Unterschiede von Zertifikaten und Lebensversicherungen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Wie beim Beispiel der an anderer Stelle thematisierten Anleihen erhalten Anleger heute bei Lebensversicherungen nicht mehr die hohen Jahreszinsen, wie sie viele Verbraucher aus früherer Zeit kennen. Entsprechend sind Zertifikate auch für ehemalige Versicherungs-Anleger heute zum lukrativen „Ersatz“ geworden.
  • Kapitalbildende Policen sind zumeist an den Versicherungsnehmer gebunden, was eine Verkauf kompliziert macht – hier können Zertifikate im direkten Vergleich punkten.
  • Natürlich gibt es auch bei Versicherungen Produkte unterschiedlicher Ausrichtung → gerade fondsgebundene Policen nehmen eine gewisse Ausnahmestellung ein.
  • Während die Zahl der an den weltweit tätigen Zertifikatebörsen gehandelten Produkte konstant wächst, sinkt die Zahl der Policen, die lukrativ scheinen – ohne dass die ohne Wenn und Aber gegen diese Angebote sprechen muss, wenn Anlegern Sicherheit vor Maximalgewinn geht.

Gesunkene Garantiezinsen: ein Grund für den Umstieg auf Zertifikate?

unterschiede zertifikate lebensversicherungenLebensversicherungspolicen waren in früheren Jahren die goldrichtige Variante für alle Anleger, welche die durchaus stattlichen Renditen bei guter Sicherheit als Geldanlage überzeugen konnten. Doch die Zeiten am Kapitalmarkt ändern sich. Zertifikate werden zunehmend zur interessanten Alternative für viele Händler, die früher auf die Angebote der Lebensversicherer vertrauten. Gerade die über Jahre gesenkte Obergrenze für den sogenannten Garantiezins durch den Gesetzgeber wirkt sich negativ auf die Zahl der abgeschlossenen Versicherungsverträge aus. Zumal: Auch die Umsätze und Gewinne der Versicherungsgesellschaften sinken zum Leidwesen der Branche stetig, was sich ebenfalls nicht unbedingt zum Vorteil der Branche auswirkt. Tatsächlich haben Versicherer seit einiger Zeit nichts unversucht gelassen, um ältere Verträge aus Zeiten höherer garantierter Zinsen zu kündigen, um die Belastungen auf diese Weise zu reduzieren.

Hier soll es nun aber weniger um die durchschnittliche „neue“ Police, sondern um den allgemeinen Vergleich Zertifikate vs. Lebensversicherungen gehen. Wie immer gibt es nicht nur Differenzen, sondern durchaus einige Aspekte, die in der Analyse als Parallelen angesehen werden können.

Zertifikate können ohne Personenbindung verkauft werden

Bezug nimmt der Vergleich natürlich in erster Linie auf Produkte aus dem Bereich der kapitalbildenden Lebensversicherungen, deren Vertragsabschluss von Sparern in Deutschland seit Jahrzehnten als guter Ansatz zur Erhaltung des Lebensstandards im Ruhestand bevorzugt wird. Die Policen werden generell und ohne Wenn und Aber personengebunden abgeschlossen. Dies bedeutet: Als Personenversicherung können die Produkte nicht mal eben so auf andere Personen übertragen werden. Der Grund: Das Risiko der Lebensversicherungen ist zwangsläufig an die versicherte Person gebunden, wobei diese nicht unbedingt gleichzeitig der Zahler für die Beiträge sein muss. Diese Bindung betreffend zeigt sich ein eindeutiger Unterschied zu Zertifikaten.

Zertifikate erlauben den Verkauf fast jederzeit, wenn auch nicht immer mit Gewinn

Hier liegt das Risiko schließlich nicht bei den Käufern an sich, auch wenn diese das Emittentenrisiko in Entscheidungen einbeziehen müssen. Faktisch aber existiert immer eine gewisse Nachfrage an den Zertifikate-Börsen oder außerbörslich. Denn hier ist alles eine Frage der Zeit. Lebensversicherungen sind indes an die Versicherten gekoppelt – im Falle einer Risikolebensversicherung zum Beispiel wird kein verfügbares Kapital aufgebaut, sondern nur vom Versicherer ausgezahlt, wenn der versicherte Kunde verstirbt. Der „Profit“ liegt damit bei den gesetzlich erbenden Angehörigen oder anderen vertraglich als Empfänger festgeschriebenen Personen.

Einige Versicherungspolicen auch nach dem Tod auszahlbar

Gewisse Ähnlichkeiten präsentieren sich zwischen den sogenannten fondsgebundenen Lebensversicherungen und Zertifikaten mit Blick auf das Ableben des Besitzers: Die Produkte verfallen nicht im Moment des Todes. Das angesparte Vermögen im Fonds wird im Normalfall an Hinterbliebene ausgezahlt. Zertifikate aus dem Wertpapierdepot gehen ebenfalls in den Besitz der rechtmäßigen Erben über. Und noch eine Parallele gibt es zwischen Fonds-basierten Policen und den meisten Zertifikaten: Auch die Versicherungen im Fondskontext versprechen niemals Garantien hinsichtlich der Versicherungssumme. Wird ein Verkauf vorgenommen, ist der jeweils gültige Tageskurs des Fonds entscheidend für die Wertermittlung. So kann das Fondsvermögen durchaus an Wert einbüßen, wenn Inhalte wie Rentenprodukte oder Aktien in der Zwischenzeit Verluste aufweisen.

Klassische Kapitallebensversicherungen wiederum sehen einen schrittweisen Kapitalaufbau vor, der sich unter Berücksichtigung der vereinbarten Zinssätze langfristig bezahlt macht. Abseits von Garantiezertifikaten und ähnlich gestalteten Produkten gibt es bei Zertifikaten keine solchen Zusicherungen eines Gewinns. Stattdessen gilt: Je höher die anvisierte Rendite, desto risikofreudiger müssen Anleger vorgehen bei der Auswahl der Investitions-Objekte. Das Risiko als solches trägt der Versicherte oder Zertifikate-Anleger.

Zertifikate meist ohne fixe Laufzeit – Policen hingegen mit Mindestlaufzeit

Lebensversicherungen sehen des Weiteren normalerweise Mindestlaufzeiten vor. Dies ist ein klarer Unterschied von Zertifikaten und Lebensversicherungen. Üblich sind Zeiträume von mindestens 12 Jahren, längere Fristen sind nicht selten. Diese Praxis kennen die meisten Investoren an der Zertifikate-Börse nicht. Sie haben zumeist die Möglichkeit, schon am kommenden Tag weiterzuverkaufen, was sie heute erst erworben haben. Kapitallebensversicherungen und Fondspolicen sind mit Verwaltungsgebühren verbunden, was im Zusammenhang mit den wahrscheinlichen Renditen berücksichtigt werden muss. Zertifikate sind ebenfalls nicht kostenlos, können aber ohne Probleme über das ohnehin schon verwendete Bankkonto oder Wertpapierdepot gehandelt werden.

Eindeutige Gewinnaussagen auch bei Lebensversicherungen nicht die Regel

Dass selbst konventionelle Lebensversicherungen nur bedingt zu Beginn Aussagen über die endgültigen Erträge erlauben, liegt am Rendite-Mix aus der normalen Garantieverzinsung und einer Überschussbeteiligung. Während die Zinssätze im ersten Teil wie gesagt über die Jahre immer weiter gesunken sind, fallen auch die zu erwartenden Gewinne der Versicherer längst nicht mehr so üppig aus. Eine näherungsweise realistische Aussage zum Ergebnis der Kapitalbildung ist aber dennoch möglich – eben in Form der Garantiezinsen.

Bis heute gelten deutsche Anleger als große Anhänger von Versicherungen und damit auch – trotz der geringeren Gewinne – von Kapital-Lebensversicherungen und zunehmend von Fondsmodellen. Wenigstens die guten Fonds-basierten Produkte am Markt können vielfach mit den Chancen von Zertifikaten mithalten.

Zertifikate werden an spezialisierten Börsen im Fall der Fälle übrigens durchaus auch auf Angebote aus dem Sektor der Fonds gehandelt – und so gibt es ungeachtet der Unterschiede zwischen Zertifikaten und Lebensversicherungen kleinere Berührungspunkte der Anlageklassen.

Versicherungsnehmer müssen den gesamten Einsatz aufbringen

Nachteil für Versicherungsnehmer: Sie müssen ihren Kapitaleinsatz in voller Höhe selbst aufbringen. Zertifikate haben als indirektes Investment den Vorteil, dass viele Produkte an sich schon relativ günstig angeboten werden. Weiterhin können Anleger bei dieser Art von Finanzderivat nicht nur in zahlreiche verschiedene Modelle wie Knock-out-Zertifikate, Turbo-Zertifikate oder Bonuszertifikate und Garantiezertifikate investieren – sie können auch durch Einsatz des maximalen Hebels oft mit einem Vielfachen ihres tatsächlichen Budgets spekulieren. Natürlich bei sehr unterschiedlichen Risiken. Die angesprochenen Knock-out-Zertifikate etwa sind als sehr spekulativ zu bewerten und in ihrem Emittentenrisiko gewissermaßen mit den vermeintlich sehr riskanten, aber auch sehr rentablen Fonds-Lebensversicherungen vergleichbar.

Höheres Risiko kann sich sehr positiv auf Renditen auswirken

Unterm Strich aber sind Zertifikate als ein Modell der Schuldverschreibung von einem höheren Emittentenrisiko geprägt als viele normale Lebensversicherungen, hinter denen typischerweise große Versicherungsgesellschaften stehen, bei denen eher nicht von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen ist. Bei Fonds-basierten Produkten ist entsprechend der Blick auf die Einzelrisiken der erworbenen Produkte unerlässlich. Durch den Kauf von Zertifikaten großer und renommierter Anbieter aus der Bankenbranche können aber zumindest Totalverluste weitgehend ausgeschlossen werden.

stefan

Mein Fazit

Die Tatsache, dass Versicherungspolicen heute zwar immer noch gewisse garantierte Erträge bringen, diese aber weitaus geringer ausfallen als in der Zeit des großen Booms der Branche, lässt viele Investoren in spe beim Begriff der Zertifikate aufhorchen. Faktisch können beide Produkte je nach Risikobereitschaft und Renditeziel für Anleger von Interesse sein. Entscheidend ist in diesem Fall die genaue Gegenüberstellung aller Vor- und Nachteile sowie gerade der speziellen Merkmale, die börsliche und außerbörslich gehandelte Zertifikatangebote zu einem vielversprechenden Format werden lassen, während die Gruppe der Versicherungs-Sparer nach wie vor nachlässt. Ein Ende dieses Trends ist bis dato eher nicht erkennbar.