Unterschied zwischen Zertifikaten und Forex-Handel

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Beim FX-Trading handelt es sich um ein reines Derivatgeschäft, bei dem Anleger auf die Veränderungen der Kurse eines Devisenpaars während der Haltezeit spekulieren – und zwar nur auf Währungspaare. Händler, die sich für Zertifikate entscheiden, können Wertpapiere auf Basis vieler verschiedenen Finanzinstrumente als interessant ansehen.
  • Ohne ein Konto bei einem Forex-Broker gelingt der Währungshandel nicht, weshalb Zertifikate in diesem Punkt einen Vorteil erkennen lassen → denn hier reicht ein normales Bankkonto oder ein bereits existierendes Wertpapierdepot, das bis dato für andere Spekulationsgeschäfte Verwendung fand.
  • Aufgrund des einsetzbaren maximalen Hebels bei einigen Zertifikat-Modellen können Anleger mit ähnlich geringen Mindesteinsätzen ans Ziel gelangen wie beim Devisenhandel. Im Normalfall aber braucht es im direkten Vergleich höhere Einlagen, um an Zertifikate-Börsen aktiv werden zu können.

Forex-Trading contra Zertifikate: Unterschiede vor allem bei Auswahl & Einsätzen

unterschied zertifikate forexDer zweite große und enorm boomende Sektor des Handels mit derivaten Finanzinstrumenten neben dem Trading mit Differenzkontrakten ist der Devisenhandel. (Online-)Broker haben schon vor Jahren mit geringen Mindesteinlagen und Mindesteinsätzen ihre Handelsplattformen auch für private Anleger zugänglich gemacht, nachdem dieser Sektor lange Zeit vor allem aufgrund der hohen Risiken eher für Großanleger und institutionelle Investoren von Interesse war. Dabei wissen Privatanleger mittlerweile verstärkt die enormen Renditechancen trotz der Verlustrisiken zu schätzen. In diesem Teil des Ratgebers wird es nun um die Frage gehen, welche Unterschiede das Spekulieren mit Zertifikaten gegenüber dem Forex-Handel aufweist. Wie fast immer wird dabei ziemlich rasch offensichtlich, dass es nicht nur Differenzen, sondern auch einige Ähnlichkeiten gibt, die Anleger kennen müssen, um zu erkennen, wann und unter welchen Bedingungen Zertifikat-Börsen eventuell der bessere Bereich für Investitionen sein können.

Maximaler Hebel erweist sich in beiden Bereichen als Gelegenheit

Deutlich wird dabei in der Analyse, dass beide Produkte auf ihre Weise durch die Hebelwirkung überzeugen können. Allerdings zeigt sich vielfach, dass Zertifikate wie eben die sogenannten Hebelzertifikate in aller Regel nicht mit dem maximalen Hebel mithalten können, den FX-Trader in Anspruch nehmen können, sofern sie um die Gefahren der Instrumente wissen. In den allermeisten Fällen verlangt der Handel mit Zertifikaten von Anlegern einen höheren Mindesteinsatz, als er von Brokern im Forex-Spektrum angesetzt wird. In Einzelfällen reicht ein Einsatz ab 1,00 Euro, meist aber zwischen 5,00 und 25,00 Euro, um am Devisenmarkt Wetten auf die wahrscheinlichen bzw. erhofften Kursveränderungen abzugeben. Die Produkte selbst werden nicht gekauft, stattdessen sagen Händler voraus, wie sich der Kurs der Basiswerte – also der mehr oder minder zahlreich zur Wahl stehenden Devisenpaare – während einer Laufzeit oder zu einem Verfallszeitpunkt entwickeln wird.

Gewinne und Verluste bei FX-Handel vorab bekannt

Kunden eines Brokers wissen in diesem Zusammenhang im Moment der Ausführung ihrer Order bereits, welcher Gewinn mit ihrem Einsatz erreicht wird, sofern die Positionen im Geld enden. Wer sein Geld in Zertifikate „steckt“, hat diese Gewissheit bei vielen Produkten des Marktes hingegen nicht. Hier kann sich der Kurswert mehrheitlich während der Haltezeiten sowohl zum Vorteil als auch zum Nachteil der Besitzer verändern.

→ Forex-Trader spekulieren auf die Veränderung der ausgewählten Basiswerte!

Dabei besteht die Möglichkeit, Zertifikate in vielen Fällen außerbörslich vor dem geplanten Verfall zu verkaufen, was (nach Abzug aller anfallenden Transaktionskosten) zu einem vorzeitigen Gewinn, aber eben auch zu einem Minus führen kann.

Forex-Trading nur bei Brokern – Zertifikate von vielen verschiedenen Emittenten

Besondere Erwähnung als ein Unterschied der Zertifikate gegenüber dem Forex-Handel verdient weiterhin die Art, wie die Produkte gehandelt werden. Zertifikate sind Angebote, die normalerweise direkt von einem Emittenten in Umlauf gebracht werden. Als Herausgeber treten meist Banken auf, jedoch können auch andere Finanzdienstleister (teils auch Unternehmen) diese Rolle einnehmen. Das Forex-Trading hingegen wird direkt zwischen Brokern und den Kunden abgewickelt. Dies bedeutet, dass Anbieter auch die Kursstellung übernehmen, was im Fall der Fälle zu Kursen führen kann, die vom aktuellen Kurs am Markt mehr oder weniger deutlich abweichen. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Broker-Arten, während Zertifikate immer einen klaren Ausgabekurs haben, der zu Beginn vom Emittenten definiert wird. Hierzu dienen beispielsweise der Unternehmenswert oder die Preise für Rohstoffe und andere Produkte als Basis

Zertifikate auch, aber nicht nur auf Forex-Werte erhältlich

Festzustellen ist: Wer über einen Forex-Broker handelt, kann – abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen im Broker-Vergleich – meist einzig und allein mit Devisenpaaren handeln. Zertifikate können ihrerseits aus vielen verschiedenen Bereichen des Finanzmarktes stammen. Die Vielfalt der Angebote an den Zertifikat-Börsen mag gerade manchen Anfänger regelrecht überfordern. Eben weil nicht nur unterschiedliche Produkte mit verschiedensten Eigenschaften gehandelt werden, sondern weiterhin wegen der Tatsache, dass Zertifikate auf Grundlage fast endlos vieler Finanzinstrumente emittiert werden können.

Infrage kommen unter anderem:

  • Aktien
  • Devisenpaare
  • Anleihen
  • Fondsprodukte wie ETFs
  • Rohstoffe (beliebt ist z.B. Gold)
  • Zinsen

Emittenten haben weitgehend freie Hand bei Zertifikat-Gestaltung

Gegen die Herausgabe von Zertifikaten auf andere Angebote spricht letzten Endes ebenfalls nichts. Erlaubt ist alles, was der Markt bietet, wenngleich zum Beispiel Produkte auf Rohstoffe wie Weizen, Mais und ähnliches in Zeiten zunehmender Verknappung nicht unumstritten sind und immer wieder in der Kritik stehen. Hier zeigt sich eine Parallele zu Optionen auf Rohstoffen, gegen deren Handel Gegner ebenfalls gute Argumente ins Feld führen. Die Moral aber ist bekanntlich etwas, das am Markt nur bedingt eine Rolle spielt – Risiken hingegen schon eher. Indexzertifikate und Garantiezertifikate, aber auch Bonuszertifikate werden ohnehin von Experten weitaus weniger kritischer betrachtet. Ein wichtiger Unterschied der Zertifikate zum Forex-Handel ist wie gesagt vor allem im Bereich der Hebelwirkung anzutreffen: Werte von bis zu 1:500 sind auf dem Sektor des Devisenhandels gang und gäbe, Zertifikate liegen diesbezüglich eher bei geringeren maximalen Werten.

Hebel im FX-Bereich – Hebel-Zertifikate als Alternative

Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Leverage-Einsatz (so ein alternativer, international gebräuchlicher Begriff für den Hebel) immer nicht nur Chancen, sondern auch ein hohes Risiko darstellt. Dennoch ist die Hebelwirkung eine Möglichkeit, um mit geringem Kapitaleinsatz größere Summen investieren zu können. Dafür existiert bei einigen Brokern nach wie vor die sogenannte Nachschusspflicht, die dazu führt, dass bei einem Verlust über die auf dem Forex-Konto hinterlegte Sicherheitsleistung (auch „Margin“) hinaus weitere Gelder eingezahlt werden müssen. Handele ich hingegen mit Zertifikaten, die zumeist höchsten einen Hebel von 1 : 50 zulassen, muss ich aus eigener Kraft höhere Summen anlegen. Hebelprodukte können jedenfalls im Grunde Produkte aus beiden Marktsegmenten sein.

Welche Summe muss mindestens beim Handel investiert werden?

Höher fallen in der Regel die Zertifikat-Mindesteinsätze aus im Vergleich zu den Anforderungen im Bereich des FX-Tradings. Allerdings ist hierbei zu erwähnen, dass mit Blick auf die Anforderungen der Zertifikathandel meist einfacher aufgenommen werden kann. Forex-Broker erwarten von Kunden vor dem Einstieg eine gewisse Ersteinlage, die im Einzelfall – je nachdem, ob eher Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis vom Anbieter angesprochen werden – sogar im vierstelligen Euro-Bereich liegen können. Summen ab 100 Euro aufwärts sind gängige Praxis im Zuge der Kontoeröffnung.

Erst wenn diese besagte Mindesteinlage auf dem Konto verbucht wird, kann mit Devisenpaaren gehandelt werden. Es kann mitunter ein paar Tage dauern, bis der Transfer des Kapitals auf das Handelskonto erfolgreich abgeschlossen wird. Wer an der Zertifikate-Börse spekulieren möchte, benötigt kein weiteres Konto bei einem Broker. Das normale Bankkonto oder Aktiendepot reicht aus, um den Handel aufnehmen zu können. Freilich braucht es auch hier das nötige Guthaben, um loslegen zu können.

Gebühren fallen unterschiedlich aus in beiden Bereichen

Weiterhin ist das Handeln mit Zertifikaten in aller Regel nicht gänzlich kostenlos. Einzig auf ein oft ebenfalls gebührenpflichtiges Extra-Depot sind Anleger in diesem Bereich nicht angewiesen, was wiederum für Devisenhändler in spe unverzichtbar ist. Das Trading mit Devisenpaaren über einen typischen Broker ist meist – abgesehen von den notwendigen Mindesteinsätzen – weitgehend gebührenfrei möglich, auch wenn natürlich gewisse Kosten wie etwa die Spreads fällig werden, die vor allem Einfluss auf die erreichbaren Renditen haben. Investoren, die sich auf den Handel mit den verschiedenen Varianten der Zertifikate spezialisieren oder wenigstens einen Teil ihres Geldes in diesem Sektor anlegen möchten, müssen sich auf die Berechnung von Börsen- und allgemein Finanzierungskosten einstellen, die durch die späteren Renditen ausgeglichen werden müssen, damit es zu einem Gewinn kommen kann.

Größere Auswahl spricht für Zertifikate im Vergleich

Für viele Anleger sind es gerade die vielfältigen Anlagemöglichkeiten an den Zertifikate-Börsen, die für das Konzept im Vergleich zum Forex-Trading sprechen. Gerade auch deshalb, weil die späteren Gewinne und Verluste vorab bekannt sind, während Zertifikate in vielen Fällen eine nicht vorhersehbare Entwicklung bis zu ihrem planmäßigen Verfall zeigen können. Die Kursentwicklungen beim Forex-Handel spiegeln stets eins zu eins die Veränderungen der Kurse der gehandelten Währungspaare wider. Wie sich die Kurse von Zertifikaten entwickeln, hängt von der bevorzugten Produkt-Art ab. Diese Tatsache mag aus der Sicht manches Interessenten einen intransparenten Eindruck hinterlassen, letztlich aber handelt es sich dabei nun einmal um eine typische Eigenschaft von Zertifikaten, sieht man einmal von Angeboten ab, bei denen Anlegern ein bestimmter Mindestertrag zum Ende der Laufzeit zusteht.

Bei der Mehrheit der Zertifikate ist es indes zutreffend, dass Anleger zu Beginn nicht wissen, ob und in welcher Höhe Gewinne entstehen werden. Eine präzise Analyse der Angebote erhöht dennoch die Rendite-Chancen. Wichtig ist, dass Anbieter bewusst die Nebenkosten für den Zertifikats-Handel angeben und Kunden sie zur Kenntnis nehmen im Rahmen ihrer Kalkulationen.

Zertifikate unter Börsenaufsicht – Forex-Broker unter Regulierung?

Ein ohne Frage wichtiges Merkmal im Unterschied der Zertifikate zum Forex-Handel zeigt sich im Hinblick auf eine möglicherweise bestehende Regulierung durch staatliche Aufsichtsbehörden. In der Tat finden sich Hinweise auf eine solche Absicherung im Sinne der Kunden sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite. Dennoch unterscheiden sich die Bedingungen eindeutig. Die Regulierung des Zertifikate-Handels obliegt der zuständigen Börsenaufsicht – jedoch nur im ersten Schritt, wenn die Angebote vom Emittenten wirklich an der Börse verkauft werden. Sobald die Produkte in den außerbörslichen Handel kommen, ist eine solche Beaufsichtigung nicht mehr gegeben. Für die Forex-Broker wiederum bezieht sich ein Verweis auf eine mögliche Aufsicht auf die Unternehmenspraxis an sich, nicht aber auf den eigentlichen FX-Handel.

So sind Behörden wie die deutsche BaFin oder die britische FCA eher dafür zuständig, dass Broker in diesem Bereich Vorgaben zur Einlagensicherung einhalten und verständliche Aussagen zu ihren Handelskonditionen treffen. Der Handel an sich erfolgt bei den Brokern unabhängig von den Börsen, da es sich um das Trading von derivaten Finanzinstrumenten handelt. Beim Handel von Zertifikaten sind die Aufsichten für die Prüfung der Ausgabe-Bedingungen zuständig, wenn die Angebote an einer Zertifikate-Börse gehandelt werden.

stefan

Mein Fazit

Forex-Handel oder ein Einstieg in den Markt für Zertifikate? Nicht immer muss es unbedingt eine strenge Trennung beider Bereiche sein. Mancher Anleger entscheidet sich aus gutem Grund und bewusst aufgrund der jeweiligen Eigenschaften für einen Mix aus beiden Konzepten. Richtig ist jedenfalls, dass die Vielfalt der Zertifikate von Seiten der Emittenten gerade jene Investoren anspricht, die ein ausreichendes Hintergrundwissen mitbringen und Wert auf Flexibilität legen. Denn: Wer über einen FX-Broker spekuliert, kann dies einzig und allein am Devisenmarkt tun. Der Handel mit Zertifikaten aber kann in vielen verschiedenen Bereichen parallel vonstatten gehen. Flexibler also können Anleger kaum vorgehen, wobei sie in jedem Moment die omnipräsenten Risiken vor Augen haben müssen, die hier wie dort existieren.