Wichtige Begriffe für Zertifikate-Händler

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Welche Begriffe für Zertifikate-Händler besonders relevant sind, hat vielfach mit dem bisherigen Wissensstand und den Interessen der Anleger zu tun → auf einige zentrale Termini aber können sich Experten letzten Endes doch einigen, wenn es um die Zusammenstellung von Aspekten gibt, die vor dem Einstieg an der Zertifikate-Börse bekannt sein müssen.
  • Allein das Wissen um die Bedeutung der Fachbegriffe kann die gesunde Basis dafür sein, dass Händler keine bösen Überraschungen erleben, sondern jederzeit auf alle Eventualitäten bei der Kursentwicklung vorbereitet sind.
  • Die Art der Preisbildung, die Risikobeurteilung der diversen Zertifikate, mögliche Maßnahmen für den Kapitalschutz und etliche andere Faktoren spielen bei der Produktauswahl eine entscheidende Rolle.

Börslich und außerbörslich existieren wissenswerte Begriffe

begriffe zertifikate haendlerIm Alltag eines jeden Händler von Zertifikaten gibt es Begriffe, die Anleger unbedingt kennen müssen und beim aktiven Trading in ihre Planungen einbeziehen sollten, um die erhofften Erfolge in greifbare Nähe zu rücken. Gänzlich unbedarft sollte niemand Geld an Zertifikate-Börsen investieren – gerade weil auch in diesem börslichen oder außerbörslichen Umfeld Risiken existieren, deren sich Anfänger und Einsteiger schlichtweg nicht bewusst sein können. Einzig eine akkurate Vorbereitung kann dazu führen, dass Investoren das sprichwörtliche böse Erwachen erspart bleibt. In allen anderen Fällen führt die Aktivität am Zertifikat-Markt eher dazu, dass Gewinne ein zufälliges Resultat sind und weniger Ergebnis einer bewussten Abwägung sein können.

Denn: Welcher Aktionär oder Devisenhändler würde normalerweise schon auf „gut Glück“ Geld in Dinge investieren, für deren Handel es im Grunde am nötigen Wissen fehlt?

Je komplexer die Zertifikate, desto wichtiger die Fachtermini

Experten reden in diesem Zusammenhang gerne von der „Sprache der Zertifikate“ bzw. dem Sprachgebrauch, der an Zertifikate-Börsen gebräuchlich ist. In der Tat gibt es etliche Vokabeln, die Händler zwar schon aus anderen Sparten und Nischen des Finanzmarktes kennen, aber ebenso viele Termini, die ausdrücklich mit dem Handel von Zertifikaten zu tun haben. Wollte man die Liste der wichtigen Begriffe für Zertifikate-Händler mit einem einzigen Wort zusammenfassen, wäre dies wohl: reichhaltig. Denn aufgrund der diversen Produktarten und Varianten der Zertifikate von Discount-Zertifikaten über Express-Zertifikate bis hin zu Angeboten aus der Kategorie der Knock-out-Zertifikate gibt es zwangsläufig mehr als genug verschiedene Begriffe, mit denen sich Händler auskennen sollten, um die Eigenheiten, Besonderheiten und Ähnlichkeiten der Angebote an der Zertifikate-Börsen zu verstehen.

Verständnis für Anforderungen führt zum richtigen Produkt

Denn genau darum geht es: Zu begreifen, welche Varianten von Zertifikaten in der persönlichen Situation besonders gute Chancen bieten können. Nur gut informierte Händler, die wissen, worauf sie sich einlassen und mit der Vorgehensweise bezüglich des Ablaufs eines Zertifikats vertraut sind, können auf lange Sicht erfolgreich und effizient traden. Dabei gilt, was oft im Leben Relevanz hat: Niemand muss sich mit ausnahmslos allen Fachbegriffen auskennen – in vielen Fällen reicht es durchaus zu wissen, wo man die Erklärungen zu den vermeintlich wichtigen Termini finden kann!

Begriff 1: Emittent

Emittent – oder auf Deutsch: Herausgeber – gehört allemal auf die Liste der wichtigen Begriffe für Zertifikate-Händler. Dabei handelt es sich letztlich um den Anbieter eines Wertpapiers aus dem Bereich der Zertifikate. Wer als Emittent in Erscheinung tritt, hängt zumindest zu einem Teil von der Art der Produkte ab. So treten zum Beispiel ganze Länder als Emittenten von Staatsanleihen auf. Weiterhin spielen Banken in diesem Sektor gewohnt eine zentrale Rolle am Finanzmarkt. Eng verbunden mit dem Begriff des Herausgebers ist das sogenannte „Emittentenrisiko“ verbunden.

Gemeint ist damit die Gefahr, die Anleger bei Investitionen in das Produkt XY eingehen – hinsichtlich möglicher Zahlungsengpässe der Emittenten, was wiederum im Zusammenhang mit deren Bonität steht. Kleinere Banken ohne umfangreiche Kapitaldecke steuern erfahrungsgemäß eher in eine Insolvenz als Großbanken.

Begriff 2: Benchmark

Mit diesem Terminus werden Anleger vor allem mit Blick auf die Verwaltung von Fonds durch Manager konfrontiert. Fondsmanager müssen ihre Performance (Leistung) in aller Regel an einem Vergleichsindex messen lassen. Eine häufige Benchmark ist beispielsweise der Deutsche Aktienindex (DAX). Bezugswert ist generell ein vorab definierter Zeitraum, innerhalb dessen die im Fonds geführte Auswahl an Wertpapieren der Manager dem Index-Ergebnis gegenübergestellt wird. So ist ein Rendite-Vergleich überhaupt erst möglich.

Begriff 3: Asset- oder Anlageklasse

Jedes Finanzprodukt und damit auch ein jedes Zertifikat, das am Finanzmarkt gehandelt wird, erlaubt eine klare Ein- bzw. Zuordnung zu einer Asset- oder Anlageklasse. Innerhalb dieser Klasse werden Vermögenswerte gleicher Art zusammengefasst. Zertifikate sind nur einer von vielen Bereichen, auf die das zutrifft. Andere Werte sind etwa klassische Geldanlagen wie Tages- oder Festgeld, Aktien, Anleihen, Devisen oder Rohstoffe. Zu erwähnen ist in diesem Kontext, dass man bei einer Vermögensverteilung auf unterschiedliche Assetklassen im Fachjargon von einer „Asset Allocation“ sprechen kann.

Begriff 4: Volatilität

Die Kurse aller Anlageformen weisen eine mehr oder weniger deutliche Schwankung auf. Eine solche Schwankung wird als Volatilität oder auch Schwankungsbreite bezeichnet. Dabei steht ein zu bestimmender Mittelwert im Mittelpunkt, von dem wiederum die Volatilität nach oben oder unten abweichen kann. Mit steigender Abweichung fällt die Schwankungsbreite dementsprechend größer aus. Indizes und Zertifikate sind ebenso von einer solchen Schwankung gekennzeichnet wie Devisen, die gemeinhin als besonders schwankungsanfällig gelten. Andersherum kann gesagt werden: Wird in Produktbeschreibungen von einer hohen oder großen Volatilität gesprochen, deutet dies auf ein höheres Risiko und eventuelle deutlichere Schwankungen der Kurse hin.

Begriff 5: Kupon

Auf den Terminus des Kupons stoßen Anleger nicht bei allen Zertifikaten am Markt bzw. zum Teil nur indirekt. Der Grund: Hier geht es um einen bestimmten Zinsbetrag, den Investoren durch außerbörslich oder an einer Zertifikat-Börse gehandelte Produkte realisieren können. Ähnlich verhält sich die Situation am Anleihenmarkt. In einigen Fällen – etwa bei Garantie-Zertifikaten – wissen Anleger zu Beginn bereits, welcher Zinsbetrag ihnen pro Jahr oder am Ende der Laufzeit gutgeschrieben wird. Bei anderen Finanzwerten können die jährlichen Ausschüttungen nur gemessen an der Gesamtrendite ermittelt werden.

Begriff 6: Laufzeit oder Restlaufzeit

Hier trennt sich abermals in gewisser Weise die Spreu vom Weizen. Dies liegt daran, dass einige Produkte von Anfang durch eine fixe Laufzeit geprägt sind, während andere Angebote an Zertifikate-Börsen ohne eindeutige geregelte Haltezeiten auskommen. In die Rubrik der unbefristeten Instrumente gehören in erster Linie Index-Zertifikate, denn sie werden mehrheitlich ohne zeitliche Limitierung emittiert. Andere Produkte hingegen sehen einen eindeutigen Auslaufzeitpunkt vor, auf den Anleger vorbereitet sein müssen. Generell ist die Laufzeit der Zeitrahmen vom Tag der Emission bis zur Fälligkeit. Wichtig sind diese beiden Begrifflichkeiten gerade bei Zertifikaten, bei denen die Auszahlung erst zum Laufzeitende vorgesehen ist. Der außerbörsliche Handel kann genutzt werden, um nicht bis zum Moment des Auslaufens warten zu müssen.

Begriff 7: Fälligkeit

Mit dem Begriff der Fälligkeit müssen sich Zertifikat-Händler immer dann beschäftigen, wenn Produkte ein festes Ende der Laufzeit beinhalten. In diesem Fall geht es um den Zeitpunkt oder Termin, zu dem ein bestimmtes Zertifikat planmäßig ausläuft.

Begriff 8: OTC oder „over the counter“

Alle Händler, die Zertifikate nicht an einer Börse erwerben und wieder verkaufen, handeln letzten Endes außerbörslich über einen OTC-Anbieter. Denn Emittenten bieten ihre Produkte in diesem Fall direkt und ohne den Umweg über eine Börse an. „Over the counter“ lässt sich hierbei mit dem deutschen Begriff „über die Ladentheke“ übersetzen. Aktuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa zwei von drei Zertifikat-Transaktionen auf diesem Wege ausgeführt werden. Nur ein Drittel aller Orders erfolgt indirekt über Zertifikatbörsen.

Begriff 9: Quanto

Stoßen Händler auf diesen Namenszusatz bei Zertifikaten, bedeutet dies im Klartext, dass Produkt unter Einschluss einer Währungsabsicherung gehandelt werden. Das sogenannte Fremdwährungsrisiko kann sich ansonsten durchaus erheblich auf die erzielbaren Renditen eines Zertifikats auswirken, wenn Produkte auf Indizes ausländischer Börsen gehandelt werden. Gleiches gilt für Zertifikate auf Werte am Rohstoffmarkt. Passenderweise werden Produkte dieser Art auch als „Quanto-Zertifikate“ tituliert. Hier sind Anleger gegen Verluste infolge von Wechselkursschwankungen gefeit. Dafür aber müssen die Investoren höhere bzw. zusätzliche Entgelte beim Handel in Kauf nehmen.

Begriff 10: Kursindex oder Performance-Index

Wer auf Zertifikat-Produkte auf Basis der Kategorien der Aktienindizes setzt, muss sich unweigerlich mit Gewinnen und Verlusten der Aktien befassen, die im betreffenden Index gelistet werden. Bei Performance-Indizes wiederum geht es nicht allein um die Kursentwicklungen, denn auch Dividenden-Erträge fließen in die Rendite-Kalkulationen ein. Die Nummer 1 unter den Performance-Indizes am deutschen Markt ist und bleibt der Deutsche Aktienindex (DAX).

Begriff 11: Bottom-up- und Top-down-Strategien

An sich geht es bei diesem Teilaspekt um zwei verschiedene Dinge, die jedoch untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Strategien stehen einander gegenüber und sind doch im Grunde zwei Modelle, die – jedes auf seine Art und Weise – Händler ans Ziel führen können. Bei der Bottom-up-Strategie geht es um einen Ansatz, der in erster Linie eine Rolle bei Fonds spielt, die ein aktives Management aufweisen. Nach dem Leitsatz „von unten nach oben“ entscheiden die Manager, welchen Werten sie bei den Zertifikaten gute Wertentwicklungen prognostizieren. Ist diese Arbeit erledigt, kommt es zu einer Kursentwicklungs-Analyse mit Blick auf den kompletten Markt oder die Branche, aus der die potenziellen Bestandteile der Fonds stammen. Die besagte Bewertung kann nach verschiedenen Merkmalen erfolgen – zum Beispiel auf Basis verschiedener Branchen oder Länder.

Dementsprechend ist die Top-down-Strategie das Gegenstück zur Bottom-up-Strategie. In diesem Fall geht es im ersten Schritt darum, dass Manager von Fonds einen Blick auf die Wirtschaftslage insgesamt werfen, entweder bezüglich einzelner Branchen oder regionaler Sparten. Im Anschluss daran kommt die Analyse der Kurschancen einzelner Wertpapiere zum Tragen.

Begriff 12: der Market Maker

Hinter dem Begriff Market Maker können verschiedene mit dem Zertifikathandel in Verbindung stehende Marktteilnehmer stecken. Hiermit können Broker, eine Bank, ein Makler, ein Händler oder der Emittent selbst gemeint sein. Hintergrund ist in diesem Zusammenhang, dass der „Markt-Macher“ letzten Endes dafür verantwortlich zeichnet, dass zu jedem Zeitpunkt Preise für den Handel von Zertifikaten (und anderen Wertpapieren) gestellt werden. Auf diesem Wege garantieren Market Maker am Markt die erforderliche Liquidität der Produkte.

Begriff 13: Spread

Der Spread begegnet Anlegern an der Zertifikate-Börse ebenso wie im Bereich des Devisenhandels. In beiden Fällen meint der mit „Spanne“ oder „Spannweite“ recht gut ins Deutsche übertragbare Terminus einen Abstand, genauer die Differenz zwischen dem Geldkurs auf der einen Seite und dem Briefkurs auf der anderen Seite. Es geht also um die verschiedenen An- und Verkaufskurse, die am Markt für ein Wertpapier zum Zeitpunkt X aufgerufen werden. Für Broker oder Herausgeber von Zertifikaten ist die Differenz zwischen beiden Preisen eine durchaus wichtige Umsatzquelle, die oft auch als „Geld-Brief-Spanne“ bezeichnet wird.

Insbesondere am sogenannten Sekundärmarkt können die Werte zwischen Produkten unterschiedlicher Emittenten und Händler variieren. Fachlich wird hier zwischen verschiedenen Spreads unterschieden. Zum einen existiert der absolute Spread, daneben gibt es den homogenisierten Spread und den prozentualen Spread, der vor allem für Fans des Daytradings von großem Interesse ist. Der Spread gehört zu den wichtigsten Kennzahlen, mit denen sich Anleger vor Aufnahme des Zertifikathandels auskennen müssen.

Begriff 14: Underlyings

Die sogenannten Underlyings stehen in enger Verbindung mit der Asset- oder Anlageklasse und es geht dabei in der Analyse noch weiter ins Detail. Alternative Begriffe für „Underlying“ sind „Asset“, „Vermögenswert“ oder „Basiswert“. Gerade letzterer erklärt bereits sehr genau, worum es in diesem Fall geht: Das Underlying ist nichts anderes als das Finanzinstrument, auf dessen Basis ein Zertifikat außerbörslich oder an Zertifikate-Börsen gehandelt werden kann.

Begriff 15: Die Wertpapierkennnummer

Auf Wertpapierkennnummern – oder kurz WKN – stoßen Händler bei Investitionen immer wieder auf den Plattformen der Emittenten und Broker. Die Nummer ist ein Kürzel zur Identifikation eines bestimmten Wertpapiers. Durch die Eingabe der sechsstelligen Ziffernfolge aus Zahlen und Buchstaben können Produkte rasch ausfindig gemacht werden. Der Logik folgend wird jede WKN natürlich nur ein einziges Mal vergeben, damit eine schnelle und vor allem unmissverständliche Zuordnung der Nummer zum Wertpapier, hier also dem Zertifikat, möglich wird.

stefan

Mein Fazit

Ganz ohne Frage ließe sich auch diese Liste der Punkte, die mehr oder weniger eindeutig als wichtige Begriffe für Zertifikate-Händler ausfindig gemacht werden, gefühlt endlos verlängern. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Zertifikat-Handel so viel Spielraum für die Ausgestaltung durch die Community der Emittenten bietet. Die Grenzen zwischen verschiedenen Assetklassen und Zertifikat-Produkten sind zum Teil fließend, weshalb Anleger besonders genau hinsehen sollten, welche Eigenschaften vermeintlich für sie interessante Angebote am Markt tatsächlich aufweisen. Dabei sind zwar einige Begrifflichkeiten wie die Laufzeit, der Emittent, die Fälligkeit und die Volatilität für alle Händler von Zertifikaten von Bedeutung. Andere Begriffe hingegen betreffen nur eine kleinere Gruppe von Anlegern, die sich gesondert mit den Gegebenheiten von weniger häufig gehandelten Produkten befassen sollten – selbstredend im eigenen Interesse, denn schon kleine Unterschiede können im Alltag schlimmstenfalls erhebliche Konsequenzen haben, die nicht immer positiver Natur sind.

Autor: Agnes Nitsche