Bonus-Zertifikate

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Auch wenn Bonus-Zertifikate in vielen Fällen im Kreise professioneller Händler Verwendung finden, sind sie doch Angebote, die gerade zum Einstieg Chancen bieten → denn so können Investoren auch ohne sehr deutliche Kursgewinne mitunter lohnende Gewinne realisieren
  • Wichtig ist für Anleger eine Übersicht über die Risiken zu erhalten. Denn selbst wenn Herausgeber natürlich vorrangig von den Gewinnmöglichkeiten sprechen, bergen die Produkte doch ein nicht zu unterschätzendes Verlustpotenzial, wenn falsche Entscheidungen getroffen werden
  • Gleich zwei Kursschwellen müssen Händler bei Planung ihrer Positionen im Blick behalten, um eine Vorstellung von den Risiken, insbesondere aber den möglichen Gewinnen zu erhalten

Risiken bei Bonus-Zertifikaten müssen bekannt sein

bonus zertifikateBonus-Zertifikate sind eines der Produkte an Zertifikate-Börsen, das auch Einsteigern und echten Anfängern schon früh über den Weg läuft. Zwar handelt es sich bei vielen Angeboten aus dieser Sparte durchaus um Instrumente mit recht hohem Risiko, aber zu den hoch oder höchst spekulativen Formaten der börslichen und außerbörslichen Märkte gehören die „Zertifikate mit Bonus“ genau genommen noch nicht. Stattdessen bietet sich Investoren im Umfeld der Bonus-Zertifikate vor allem immer dann so manche Gelegenheit, wenn sich der bevorzugte Basiswerte zum besagten Zeitpunkt einer Seitwärtsbewegung befindet – oder der Kurs eventuell sogar einen mehr oder weniger überschaubaren Rückgang erkennen lässt. In solchen Momenten wissen viele Anleger mit Erfahrung zu schätzen, dass es Mittel und Wege gibt, um selbst in solchen Phasen aus Zertifikaten rentable Produkte zu machen.

Dabei profitieren Händler solcher Bonus-Zertifikate umso mehr, wenn sie schon früh eine seitwärts gerichtete Entwicklung des Basiswertkurse erwarten. Gleiches gilt für Umgebungen, in denen zwar gewisse Schwankungen aus den Charts zu lesen sind (Stichwort: Sägezahnbörse), aber innerhalb des Analysezeitraums kein wirklicher Ertrag zu erkennen ist. In genau solchen Marktlagen können Zertifikate aus der „Bonus-Familie“ zur guten Alternative werden.

Welche Eigenschaften weisen solche Bonuszertifikate normalerweise auf?

Produkte dieser Art weisen üblicherweise drei klassische Eigenschaften auf, die wir in den folgenden Abschnitten noch eingehender in Erfahrung bringen werden:

  • Die Produkte zeichnen sich durch eine vorab bekannte, feste Laufzeit aus
  • Sie haben eine untere Kursschwelle
  • Es existiert eine obere Kursbarriere

Kursschwellen als eines der zentralen Vergleichselemente

Nun gilt es zu analysieren, was diese drei wichtigen Fakten für Anleger in positiver wie negativer Hinsicht im Einzelnen bedeuten. Dabei stellen sich Anfänger aus gutem Grund die Frage, welche Rolle im Einzelnen die beiden Kursbarrieren oder ‑schwellen bei der Planung spielen. Der untere Schwellenpreis bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Kurswert, den der Basiswertpreis nicht unterschreiten – genauer gesagt: nicht einmal berühren sollte, damit Zertifikathändler in diesem Fall gewinnbringend agieren können.

Diese untere Kursbarriere wird fachlich auch als „Sicherheitsmarke“ oder „Sicherheitslevel“ tituliert, während die obere Kursmarke berechtigterweise den Titel „Bonuslevel“ trägt. Denn genau darum geht es in diesem Fall: Sofern sich der Kurs des Basiswertes zum Laufzeitende stets (also während der gesamten Laufzeit) über dem unteren Kurswert bewegt, wird Anlegern in diesem Moment ein Bonus gutgeschrieben und ausgezahlt.

Wann genau steuere ich als Käufer in die Gewinnzone?

Wie hoch die Boni genau ausfallen, teilen Emittenten Interessenten vor Beginn der Laufzeit bereits mit. Überraschungen kann es also nicht geben. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Obergrenzen für Kurszugewinne sind an sich nicht gesetzt, sofern sich der Basiswertkurs im Bereich zwischen den beiden Barrieren bewegt – dann nämlich kommt es zu einer 1 : 1-Entwicklung der Zertifikate zum Basiswert selbst. Im Glücksfall können Händler nahezu endlos Gewinne aus den Kursveränderungen realisieren. Erfahrene Händler warnen in diesem Kontext teilweise dafür, Laufzeiten zu lang anzusetzen. Denn aus Sicht der Anleger ergeben sich schon rein statistisch höhere Risiken, dass die Kursbarrieren irgendwann durchbrochen werden. Faktisch fallen die erhöhte Risikobewertungen sogar gravierend aus, weshalb die Planung bewusst erfolgen sollte.

Eine Quasi-Ausnahmestellung unter den Bonus-Zertifikaten nehmen Zertifikate mit einem sogenannten „Cap“ ein. In diesem Bereich sichern sich Herausgeber diesbezüglich ab, dass sie zu Beginn der Laufzeit einen potenziellen Maximalgewinn definieren, um ihre Kosten vorab zu begrenzen. Sind solche Maßnahmen vorgesehen, können indes vielfach deutliche Differenzen zum vereinbarten Sicherheitslevel ausgeschöpft werden.

Funktion des Risikopuffers schützt nicht grundsätzlich vor Verlusten

Als Produkt mit relativ guter Sicherheit für Anleger sind die klassischen Bonus-Zertifikate zwar nicht nur, aber doch gerade bei jenen Investoren beliebt, die sich ohne allzu hohes Risiko einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten an der Zertifikate-Börse machen möchten. Und die Zahl der Interessenten steigt stetig, da viele „normale“ Geldanlagen kaum noch zinsliche Anreize bieten können. Das Spannende: Seiner Funktionsweise nach unterscheidet sich ein typisches Bonus-Zertifikat gar nicht sonderlich von anderen Produkte aus diesem Bereich des Finanzmarktes.

Wie in vielen Bereichen des Marktes und der Zertifikatbörsen braucht es zunächst einen Basiswert, auf den bzw. auf dessen Kurs sich das jeweilige Zertifikat bezieht. Einmal wieder sind vor allem Aktien und Index-Werte sehr beliebte Grundlagen. Nur dass hier die erwähnten Risiko- und Sicherheitsschwellen im Mittelpunkt stehen, welche übrigens auch „Risikopuffer“ genannt werden.

Als Beispiel kann ein Bonus-Zertifikat wie folgt aussehen:

Das Zertifikat-Produkt x wird auf die Aktie Y ausgegeben. Das Instrument hat aktuell einen Kurs von 100 Euro. Der Emittent offeriert Anlegern in spe nun ein Zertifikat mit einer Bonusschwelle bei einem Kurswert von 110 Euro und eine Sicherheitsmarke von 90 Euro. Nach der Entscheidung für den Kauf eines solchen Angebots sind im Grunde mehrere Entwicklungen denkbar.

  1. Entwicklung für die Kursentwicklung des Bonuszertifikat:
    Der Kurs der installierten Sicherheitsschwelle (in diesem Fall also der Wert von 90 Euro) wird weder zu einem Zeitpunkt während der Laufzeit noch zum Verfall der Option unterschritten. In dieser Situation würde dem betreffenden Anleger am Ende der Laufzeit der Bonus-Kurs von 110 Euro ausgezahlt.
  1. Entwicklungsmöglichkeit für den Bonuszertifikat-Kurs:
    Muss der Anleger miterleben, dass der Kurs der zugrundeliegenden Aktie unter die Schwelle von 90 Euro sinkt, entfällt der Absicherungsmechanismus des Bonus-Zertifikats. Die Folge ist bei einem solchen Szenario, dass „lediglich“ der Kurs für das Produkt ausgezahlt wird, zu dem die Aktie als Basis des Zertifikats zum Laufzeitende gehandelt wird. Denkbar ist, dass der ausgezahlte Kurse durchaus deutlich unter der Sicherheitsschwelle notiert.
  1. Entwicklungsmöglichkeit für den Kurs des Bonuszertifikats:
    Die dritte mögliche Entwicklung des Basiswertkurses wäre ein Anstieg des Aktienpreises auf ein Niveau, das mehr oder weniger deutlich über dem festgelegten Bonuslevel angesiedelt ist – zur Freude der Anleger. Denn bei Bonus-Zertifikaten klassischer Ausrichtung werden keine Cap-Marken eingerichtet (also keine Gewinn-Obergrenzen, die zulasten der Investoren gehen würden). Dies bedeutet im Klartext, dass der erreichte Kurs ausgezahlt wird, ganz gleich, in welchem Umfang der Preis seit Beginn der Laufzeit gestiegen sein mag.

Selbst ohne Kursplus kommen Gewinne infrage

Gewisse Risiken und Gefahren existieren trotz guter Rendite-Chancen unter vergleichsweise sicheren Handelsbedingungen natürlich auch im Sektor der Bonus-Zertifikate. Denn Garantien für ein Plus auf dem Handelskonto gibt es am Markt leider eher nicht. Dies verbindet Zertifikate dieser „Bauart“ letzten Endes mit allen anderen Finanzprodukten, denn eindrucksvolle Gewinne ganz ohne Verlustrisiken gibt es am internationalen Finanzmarkt nun einmal nicht. Der wohl eindeutigste Vorteile eines Bonus-Zertifikat-Produkts ist darin zu sehen, dass in diesem Umfeld des Marktes eben nicht nur dann Gewinne erreicht werden können, wenn die Kurse steigen.

Bei Seitwärtsentwicklungen ebenfalls von Interesse

In Seitwärtsbewegungen sind Anleger in vielen Marktsparten eher aufgeschmissen, wenn sie nach Anlagemöglichkeiten Ausschau halten. Bonus-Zertifikate sind ideal, um auch in diesen Momenten Renditen mitzunehmen – wenigstens so lange, wie es nicht zu einer dramatischen Trendwende und, damit verbunden, zu akuten Einbrüchen der Kurse gibt. Pluspunkt zwei ist ohne Frage die meist fehlende Deckelung des realisierbaren Gewinns. Dank des Verzichts auf einen Cap (Ausnahmen sind „Capped-Bonus-Zertifikate“) können unbegrenzt hohe Gewinne erreicht werden – zumindest in der Theorie.

Emittenten-Insolvenz bedroht Geld der Anleger auch hier

Das Hauptrisiko besteht wiederum darin, dass das Sicherheitslevel bei deutlich sinkenden Kursen seine Schutzwirkung nicht mehr entfalten kann, weil die Kurse weiter fallen. Kommt es zum schlimmstmöglichen Szenario, also im Grunde der „Insolvenz“ eines Basiswerts, sind Totalverluste nicht auszuschließen. Übrigens nicht allein im Hinblick auf das Kursrisiko: Bezüglich der Risiken muss nochmals auch das Emittentenrisiko erwähnt werden. So kann nicht nur der gehandelte Basiswert zu einem vollständigen Verlust führen, auch die wirtschaftliche Schieflage des Herausgebers kann einen Komplettausfall nach sich ziehen. Kein Risiko, aber doch aus Sicht manches Anlegers ein Nachteil der Bonus-Zertifikate ist die Tatsache, dass Händler in diesem Fall keine Dividende kassieren können.

Eine positive Beeinflussung der Produkt-Performance auf diesem Wege ist also nicht möglich. Indes: Nur weil die Dividendenzahlungen ausbleiben und der Emittent diese für sich behält, sind Bonus-Zertifikate und die Sicherheitsbedingungen meist überhaupt nur finanzierbar.

Klare Angaben der Händler zur Festlegung der Kursbarrieren

Interessant ist letzten Endes für Anfänger im Bereich des Zertifikathandels, welches Ausmaß die Bonusschwellen haben können. Ein Marktvergleich offenbart, dass die typischen Grenzwerte im Rahmen von etwa 10,00 bis maximal 20,00 Prozent des jeweiligen aktuellen Kurses des Basiswertes anzutreffen sind. Bei einem Basiswert-Kurs von 100 Euro würde sich die Bonusschwelle also meist irgendwo im Bereich von 110 und 120 Euro zu finden sein. 10 bis 20 Euro würden beim Beispiel also im Gewinnfall realisiert werden. Natürlich lohnt sich gerade mit Blick auf diesen Aspekt der Bonuszertifikate ein gezielter Vergleich diverser Angebote, eben weil Emittenten die Freiheiten bei der Produktgestaltung nur allzu gerne für sich nutzen.

Handel außerhalb der Börsenplätze lockt mit günstigen Konditionen

Ein Vorzug, der im Sinne der potenziellen Anleger ebenfalls Erwähnung finden muss, ist der außerbörsliche Handelsweg, über den Bonus-Zertifikate vielfach offeriert werden. Dies hat zur Folge, dass die Ordergebühren in aller Regel merklich unter den Kosten liegen, die beim direkten, börslichen Kauf von Aktien zu erwarten wären. Wähle ich nun auch ein Produkt aus, das eher von einem geringen Insolvenzrisiko gekennzeichnet ist, stehen die Chancen gut, dass das gehandelte Bonus-Zertifikat bei relativ geringem Risiko zu einem ansehnlichen Gewinn führen wird. Je nach Marktlage können sich diesbezüglich auch die speziellen „Reverse-Bonus-Zertifikate“ für Investoren bezahlt machen. Wie der Name schon vermuten lässt, funktionieren Angebote dieser Art genau andersherum als normale Bonus-Zertifikate.

Sinken die Kurse, sind die Angebote besonders beliebt

Der Unterschied: Anleger erreichen ihren Profit vorrangig in Phasen fallender Basiswertkurse – ebenfalls mitsamt Bonus- und Sicherheitsschwelle, nur dient die Sicherheitsmarke in diesem besonderen Fall als Absicherung gegen steigende Kurse. Inwieweit Bonus-Zertifikate nun wirklich zur idealen Anlagevariante werden, entscheiden Anleger – wie eigentlich immer – durch das Definieren der erhofften Renditen und der eigenen Bereitschaft, beim Spekulieren an der Zertifikate-Börse Risiken einzugehen. Nur so findet man schließlich den geeigneten Basiswert, der ausreichend Potenzial erkennen lässt, ohne dass ein zu hohes Risiko eingegangen werden muss.

stefan

Mein Fazit

Der Begriff Bonus begegnet Anleger inzwischen ständig am Finanzmarkt. Dieser Terminus sollte allerdings niemals überbewertet werden. Zwar bieten die Produkte bei einem Kursaufenthalt ausschließlich innerhalb der beiden Kursschwellen gute Erfolgsaussichten. Eine genaue Angebotsauswahl aus den Portfolios der Emittenten braucht es dennoch. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bonushöhen variieren und die Risiken bezüglich möglicher Verluste von Zertifikat zu Zertifikat recht unterschiedlich aussehen können. Dass die Frage nach der Herausgeber-Bonität zur Sprache kommen muss, versteht sich einmal mehr von selbst. Wer Kursbewegungen jedoch praxisnah vorhersagen kann, sichert sich in diesem Sektor der Zertifikatbörsen regelmäßig sehr interessante Konditionen bei mitunter recht gut kalkulierbaren Gefahren fürs investierte Kapital.

Autor: Agnes Nitsche