Unterschiede zwischen Zertifikaten und Anleihen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Anleihen waren über Jahre hinweg gerade bei Anlegern beliebt, die die dort realisierbaren hohen Erträge zu schätzen wussten. Diese Zeiten sind aufgrund niedriger Zinssätze weitgehend verschwunden. Zertifikate bringen nur bei einigen Formaten garantierte Gewinne, können dafür aber bei geschickter Auswahl der Investments hohe Renditen abwerfen, die bei Anleihen selbst früher kaum erreichbar waren.
  • Das Emittentenrisiko wird oft und gerne als Gefahr der Zertifikate hervorgehoben → dass auch Anleihen-Anbieter in wirtschaftliche Not geraten können, wird vielfach zum Leidwesen potentieller Anleger verschwiegen.
  • Kursgewinne können hier wie dort zum Erfolg führen. Bei Anleihen kann der Anstieg des Kurses indes zu einem Extra-Ertrag werden.

Anleihen haben ihre Anreize von einst zusehends eingebüßt

unterschiede zertifikate anleihenAnleihen sind bereits seit vielen Jahren ein Anlagemodell, mit dem sich nicht allein institutionelle Investoren befassen. Auch für Privatanleger sind die Produkte seit jeher durchaus reizvoll, was vor allem an der speziellen Art der Rendite-Berechnung liegt. Zertifikate hingegen sind schon aufgrund ihrer Geschichte weitaus weniger bekannt bei kleineren Anlegern – bisher, denn auch dieses Format stößt zunehmend auf Begeisterung. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass in diesem Bereich der derivaten Finanzprodukte an den internationalen Zertifikate-Börsen mittlerweile aus einer Auswahl in mittlerer sechsstelliger Größenordnung flexibel das passende Angebot ausgewählt werden kann. So findet jeder Anleger zwischen Discount-Zertifikaten, Bonuszertifikaten, Express-Varianten, den Indexzertifikaten als Klassiker der Branche und zahlreichen anderen Typen das für ihn geeignete Produkt.

Bevor es um die Frage nach den Unterschieden zwischen Zertifikaten und Anleihen gehen kann, sollen Experten zur Sprache kommen. Zu diesen gehört beispielsweise der DDV – der Deutsche Derivate Bundesverband.

Zertifikate sind immer von einem Emittentenrisiko geprägt

Dort verweist man regelmäßig auf eine wichtige Gemeinsamkeit von Anleihen und Zertifikaten. Es geht um das Emittentenrisiko. Denn genau dieses ist in beiden Sparten für Anleger vielleicht nicht das Entscheidungskriterium schlechthin, aber doch ein Faktor, der durchaus den Ausschlag für oder wider ein bestimmtes Investment geben kann. Schließlich werden die Produkte beider Sparten als Schuldverschreibungen von einem bestimmten Herausgeber – im Fachjargon: dem Emittenten – in den Handel gegeben und an potentielle Investoren verkauft. Die Bonität dieser Emittenten ist deshalb so wichtig, da einzig und allein der Herausgeber mit seiner wirtschaftlichen Stellung für Gewinne und Verluste verantwortlich ist. Auch wenn es Garantiezertifikate gibt: Stürzt der Herausgeber eines Zertifikats in die Insolvenz, ist der Einsatz auch in diesem Fall in voller Höhe, also ohne Restwert, verloren.

Spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wissen Anleger weltweit um die Gefahren, die mit Zertifikaten verbunden sind. Denn damals bereuten gut 50.000 Investoren ihre Anlageentscheidung und mussten mit ansehen, wie ein großer Teil ihrer Einsätze verloren ging.

Eine Zusammenfassung der Gefahren, aber auch der möglichen Chancen zu den verglichenen Anlagevarianten ist an dieser Stelle angebracht.

Zertifikate zeichnen sich positiv aus durch:

  • vergleichsweise sehr hohe Rendite-Chancen
  • überproportional gute Profitaussicht bei Optionsscheinen auf Basis der Kursgewinne des Basiswertes

aber negativ durch:

  • ein ziemlich riskantes Investment der Anlageform → bis hin zum Totalverlust zum Laufzeitende
  • höhere Verlustrisiken bei höheren Rendite-Zielen

Bei Anleihen verteilen sich die Vor- und Nachteile bzw. Chancen und Risiken wie folgt.

Vorteile von Anleihen:

  • Die Mehrheit gilt als recht sicheres Investment.
  • Nicht nur die Verzinsung bringt Kunden eine Rendite ein. Auch mögliche Kursgewinne können zu einem Zuwachs des Anleger-Vermögens führen → allerdings meist nur im Falle eines vorzeitigen Anleihen-Verkaufs.

Nachteile von Anleihen:

  • Die Insolvenz des Emittenten kann zu einem teilweisen, schlimmstenfalls sogar vollständigen Verlust des investierten Geldes führen.
  • Fallen die garantierten Zinsen zu gering aus, bleibt nach Abzug der Handelsentgelte und der aktuellen Inflation unter Umständen nichts mehr vom Gewinn übrig.

Auch Anleihen sind nicht immer ohne weitere Kosten zu haben

Ein Unterschied von Zertifikaten und Anleihen ist in den Kosten zu sehen. Zwar fallen die Gebühren beim Handel mit Zertifikaten sehr gering aus – gerade wenn es sich um Papiere auf einen der großen und entsprechend liquiden Indizes handelt. Teils sind die Investitionen sogar vollkommen gebührenfrei. Auf der anderen Seite scheinen Anleihen ihrerseits meist günstig oder kostenlos erhältlich zu sein. Allerdings legt in diesem Kontext oft der Blick in die vertraglichen Details offen, dass diese Vermutung nicht immer korrekt ist. So kassieren Anleger bei Anleihen zwar einen sogenannten Zinscoupon, bei dem es sich um die anfangs definierten Zinserträge pro Anleihe handelt. Jedoch kommt es auf den Zeitpunkt des Erwerbs an. Vielfach müssen Käufer dem Verkäufer Stückzinsen zahlen, wenn die Produkte nicht zu Beginn der Laufzeit erworben werden.

Durchaus Parallelen beim Vergleich zwischen Zertifikaten & Anleihen

Hier macht sich der parallele Erwerb der Zinsrechte bemerkbar. Investoren werden die Stückzinsen im Moment des Kauf auf den eigentlichen Kaufpreis aufgeschlagen. Trennen sich Anleger nun vor dem Laufzeitende von ihren Papieren, müssen die zukünftigen Besitzer die Stückzinsen an den Verkäufer entrichten. Ob ein Verkauf nun zum Zinstermin oder irgendwann im zeitlichen Vorfeld stattfindet, ist diesbezüglich irrelevant. Das große Aber: Die Zinsen sind nicht verloren, da im Gegenzug natürlich die komplette Rendite zum Zeitpunkt der Fälligkeit ausgezahlt wird.

Zinsausschüttung nach wie vor meist pro Jahr

Die Zinsperiode ist hierbei im Übrigen in aller Regel ein Zeitraum von 12 Monaten oder mehr. An ihrem Ende kommt es zur Zins-Gutschrift. Der Grund für die Ausgleichszahlung besteht darin, dass Anleger, die Produkte längerfristig gehalten haben, eine Zahlung erhalten sollen, statt nur auf die Zinseinnahmen verzichten zu müssen. Zumindest die reinen Kaufkosten steigen durch die besagten Stückzinsen also abhängig von der Menge der Anleihen, die gekauft werden. Bei Zertifikaten wiederum spielen einmal mehr die sogenannten Spreads eine zentrale Rolle beim Handel an der Börse oder auch außerbörslich. Privatanleger, die ohne zu vergleichen vorschnelle Entscheidungen treffen, zahlen nicht selten Gebühren von zehn Euro oder mehr – pro Anleihe wohlgemerkt.

Anleihen verlangen von Investoren oft höhere Mindesteinsätze

Ein wichtiger Unterschied zwischen beiden Anlagevarianten ist in den Mindesteinlagen zu sehen. Etliche Zertifikate können aufgrund der optional einsetzbaren Hebelwirkung schon mit dreistelligen Summen gehandelt werden. Teilweise reichen schon 50 Euro für den Einstieg. Bei Staats- und Unternehmensanleihen hingegen wird hinsichtlich der Stückelung nicht selten ein Grundbetrag in Höhe von 1.000 Euro angesetzt. Nicht unbedingt eine Mindestanforderung, mit der sich Kleinanleger anfreunden können. Zumal gibt es auch Unternehmensanleihen, bei denen Stückelungen in Beträgen von 50.000 Euro oder mehr vorgenommen werden. Brief- und Geldkurse spielen in beiden Bereichen eine Rolle, wenn Anleger Ausschau nach günstigen Produkten am Finanzmarkt halten und im Besonderen an einer Zertifikatebörse wie dem Standort Stuttgart, der zugleich eine wichtige Anleihebörse beheimatet.

Wichtig ist hier wie dort der Vergleich der Briefkurse verschiedener Börsenplätze, denn die Gebühren können überraschend deutliche Unterschiede aufweisen. Zertifikate und Anleihen präsentieren sich in diesem Punkt also recht ähnlich „gestrickt“. Derselbe Hinweis lässt sich auf den Handel über Online-Broker und -Banken anwenden, denn auch diese Anbieter vertrauen auf sehr unterschiedliche Gebührenmodelle.

Extrem gute Auswahl bei Zertifikaten unterschiedlicher Risikoklassen

Der Besuch eines typischen Online-Brokers ist denn auch ein guter Weg, um sich einen Eindruck der erwähnten Angebots-Unterschiede zu verschaffen. Während bei guten Dienstleistern oft etwa 2.000 bis 3.000 Anleihen für den Handel zur Verfügung stehen, können Anleger in den diversen Bereichen des Zertifikat-Marktes zwischen einem Vielfachen dieser Menge wählen – auch je nachdem, welche Summen sie investieren und welche Risiken sie einzugehen sind. Einmal mehr zeigt sich eine Parallele, die zwischen verschiedenen Zertifikaten und Anleihen (die vielerorts auch Bonds oder Renten genannt werden) erkennbar werden kann.

So gibt es auf beiden Seiten neben festverzinslichen Schuldverschreibungen auch variabel verzinste Modelle. Allerdings sind Garantiezertifikate nur eine Variante unter vielen und spielen an den Zertifikat-Börsen eher eine Nebenrolle, während in den meisten Fällen zu Beginn der Haltezeiten nicht feststeht, ob und welche Rendite Anleger erreichen.

Anleihen-Interessenten meist an Laufzeiten gebunden

Bei Anleihen von Unternehmen und Staaten sind festverzinste Bedingungen weitaus häufiger üblich. Anleger in der Position des Gläubigers wissen somit, wann sie in welcher Höhe regelmäßige Zinserträge realisieren. Die Laufzeiten wiederum sind meist von Anfang an fest definiert. Wie wir bereits gesehen haben, spricht im Normalfall dennoch nichts gegen einen Kauf oder Verkauf während der geplanten Laufzeit an Anleihebörsen. Damit existiert hier eine weitere Parallele zwischen Anleihen und Zertifikaten, auch wenn es um die ebenfalls am Markt gehandelten Aktienanleihen geht. Anleihen aber sind im Prinzip für jede Marktphase geeignet. Steigen die Kurse, gibt es geeignete Produkte. Sinken die Märkte, stehen ebenfalls verschiedene Angebote zur Disposition. Selbst für Seitwärtsphasen bieten Emittenten heutzutage interessante Produkte.

Beide Produktkategorien mit Gebühren bei Brokern & Banken

Um auf einen weiteren Unterschied von Zertifikaten und Anleihen hinzuweisen, müssen abermals die Gebühren zur Sprache kommen. Dass es im Grunde bei allen Anlageformaten gewisse Entgelte gibt, auf die Anleger vorbereitet sein müssen, versteht sich von selbst. Denn Betreiber von Handelsplattformen und Kontoanbieter möchten natürlich etwas an ihren Kunden verdienen. Für den Handel mit Zertifikaten und Anleihen benötigen Anleger ein Wertpapierdepot, das gewisse Kosten verursachen kann; auch werden für Transaktionen vielfach Handelsgebühren und Provisionen fällig. Beim Handel mit Fremdwährungsanleihen werden zusätzliche Wechselkosten in Rechnung gestellt. Ähnliche Gebühren können auch beim Handel ausländischer Produkte an Zertifikat-Börsen entstehen. Der Aspekt der Steuerpflichtigkeit betrifft selbstredend alle Kapitalerträge und gilt sowohl für Anleihen- als auch Zertifikat-Gewinne sowie Zinseinkünfte.

Ausfallgefahr hängt entscheidend vom versprochenen Anleihen-Gewinn ab

Anleihen-Besitzer haben abhängig vom Produkt die Chance, nicht nur Zinsgewinne einzustreichen, die vom Emittenten als Zinscoupon ausgezahlt werden. Hier gilt: Je höher die zugesicherte Rendite ist, desto höher ist das Ausfallrisiko während der Haltezeit! Durch den Handel von Aktien- und Unternehmensanleihen können Spekulanten ebenso Gewinne realisieren. So können die Produkte an der Anleihebörse teils unter oder über dem Nennwert erworben bzw. verkauft werden, um so Kursgewinne mitzunehmen, wenn die Lage am Markt gerade günstig ist. Bei den schon angesprochenen Fremdwährungsanleihen wiederum ergeben sich mitunter Gelegenheiten, wenn sich Devisenkurse im Sinne der Anleger entwickeln, sodass Währungsgewinne winken können. Wie bei Zertifikaten müssen diverse Faktoren und Kriterien bekannt sein, um die Rentabilität eines Finanzprodukts beurteilen zu können.

Gute Kreditwürdigkeit dient der Sicherheit, senkt aber die Gewinnaussicht

Zwischen Zertifikaten und Anleihen zeigt sich hinsichtlich der Rendite-Beurteilung insgesamt kein Unterschied. So gilt schlicht auf beiden Seiten: Wer es sicher liebt, erhält weniger hohe Gewinne. Andersherum verbessert sich die Rendite-Aussicht, wenn Anleger nicht nur Staatsanleihen (oder Produkte von Kommunen, die ebenfalls vielfach Geld auf diesem Wege einsammeln!) von Ländern mit vorbildlicher Bonität (z.B. AAA) oder Zertifikate sehr liquider Banken für sich entdecken. Allerdings sind Anleihen weitaus häufiger von definierten Zinssätzen pro Jahr für die betreffenden Bonds gekennzeichnet, während bei Zertifikaten nur bei einigen Produkten (Garantiezertifikaten) ein solcher Abrechnungsmodus mit einer festen Verzinsung zu rechnen ist.

Einige Banken setzen auch auf Anleihen als Kapital-Zugang

Ganz ohne Frage sind aber auch solche Produkte niemals ohne Risiko, sondern immer mit gewissen Risiken verbunden, die wieder in diesen speziellen Fällen automatisch zu besseren Konditionen im Erfolgsfall führen. So wird ein weniger liquider und Bonitäts-starke Emittent – dies ist liegt in der Natur der Sache – meist mehr Rendite versprechen als Anbieter, die felsenfest von ihrer vorbildlichen Kreditwürdigkeit überzeugt sind. Hier gilt es also immer bewusst abzuwägen, welche Ziele Anleger beim Spekulieren verfolgen möchten, und zwar sowohl bei Anleihen als auch bei Zertifikaten in den diversen Spielarten.

Zertifikate sind meist Produkte, die von einer Bank herausgegeben werden und als Fremdkapital dementsprechend dem dortigen Emittentenrisiko unterworfen sind. Bei Aktien- oder Unternehmensanleihen kann der Herausgeber durchaus ebenfalls eine Bank sein, die sich über derartige Obligationen als eine Variante der Inhaber-Schuldverschreibung frisches Kapital am Markt besorgt, um finanzielle Engpässe zu überbrücken oder neue Investitionen tätigen zu können.

Anleger leihen dem Anbieter in beiden Bereichen ihr Kapital

Doch ebenso gut können Anbieter, die sogenannte Fremdkapitalgeber suchen, aus anderen Bereichen der Wirtschaft stammen. Anleihen- wie Zertifikatsbesitzer leihen dem Emittenten Kapital durch den Kauf der Wertpapiere – entweder direkt als Erstbesitzer oder indirekt über den Kauf bei Vorbesitzern an einer Zertifikate- bzw. Anleihen-Börse oder auch außerbörslich. Als Quasi-Gläubiger habe ich dabei im Ernstfall, sollte der Herausgeber Insolvenz anmelden müssen, lediglich Anspruch auf eine anteilige Begleichung aus dem Verkauf des Betriebsvermögens. Last but not least unterscheiden sich Zertifikate und Anleihen vor allem im Hinblick auf die Vielfalt der Produkte am jeweiligen Markt.

stefan

Mein Fazit

Es ist bei derartigen Finanzprodukten nahezu ein ungeschriebenes Gesetz, dass es nicht nur eindeutige Kriterien zur Unterscheidung gibt, sondern in einigen Punkten auch Ähnlichkeiten von hier Zertifikaten und Anleihen offensichtlich werden. Umso ratsamer ist es für Anleger, dass sie sich vorab mit den Risiken und Rendite-Chancen vertraut machen. Diese wiederum haben sich aufgrund der niedrigeren Zinssätze mittlerweile weiter angenähert, als es sich mancher Laie zunächst vorstellen kann. Zertifikate verlangen vielfach ein höheres Risiko, dafür aber können Investoren durch eine gekonnte (oder teils glückliche) Auswahl weitaus höhere Gewinne erreichen als bei Anleihen mit fester Verzinsung und Laufzeit. Auch wenn dies bedeutet, immer wieder nach einem geeigneten Ausstiegs- also Verkaufszeitpunkt zu suchen.