Kursschwankung, mit der gerechnet wird. Sie ist das Berechnungsergebnis aus der historischen Volatilität. Bei Knockout-Zertifikaten ist die Volatilität jedoch weitgehend irrelevant oder zumindest eher Nebensache.

Thema 6: die Einlösungsschwelle

Auch dieser Begriff tritt vor allem bei Express-Zertifikaten in Erscheinung. Bei der Einlösungsschwelle geht es um die Frage, welchen Kus ein Basiswert am Tag der alljährlichen Bewertung haben muss, damit eine vorzeitige Einlösung überhaupt möglich wird. Typisch ist das Ansetzen einer Schwelle in Höhe von 100 Prozent, sodass zum Beispiel der komplette Aktienpreis zum Moment des Zertifikat-Starts zur Grundlage wird. Dabei können durchaus auch fallende Einlösungsschwellen definiert werden, die ihrerseits jährlich reduziert werden. Welche Rechenweise genutzt wird, wirkt sich nicht auf den Zeitpunkt der Berechnung an sich aus. Hier geht es stets um den Basiswert-Kurs am Laufzeitbeginn. Emittenten und Anleger vereinbaren diesen Kurs für die komplette Laufzeit eines Zertifikats.

Thema 7: die Zinsschwelle

Auch die Zinsschwelle wird nicht bei allen Zertifikaten berücksichtigt. Im Falle von Express-Zertifikaten, die eine Zinszahlungs-Option pro Jahr der Laufzeit vorsehen, basiert diese Prämienauszahlung auf eben dieser Zinsschwelle. Der Herausgeber bestimmt die Schwelle bereits im Moment der Auflage des Zertifikats, also pünktlich zur eigentlichen Emission. Selbst wenn Basiswerte am Tag der Bewertung an Wert verloren haben, kommt es zum Vollzug der Ausschüttung. Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Zertifikaten dahingehend, ob ein einmaliges Erreichen der Zinsschwelle ausreichend ist oder ob der Schwellenwert während der Laufzeit durchgängig als Untergrenze angesetzt wird.

Ein Überschreiten wiederum wäre kein Problem für die Ausschüttung. Ausgesetzt werden die Auszahlungen, sollten die Bedingungen für die festgelegten Zinsperioden nicht erreicht sein. Bei Zertifikaten mit „Memory-Effekt“ aber ist auch eine nachträgliche Gutschrift bzw. Auszahlung eine Option.

Thema 8: Barrieren

Verlustabsicherungen, wie man sie von manch anderem Produkt am Finanzmarkt kennt, sind auch beim Zertifikate-Handel generell möglich, zumindest bei einigen Varianten wie den schon mehrfach erwähnten Express-Zertifikaten. Hier geht es darum, dass Kursbarrieren als eine Art Puffer zum Laufzeitende installiert werden, falls kein Kursanstieg, sondern ein Verlust auftritt. Die Barrieren werden in Höhe eines gewissen Prozentsatzes des Startpreises eingerichtet. Beträgt eine Barriere zum Beispiel 70 Prozent, entspricht dies im Klartext einem Pufferwert von 30 Prozent des Anfangskurses. Sollte der Puffer die Verluste nicht in ausreichender Weise abdecken, kommt es zu einem tatsächlichen Verlust. Üblich ist ein Inkrafttreten der Barriere zum Ende der Laufzeit; Ausnahmen sind eher selten. Wie sich die Kurse während der Laufzeit entwickeln, ist unwichtig. Weder büßen Besitzer der Zertifikate bei größeren Abweichungen ihrer Absicherung ein noch kommt es vorzeitig zum Verlust.

Thema 9: der Spread

Der Spread – auf gut Deutsch: die Spanne – gibt an, wie groß die Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs (oder auch Kauf- und Verkaufspreis) ausfällt. Entscheidend für die Festlegung der Spreads sind jeweils die Geld- und Briefkurse der zugrunde liegenden Basiswerte, die im Moment des Aufsetzens der Zertifikate an Börsen und/oder Terminmärkten gelten. Als „absoluten Spread“ bezeichnet man das Ergebnis der Subtraktion von Geldkurs und Briefkurs. Eine wirkliche Aussage über die Konditionen ist letzten Endes nur unter Berücksichtigung des „Bezugsverhältnisses“ sinnvoll und überhaupt erst möglich. Weitere optionale Angaben sind Prozentangaben zum Spread sowie der „homogenisierte Spread“. Je geringer die Spreads ausfallen, desto wahrscheinlicher sind die Gewinne der Händler.

Thema 10: das Aufgeld

Aufgelder sind allgemein Aufschläge auf den Preis, der dabei vergleichsweise zum Basiswertkurs zu sehen ist. Zu beachten ist das Aufgeld aus Sicht von Experten insbesondere bei Bonus-Zertifikaten und Kapitalschutz-Zertifikaten. Der Grund: Der Aufschlag stellt eine Minderung der realisierbaren Renditen dar. Trotzdem lassen viele Interessen genau diesen Aspekt außer Acht. Wichtig sind Aufgelder des Weiteren im Zusammenhang mit Hebelprodukten und ihren Preisen.

Thema 11: der Hebel

Etliche Zertifikate ermöglichen Anlegern den Einsatz eines Hebels. So können Anleger mit ihrem Kapital etwas oder auch deutlich höhere Summen investieren. Auf diese Weise kann ein Trader zwar seine potentiellen Gewinne um ein Vielfaches steigern. Zugleich aber müssen Anleger zur Kenntnis nehmen, dass im Falle einer negativen Entwicklung auch die Verluste entsprechend steigen. Der Hebel definiert dabei, wie deutlich sich prozentuale Kursanstiege oder -rückgänge auf die Zertifikat-Preise auswirken.

Extra-Funktionen können automatisierten Handel vereinfachen

Weitere mögliche Kennzahlen für Zertifikate beziehen sich zum Teil nur auf einzelne Angebote an der Zertifikatbörse. Das KO-Level etwa ist – sprachlich naheliegend – bei Knockout-Zertifikaten ein elementares Thema. Bei Discount-Zertifikaten müssen Anleger neben dem Cap auch den „Outperformance-Punkt“ kennen und in ihren Vergleich einbeziehen. Der Abstand des Basiswert-Kurses zur Barriere ist auf der anderen Seite mit entscheidend für Bonus-Zertifikate. Wer sein Geld in Outperformance-Zertifikate investieren möchte, muss neben dem Protect-Level möglichst auch die Partizipationsrate in die Kalkulation einbinden. Stop-Loss-Marken können bei diversen Zertifikaten außerdem thematisiert werden, um auf diesem Wege eine Verlustabsicherung zu erreichen.

stefan

Mein Fazit

Nur wenn Händler vor dem Start in den Zertifikathandel wissen, welche Wirkung die zuvor genannten Kennzahlen haben und wie wichtig sie für den eigenen Erfolg beim Trading sind, können sie sinnvolle Entscheidungen in Angriff nehmen. Beherzigen sollten Händler immer wieder vor allem einen Aspekt: Wer die relevanten Kennzahlen außer Acht lässt, nimmt automatisch Kosten und Verluste in Kauf, die durch einen genauen Abgleich oft ohne Schwierigkeiten durchaus vermeidbar wären. Es geht dabei schlicht und ergreifend darum, zwischen wichtigen und weniger entscheidenden Merkmalen zu differenzieren und zu erkennen, in welcher Phase des Marktes welche Aspekte den Kurs der entsprechenden Basiswerte beeinflussen können und werden.

Autor: Agnes Nitsche